FC Bayern München – VfB Stuttgart 4:0 (4:0)

Der Sieg unter der Woche gegen Arsenal FC war eindrucksvoll. Drei Tage später stand wieder das Alltagsgeschäft Bundesliga auf dem Plan. Tabellarisch war es kein Topspiel, allerdings trafen die beiden Mannschaften aufeinander, die sich bisher die meisten Chancen in der Bundesliga herausspielen konnten.

Auch so lesen sich die Zahlen der Stuttgarter gut. Es fehlen nur die Ergebnisse. So ließen sie bis zum Spiel gegen den FC Bayern die viertwenigsten Torschüsse aller Bundesligisten zu. Allerdings waren dies allesamt hochkarätige Chancen für die Gegner. Die Folge sind bisher die meisten Gegentore der Bundesliga – und die drittmeisten der europäischen Top-5 Ligen.

Falls Ihr es verpasst habt:

Pep Guardiola stellte zum 62. Mal in Folge in der Bundesliga um. Lahm und Alonso bekamen trotz anstehender Länderspielpause, an der sie ja bekanntlich nicht teilnehmen, eine Pause. Für sie rückten Vidal und Kimmich in die Aufstellung.

FC Bayern vs. VfB Stuttgart, 07.11.2015
Bayern im 3-2-4-1. Stuttgart zunächtst im 4-2-3-1

Ansonsten war die Grundausrichtung von Pep Guardiola ähnlich offensiv wie beim letzten Bundesligaheimspiel gegen Köln. Robben, Müller, Coman, Costa und Lewandowski standen in der Startelf. Also erneut fünf Offensivspieler. Pep Guardiola merzte somit die etwas defensive Aufstellung gegen Frankfurt wieder aus und ging mehr Risiko. Auf Seiten der Bayern ergab sich so eine 3-2-4-1 Staffelung.

Die Schwaben stellten verletzungsbedingt um, da Harnik sich am vergangen Sonntag gegen Darmstadt am Knie verletzt hatte. Für das zuletzt ergebnistechnisch erfolgreiche 4-3-1-2-System fehlte es im Sturm aber an Alternativen. Alexander Zorniger wechselte daher auf ein 4-2-3-1 um. Mit Schwaab und Gentner auf der Doppel-Sechs. Die rückte nominell nach vorne. Alleinige Sturmspitze war zunächst Werner.

Die Bayern begannen hochkonzentriert und konnten sich in den ersten drei Minuten eine Freistoßchance sowie drei Eckbälle herausarbeiten. Ab dann griffen die ersten Pressingversuche der Stuttgarter. Die Mannschaft von Zorniger erzwang durch gutes Zusetzen gegenüber der Bayernhintermannschaft einen Eckball. Die Variante der Schwaben wird aber so schlecht ausgespielt, dass Vidal den Ball abfangen, Rafinha über Costa den Ball klären kann und sich im Anschluss fast eine Sechs-Bayern-Spieler-gegen-einen-Stuttgarter-Konterchance ergibt. Costa geht ins Risiko, spielt Šunjić aus und legt anschließend auf Robben ab, der mit der Brust einschiebt. Das Tor steht sinnbildlich für den Stuttgarter Fußball unter Zorniger. Die Ansätze sind gut, aber das System ist zu fehleranfällig. Ein Kontertor im eigenen Stadion beim Stand von 0:0 haben die Münchner schon lange nicht mehr erzielt.

Wenig später überladen Müller, Lewandowski und Robben die rechte Angriffseite. Stuttgart war erneut unsortiert und es ergab sich vor dem Tor eine Überzahlsituation der Münchner. Müller legt den Ball im Strafraum klug zurück auf Costa, der trocken ins untere Eck einschieben konnte. Der Treffer hätte aber wegen einer Abseitsstellung von Robben bzw. Lewandowski nicht zählen dürfen.

Mit dem 2:0 war der Wille der Stuttgarter gebrochen. Die Elf von Zorniger zog sich immer weiter zurück. Pressing – vor allem in der Hälfte der Münchner – fand nicht mehr statt. Es ergaben sich eine Vielzahl von Schusschancen, die zum einen nicht konsequent genug zu Ende gespielt oder auch von Tytoń in letzter Sekunde pariert wurden. Ab der 30. Minute schlichen sich beim FC Bayern leichte Fehler ein, die zu den ersten Torschüssen der Stuttgarter führten. Nach einer schlechten Ballannahme von Alaba kann Klein den Ball erobern, dieser dribbelt sich in den Strafraum und legt ab auf Kostić. Dieser trifft die Unterkante der Latte. Die Stuttgarter hatten somit mit dem ersten Torschuss die 100%ige Chance zum Anschluss. Wenig später war es Robben, der an der Seitenlinie retten will, aber den Ball für Werner auflegt. Dessen Schuss im Strafraum geht aber deutlich über das Tor, da er beim Abschluss auch gut von Kimmich und Boateng gestört wird.

Das kleine Lebenszeichen half den Stuttgartern aber nicht, im Gegenteil. Sie versuchten es erneut offensiver und wurden innerhalb von kurzer Zeit zwei Mal überlaufen und vom FC Bayern bestraft. In der 37. Minute war es ein doppelter Doppelpass von Robben und Müller, der die komplette Viererkekette der Stuttgarter aushebelte. Letzterer legt auf Lewandowski zurück. Dieser hat keine Mühe und erzielt sein 14. Saisontreffer und seinen 31. Treffer für die Münchner – genauso viele wie Jürgen Klinsmann. Vier Minuten später ist Coman auf der ballfernen Seite frei und kann aus guten 16 Metern abschließen. Tytoń kann nur abklatschen lassen und über Lewandowski gelang der Ball erneut zu Coman. Dieser flankt auf Vidal, der den Ball aus 50 Zentimetern Abstand an die Latte setzte, doch Müller verwandelt den Abpraller zum 4:0 Halbzeitstand.

Bayern hatte in den ersten 45 Minuten bereits 23 Torschüsse herausspielen können. Die Münchner gewannen auch die Mehrzahl der Zweikämpfe (64%) und hatten 74% Ballbesitz. Stuttgart konnte sich nur selten aus der Umklammerung der Münchner befreien.

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In der Halbzeit gab es zwei Umstellungen. Kostić verließ das Feld. Für ihn kam Hlousek. Auch die Münchner mussten tauschen. Boateng wurde von Benatia ersetzt. Die Stuttgarter stellten etwas um und setzten jetzt in der Defensive auf ein 4-4-2, in dem die Spieler relativ starr die Positionen hielten. Große Löcher wie in der ersten Halbzeit, als immer wieder einzelne Spieler sich aus den Ketten ziehen ließen, kamen nur noch selten vor. Aber wenn, dann wurde es sofort gefährlich. Auf der anderen Seite nahmen die Bayern deutlich Tempo aus der Partie. Die Abschlüsse der Münchner erfolgten eher im Fünf-Minuten-Takt und nicht mehr alle 120 Sekunden. Zudem waren häufiger Fernschüsse zu sehen. Allgemein lebte das Spiel nun mehr von Einzelaktionen als von vorgetragenen Kombinationsspiel.

In der 59. Minute stellte Pep Guardiola um. Für Thomas Müller kam Holger Badstuber. Fortan waren die Münchner im 4-3-3 unterwegs. Benatia tat sich als zentraler Innenverteidiger etwas schwer mit dem schnellen Werner. Nach der Umstellung standen die Münchner aber wieder sehr sicher und erlaubten den Stuttgartern keine Möglichkeiten mehr. Offensiv setzten die Münchner nur noch Nadelstiche, meist nach guten Pässen aus dem Zentrum ergaben sich für Robben und Lewandowski weitere Abschlussmöglichkeiten, die allesamt aber ungenutzt blieben. So siegten die Münchner mit 40-45 Minuten Powerfußball souverän gegen Stuttgart und können mit mindestens fünf Punkten Vorsprung in die letzte Länderspielpause des Jahres gehen.

3 Dinge, die auffielen:

1. Risiko wird erneut belohnt

Nur nicht für Stuttgart. Pep Guardiola riskierte wie gegen Köln viel und bot abermals fünf Offensivspieler auf. Costa, Coman, Müller, Robben und Lewandowski rochierten viel und stellten das Angriffspressing der Schwaben immer wieder vor unlösbare Aufgaben. Durch das aggressive Herausrücken der Stuttgarter öffneten sich immer wieder Räume, die zu 5:6- bzw. 4:5-Situationen aus Gästesicht führten. Die Münchner verstanden es geschickt, diese Situationen zu bespielen. Vor allem beim 3:0 und 4:0 konnte dies gut beobachtet werden, als es Bayern gelang, das Mittelfeld schnell zu überspielen und Stuttgart vollkommen die Ordnung verloren haben. Die Münchner präsentierten sich im Angriffsdrittel als äußerst variabel. Costa, Müller und Robben tauschten immer wieder die Positionen und versuchten durch Läufe in die Spitze, die gegnerische Vierkette auseinanderzuziehen. Mit Erfolg – vier von fünf Offensivspieler waren an mindestens einem Tor direkt beteiligt.

Gleichzeitig konnten die Münchner Abschlusschancen für die Gäste durch die eigene erdrückende Offensivstärke vermeiden. 33 Abschlüsse der Münchner haben schnelles Stuttgarter Umschaltspiel fast nicht möglich gemacht. Lediglich in den Minuten 30-35 hatte die Elf von Zorniger zwei Chancen, wovon eine durch eine Rettungsaktion von Robben eingeleitet wurde. In der Summe waren es aber nur fünf Torschüsse. Die Münchner profitierten von den vielen eigenen Abschlüssen und der Ballsicherheit in den eigenen Reihen. Stuttgart kam dadurch nur selten zu Balleroberungen im Mittelfeld bzw. in der Abwehr und konnte die eigenen zumeist guten Konterangriffe nur selten vortragen. Die Offensive der Bayern war in den ersten 30 Minuten der wichtigste Faktor in der Defensive.

2. Kimmich als beruhigender Faktor

Pep Guardiola verzichtete trotz anstehender Pause auf Xabi Alonso. Für ihn spielte zum zweiten Mal in dieser Saison von Beginn an Joshua Kimmich. Die Entscheidung des Trainers wurde sicherlich noch dadurch begünstigt, dass Kimmich wesentlich pressingresistenter ist als Alonso. Trotz numerischer Unterzahl im Mittelfeld ließ sich Kimmich selten beirren und fand im Spielaufbau fast immer die richtige Lösung. 92% Passquote gegen ein Team, das auf Angriffspressing setzt, ist ein sehr guter Wert. Mit 126 Ballaktionen war Kimmich der Dreh- und Angelpunkt im Münchner Spiel. Die unaufgeregte Art, wie sich Kimmich einbringt, ist beachtenswert und zugleich ist es beruhigend zu sehen, dass Guardiola viele Optionen im Mittelfeld hat und Alonso gezielt Pausen geben kann, zumal Kimmich dank seiner Anlagen eine gute Alternative darstellte. Dieser zahlte das Vertrauen des Trainers mit einer ansprechenden Leistung zurück, obwohl er zuletzt nur zu vereinzelten Kurzeinsätzen gekommen war.

3. Robben verändert das Spiel von Lewandowski

Durch die vermehrten Einsatzzeiten von Arjen Robben verlagert sich der Fokus in der Offensive wieder ein Stück weit weg von Robert Lewandowski. Der Pole hatte in diesem Spiel ‘nur’ sieben Torschüsse. Arjen Robben hatte zwei mehr. Ohne Arjen Robben war das Spiel der Münchner stärker auf den Polen zugeschnitten. Meist war es Costa, der von der Außenbahn den Ball in die Mitte spielte, oder Müller, der als verkappter 10er Lewandowski in Szene setzte. Diese Art Chancen zu erspielen war in den letzten beiden Bundesligaspielen kaum zu sehen, da Robben öfter den eigenen Abschluss sucht als Costa, Coman oder mit Abstrichen Müller. Robben alleine verzeichnete neun Torversuche, wovon aber nur drei Richtung Tor gingen. Vor allem in der zweiten Halbzeit fehlten bei ihm in zwei Szenen die Spannung, als er direkt das Tor suchte (52.,71.). Auch gegen Arsenal hatte Robben nach seiner Einwechselung viele Möglichkeiten. Es ist einerseits ein Luxus, den formstarken Robert Lewandowski nicht mehr als alleinigen Fixpunkt in der Offensive zu haben, anderseits verpasste es Robben in den besagten Positionen, den besser postierten Mitspieler in Szene zu setzen. Nichtsdestotrotz werden die Münchner langfristig nur davon profitieren können, wenn die Last des Toreschießens auf möglichst viele Schultern verteilt ist.

3.1. Badstuber <3

FC BAYERN – VFB STUTTGART 4:0 (4:0)
FC BayernNeuer – Rafinha, Boateng (46. Benatia), Alaba – Vidal, Kimmich – Robben, Müller (59. Badstuber), Costa (69. Thiago), Coman – Lewandowski
BankUlreich, Martinez, Alonso, Lahm
VfB StuttgartTyton – Schwaab, Sunjic (63. Heise), Baumgartl, Insua – Klein, Dié (85. Ristl), Gentner – Didavi – Kostic (46. Hlousek), Werner
Tore1:0 Robben (11.), 2:0 Costa (18.), 3:0 Lewandowski (37.), 4:0 Müller (40.)
Karten – / –
SchiedsrichterBastian Dankert (Rostock)
Zuschauer75.000 (ausverkauft)
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Leserkommentare
  1. […] Schiedsrichterentscheidungen, war hoch pressenden Stuttgartern aber dennoch haushoch überlegen. Miasanrot und Spielverlagerung analysieren die ultimative Dominanz. Goldmann Sax verteidigt den offensiven […]

  2. […] weitere Taktikanalyse des Spiels findet ihr bei der Spielverlagerung, diesmal von Rene Maric. Auch Miasanrot, ein Bayern-Blog bespricht das Spiel aus taktischer Sicht, lässt dabei die […]

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