DUESSELDORF, NRW - OCTOBER 07: Philipp Lahm attends the stadium during a training session of the German National team at the LTU Arena on October 7, 2008 in Duesseldorf, Germany (Photo by Markus Gilliar-Pool/Bongarts/Getty Images)

Der Durchbruch des Philipp Lahm

Die Ausbildungsjahre

Im Rahmen unser Lahm-Retrospektive soll in diesem Artikel der Beginn der Profi-Karriere von Philipp Lahm und sein Durchbruch auf nationaler und internationaler Ebene beleuchtet werden. Dabei steht einerseits sein Wechsel der bekleideten Positionen als auch seine Entwicklung als Führungsspieler in diesen jungen Jahren im Fokus.

Als Philipp Lahm am 18.02.2004 im Spiel gegen Kroatien für die deutsche Nationalmannschaft debütierte, tat er dies als Linksverteidiger und somit auf einer Position, die er gerade einmal 5 Monate zuvor erstmals bekleidet hatte.

Dieses Debüt, bei dem er diese Rolle wie selbstverständlich auf höchstem Niveau ausfüllte, markiert zugleich den Beginn einer im deutschen Fußball – dem es in seiner Historie an herausragenden Spielerpersönlichkeiten nun wirklich nicht mangelt – ungeahnten und höchstens auf der Position des Liberos durch Franz Beckenbauer parallelisierten Dominanz. Aufgrund des bisweilen abyssalen Niveauunterschieds im Vergleich zu seinen Mitbewerbern, blieb Philipp Lahm bis zu seinem Karriereende derart unumstritten, dass sein größter Konkurrent für ihn als Linker Verteidiger er selbst in seiner Funktion als Rechter Verteidiger war und umgekehrt. Und es gehört nicht allzu viel Phantasie dazu, seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und sein deliberates Karriereende nicht automatisch mit dem Ende dieser Dominanz gleichzusetzen: Wer würde bezweifeln, dass Philipp Lahm mindestens bis zur WM 2018 noch Deutschlands erste Wahl sowohl als Linker wie als Rechter Verteidiger geblieben wäre?

Im Grunde ist damit schon fast alles über die exponierte Stellung Lahms in der Fußballhistorie gesagt, und nicht wenigen mag es redundant erscheinen, angesichts der allgegenwärtigen Lobpreisungen, die ihm anlässlich seines Karriereendes nun zuteilwerden, eine weitere Würdigung dieses herausragenden Fußballers zu schreiben. Allein, es ist meine Überzeugung, dass Philipp Lahm trotz allem bislang noch nicht adäquat gewürdigt wird, und es ist zu befürchten, dass in Zukunft keine Besserung dieses Zustandes zu erwarten ist. So ist Philipp Lahm z.B. in all den Jahren von den Journalisten nicht ein einziges Mal zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekürt worden (sein bestes Resultat war ein 2. Platz in seiner ersten Saison 2004 hinter Ailton) und steht damit nicht nur deutlich im Schatten von Größen wie Beckenbauer (4x) oder Ballack (3x), sondern auch hinter Spielern wie Marco Reus oder Grafite, die alle während Lahms Karriere Fußballer des Jahres wurden. Natürlich sind Offensivspieler bei solchen Ehrungen im Vorteil, aber gleichwohl wurde dem Abwehrspieler Berti Vogts diese Ehre sogar zweimal zuteil, und von Karl-Heinz Förster bis Jérôme Boateng gab es immer wieder Verteidiger, die ausgezeichnet wurden.

Von der Sorge beseelt, dass Philipp Lahm in 20-30 Jahren nur noch über YouTube-Schnipsel als Torschütze gegen Costa Rica oder als Ein-Mann-Mauer gegen Cristiano Ronaldo in Erinnerung bleiben und in geradezu geschichtsrevisionistischer Manier spektakulären Dribbelkönigen oder Scorern auf den Außenbahnen nachgeordnet werden könnte, soll dieser Artikel die erste Karrierehälfte Philipp Lahms kontextualisieren und exemplarisch beleuchten. Dass eine Analyse Lahms zugleich immer auch eine Würdigung darstellt, ist dabei unvermeidlich.

Der Umstand, dass Philipp Lahm über 1 ½ Dekaden derart unangefochten Deutschlands bester Außenverteidiger war, ist natürlich nicht ausschließlich mit seiner Exzellenz zu erklären, sondern basiert auf dem Zusammentreffen diverser Faktoren. Zum einen erlebte der deutsche Fußball um die Jahrtausendwende seine bis heute tiefste Krise.

Das Angebot an Spielern von internationalem Niveau war so überschaubar, dass nicht nur einem herausragenden Talent wie Philipp Lahm ein frühzeitigerer Sprung auf internationales Parkett ermöglicht wurde, als dies in anderen Ländern oder in Deutschland zu anderen Zeiten wahrscheinlich gewesen wäre; auch deutlich weniger talentierten Fußballern wie Lukas Podolski oder Per Mertesacker gelang es in jenen Jahren, sich früh durchzusetzen und in jungen Jahren mit einem Stammplatz in der Nationalmannschaft den Grundstock für eine langwährende Karriere zu legen.

Zwei Bereiche lagen im deutschen Fußball besonders im Argen: Das Verteidigen in der Viererkette und die fußballerische Kreativität, was sich vor allem in einer weitgehenden Unfähigkeit, offensive Zweikämpfe – sogenannte Eins-gegen-Eins-Situationen – für sich zu entscheiden oder überhaupt erst einzugehen, äußerte. In beiden Bereichen stellte Philipp Lahm zu Beginn seiner Karriere einen Quantensprung im Vergleich zu den etablierten Kräften dar, obwohl diese nicht einmal unbedingt zu seinen genuinen Stärken gehörten, wie sich herausstellen sollte. Aber der Reihe nach:

Lahm als Nachwuchsspieler 2001-2003

Lahm spielte seit seinem 11. Lebensjahr beim FC Bayern und profitierte dabei von einer entgegen dem landläufigen Ruf guten und relativ fortschrittlichen Ausbildung. 1995 wurde die Jugendabteilung umstrukturiert und mit dem „Junior Team“ zugleich ein für sämtliche Jugendmannschaften einheitliches Spielsystem installiert. In diesem Zuge etablierte sich allmählich auch bereits die Viererkette, und zwar noch deutlich bevor diese sich bei den Profis durchzusetzen begann. Zwar spielte Lahm in den Jugendmannschaften im Mittelfeld, vorzugsweise als 8er bzw. „defensiver Mittelfeldspieler mit etwas Spielraum nach vorne“ (wie er es selbst ausdrückt), und erlebte insofern keine grundlegende Ausbildung als Glied einer Abwehrkette; aber es ist dennoch nicht unerheblich, schon als Kind/Jugendlicher dieses System kennengelernt zu haben, auch ohne tatsächlich darin aufgewachsen zu sein.

Man darf nicht vergessen, dass in Deutschland die Umstellung zur Viererkette zunächst mit Spielern vorgenommen werden musste, die noch mit Manndeckung und Libero aufgewachsen waren. Dieser Umstand war auch nicht zu übersehen. Die EM 2004 war das erste Turnier, bei dem die deutsche Nationalmannschaft durchgängig mit einer Abwehrkette agierte; allerdings eben noch mit Innenverteidigern wie Nowotny und Wörns, die in ihrer taktischen Grunddisposition Welten entfernt waren von Innenverteidigern moderner Prägung und in Drucksituationen immer wieder auf gewohnte Manndecker/Libero-Muster zurückgriffen. Nicht umsonst setzte Jürgen Klinsmann als Nationaltrainer vor allem im Abwehrbereich dann ganz bewusst auf eine neue Generation. Auf Spieler, die dieses System bereits in der Jugend (Mertesacker unter Slomka/Rangnick bei Hannover 96, Huth beim FC Chelsea) verinnerlicht hatten. Philipp Lahm musste gerade zu Beginn seiner Karriere mit beiden Innenverteidiger-Typen spielen. Aufgrund seiner ihm eigenen Spielintelligenz, gelang es ihm scheinbar mühelos, sich diesen fundamental unterschiedlichen Mitspielertypen in der Viererkette jeweils anzupassen.

Es ist zwar unwahrscheinlich, dass sich Lahms Polyvalenz ursächlich darauf zurückführen ließe, aber das Credo Udo Bassemirs, des damaligen Leiters der Jugendabteilung des FCB, die Spieler nicht zu früh auf einzelne Positionen festzulegen, sondern sie auf zumindest zwei verschiedenen Positionen auszubilden, war seinem Werdegang sicher nicht abträglich. Noch bei der U19-EM 2002, wo er mit Deutschland das Finale erreichte (0:1 gegen Spanien, Torschütze Fernando Torres), fungierte er als Mittelfeldspieler. Erst unter Hermann Gerland bei den Amateuren wurde er durchgängig als Rechter Verteidiger eingesetzt. Auf dieser Position gelang es ihm erstmals, sich in entscheidendem Maße von seinen Altersgenossen abzuheben.

U-19 EM Qualifikationsspiel gemeinsam mit Mike Hanke und Piotr Trochowski
(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Natürlich war er auch schon ein integraler Bestandteil der FCB-Mannschaften, die 2001 & 2002 Deutscher A-Jugendmeister wurden. Er war Jugendnationalspieler und galt als überaus talentiert; allerdings stand er als Mittelfeldspieler dennoch im Schatten anderer Spieler, was gleichermaßen für den Verein wie für die DFB-Auswahl galt. So wurde Lahm im EM-Finale der U19 beispielsweise nur eingewechselt (zusammen mit David Odonkor), und im Verein wurde Spielern wie Trochowski, Schweinsteiger oder Feulner eher zugetraut, sich direkt bei den Profis durchzusetzen.

Als Rechter Verteidiger aber überzeugte Lahm bei den Amateuren in eben jener Konstanz, die ihn bis heute auszeichnet. Dennoch gelang es ihm nicht, sich nachhaltig für Bayerns Profi-Mannschaft zu empfehlen. Einerseits war seine Position mit dem damals noch recht jungen Willy Sagnol auf absehbare Zeit blockiert, andererseits erweckte Lahm mit seiner Statur nicht den Eindruck, als würde er sich physisch im Bundesliga-Geschäft behaupten können. Es ist Hermann Gerland, der ein drittes Jahr bei den Amateuren für Lahm für verschenkte Zeit hielt, zu verdanken, dass er sich aus dieser potentiellen Sackgasse befreien konnte. Gerland empfahl ihn Felix Magath, der damals beim VfB Stuttgart mit sogenannten „Jungen Wilden“ wie Kuranyi, Hleb u.a. für Furore sorgte, als Backup für Andreas Hinkel. So wurde Lahm für zwei Jahre an den VfB Stuttgart verliehen.

Leihe nach Stuttgart 2003-2005

Ab dem 6. Spieltag, als er gegen Borussia Dortmund sein Startelfdebüt feierte, war Philipp Lahm Stammspieler und aus der Startformation nicht mehr wegzudenken. Ein Szenario, das sich nur 5 Monate später bei der Nationalelf wiederholen sollte. Hatte er beim VfB Stuttgart noch die eigentliche LV-Stammkraft Heiko Gerber verdrängt, musste er in der Nationalmannschaft auf der linken Seite im Grunde nur ein bestehendes Vakuum füllen, da diese Abwehrseite zuvor von Spielern wie Tobias Rau oder Christian Rahn nur wenig zufriedenstellend besetzt worden war. Lahm konnte mühelos seine in der Regionalliga gezeigte Spielweise sowohl in der Bundesliga als auch in der Nationalelf in gleicher Qualität abrufen. In einer Weise, dass man sich wunderte, warum man nicht schon längst zuvor auf diese Idee gekommen war. Denjenigen, die sich heute kaum noch vorstellen können, dass ein Philipp Lahm einst nur Backup für Heiko Gerber war, sei gesagt: Das konnte man sich schon Ende 2003 kaum noch vorstellen.

Ursächlich für den nahtlosen Übergang von Regionalliga zur Bundesliga war, dass Lahms Leistungen in der Jugend und bei den Amateuren, mit denen er sich von der Masse abhob, anders als bei vielen Altersgenossen nicht auf Attributen basierten, die sich beim Sprung zum Profibereich allzu schnell nivellieren: Sein Spiel beruhte weder darauf, seine Gegenspieler auf den Flügeln permanent übersprinten zu müssen, noch gewann er etwa seine Zweikämpfe aufgrund einer überragenden Physis. Er verfügte mit exzellenter Ballbehandlung, Passgenauigkeit, schneller Auffassungsgabe und hoher Spielintelligenz über Fähigkeiten, auf deren Gültigkeit er sich – trotz der dort weitaus höheren Geschwindigkeit – im Profibereich genauso verlassen konnte wie eh und je. Und so mag er als Amateurspieler auf Beobachter noch nicht zwingend wie ein Spieler von Weltformat gewirkt haben, der vom Niveau der Regionalliga gnadenlos unterfordert gewesen wäre. Gerade weil seine Überlegenheit aufgrund seines Spielstils nicht in plakativer Weise für jedermann offenkundig war, wie das z.B. beim 17-Jährigen Ronaldo in der Eredivisie der Fall war. Aber einmal dort angelangt, gelang Philipp Lahm der Sprung in den Profifußball mühelos, da er seine Spielweise kaum umstellen musste und er einfach nur das umsetzen musste, was ihn ohnehin auszeichnete; auf einer ihm unbekannten Position, wohlgemerkt. Denn bis zu seinem Profidebüt auf der linken Seite hatte er dort vorher noch nie gespielt. Weder in der Jugend noch als Amateur in der Regionalliga. In seinem erst 3. Einsatz als Linksverteidiger überhaupt, durfte er sich am 1.10.2003 in der Champions League, beim 2:1-Sieg über Manchester United, im direkten Duell gegen Cristiano Ronaldo behaupten, was ihm mit Bravour gelang.

Philipp Lahm während seiner Leihe im Stuttgater Trikot
(Foto: Friedemann Vogel / Bongarts / Getty Images)

Wurde er in Interviews darauf angesprochen, dass er als Rechtsfuß ja eigentlich auf der „falschen“ Seite eingesetzt würde, spielte er die Bedeutung dieses Umstandes herunter, da „links genauso wie rechts sei, nur auf der anderen Seite“. Dies sollte er später revidieren, als er beim FC Bayern auf die Position des Rechten Verteidigers zu wechseln suchte und dies vor allem dadurch argumentativ unterfütterte, dass er als Rechtsfuß auf der linken Seite leichter auszuspielen sei, weil man mit dem rechten Fuß schlechter die Linie verteidigen könne.

Aber zunächst einmal war er schlicht froh, den Sprung zum Profi geschafft zu haben und weit davon entfernt, irgendwelche Ansprüche zu stellen. Sich Dinge zuzutrauen und einfach zu machen, anstatt die persönliche Eignung zu hinterfragen, ist kennzeichnend für Lahms erste Jahre als Profi. Von seiner Persönlichkeitsstruktur her ist er prinzipiell niemand, der offensiv Forderungen stellt, aber wenn sich Gelegenheiten bieten, will er sich nicht vorwerfen lassen müssen, diese nicht genutzt zu haben. Das gilt für die Gelegenheit, auf ungewohnter Position in die erste Mannschaft zu rücken, ebenso wie Jahre später für die Möglichkeit, die Kapitänsbinde der Nationalmannschaft zu behaupten.

Generell waren die Anfänge seiner Profilaufbahn davon geprägt, relativ wenige Vorgaben zu haben und sich weitestgehend selbst überlassen zu sein. Lahm wurde ins kalte Wasser geworfen, die Zeit für Reflexion und taktische Erwägungen sollte erst noch kommen. Von Felix Magath war nicht viel mehr zu erfahren als eine sehr grobe Beschreibung seines Aufgabenprofils, das vor allem darin bestand, „die Seite dicht“ und – wenn möglich – „Druck über die Außenbahn zu machen“. Dass dies in der Nationalmannschaft unter Rudi Völler nicht viel anders, sondern taktisch eher noch harmloser war, beschreibt Lahm in seinem Buch. Man merkt, dass er in der Ausbildung bei Bayern München taktisch anspruchsvolleres Training gewohnt war. Kaum auszudenken, was für einen Spieler wie Lahm möglich gewesen wäre, hätte er in jungen Profijahren schon einen Trainer gehabt, der ihm klar und präzise hätte aufzeigen können, was die konkreten Anforderungen an ihn auf dem Platz sind. Lahm war immer ein lernwilliger Spieler, aber in den ersten Jahren fehlte es an dem entsprechenden Input, um ihn seine ungewohnte Position von Grund auf „erlernen“ zu lassen.

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Leserkommentare
  1. wipf1953

    Ein sehr sehr guter Artikel, chapeau. Da liest man selbst Tag für Tag alles über seinen Verein, und trotzdem findet man im Artikel einiges Neues.

    Zwei kurze Anmerkungen:

    Zu Saisonbeginn 2007/2008 hatten die Bayern Ribery, Klose und Toni verpflichtet. Das dürfte schon ein Argument für Lahm gewesen sein, zu bleiben. Interessant ist, dass Lahm dann im Frühjahr 2008 seinen Vertrag exakt zu der Zeit verlängert hatte, als klar war dass Jürgen Klinsmann neuer Bayerntrainer würde. Das genaue Verhältnis von Lahm zu Klinsmann kann ich nicht beurteilen; wenig später hat Lahm jedenfalls negativ über Klinsmann geschrieben. Aber vielleicht hat er sich damals bei seiner Vertragsverlängerung ein wenig vom allgemeinen Hype blenden lassen.

    2007, 2008 war die linke Seite der Bayern jedenfalls in der Bundesliga das Nonplusultra. Ribery, Ze Roberto und dahinter Lahm. Da gab es kaum Argumente, dass er auf die rechte Seite hätte wechseln sollen.

    1. chicago_bastard

      Ich hab es auch so in Erinnerung, dass Lahm in der Saison 2007/08 anders als im Artikel beschrieben größtenteils links spielte. Lell war damals Stammspieler auf rechts während Lahm wie Du sagst eine erfolgreiche Achse mit Ze Roberto und Ribery auf links bildete. Seine erste Saison als Rechtsverteidiger spielte er erst in der Saison 2009/10.

  2. Josef

    Wow: ganz große Schreibe!
    Langsam realisiert man erst, welcher Abgang hier bevor steht. Es schmerzt.

  3. chicago_bastard

    Aus der Zeit als Lahm erstmals forderte auf die rechte Seite zu wechseln ist mir noch folgendes Zitat in Erinnerung:

    “Die Ansicht, dass er ein guter Rechtsverteidiger ist, hat der Philipp exklusiv.” (Uli Hoeneß)

    Lass ich mal so stehen.

    1. Josef

      Das ist richtig.
      Es gab aber auch eine Phase, in der Lahm das genauso so sich als Linksverteidiger stärker sah.
      Seine Einschätzung was die richtige Position ist wechselte doch ebenfalls recht häufig. Und für mich ist (war) da lange kein roter Faden sichtbar.

      1. Max

        Gab ja auch eine Zeit wo er unbedingt ins Mittelfeld wechseln wollte. Da wäre er auch gut aufgehoben gewesen und ggf. besser als andere, aber die Alternativen als Außenverteidiger waren eben schlechter. Die Frage ist halt ob die Qualitätserhöhung auf einer Position (z.B. Lahm als RV oder Mittelfeld) insgesamt besser ist als die Qualitätsminderung auf der freiwerdenden Position. Für die Entscheidung ist nunmal der Trainer zuständig und nicht der Spieler. Klonen geht halt leider nicht.

        Interessant wäre auch mal welches Duo besser war. Lahm+Ribery vs Lahm+Robben (und als Quervergleich vllt noch Alaba+Ribery) zu den besten Zeiten.

    2. Marco05

      Die Wahrnehmung damals war ja – um das UH-Zitat mal aufzugreifen – dass Lahm zusammen mit Ribéry auf links die “weltbeste” linke Seite bildete, während das rechts nicht der Fall war. Die Argumentation von rechts allerdings bessere Flanken (von der Grundlinie) bringen zu können hat auch nicht gezogen, da das Flanken an sich bei weitem nicht in der Güteklasse wie seine restlichen Fähigkeiten (abgesehen vom Torschuß) vorhanden war. Insofern war er rechts quasi verschenkt und ohne kongenialen Partner vorne in der Wahrnehmung nur ein Durchschnittsverteidiger.

      Soweit ich mich erinnere sah sich Lahm selbst schon lieber auf der rechten Seite, hatte jedoch kaum Argumente das durchzusetzen. Unglücklich war, dass beie AV-Positionen quasi vakant waren, da immer die Lahm-ferne Seite nicht qualitativ hochwertig besetzt war.

      1. chicago_bastard

        Ja, da musste erst der Sturkopf van Gaal kommen, der ihn als erster konsequent als Rechtsverteidiger sah. Dazu natürlich mit Robben das lange ersehnte Pendant zu Ribery.

        Als van Gaal weg war wollte der Verein Lahm lustigerweise wieder nach links verschieben, für die rechte Seite holte man Rafinha als vermeintliche Stammkraft. Erst als sich dieser nicht als die erhoffte Größe entpuppte und auf links plötzlich Alaba einen Sprung machte durfte Lahm wieder nach rechts. Aber das wird im zweiten Teil der Artikelserie sicher noch genauer erörtert.

    3. wipf1953

      Nö, CB, nicht “so stehen lassen”. Die Geschichte geht ja noch weiter:

      Auch bei der WM 2010 hatte Philipp Lahm dann m.W. ausschließlich Rechtsverteidiger gespielt.

      Alles änderte sich allerdings, als Hoeness sein “Trauma” van Gaal im Frühjahr 2011 endlich losgeworden war und Heynckes neuer Coach wurde:

      – Die Bayern kauften als allererstes den Rechtsverteidiger Rafinha. Den van Gaal ja nicht gewollt hatte (der hatte auf Lahm rechts und auf Alaba und Contento links gesetzt).
      – Sodann verkündeten die Bayern, Lahm selbst und – wenn ich mich richtig erinnere – auch der Bundesjogi unisono, dass Lahm wieder links spielen würde.
      – Die “Instanz himself”, Franz B., kommentierte dies mit den Worten: Auf links hat der Philipp seine besten Spiele gemacht.

      Die Bayern würgten sich dann durch die Saison 2011/2012 und verloren z.B. im Frühjahr 2012 in Leverkusen 0:2. Ebenso unterlag man im CL-Achtelfinal-Hinspiel in der Fußballmetropole Basel mit 0:1. Es wurde daraufhin van Gaals Idee wiederbelebt, mit Lahm auf rechts und Alaba – der in dieser Saison zu Bayern zurückgekehrt und lediglich im Mittelfeld gespielt hatte – wurde linker Verteidiger. Daraufhin gewann Bayern gegen Hoffenheim 7:1 und gegen Basel 7:0 ..

  4. Dingens

    Moin
    Super, Danke! Freue mich schon auf den nächsten Teil!
    Grüße
    Der Dingens

  5. Done

    “…auf der Position des Liberos durch Franz Beckenbauer parallelisierten Dominanz. Aufgrund des bisweilen abyssalen Niveauunterschieds im Vergleich zu seinen Mitbewerbern, blieb Philipp Lahm bis zu seinem Karriereende derart unumstritten, dass sein größter Konkurrent für ihn…”

    Parallelisierte Dominanz und abyssaler Niveauunterschied?
    Ist der Verfasser als Kind in einen Neologismentopf gefallen? Man kanns auch übertreiben.

    1. Thomas

      Abyss war, glaube ich, der Abgrund. Folglich wäre “abyssal” abgrundtief. (Aus dem Englischen kenne ich nur “abysmal”.)

      Den abgrundtiefen Unterschied verstehen Fußballer sofort, allerdings betont das gedrechselte Fremdwort die hohe Bildung des Autors …

      Das Sprachbild von der “nebeneinander liegenden Beherrschung” hingegen ist reines Wortgeklingel. Hört sich gebildet an, sagt aber nichts aus. —

      Ein klitzekleiner Wermutstropfen im Glas Wein. Danke für den ausführlichen Artikel :-)

  6. Roland Wohlfarth

    Sensationeller Artikel über einen sensationellen Spieler. Sticht angenehm aus der Masse der “Mach´s gut Philipp” Artikel, die ja am Wochenende in jedem überregionalen Qualitätsmedium zu lesen waren sowohl sprachlich als auch inhaltlich heraus. Nur: Irgendwie erwartet man einen zweiten Teil. Auf den warte ich schon seit Tagen. Kommt der noch?

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