U17 will den Titel verteidigen

Im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft der B-Junioren trifft die U17 des FC Bayern auf RB Leipzig. Die Mannschaft von Trainer Holger Seitz will das schaffen, was ihren Vorgängern im vergangenen Sommer bereits gelang: Die Meisterschale nach München zu holen.

“Kann die U17 ihr Potential ausschöpfen?” war vor der Saison die große Frage. Von den Verantwortlichen fiel seinerzeit die Aussage, dass der U17 eine eher schwere Saison bevorstehen würde. Grund dafür war auch der letzte Platz bei einem Vorbereitungsturnier, in dem die Bayern in vier Spielen ohne eigenes Tor gegen Bremen, Stuttgart, Leipzig und Frankfurt blieben. Ein entscheidender Grund für den dennoch sehr gelungenen Saisonstart des Teams war Oliver Batista Meier, der die Vorbereitung bei der U19 absolvierte, aber vom dortigen Trainerteam nicht in der Stammelf gesehen wurde. Seine individuelle Qualität kann in dieser Liga kaum gebremst werden, wie er bereits im ersten Spiel mit drei Toren unter Beweis stellte.

Hinzu kommt, dass es das Auftaktprogramm aus heutiger Sicht mit dem Wissen der Abschlusstabelle sehr gut mit dem FC Bayern meinte. Zwei der drei späteren Absteiger an den ersten fünf Spieltagen und die drei übrigen Gegner kämpften ebenfalls lange Zeit gegen den Abstieg. Das ermöglichte dem Team, sich über die ersten Wochen zu festigen, die Konzepte des Trainerteams besser zu verinnerlichen und Selbstvertrauen zu tanken. Schlußendlich thronten die kleinen Bayern zur Hälfte der Saison ungeschlagen an der Tabellenspitze. Zehn Siege, drei Unentschieden und ein stolzes Torverhältnis von 43:6. Fast parallel zur Herbstmeisterschaft gab es dann auch personelle Veränderungen: Oliver Batista Meier rückte fest zur U19 auf, dafür erteilte der DFB endlich dem bereits im August verpflichteten Mittelstürmer Joshua Zirkzee die Spielgenehmigung.

Einhergehend mit diesen Personalien rückten die zuvor meist als Sturmspitzen eingesetzten Butler und Hollerbach auf die offensiven Flügel, auf denen Batista Meier eine Lücke hinterließ. In der Winterpause legte der FC Bayern noch einmal nach und besetzte auch die letzte verbliebene Schwachstelle im Team hochkarätig: Linksverteidiger Louis Poznanski kam von Werder Bremen. Dennoch verlief die Rückrunde nicht mehr ganz so perfekt. Auch bedingt durch die Verletzung zweier Innenverteidiger und des Kapitäns Angelo Stiller ließ das die Mannschaft erst leichtfertig Punkte zu Hause gegen Heidenheim und Mainz liegen und hatte dann beim spektakulären 4:4 gegen den überlegenen VfB Stuttgart bereits Glück, nicht die erste Saisonniederlage zu kassieren. Diese setzte es dann aber zwei Wochen später zu Hause gegen die TSG Hoffenheim. Somit war die Meisterschaft kurz vor Saisonende wieder spannend, das Torverhältnis wurde zum entscheidenden Faktor.

Mit einem spektakulären 9:1 beim SC Freiburg setzten die kleinen Bayern hier ein Ausrufezeichen, kamen jedoch wenige Tage später bei den Stuttgarter Kickers trotz zahlreicher bester Torchancen nicht über ein 1:1 hinaus. Ein Rückschlag, der der Mannschaft eigentlich die Meisterschaft gekostet hätte, hätte nicht völlig überraschend im Parallelspiel auch die TSG Hoffenheim mit 1:2 zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg verloren. Somit war das Team von Trainer Holger Seitz auch vor dem letzten Spieltag punktgleich mit dem VfB Stuttgart Tabellenführer und ließ sich den Vorteil beim Torverhältnis durch einen deutlichen 12:1 Sieg nicht mehr nehmen.

Die Mannschaft im Detail

Während sich in der Hinrunde Jakob Mayer und Lukas Schneller noch die Einsätze aufteilten, hat sich das Trainerteam in der Rückrunde auf Mayer als Stammtorwart festgelegt. Er ist solide im Aufbauspiel und kann an guten Tagen ein entscheidender Rückhalt sein. Die Qualität seiner Vorgänger Ron-Thorben Hoffmann (Jahrgang 1999) und Christian Früchtl (Jahrgang 2000) erreicht Mayer jedoch nicht ganz.

Auf der Rechtsverteidigerposition ist Jonas Kehl gesetzt. Der Dingolfinger ist auch deutscher Juniorennationalspieler, wurde jedoch zuletzt nicht für die U17-Europameisterschaft nominiert. Aufgrund seiner Position und seiner Statur bleiben Vergleiche mit Philipp Lahm nicht aus, liegen schließlich auch Kehls Stärken im Spielverständnis und in der Besetzung der richtigen Räume. Trifft er jedoch auf einen körperlich wie athletisch überlegenen Gegenspieler wie zuletzt den Stuttgarter Leon Dajaku, zahlt Kehl noch ein wenig Lehrgeld.

Eine feste Größe im Zentrum ist Yannick Brugger. Bereits letztes Jahr war er als Jungjahrgang Teil des Meisterkaders unter Trainer Tim Walter, in dieser Spielzeit kommt ihm eine Führungsrolle zu. Körperlich bringt er alles nötige mit, zuletzt zeigte er auch enorme Fortschritte in der Qualität seiner Diagonalbälle. Sein Partner war zuletzt mit Fabian Cavadias der eigentliche Innenverteidiger Nummer 4, weil Julian Höllen (Bänderriss) und Flavius Daniliuc (muskuläre Probleme) lange ausfielen. Es ist eine der spannenden Fragen, ob Holger Seitz dem grade erst wieder genesenen Daniliuc trotz mangelnder Spielpraxis den Vorzug gibt.

Links hinten ist der bereits angesprochene Winterneuzugang Louis Poznanski aktiv. Der deutsche Juniorennationalspieler bringt ein hervorragendes Paket aus körperlichen Grundlagen und Spielverständnis mit, kann auch in der Innenverteidigung aushelfen. Gerade sein Zusammenspiel mit Oliver Batista Meier auf dem linken Flügel könnte ein Key Fact in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft werden.

Dreh- und Angelpunkt der U17 des FC Bayern ist Kapitän Angelo Stiller. Bereits seit der U10 ist der gebürtige Münchner beim Rekordmeister aktiv. Recht ungewöhnlich für einen Aufbauspieler ist er Linksfuß, was ihm in Pressingsituationen immer wieder Vorteile verschafft, wenn der Gegner Pässe mit dem anderen Fuß erwartet. Gepaart mit seiner Übersicht, seiner Ballruhe und seinem Passqualitäten ist Stiller der pressingresistenteste Spieler in der Mannschaft. Er hat die Fähigkeit, immer wieder in Drucksituationen die richtigen Lösungen zu finden und mit guten Bällen anschließend enorme Raumgewinne zu ermöglichen. Ein kleines Fragezeichen steht hinter seiner Fitness, er kämpfte in der Rückrunde lange Zeit mit muskulären Problemen und opferte sich in den Spitzenspielen gegen Stuttgart und Hoffenheim nahezu ohne Trainingspraxis für das Team auf.

U17-Kapitän Angelo Stiller im Zweikampf
U17-Kapitän Angelo Stiller im Zweikampf

Nebem ihm fällt die Entscheidung zwischen Jungjahrgang Malik Tillman, Bruder des bereits bekannteren Timothy Tillman und dem Luxemburger Ryan Johansson. Dabei dürfte ersterer leicht die Nase vorne haben. Der deutsche U16-Nationalspieler war bis in die letzte Saison eigentlich als Mittelstürmer oder auf der 10 aktiv, bevor ihn Holger Seitz ins defensive Zentrum setzte. Er hat seine Stärken hier vor allem im Antritt mit dem Ball und im Dribbling, kann dadurch immer mal wieder Überzahlsituationen für seine Mannschaft kreieren. Dafür fehlt ihm noch ein wenig die auf dieser Situation dringend benötigte Pressingresistenz und auch seine Raumbesetzung ist gerade bei Ballverlusten nicht immer optimal.
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Den größten Sprung in der Rückrunde machte Benedict Hollerbach, der auf dem rechten Flügel spielen wird. Satte neun Tore gelangen ihm alleine in den letzten drei Begegnungen, insgesamt kommt er auf 27 Scorerpunkte in 25 Spielen. Als seine herausragende Stärke entwickelt sich zunehmend die Besetzung der richtigen Räume. Hollerbach ist nicht der Flügelspieler, der reihenweise die Gegenspieler ausspielt oder der aufgrund seines Tempos nicht in den Griff zu bekommen ist. Aber er ist der Mann, der die Offensivsituationen richtig anzipiert, in die richtigen Räume startet und so zu guten Torabschlüssen kommt, die der zuletzt auch recht hochprozentig verwertete.

Auf dem anderen Flügel kehrte nach dem Ende der U19-Saison Oliver Batista Meier in die Mannschaft zurück. Ihn haben wir schon ausführlich bei seiner Ehrung zum Jugendspieler des Jahres 2017 vorgestellt. Unglaubliche 20 Tore und 12 Vorlagen steuerte er in lediglich 14 Saisonspielen bei. Bekommt er im Halbraum den Ball und den Platz, um Tempo aufzunehmen, ist er kaum zu stoppen. Und die Zahlen zeigen deutlich, dass seine Unberechenbarkeit auch darin liegt, dass er sowohl im Torabschluss als auch in der Vorbereitung Qualitäten hat.

Zwischen den beiden Außenstürmern agiert mit Jahn Herrmann ein Spieler, der ebenfalls wie Stiller bereits seit der U10 die Schuhe für den Rekordmeister schnürt. Ein Allrounder, wie er im Buche steht. 12 Tore und 13 Vorlagen unterstreichen das. Insbesondere bei langen Bällen in die Sturmspitze agiert Herrmann als erste Anspieloption für Stürmer Zirkzee und verteilt anschließend die Bälle auf die nachgerückten Mitspieler. Herrmann kann nicht nur im Abschluss der entscheidende Mann sein, sondern sich auch wie zuletzt beim 12:1 gegen den FC Augsburg selbst ein wenig zurücknehmen, wenn er merkt, dass er als Ballverteiler für die Mannschaft wertvoller ist.

Als Mittelstürmer wird Joshua Zirkzee auflaufen, der im vergangenen Sommer aus Rotterdam an die Isar wechselte. Der schlacksige und großgewachsene Holländer ist längst voll beim FC Bayern angekommen und traf zuletzt fast in jedem Spiel (15 Tore, 9 Vorlagen in 16 Spielen). Er ist nicht nur vor dem Tor gefährlich, sondern auch im Kombinationsspiel mit der Mannschaft unheimlich wichtig. Lange Bälle kann er hervorragend abschirmen und zugunsten seiner Mitspieler weiterverwerten. Gegenspieler kann er sowohl in Dribblings als auch durch das Schlagen von Haken im Strafraum ausspielen. Zirkzee ist ein sehr interessanter Spieler, dessen Entwicklung vor allem mit nun zunehmend physisch stärkeren Gegenspieler spannend zu verfolgen sein wird.

Stärken, Schwächen und Prognose

93 erzielte Tore in 26 Saisonspielen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Offensive ist das große Prunkstück der U17 des FC Bayern. Jeder der vier Spieler (Batista Meier, Herrmann, Hollerbach, Zirkzee) ist torgefährlich, jeder kann Tore vorbereiten. Natürlich kann sich der Gegner speziell auf Batista Meier konzentrieren, aber wird er gedoppelt, ist die Qualität der Mitspieler groß genug, die entstehenden Räume für sich zu nutzen. Die kleinen Bayern sind offensiv unberechenbar und auf hohem Niveau ausgeglichen.

Größere Probleme hingegen bereitete gerade in den Spitzenspielen gegen Hoffenheim und Stuttgart das Aufbauspiel. Hier ist die Mannschaft zu oft unkonzentriert oder schlecht gestaffelt. Zahlreiche Überzahlsituationen für die Gegner bei Kontern waren die Folge. Gerade das ist jedoch die typische Stärke der Mannschaften von Ralf Rangnick und die Spielphilosophie von RB Leipzig: Pressingsituationen zu kreieren und nach Ballgewinnen schnell umschalten. Der Gegner scheint wie gemacht dafür, diese Schwäche der Bayern auszunutzen.

Anderenseits werden die Leipziger aber auch ihr Pressing mit viel Bedacht spielen müssen. Denn wenn es dem Nachwuchs des Rekordmeisters gelingt, die Pressinglinien zu überspielen, müssen die Sachsen die bärenstarke Offensive der Münchner 1 gegen 1 verteidigen, gerade gegen den dribbelstarken Batista Meier endet das schnell tödlich. Und kommt die Offensive des FC Bayern einmal ins Rollen, ist sie auch kaum aufzuhalten. Dem Team von Holger Seitz ist jederzeit zuzutrauen, innerhalb von zehn Minuten drei Tore zu machen. Und solche zehn Minuten können in einem Halbfinale entscheidend sein.

Eine echte Prognose lässt sich für das Spiel kaum treffen, die Stärke der anderen Staffeln und der eigenen Staffel schwankt von Jahr zu Jahr. In der Vorbereitung trafen beide Mannschaften in einem Testspiel aufeinander und trennten sich 1:1. Ein knappes Jahr später ist das jedoch kaum noch aussagekräftig. Es wird spannend, wer in diesem Duell in wie weit seine Stärken zur Geltung bringen kann. Das Team, dem das besser gelingt, wird am 17. Juni im Finale stehen.

Das Hinspiel findet heute um 17 Uhr am FC Bayern Campus statt. Eine Liveübertragung gibt es leider nicht. Das entscheidende Rückspiel am Sonntag um 14:30 Uhr wird bei DFB-TV übertragen

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Leserkommentare
  1. Brian Laudrup

    Herzlichen Dank, Martin! Ich wüßte nicht, wo ich Infos dieser Qualität zur Jugendarbeit beim FCB sonst bekommen würde.

    Hättest Du nach der Saison nicht mal Lust zu einer generellen Bewertung des neuen NLZ? Da hört man ja sehr unterschiedliche Dinge, wobei ich – trotz der sportlich durchaus vorhandenen Erfolge – angesichts der von außen zu bewertenden Fakten (inbes. Personalentscheidungen in Trainerstab und Leitung) zu einer eher kritischen Bewertung kommen würde.
    Der heißeste Scheiß von Europa ist es jedenfalls nicht. Hätte das angesichts der “Strategie” für die Profimannschaft nicht das Ziel sein müssen?

    1. Martin

      Servus, vielen Dank für das Lob! Das ist auch mein persönliches Anliegen, dieses Manko an seriöser Berichterstattung über unsere Jugendarbeit zu beseitigen. Ich werde im Sommer sicher einen allgemeineren Artikel schreiben, werde mir aber noch viele Gedanken machen, wie ausführlich der ausfällt.

  2. Martin

    Die U17 hat das Hinspiel heute Abend deutlich mit 3:0 gewonnen. Am Anfang kam Leipzig besser ins Spiel und verhinderte sämtliche aufkommende Struktur im Spiel. Mit einem schönen Solo konnte Oliver Batista Meier den Führungstreffer erzielen. Der gab der U17 immer mehr Aufwind, die das Spiel nun an sich riss und die Führung bis zur Pause auf 3:0 ausbaute. In der zweiten Halbzeit ging unsere Mannschaft dann nicht mehr ganz so viel Risiko. Insgesamt hatten die Gäste nur eine einzige Torchance im ganzen Spiel. Da standen zwar 11 Athletikwunder auf dem Platz, aber fußballerisch war das überaus dünn.

    Das 3:0 ist jetzt natürlich eine hervorragende Ausgangssituation für das Rückspiel am Sonntag in Leipzig. Eine Auswärtstorregel gibt es hier nicht, bei Torgleichstand nach Hin- und Rückspiel gäbe es sofort Elfmeterschießen.

  3. Sehr guter informativer Beitrag – danke Martin!

    Da sind sehr viele auch für einen regelmäßigen “Campus-Besucher” interessante Sachen enthalten.

  4. Jo

    Seitz teilt nun ja das “Schicksal” von Walter gleichzeitig die Jugend-Endspiele und die Saisonvorbereitung der Amateure als Trainer vorantreiben zu müssen.
    In diesem Zusammenhang: Ist schon geklärt, oder bekannt wie das mit den Co-Trainern aussieht? Wechselt das ganze Team (mit Seitz), oder übernimmt Klose den Stab?
    Und bleibt oder geht (im jeweiligen Umkehrschluss) das Trainerteam der Amateure?

    1. Martin

      Ich will da der offiziellen Meldung des FC Bayern nicht zu sehr vorgreifen, die wird wohl heute bezüglich der Amateure kommen.

      Was die U17 angeht, wechselt auf jeden Fall Athletiktrainer Quirin Löppert zu den Profis von Gladbach.

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