Derbysieger

FC Bayern Amateure – TSV 1860 3:1 (2:0)

Was für ein unglaubliches Spiel! Die Amateure des FC Bayern schlagen den blauen Lokalrivalen hochverdient mit 3:1 und bestätigen damit ihre großartige Entwicklung.

Amateure vs. TSV, GrundformationenAmateure vs. TSV, Grundformationen

Weil Jupp Heynckes Niklas Dorsch und Franck Evina gegen Eintracht Frankfurt von Beginn aufstellte, musste Tim Walter seine geplante 4-2-3-1 Formation auf zwei Positionen ändern. Vor Christian Früchtl verteidigte die gewohnte Viererkette um Felix Götze, Maxime Awoudja, Nicolas Feldhahn und Derrick Köhn. Adrian Fein biss nach vierwöchiger Verletzungspause auf die Zähne und ersetzte im defensiven Mittelfeld Niklas Dorsch, obwohl er für 90 Minuten noch nicht wieder fit genug war. Das Mittelfeld komplettierten Fabian Benko, Timothy Tillman, Milos Pantovic und Raphael Obermair, der ebenfalls nach Verletzung sein Comeback feierte. Dorsch und Evina saßen nach ihrem Profieinsatz zunächst auf der Ersatzbank.

Löwen-Trainer Daniel Bierofka setzte ebenfalls auf ein 4-2-3-1. Der ehemalige Nachwuchsakteur des FC Bayern schickte dabei gleich fünf Spieler auf das Feld, die ebenfalls im Juniorenbereich des Rekordmeisters aufliefen: Philipp Steinhart, Kodjovi Koussou, Daniel Wein, Simon Seferings und Jan Mauersberger, dessen Vater die Schiedsrichterabteilung des FC Bayern München leitet. Im Sturm sollte erneut Sascha Mölders für die Tore sorgen, dessen Wechsel an die Säbener Straße im vergangenen Sommer nur an seinen finanziellen Forderungen scheiterte.

Falls Ihr es verpasst habt:

Von Beginn an übernahm die Mannschaft in den rot-weißen Trikots die Spielkontrolle gegen tiefstehende Löwen. Beide Teams agierten im Spielaufbau überwiegend mit Dreierkette. Während bei den Blauen recht durchschaubar stets der 6er Daniel Wein zwischen die Innenverteidiger rückte und die Außenverteidiger recht hoch standen, agierten die kleinen Bayern deutlich dynamischer. Je nach Spielsituation rückte entweder ein Außenverteidiger oder einer der beiden Innenverteidiger im Spielaufbau ins zentrale Mittelfeld.

Dies stellte die Gäste vor große Probleme. Immer besser bespielten die Bayern in der Folge die freien Räume, die sich durch die Positionswechsel ergaben und setzten 1860 unter Druck. In der 16. Minute vergab Pantovic die erste Chance, seinen Versuch eines Hebers hatte der Torhüter rechtzeitig durchschaut. Zwei Minuten später lag der Ball aber zur verdienten Führung im Netz: Nach mehreren Positionswechseln dribbelt Adrian Fein von der Innenverteidigerposition kommend an, der auf den rechten offensiven Flügel gelaufene Götze hat keinen Gegenspieler und bedient Wriedt im Zentrum, der im Nachschuss zur verdienten Führung einnetzt (18.).

Schon zwei Minuten später hätte Raphael Obermair den zweiten Treffer nachlegen können, sein Schuss ging jedoch knapp links am Tor vorbei. In der Folge zogen sich die Amateure etwas weiter zurück und liefen den Spielaufbau der Löwen situativer als zuvor an. Dies reichte jedoch vollkommen aus, um die Gäste auf ihr einzig bewährtes taktisches Mittel zu beschränken, nämlich lange, hohe Bälle auf Sascha Mölders zu schlagen. Dieser sah jedoch gegen Feldhahn und Awoudja kaum Land. Selbst wenn er dann mal ein Kopfballduell gewann, waren meist die umsichtigen Benko und Fein zur Stelle und konnten den Ball zurückerobern.

Mehrfach konnten die Mannschaft von Tim Walter in der Folge Durchbrüche über die Flügel erzielen. Meist über den agilen Pantovic, der mit Ex-Bayer Steinhart Katz und Maus spielte. Doch entweder war die Strafraumbesetzung nicht optimal oder die Hereingaben zu ungenau. In einer Situation verpasste gar Fabian Benko recht frei, den Ball auf den zweiten Posten zu spielen, an dem Obermaier nur noch hätte einschieben müsen (33.).

Dass die Offensive der Löwen mit ihrer Qualität nicht über 90 Minuten abzumelden war, überraschte nicht. Zum ersten mal gelang es Mölders, einen hohen Ball auf einen Mitspieler abzulegen. Nico Karger scheiterte in der 36. Minute jedoch aus rund 18 Metern am glänzend parierenden Christian Früchtl. Nur drei Zeigerumdrehungen später rauschte Mölders bedrängt von Feldhahn nur haarscharf an einer gut geschlagenen Flanke vorbei.

An der drückenden Überlegenheit der Bayern Amateure änderten jedoch auch diese Chancen nichts. Und kurz vor der Halbzeitpause wurde die Mannschaft für ihre hervorragende Leistung ein weiteres mal belohnt. Pantovic, Götze und Fein dominieren mit einer hervorragenden Ballstafette den rechten Flügel, schließlich lässt Adrian Fein den ehemaligen Roten Daniel Wein wie einen Schuljungen mit einem starken Antritt stehen. Seine Flanke findet Wriedt, dessen Kopfball noch von Hiller abgewehrt werden kann. Aber Obermair ist zur Stelle und staubt zur 2:0-Halbzeitführung ab.

Erwartungsgemäß begannen die Löwen die zweite Hälfte deutlich bissiger. Daniel Bierofka ist bekannt dafür, seine Mannschaften mental immer hervorragend einzustellen. Doch auch die nun giftigeren Löwen vermochten keine spielerischen Akzente zu setzen. Viel zu durchschaubar war Bierofkas statisches Konzept, das nahezu keine Positionswechsel vorsah. So waren Standardsituationen und hohe Bälle das einzige Mittel, das zu Chancen für die Gäste führte. Auf der Gegenseite konnten die Bayern sich regelmäßig gut vorarbeiten, gingen jedoch zu fahrlässig mit ihren Chancen um. Wriedt (51.), Pantovic (56.) und Fein (58.) vergaben die Entscheidung.

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Fabian Benko im Zweikampf
Fabian Benko im Zweikampf

So kam mal wieder das alte Fußballgesetz zur Geltung: “Wenn du sie vorne nicht machst, …”. Eine Standardsituation der Gäste wurde nicht ausreichend geklärt, Weins eigentlich harmloser Schuss aus 20 Metern rollte an Freund und Feind vorbei ins lange Eck. Logischerweise brachte das Gegentor die Löwen nun in Fahrt, während die Amateure einige Minuten benötigten, um zu ihrer Ballsicherheit zurückzufinden. Doch bereits wenig später fing sich die junge Mannschaft des Rekordmeisters und gewann wieder die Kontrolle über das Spiel.

Das einzige Mittel, das die Löwen in der Folge fanden, war übertriebene Härte. Mauersberger hätte für seine Grätsche mit offener Sohle gegen Fabian Benkos Knöchel die rote Karte sehen müssen, kam jedoch mit einer Verwarnung davon. Schließlich sorgte Derrick Köhn für die Entscheidung. Sein Schuss ins linke untere Eck ließ den Giesinger Berg zum dritten mal an diesem Tag erbeben. Nach satten sieben Minuten Nachspielzeit und mehrerer vergebener Chancen auf den vierten Treffer pfiff der Schiedsrichter ab und machte die Bayern Amateure auch offiziell zur zweitstärksten Kraft in München. Anschließend feierte die Mannschaft mit den mehr als 10.000 Bayernfans ausgelassen den Sieg, während die Löwenfans bedröppelt den Heimweg antraten.

3 Dinge, die auffielen:

1. Tim Walter wird fehlen

Was sich schon seit Monaten abzeichnete, wurde vor kurzem öffentlich verkündet. Tim Walter verlässt nach drei Jahren im Sommer den FC Bayern. Mit ihm verliert der FC Bayern seinen besten Nachwuchstrainer. Den Trainer, der nach zehn Jahren die erste Juniorenmeisterschaft nach München holte. Den Trainer, der entgegen anderen Meinungen innerhalb des Vereins Lukas Mai zwei Jahre kompromisslos förderte. Den Trainer, dem es in jedem der drei Jahre gelang, nicht nur die Mannschaft über die Saison hinweg hervorragend zu entwickeln, sondern auch die Spieler individuell unübersehbar stärker zu machen.

Das gewonnene Derby war Tim Walters Meisterstück in München. Seine offensive Spielphilosophie passt nicht nur perfekt zum FC Bayern, sondern begeistert auch die Fans. Walter ist nicht immer ein einfacher Charakter. Er eckt durchaus gerne mal an, ist situativ sehr direkt in der Ansprache und konsequent in seiner Spielidee. Aber auch ein Typ, der zehn Minuten später wieder handzahm und vollkommen versöhnlich ist. Bei einem Verein wie dem FC Bayern waren dies leider noch nie die besten Vorraussetzungen für eine längere Karriere.

Jüngsten Gerüchten nach könnte seine unmittelbare Zukunft nun bei Holstein Kiel liegen. Es ist sowohl ihm als auch Holstein Kiel zu wünschen, dass sie ihm zu Beginn die nötige Zeit geben, um seine Spielphilosophie auf die Mannschaft zu übertragen. Denn dann bekommt Holstein Kiel nicht nur eines der spannensten deutschen Trainertalente, sondern einen Mann, der dafür sorgen wird, dass niemand jemals den scheidenden Markus Anfang vermissen wird.

2. Es gibt nur einen logischen Nachfolger: Tobias Schweinsteiger

Als Tim Walter 2015 zum FC Bayern wechselte, begann Tobi Schweinsteigers Trainerkarriere. Drei Jahre agierte er nun als Co-Trainer von Tim Walter. Beide teilen die Idee der offensiven Spielphilosophie. 2017 schloss Schweinsteiger den Lehrgang zur Trainer A-Lizenz mit der vollen Punktzahl ab. Seit Einführung des Lehrgangs vor 17 Jahren gelang nur einem anderen Teilnehmer die volle Punktzahl: Ein gewisser Thomas Tuchel.

Der Weg der Bayern Amateure in den vergangenen Monaten war überaus erfolgreich. 14 Siege aus den letzten 17 Spielen konnte das Team einfahren. Damit ist es mit Abstand die beste Rückrundenmannschaft. Der Weg ist also zweifellos der richtige. Und anstatt von ihm mit einem neuen Trainer abzukehren, ist größtmögliche Kontinuität der beste Weg. Zwar verlassen einige Spieler die Mannschaft, aber aus der Jugend rücken hervorragende Talente nach.

Tobi Schweinsteiger bringt alles mit, was es für den Posten braucht. Talent als Trainer, den Stallgeruch, die Liebe zum FC Bayern und den bedingungslosen Rückhalt der Mannschaft. Nach der Absage von Mehmet Scholl sehen das hoffentlich auch die Verantwortlichen so, dass Bastis Bruder die beste Wahl ist.

3. Früchtl, Götze, Awoudja, Feldhahn, Köhn, Türkkalesi, Benko, Fein, Dorsch, Tillman, Obermair, Pantovic, Wriedt, Evina

Nach dem Spiel wurde Tim Walter in der Pressekonferenz gefragt, welcher Spieler heute besonders herausgeragt hat. Vollkommen zurecht antwortete er, dass “alle Elf” herausragend waren, wobei er sicher auch die eingewechselten Spieler ebenfalls damit meinte. Egal welchen Spieler man aus der Mannschaft herauspickt, ein jeder ist nicht mehr zu vergleichen mit dem Spieler, der er zu Saisonbeginn war. Felix Götze spielt einen modernen Außenverteidiger, der so oft von der Öffentlichkeit übersehene Awoudja hat im Spielaufbau genauso um Welten zugelegt wie der alte Haudegen Nicolas Feldhahn, der in der Saisonvorbereitung oft noch vollkommen überfordert wirkte.

Der immer so schmächtig wirkende Fabian Benko ist endlich im Herrenfußball angekommen, gewinnt Zweikämpfe gegen erfahrene Zweitligaspieler wie Mauersberger oder Mölders. Niklas Dorsch läuft mit den Profis gegen Eintracht Frankfurt auf und agiert im Mittelfeld ballsicher als hätte er schon jahrelange Erfahrung auf Bundesliganiveau. Adrian Fein dominiert das Mittelfeld mit seiner Präsenz, streut immer wieder zielgenau starke Läufe ins Spiel ein und hat nicht umsonst mittlerweile einen Stammplatz in der deutschen U19-Nationalelf neben den bundesligaerfahrenen Arne Meier und Kai Havertz.

Das waren nur ein paar Beispiele, aber sie sollen die Entwicklung der Mannschaft verdeutlichen. Das Trainerteam hat den Weg vorgegeben, die Mannschaft ist ihm gefolgt. Und alle haben davon profitiert. Wenn man sich in fünf Jahren nochmal die Aufstellung dieses Spiels durchliest, werden hinter diesen 14 Namen sicher zahlreiche Bundesliga- und Zweitligaeinsätze stehen.

Wer Lust hat, kann sich das komplette Spiel nochmal im Re-Live bei Sport1 anschauen

FC Bayern Amateure – TSV 1860 3:1 (2:0)
FC Bayern Amateure Früchtl – Götze, Feldhahn, Awoudja, Köhn – Fein (64. Türkkalesi), Benko – Pantovic, Tillman (81. Dorsch), Obermair (74. Evina) – Wriedt
Bank Weinkauf, Mayer, Crnicki, Isherwood
TSV 1860 Hiller – Weeger, Berzel, Mauersberger, Steinhart – Wein, Seferings (77. Gebhart), Andermatt (46. Köppel) – Koussou, Mölders, Karger (75. Kindsvater)
Bank Bonmann, Aigner, Helmbrecht, Görlitz
Tore 1:0 Wriedt (18.), 2:0 Obermair (45.), 2:1 Wein (65.), 3:1 Köhn (88.)
Gelbe Karten Pantovic, Dorsch, Türkkalesi / Mauersberger, Möders
Schiedsrichter­ Steffen Brütting
Zuschauer12.500 (ausverkauft)
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Leserkommentare
  1. wipf1953

    Grandioser Artikel, Martin, auch die Hinweise zu Tim Walter (Holstein Kiel), Mehmet Scholl und Tobi Schweinsteiger.

    Ich wüßte zu gerne, warum Tim Walter den Verein verlässt. Wenn es Mehmet Scholl nun doch nicht wird, gibt es doch eigentlich nur einen logischen Trainer für die “Zweite”, und das ist Tim Walter selbst. Einige aus der Bayernmannschaft dürften doch noch U19 spielen – und mit solchen Youngsters schlägt Walter den im Durchschnitt viel älteren und erfahreneren Titelaspiranten.

  2. Jo

    Ein geniales Spiel. In jeder Hinsicht. Mit so einem, man muss es wohl so nennen, Klassenunterschied gegenüber dem designierten Meister hätte ich nie gerechnet.
    Wenn dieses Spiel repräsentativ für das Leistungsvermögen der Löwen war, dann gute Nacht für deren Ambitionen!

    Großes Kompliment an Walter und sein Trainerteam. Wenn man die Entwicklung zwischen den Derbys betrachtet, wirklich bemerkenswert. Eine Mannschaft die erkenntlich eine Handschrift hat, gut strukturiert ist und mit guten, schnellen Ballstafetten und Kombinationen glänzen kann.

    Für mich besonders hervorzuheben Adrian Fein. Das beste was ich bisher von ihm gesehen habe. Offensichtlich hat man ihm mittlerweile beigebracht, dass man den Ball auch mal abspielen kann. So sieht das gleich ganz anders aus.

  3. Roland Wohlfahrt

    Das Triple ist immer noch möglich: Meisterschaft, Pokalsieger und Nicht-Aufstieg der 60er. (frei nach Manni Schwabl) Im Ernst: Was für ein Auftritt und was für ein Spiel,in dem wir deutlich untermauert haben, dass wir derzeit die stärkste Mannschaft der RL sind. Schade, dass im Saisonverlauf etwas die Konstanz gefehlt hat, diesem Team wäre der Aufstieg zu gönnen gewesen.

  4. […] unserem letzten Bericht über die Amateure in der vergangenen Saison nach dem 3:1-Derbysieg empfahlen wir Tobi Schweinsteiger als Nachfolger […]

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