Sebastian Rode und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Sebastian Rode wird im Sommer 2014 zum FC Bayern München wechseln. Grund genug diesen Transfer etwas genauer zu beleuchten.

Rode ist gegenwärtig 23 Jahre alt und bringt fast 100 Bundesligaspiele auf die Uhr. Dabei erzielte er 4 Tore und 11 Assists. Nicht schlecht für einen defensiven Mittelfeldspieler, aber auch nichts Überragendes. Dennoch besteht seit geraumer Zeit das Interesse vom FC Bayern am Spieler von Eintracht Frankfurt, spätestens seitdem Mathias Sammer das berühmte ‚Buch deutsche Jungnationalspieler‘ mit nach München brachte. Der erste Transfer war wohl Jan Kirchhoff, aber auch andere Namen (Ginter), die jetzt in jüngster Vergangenheit gehandelt wurden passen in das Beuteschema. Das Ziel ist klar: Junge Spieler verpflichten und sie möglichst auf das nächste Level heben. In der Idealvorstellung sieht das aus wie beim BVB mit İlkay Gündoğan oder wie bei den Bender Zwillingen.

Dieser Weg ist ehrenhaft keine Frage, aber in jüngster Vergangenheit zeigte sich, dass beim FC Bayern dieser Weg sehr steinig ist. In den letzten zehn Jahren holte der FC Bayern folgende Perspektivspieler: Tobias Rau, Andreas Görlitz, Lukas Podolski, Marcell Jansen, Jan Schlaudraff, (Hamit Altintop), Tim Borowski, Alexander Baumjohann, Nils Petersen und Jan Kirchhoff. Maximal die FC Bayern Insider könnten wohl diese zehn Perspektivspieler noch unfallfrei aufzählen. Zugleich fällt aber auch auf, dass die Strategie nicht völlig neu ist und nicht erst von Sammer zum FC Bayern gebracht wurde. Sondern das jedes Jahr ein Spieler mit Perspektive verpflichtet wurde.

Spielerisch muss man allerdings attestieren, dass die meisten Spieler sich nicht beim FC Bayern durchsetzen konnten. Einzig Altintop absolvierte überdurchschnittlich viele Spiele und konnte auch in wichtigen Partien überzeugen (z.B. CL-Halbfinale in Lyon `10). Oftmals scheiterten die Spieler an ihren Ansprüchen bzw. an den Ansprüchen des Vereins. Das sie Talent haben ist unbestritten – so spielt Podolski aktuell keinen schlechten Ball beim FC Arsenal. Bei ihm kam der Wechsel wohl zu früh. Petersen gelingen immerhin rund 10-15 Tore/Saison in Bremen und Marcel Jansen ist wohl die einzige Konstante beim HSV, die ihm sogar Chancen auf ein WM Ticket in Rio einbringen. In der Summe sind wohl die Erwartungshaltungen der Fans und Medien einfach zu groß. Fehler werden nicht in dem gleichen Maße toleriert wie bei Spielern, die aus der eigenen Jugend kommen, aber auch bei Spielern die enorme Ablöse gekostet haben. So bekamen beispielsweise Martinez und Gomez durchaus mehr Anlaufzeit als der ein oder andere Jungspieler.

Den deutschen Perspektivspielern wird diese Anlaufzeit nicht gewährt, dabei wären gerade sie es die diese Eingewöhnungszeit brauchen. Zum einen, weil sie sich an die neue Stadt und Fan-/Medienlandschaft gewöhnen müssen und zum anderen, weil beim FC Bayern ein ganz anderes fußballerisches Niveau herrscht. Gerade die nötige dauerhafte Präsenz in jedem Training, fordert den Spielern doch körperlich und mental einiges ab.

Ob Rode das packen kann, ist fraglich. Gegenwärtig gibt es im 4-1-4-1 nur einen Platz im defensiven Mittelfeld. Dieser wird von Lahm, Schweinsteiger und Martinez beansprucht. Platz für einen vierten Spieler gibt es in dieser Aufzählung de facto nicht. Selbst wenn Martinez in die IV rückt und Lahm wieder als RV agiert, ist es doch immer noch zweifelhaft ob sich Rode wirklich durchsetzen kann.

Mehr Platz dürfte für ihn auf der „8“ sein – vielleicht als Ersatz-/Ergänzungsspieler für Toni Kroos. Hier kommen die Vorzüge des Bundesliga-Aufsteigers der Saison 2012/13 wohl am meisten zur Geltung. Rode war für die Eintracht vor allem in der Hinrunde 2012/13 einer der Leistungsträger und agierte zielstrebig auf der 6er Position. Gelobt werden bei ihm sein gutes Auge und sein damit verbundenes Stellungsspiel. Aber er besitzt nicht nur defensive Qualitäten, sondern verfügt durchaus über offensive Fähigkeiten – und hier könnte er Toni Kroos zumindest vertreten. So kann man bei ihm überdurchschnittlich viele vertikale Pässe sehen, die das Spielfeld öffnen. Zugleich versteht er es, durchaus ein Spiel zu lenken. Seine Passquote von aktuell 82% ist, gemessen am jetzigen Stand der Eintracht kein schlechter Wert. Allerdings fällt er in der Saison 2013/14 in Sachen Zweikampfführung deutlich ab. So gewinnt er ‚nur‘ 45% seiner direkten Zweikämpfe. Selbst ein Toni Kroos, der nicht als Defensivkünstler gilt kommt hier auf einen Wert jenseits der 60%.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob Rode sich in München einfinden kann. Er wird schlichtweg nicht die Einsatzzeiten bekommen, die er wohl benötigen wird. Ein Vorteil kann für ihn die WM 2014 sein. Sollten die vielen deutschen und spanischen Nationalspieler weit kommen, werden sie nur eine verkürzte Vorbereitung bekommen. Eine Chance für Rode sich in den Vordergrund zu spielen. Gleichzeitig sollte man wie bei Kirchhoff aktiv über eine Möglichkeit der Leihe nachdenken. Fruchten die ersten 6 Monate nicht, sollte er noch weiter Erfahrung bei einem Bundesligaklub sammeln. Die Geschichte zeigt, dass zumindest bei einigen Spielern (Lahm, Kroos, Alaba) dies der richtige Weg war. Zugleich bleibt die Hoffnung, dass Rode derjenige Spieler ist, dem es gelingen wird, sich beim FC Bayern durchzusetzen. Er wäre dann einer von elf. Eine Schwalbe macht eben noch lang keinen Sommer.

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Leserkommentare
  1. Chrisomad

    Also die Frage nach Rode habe ich mir auch schon gestellt. Hier ist zumindest schön beschrieben, was zu erwarten ist.

    Was den generellen Umgang mit jungen, deutschen Perspektivspielern angeht, sehe ich das ein wenig anders. Viele der genannten hatten relativ wenig Möglichkeiten sich zu beweisen. Der Druck lag, meiner Meinung nach, nicht auf den Spielern, sondern auf Trainern, die im Bewusstsein (schnellen) Erfolg erzielen zu müssen gerne mal auf die Dienste der jungen Garde verzichteten. Das beste Beispiel ist doch gerade Lukas Podolski. Keine Ahnung was er im Training leistete, aber seine Einsatzzeiten bekam er nur sporadisch. Welche Glanzleistungen sollte er da bringen? Wobei seine Bilanz jetzt auch nicht die schlechteste ist. Immerhin hat er in 106 Spielen (und davon gerade mal ca. die Hälfte in der Startelf) 26 Treffer erzielt und 20 Vorlagen gegeben. Gleich gilt für Schlaudraff, Borowski, Baumjohann und Nils Petersen.
    Gerade bei Petersen und jetzt auch Kirchhoff war und bin ich sehr enttäuscht, dass sie wenig Möglichkeiten erhielten. Klar haben sie eine unfassbare Konkurrenz vor sich, aber dennoch wäre ich hier und da mal für ein Experiment gewesen.

    1. Christopher

      Hey Chris,

      danke für deinen Kommentar! Du hast natürlich recht, dass auch die Trainer ‘mit schuldig’ sind, aber gerade van Gaal aber auch Hitzfeld haben doch immer wieder Jugendspieler gebracht? Es gibt ja nicht wenige die behaupten ohne van Gaal gäbe es einen Müller, Alaba oder Badstuber nicht. Würde daher die Trainer nicht als Hauptschuldige ausmachen. Deine Meinung zu Petersen teile ich – von ihm habe ich mir wirklich mehr versprochen. Petersen hatte vor sich auch nicht die Konkurrenz, wie sie jetzt ein Kirchhoff hatte. Petersen hatte nur Gomez als Stürmerkollegen, der ja durchaus unter der Doppelbelastung gelitten hat.

  2. […] beschäftigen sich die Bayern-Fans eher mit anderen Themen. Dem Transfer von Rode beispielsweise (Miasanmia). Oder der Ausbootung von Mario Mandzukic, der gegen Gladbach nicht einmal im Kader stand […]

  3. Podolski passt eigentlich nicht so ganz in die Aufzählung, er kam schließlich schon als etablierter Nationalspieler für eine tüchtige Ablösesumme und blieb dann immerhin drei Jahre. Allerdings hat er sich unter drei verschiedenen Trainern nicht wirklich durchsetzen können – nur in den paar Spielen unter Heynckes hatte man den Eindruck, dass vielleicht doch mehr draus werden könnte.

    Zurück zum Thema: Generell ist die Verpflichtung von Spielern dieser Kategorie (jung und wenig bis keine Ablöse) null Risiko, weder für den Verein noch für den Spielern. Wenn es beim FCB nicht hinhaut, hat man immerhin ein Jahr auf hohem Niveau trainiert und kommt im Regelfall danach immer noch bei anderen Bundesligavereinen unter.
    Mein Lieblingsbeispiel für einen Treffer in dieser Kategorie ist Brazzo. Als er damals geholt wurde, hätten wohl auch nur die allerwenigsten tatsächlich geglaubt, dass er es beim FCB packt – Ergebnis bekannt.

    1. Christopher

      Danke Gunnar,

      ja mit Brazzo hast du recht. Ich wollte mich aber auf die “letzten 10 Jahre” beschränken. Podolski habe ich mit rein genommen, weil er noch nicht so gereift war wie ein Gomez und seine Ablösesumme im Rahmen war. Eigentlich ähnlich wie bei Jansen – der kam ja auch nicht für umsonst. Es ist natürlich schwer hier eine klare Trennlinie zu ziehen.

      De facto wollte ich aufzeigen, dass es auch beim FC Bayern “Transferflops” gibt und sie auch in jüngster Vergangenheit keine Seltenheit waren.

      1. “Flops” gab’s beim FCB sicher eine ganze Menge, aber von den genannten würde ich allerhöchstens Jansen dazuzählen. Die anderen hat man ja ohne Verlust oder sogar mit einem Plus wieder abgegeben, von daher “no harm done”.
        Da finde ich Transfers wie Breno, Sosa, dos Santos, Pranjic, Braafheid etc. pp. deutlich ärgerlicher. Aber das Fass möchte ich jetzt lieber nicht aufmachen… ;-)

      2. Christopher

        Das Fass mit Sosa, dos Santos, Pranjic & Braafheid wollte ich wirklich nicht aufmachen. Da war schon viel Verschnitt dabei.

  4. JimmyH

    Hallo erstmal,

    also aus Rodes Sicht kann ich es ja verstehen, vor allem wenn man sich die aufgezählten Spieler mal vor Augen führt: Görtlitz würde ich hier übrigens rauslassen, vor seiner schweren war er ja Stammspieler und auf dem Sprung in den festen Nationalmannschaftskader. Kam halt danach nicht mehr auf die Beine.

    Was die anderen Spieler betrifft: Da ist ja jeder Spieler zu Vereinen gewechselt, die gleich bzw. meist höher einzustufen waren als die Vereine, von denen sie gekommen sind und meist waren die Ablösesummen auch höher als das, was der FC Bayern bezahlt hat.

    Der FC Bayern im Lebenslauf ist einfach ne Hausnummer.

    Und verlieren kann eigentlich keiner der Beteiligten. Auch wenn es vor ein paar Jahren sicher aussichtsreicher war, in München den Durchbruch zu schaffen als derzeit….

  5. Michael Bretsch

    Bei Rode haben sogar Eintracht-Fans schon lange nicht mehr verstanden, was er dort will ( außer gut verdienen ). Zwar würde man ihm im Moment kaum eine Träne nachweinen, denn seit einem guten Jahr ist so schlecht wie das ganze Team. Aber vor Allem: Was wollen DIE BAYERN mit ihm? Ich begreif’s nicht.

  6. Dennis

    Ich selbst bin Eintracht Fan und vestehe nicht warum er zu euch kommt.
    Ich finde er ist ein guter junger spieler, der sich aber nicht in München sich durchsetzen kann, da ihr auf vielen Positionen sehr stark Vertreten seit.
    Ich hoffe trotzdem für Ihn eine Weiterentwicklung und viel Erfolg mit den FC Bayern München.

    1. Hi Michael, Servus Dennis…

      .. vor einigen Monaten habe ich mich noch richtig auf Sebastian Rode gefreut. Toller Spieler, Perspektiven, anscheinend guter Junger. Inzwischen beschleicht mich aber einfach nur das Gefühl: “Der hat zu lange gewartet”. Sehe aktuell nicht seine Position (oder man muss ja sogar fast Lücke sagen) in die er stoßen kann.

      Für den FC Bayern ist es natürlich wieder ein (rein betriebswirtschaftlich gesehen) geiler Deal. Ähnlich wie bei Kirchhoff wird man sich in Ruhe anschauen können was passiert und sich eigentlich sicher sein, dass Rode auch woanders unterkommt. So richtig gut finde ich das aber nicht. Wenn wir einen Spieler verpflichten wünsche ich mir schon, dass er als Kaderupgrade kommt und nicht nur, weil man mit ihm Profit einstreichen kann, falls es nicht läuft. Bin gespannt, vielleicht überrascht und Rode ja, aber was auch die Eintracht-Fans so schreiben…. mir fehlt derzeit der Glaube daran.

  7. David

    Hallo, interessanter Bericht!

    Bin auch Eintracht-Fan und kann klar sagen, dass ich Rode schon zutraue, sich langfristig bei einem Topclub durchzusetzen. Aber vielleicht nicht beim FCB, da ihr ein Spielsystem unter Pep spielt, welches nicht auf ihn ausgerichtet ist. Ich denke, ein 4231 oder ein 433 mit einem 6er und zwei 8ern (Rode dann auf der 8) liegt ihm besser. Daher würde er mMn super zu Leverkusen oder Schalke passen, aber das ist ja seine Sache.
    Der Grund, warum ich ihm das trotz mäßig bis schwachen Leistungen zutraue, ist, dass er unglaublich anpassungsfähig ist. Als er damals von Offenbach kam, kannte ihn auch nicht, aber schon in seinen ersten Spielen (wohl gemerkt nach einem Kreuzbandriss) war er einer der positiven Lichtblicke im unerfolgreichen Abstiegskampf. Ich denke da an die Treffer gegen Bayern (1:1) und Dortmund (1:3). Er hat sein Niveau sehr schnell das den Mitspielern angepasst und sogar übertroffen.
    Nach der phantastischen Hinrunde 12/13 war er einer der Topspieler bei uns, alle haben auf ihn geschaut. Da hat er es nicht mehr geschafft, herauszustechen, und als die Mitspieler auch ihrer Form hinterherliefen, wurde auch er schlechter.
    Bei einem großen Verein ist er ein guter zwischen vielen und er wird mMn an dieser Aufgabe wachsen, so wie er bei uns an ihnen gewachsen ist. Ob es allerdings dazu reicht, den einen 6er-Platz in eurem überfüllten Millionenkader auszufüllen, darf zumindest angezweifelt werden. Ich wünsche ihm trotzdem alles gute!

    Grüße aus Nordhessen.

    1. Christopher

      Danke für deinen Kommentar! Ich habe dieses Jahr leider “nur” eine handvoll Spiele der Eintracht gesehen. Kannst du ausmachen, warum es bei ihm nicht mehr so läuft?

  8. […] Mehr Platz dürfte für ihn auf der „8“ sein – vielleicht als Ersatz-/Ergänzungsspieler für Toni Kroos. Hier kommen die Vorzüge des Bundesliga-Aufsteigers der Saison 2012/13 wohl am meisten zur Geltung. Rode war für die Eintracht vor allem in der Hinrunde 2012/13 einer der Leistungsträger und agierte zielstrebig auf der 6er Position. Gelobt werden bei ihm sein gutes Auge und sein damit verbundenes Stellungsspiel. Aber er besitzt nicht nur defensive Qualitäten, sondern verfügt durchaus über offensive Fähigkeiten – und hier könnte er Toni Kroos zumindest vertreten. Sebastian Rode und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, Miasanrot, 26.01.2014 […]

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