GELSENKIRCHEN, GERMANY - JUNE 11: Head coach Tim Walter of Bayern looks on prior to the B Juniors German Championship Semi Final match between FC Schalke and Bayern Muenchen at Ueckendorf Ground on June 11, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Bayern Amateure gehen in die Winterpause

Martin Trenner 29.12.2017

Die Ausgangssituation

Nicht von wenigen Außenstehenden wurden die Bayern Amateure im Vorfeld der Saison immer wieder als Meisterschaftskandidat bezeichnet. Auch Hermann Gerland nannte bei seiner Vorstellung als neuer sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung den Aufstieg in die dritte Liga als Ziel.

Freilich, bevor er wusste, dass es den TSV 1860 zwei Wochen später bis in die Regionalliga Bayern herunterspülen würde. Die Löwen stellten fortan einen Kader zusammen, der für Viertligaverhältnisse überragend ist. Auf der Basis des jungen U23-Teams, das in der Vorsaison Tabellenzweiter wurde, baute man mit den Zweitligaspielern Sascha Mölders, Jan Mauersberger und den Drittligaspielern Daniel Wein, Philipp Steinhart, Timo Gebhart und Markus Ziereis ein schlagkräftiges Team auf, für das der Aufstieg nur Formsache zu sein schien.

Tim Walter nannte als offizielles Saisonziel fortan konsequent: “Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen und die jungen Talente weiter nach vorne bringen”. Kein Wunder, denn die Bayern Amateure gingen mit dem wohl jüngsten Kader aller Zeiten in die Saison.

Drei externe Neuzugänge leistete man sich: Darunter Angelo Mayer als Back Up für den zweiten Neuen, Derrick Köhn. Der Linksverteidiger kam vom Hamburger SV, wo man dem Vernehmen nach ein wenig verwundert über das Interesse des FC Bayern an diesem Spieler war. Dass Derrick Köhn mittlerweile erstmals vom DFB für die Juniorennationalelf nominiert wurde, zeigt jedoch, dass da nicht ganz verkehrt gescoutet wurde.

Auf der vakanten Mittelstürmerposition war das Bemühen um mehrere erfahrene Stürmer erfolglos. Mit Anton Fink und Sascha Mölders konnte sich der FC Bayern finanziell nicht einigen, erst bei Otschi Wriedt vom VfL Osnabrück passten die Rahmenbedingungen. Nach nur wenigen Stunden in München ohne jede Trainingseinheit traf er auch gleich bei seinem ersten Spiel im rot-weißen Trikot.

Der spektakuläre 2:1-Sieg gegen die hoch eingeschätzten Schweinfurter ließ die Erwartungen an das Team steigen. Schließlich gewann die Verletzungs- und Abstellungsgeplagte Mannschaft das Spiel in einem 3-5-2 System, das sie zuvor nicht einmal trainiert hatte. Mit einem Mittelstürmer, den sie erst seit wenigen Stunden kannte.

Spätsommerkrise

Schnell sollte sich herausstellen, dass die Realität mühsamer aussehen würde. Beim knappen 3:2 in Eichstätt – Niklas Dorsch traf in der Nachspielzeit zum Sieg – zogen die Amateure gerade noch so den Kopf aus der Schlinge.

In Garching gelang Dorsch trotz einer hochkarätigen Chance in der Schlussminute keine Wiederholung dieses Kunststücks – 2:2. Endgültig auf den Boden der Realität kam das Team an, als es zu Hause gegen den FC Pipinsried mit 0:1 verlor. Gegen einen Aufsteiger, bei dem der Trainer auch Spieler ist und nach 70 Spielminuten vom Platz flog.

Es war die schwierigste Saisonphase der Amateure, in der die Mannschaft zwei englische Wochen bestritt. Zu zeitweise rund zehn verletzten Spielern kamen auch die ständigen Abstellungen für Termine der Profis, darunter das Traumspiel und das Retterspiel in Offenbach.

An einen normalen Trainingsbetrieb war nicht zu denken. Das Trainerteam hatte kaum Gelegenheit, an den aufgetretenen Schwächen zu arbeiten. So rutschte die Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt lediglich aus 13 oder 14 fitten Feldspielern bestand, immer weiter in ein Tief. Gemischt aus Verunsicherung und Überbelastung, basierend auf der mangelnden Erfahrung der sehr jungen Spieler.

Die deutlichste Klatsche setzte es dann beim 1:5 in Augsburg. Christian Früchtl kassierte bereits in der siebten Spielminute einen Platzverweis der überflüssigen Sorte. Trotz Rückstand und Unterzahl steckte das Team jedoch nicht auf, erzielte den verdienten Ausgleichstreffer. Doch nach dem erneuten Rückstand brachen alle Dämme. Der 17-jährige Michael Wagner, eigentlich Ersatztorhüter der U19, war bei seinem Regionalligadebüt nicht zu beneiden.


Selten war eine Saison der Bayern Amateure so abwechslungsreich und inkonstant wie die aktuelle Spielzeit. Hervorragende Spiele gegen Spitzenteams wechselten sich mit fast schon peinlichen Punktverlusten gegen Abstiegskandidaten ab. Dass die Mannschaft eine positive Entwicklung zeigt, ist aber längst unverkennbar.

Zwischenhoch nach der Länderspielpause

Gerade recht kamen die zwei freien Wochenenden, die eine Länderspielpause und ein spielfreier Spieltag den Amateuren bescherten. Im Kopf und in den Beinen erholt siegten die kleinen Bayern erst mit 2:0 beim Club in Nürnberg, dann mit 5:0 in Bayreuth. Aber die Zeit für Konstanz war noch zu früh, aus den folgenden drei Spielen holte die Mannschaft nur ein mageres einzelnes Pünktchen.

Groß war die Angst vor dem anstehenden Derby gegen den TSV 1860 bei den Fans, eine richtige Packung zu kassieren. Niemand rechnete mit einem Sieg, für jeden wäre ein Unentschieden schon ein achtbares Ergebnis gewesen. Doch die Leistungen der Mannschaft waren zu wechselhaft, um selbstbewusst ins Stadtduell zu gehen.

Nach dem 2:0 Sieg in Rosenheim kam es am Mannschaftsbus deshalb noch zu einem äußerst positiven Gespräch zwischen Mannschaft und Fans. Die vielleicht entscheidenden Minuten für die hervorragende Einstellung, mit der die Mannschaft wenige Tage später im Derby auftrat. Schon das breite Grinsen von Christian Früchtl, der von den Löwenfans beim Warmmachen mit hier nicht zitierfähigen Begriffen beschimpft wurde, sprach Bände. Die junge Bayernmannschaft wirkte zu keiner Sekunde von der nicht gerade freundlich gestimmten Atmosphäre beeindruckt. Ganz im Gegenteil, sie war auf dem Platz das aktivere und leidenschaftlichere Team. Einen ausführlichen Spielbericht zum historischen Derbysieg findet ihr hier.

Anschließend verloren die Amateure kein Spiel mehr, es gab unter anderem klare Siege in Fürth (3:0), gegen Unterföhring (5:2) und gegen Buchbach (4:0). Somit holte die Elf von Tim Walter aus den letzten acht Spielen vor der Winterpause 20 von 24 möglichen Punkten. Der Triumph im Stadtduell verschaffte der Mannschaft das lange erwartete Selbstvertrauen in der Defensive. Gleichzeitig griffen auch die Zahnräder in der Offensive immer besser miteinander, obwohl Otschi Wriedt bei den meisten Spielen fehlte.

Pflichtspielatmosphäre in der Winterpause

Eine Besonderheit der Regionalliga Bayern ist stets die lange Winterpause von annähernd drei ganzen Monaten. Um diese große Lücke zu füllen, nehmen die Bayern Amateure dieses Jahr erstmals am Premier League International Cup teil.

Hier treten die Reservemannschaften der englischen Teams sowie die Zweitvertretungen einiger internationaler Mannschaften gegeneinander an. Das erste Spiel gewann Walter-Elf mit 1:0 gegen die U23 des FC Reading. Die ersatzgeschwächt antretenden Bayern Amateure (Ohne Friedl, Köhn, Fein, Tillman und Wriedt) schlugen sich tapfer gegen die mit Profiverstärkung angetretenen Engländer. Niklas Tarnat erzielte das goldene Tor zum 1:0 Sieg. Nach miasanrot-Informationen war es sein vorerst letztes Tor im Trikot des FC Bayern, sein Wechsel zur Winterpause ist beschlossene Sache.

Ende Januar reist die Mannschaft erneut nach England und tritt dann gegen die U23 von Arsenal und die Zweitvertretung des FC Porto an, bevor es ins Trainingslager nach Spanien geht. Weitere hochkarätige Testspielgegner sind Drittligist Unterhaching sowie die österreichischen Zweitligisten WSG Wattens und FC Liefering. Das erste Punktspiel ist derzeit für den 23. Februar gegen den VfB Eichstätt angesetzt. Personell waren zuletzt keine externen Neuverpflichtungen geplant, dagegen könnte der Abgang von Niklas Tarnat nicht der einzige bleiben. Durchaus möglich ist aber, dass aus der U19 ein oder zwei weitere Spieler vorzeitig zu den Amateuren aufrücken.

Was uns die Rückrunde bringt

Der Begriff Rückrunde ist eigentlich nicht ganz treffend, hat doch diese schon im November begonnen. 21 Spiele sind absolviert, 15 müssen die Bayern Amateure noch bestreiten.

Ein Rückstand von neun Punkten auf die Tabellenspitze, aber auch ein Spiel weniger ist derzeit der Tabelle abzulesen. Dass nach ganz vorne noch etwas geht, ist zwar nicht unmöglich, aber trotzdem wenig wahrscheinlich. Die zuletzt auffällig schwächelnden Löwen werden mit ihrem Monsterkader wieder souveräner aus der Winterpause herauskommen. Gleichzeitig ist zwar unsere Mannschaft nun gefestigter, wird allerdings trotzdem noch einige Punktverluste verzeichnen müssen.

Fraglich ist auch, ob dem Trainerteam in der Vorbereitung alle Spieler zur Verfügung stehen werden. Köhn, Fein und Tillman waren bereits vor Weihnachten bei der U19 im Einsatz. Die A-Junioren starten noch im Januar in die Rückrunde und könnten daher wieder Anspruch auf diese Spieler erheben. Otschi Wriedt dürfte nach dem Transfer von Sandro Wagner wieder durchgehend den Amateuren zur Verfügung stehen. Bei Marco Friedl wird dies wohl abhängig von der personellen Situation bei den Profis sein.

Tabellenplatz Zwei, der ein durchaus achtbares Ergebnis für diese junge Mannschaft wäre, liegt in greifbarer Nähe. Ob die Löwen dann “am Ende des Tages” zulassen, dass man auch sie noch ein wenig ärgern kann, wird die Zeit zeigen. Und dann geht im Sommer alles von vorne los, wenn wieder zahlreiche Leistungsträger die Mannschaft verlassen werden. Und der Vertrag von Cheftrainer Tim Walter läuft ebenfalls im Sommer aus. Es gibt also viel zu tun für die Verantwortlichen.

In der Rückrunde planen wir, zu nahezu jedem Spiel der Bayern Amateure wieder einen Spielbericht zu veröffentlichen. Wir freuen uns auf euer Feedback!

»Eier, wir brauchen Eier!«

— Oliver Kahn

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  1. Spielberichte zu Amateurespielen, Daumen hoch!
    Man kann wirklich gespannt sein, wie mit den ganzen auslaufenden Verträgen gehandelt wird. Wer entscheidet, welche Spieler man behalten will? Macht das Gerland oder Sauer? Oder gar Brazzo?
    Hoffentlich beweisen sie ein gutes Näschen, ich würde mir nicht zutrauen zu sagen, welche Abgänge man richtig bereuen werden könnte. Wen sollte man auf jeden Fall behalten (versuchen zu behalten)?

  2. Danke für die interessanten Infos!

    Nachdem Du bei (fast?) allen Spielen von U17, U19 und den Amas dabei bist, Insiderinfos wie die des drohenden Abgangs von Niklas Tarnat besitzt: Hast Du Einblicke, wie die Proiritäten des Vereins im Nachwuchsbereich ausschauen?
    Auffällig ist, dass viele Spieler aus dem jüngeren Jahrgang nach oben in den nächst höheren gezogen werden: Das ist nur z.T. verletzungsbedingt passiert.
    Dazu das aktuelle Interview auf der FCB HP https://fcbayern.com/de/news/2017/12/sauer-darauf-konnen-wir-stolz-sein-291217. Dabei geht es zwar um den ganzen Nachwuchsbereich (meine Frage bezieht sich auch darauf), aber für mich sind die Amateure die letztendliche Abrundung bzw. wünschenswerte Veredelung der gesamten Jugendarbeit.

    Zurück zu meiner Frage nach den Prioritäten: Geht es wirklich mehr um die Förderung des individuellen Leistungsniveaus des einzelnen Spielers (das Sauer-Interview lässt darauf schließen), so dass man möglichst bald BL- bzw. FCB-Profi-Spieler aus der eigenen Jugend begrüßen kann, oder sind Titel (U19, U17) bzw. Aufstiege (Amas) zumindest “genauso” wichtig?
    Gibt es im Verein so etwas wie eine inoffizielle “Präferenzliste”? Zum Beispiel à la “U19-DM-Titel ist wichtiger als Aufstieg von Amas und Titel der U17”.

    Kannst / darfst / willst Du etwas dazu sagen?

  3. Wohin wechselt Tarnat denn?

  4. Dann muss ich mir auf alle Fälle mal die U16 anschauen, U19, U17, U15 und U14 habe ich schon gesehen …

    Hätte “OBM” aus deiner Sicht in der U17 bleiben sollen? Wie es aussieht, wurde er ja dauerhaft nach oben in die U19 gezogen.

    In Klammern benennst du die aus deiner Sicht größten Talente, oder? Wintzheimer zählst du also nicht dazu? Ich persönlich sage, dass er irgendwann einmal in der BL (1. oder 2.) spielen wird – für den FCB wird es wahrscheinlich aber nicht (ganz) reichen.

    Und in der U17 gehört für mich auf alle Fälle in diese “Auswahlliste” Jonas Kehl – ein absolutes “Philipp Lahm Double” ;-) Der ist neben Batista Meier für mich das Supertalent.

  5. Nein, sehe gerade: Du meinst die Spieler, die nach oben gezogen worden sind … sorry!

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