Vorschau: SC Freiburg – FC Bayern München

Interview mit Freiburg-Fan Michael

Die Winterpause neigt sich dem Ende und die Bundesliga ist zurück. Vorbei die ewigen Diskussionen um Transfers und Trainingslager, denn am Freitagabend eröffnen der SC Freiburg und der Rekordmeister aus München das neue Jahr.

In Freiburg blickt man zufrieden auf eine tolle Hinserie zurück. Zwar steht formal noch die Partie gegen die Bayern an, da dies ja der 17. Spieltag ist, doch auch im Falle einer Niederlage dürfte sich daran nichts ändern. Mit SC-Fan Michael sprachen wir unter anderem über die Gründe für den Erfolg, Christian Streich, Nils Petersen und das Spiel am Freitag.

(Grafik: Michael Böck)

Hallo, stell dich zunächst bitte unseren Lesern vor, erzähle uns wer Du bist und was dich mit dem SC Freiburg verbindet.

Hallo, ich bin Michael und in meiner Kindheit durch unzählige Urlaube im Schwarzwald zum SC-Fan geworden und geblieben. Auf Twitter findet man mich als @fuszball und wer meine erkältete Stimme hören möchte, ist gerne eingeladen den Füchsletalk (@fuechsle_talk) anzuhören.

Man hat manchmal das Gefühl, dass die großartige Leistung des SC so ein bisschen unter dem Radar läuft. Wieso ist der Klub trotz seiner begrenzten Mittel so erfolgreich?

Dass wir diese Saison ein bisschen unter dem Radar laufen, hat sicher auch mit der Tabelle zu tun: Frankfurt weit oben, einige Kandidaten aus dem oberen Drittel eher im hinteren Drittel. Da ist dann unser 8. Platz zur Winterpause nicht so spektakulär im Vergleich. Der Hauptgrund für den Erfolg im Verlauf der bisherigen Saison ist, dass wir in der Sommerpause – anders als sonst eigentlich fast immer – keine Abgänge hatten und die Mannschaft sich nach dem Aufstieg mit einer Art Schwur darauf geeinigt hat, mindestens die erste Saison nach dem Aufstieg gemeinsam zu spielen.

Vor einigen Jahren sagte man ganz bescheiden, dass man sich selbst in den Top 25 Deutschlands sehe und dementsprechend auch stets für die zweite Liga plane. Ist das immer noch so oder ist das Anspruchsdenken des Klubs nun ein anderes? Was sind die langfristigen Ziele?

Ein bisschen selbstbewusster sind wir schon geworden: ich denke mittlerweile ist das Selbstbild eher die Top 20 oder zur höchsten Not auch 21 in Deutschland. Man weiß, dass man immer mal wieder absteigen kann, wenn es dumm läuft, hat aber einen Plan in der Hinterhand, um schnell wieder nach vorne zu schauen. Das Ziel für die nächsten Jahre ist vor allem ein möglichst rascher Umzug ins neue Stadion, um mit den Mehreinnahmen von dort finanzielle Nachteile ausgleichen zu können – damit man dann vielleicht ganz dreist die Top 15 in Deutschland als Ziel ausgeben kann.

Zeit für eine kleine Lobeshymne: Christian Streich ist ohne Frage einer der besondersten Trainer Deutschlands. Was macht ihn so speziell?

Das Schönste an ihm ist, unabhängig von seiner hervorragenden Arbeit, die er bei uns leistet, einfach, dass er ein unglaublich toller Mensch ist – seine Interessen und sein Blick auf die Welt hören nicht außerhalb von Stadion und Trainingsplatz auf und ich finde es schön, dass bei uns jemand auf der Bank sitzt, der im Vergleich zu anderen Trainern keine reine Floskel-Maschine ist.

Und sportlich?

Sportlich ist er der beste Trainer, den man sich für den SC vorstellen kann: er kennt den gesamten Verein und die Fußballschule seit vielen Jahren, hat einen guten Draht auch und gerade zu jungen Spielern und beherrscht die seltene Gabe, diese gleichzeitig zu fördern und zu fordern. Ein Spieler wie Söyüncü hätte nach seinen anfänglichen Schwierigkeiten wahrscheinlich bei keinem anderen Bundesligisten mehr eine so große Rolle gespielt wie bei uns. Aber Streich hat ihn geschützt, aufgebaut und intensiv mit ihm gearbeitet. Wobei ich mir das im konkreten Fall immer recht witzig vorstelle: sie sprechen ja quasi beide kein deutsch…

Christian Streich und Freiburg: Diese Konstellation wünschen sich die Fans noch sehr lange.
(Foto: Marc Mueller / Bongarts / Getty Images)

Für welche Art Fußball steht Streich?

Der Fußball beim SC unter Streich hat sich leicht geändert, wobei interessant ist, dass auch das ein bisschen unter dem Radar passiert ist: das Spiel ist physischer geworden, unsere Spieler halten jetzt auch mal dagegen und sind durchsetzungsfähiger. Auch lange Bälle, die ja früher in Freiburg absolut verpönt waren, sieht man jetzt öfter. Was auch daran liegt, dass man mittlerweile sowohl Spieler hat, die diese spielen können, als auch gerade mit Nils Petersen einen Mann vorne drin hat, der sie verarbeiten kann.

Und doch spielt Petersen, der zu den größten Namen beim SC zählt und stets abliefert, vergleichsweise wenig. Woran liegt das?

War das bei Euch nicht auch schon so? Nils hat, wenn man sich die Quote der Tore pro Spiel anschaut, eigentlich bei allen seinen Stationen immer regelmäßig oder überdurchschnittlich getroffen, von einem kleinen Durchhänger in Bremen mal abgesehen. Dass er nicht alle Spiele 90 Minuten durchspielt liegt an einer Kombination von zwei Dingen: zum einen ist es in dieser Saison so, dass alle unsere Stürmer treffen und es mit der Taktik, dass Petersen später als Geheimwaffe von der Bank kommt, einfach gut läuft. Zum anderen ist es wohl auch ein taktischer Ansatz, dass mit Niederlechner erst einmal ein Stürmer auf dem Platz steht, der die gegnerische Abwehr beschäftigt, müde spielt und dann ein wacher Stürmer von der Bank kommt, der sich die Abwehrspieler auch schon ein bisschen ausgucken konnte bis zur Einwechslung. Wie Petersen und Niederlechner darüber denken, kann man gut in einem Interview mit der Badischen Zeitung aus dem Trainingslager sehen: beide sagen zwar, dass natürlich jeder Fußballer immer 90 Minuten spielen will, aber sie sehen auch, dass es momentan so wie es ist für die Mannschaft einfach super läuft.

Die Freiburger waren in der Vergangenheit immer ein unangenehmer Gegner für den Rekordmeister. Was macht dich optimistisch für Freitag und wie erwartest Du die Breisgauer taktisch?

Bis auf Söyüncü ist die komplette Abwehr wohl wieder fit. Es gab keine Abgänge. Die Winterpause war lang genug zum Regenerieren und nicht zu lang um den Schwung aus der Hinrunde zu verlieren, hoffe ich zumindest.

Was die Taktik angeht kann ich mir mehrere Szenarien vorstellen: die in der Hinrunde mehrmals gespielte Dreierkette, die defensiv zur Fünferkette wird, ist sicher eine Option. Auch unser eigentlich übliches 4-4-2 mit eher defensiverer Doppelsechs kann ich mir vorstellen, vor allem weil sich die Mannschaft in diesem System – das hat man im Verlauf der Vorrunde mehrmals nach Umstellungen sehen können – nach wie vor am wohlsten fühlt. Keine schlechte Idee, völlig unabhängig von der Formation, wäre es Alonso unter Druck zu setzen und da wir sehr laufstark sind, bin ich sehr gespannt wie es im Mittelfeld aussehen wird am Freitag. Das einzige was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann ist, dass der SC sich zuhause hinten rein stellt. Vielleicht schneit es ja auch ein bisschen wie bei unserem Spiel gegen Leipzig in der Aufstiegssaison. Das wäre doch ein stimmungsvoller Auftakt ins neue Jahr!

Wie geht das Spiel aus?

Ich würde mich freuen, wenn sie es nicht verlieren. Wir sind heimstark, haben die letzten Heimspiele gegen Bayern nicht verloren und sind eingespielt. Ich glaube ein Unentschieden ist nicht total unrealistisch.

Wenn Du dir einen Spieler der Bayern aussuchen könntest: Wer wäre es und wieso?

Würde Lewandowski bei uns spielen, hätte Petersen noch mehr Probleme auf Spielzeit zu kommen, den dürft ihr also behalten.. Rein interessehalber sage ich Müller: dass die Ausleihe, die mal im Raum stand, nicht zustande kam, ist schade. Das ist ein spannendes “was wäre gewesen wenn”-Szenario.

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Leserkommentare
  1. SD2MUC

    Es geht wieder los! Hurra!

    Bin sehr, sehr gespannt auf diese Rückrunde. Ist ja wirklich alles drin. Von CL Titel bis Aus gegen Arsenal. Von Meister bis Leipzig in Leipzig zum Meister werden lassen (wobei das der Alptraum wäre).

    Aber: Immer vorwärts!

    Und Danke auch für diese interessante Vorschau!

    1. Robtschub

      Seit wann sind die Bayern so schlecht? Sehe gerade die Begegnung gegen Freiburg. Keine Bewegung und jeder Konter ist brandgefährlich! So sehe ich schwarz für die CL. Ich kann nur hoffen, als Bayernfan, das die Bayern mal eine richtige Packung bekommt!

  2. Endlich gehts wieder los!
    Danke für die frühe Vorschau.

    Sieg vorlegen, und wenn dann die Leipziger womöglich gegen unbequeme Frankfurter schlecht aus der Pause starten… sieht es gut aus.

    Bin gespannt wie wir spielen. Aber ohne Thiago führt eigentlich kaum ein Weg am “klassischen” 4231 mit Müller auf der Zehn vorbei.
    Oder hat jemand andere Eindrücke aus den Testspielen?

    1. Was Ancelotti in der Hinsicht vor hat, ist schwer zu sagen. Grundsätzlich glaube ich, dass er “sein” 4-3-3 wieder spielen lassen wird. Vermutlich, wie im Text beschrieben, mit Müller als halbrechter Achter. Von da kann er dann mit den gewohnten Freiheiten ins Zentrum ziehen. Formal also das 4-3-3, praktisch eher ein 4-2-3-1/4-2-4

      1. Oh sorry, diesen Abschnitt hatte ich überlesen.

        Ich habe jetzt noch auf fcb.de nachgeschaut. In den beiden Tests beim Telekomcup gegen Düsseldorf und Mainz (je 45 min) spielte der FCB jeweils mit drei klassischen Mittelfeldspielern: gegen Düsseldorf Kimmich, Alonso und Vidal; gegen Mainz Kimmich, Sanches und Vidal (letzte 10 min für Benko ausgewechselt).

        Das deutet eher auf ein klassisches 433 hin, dann vermutlich mit Vidal und Kimmich vor Alonso. Ich bin gespannt. Ich hoffe allerdings, das du recht behältst und Müller ZUSÄTZLICH zu drei Offensiven spielt.

      2. Ju

        Also, ich habe nur das Spielchen gegen Mainz gesehen.. jedenfalls hat Kimmich da als rechter 8er sehr hoch gespielt, teilweise eher wie ein rechter Zehner (so Sabitzer mäßig), da Costa eine sehr freie Rolle hatte und selten seine Position besetzt hat. Er hat das zwar recht gut gemacht, wäre aber am Ende für Müller schon eine passendere Rolle. Weiß jemand wie es Vidal geht? Falls der ausfällt, stellt es sich ja sowieso quasi selbst auf, wenn man annimmt, dass Sanches diese Woche keinen Zaubertrank bekommen hat.

    2. Fabian

      Ich könnte mir auch gut vorstellen (würde mir wünschen), dass Carlo im 4-1-3-1 spielen lässt, mit Costa auf der 10 – wie damals beim fulminanten 3:0 gegen Wolfsburg im Pokal unter Pep. Rechts Robben und links Ribery oder Coman, je nachdem ob Alaba oder Bernat spielt. Bernat und Coman wäre auf der linken Seite wohl sehr interessant.

      Auf eine gute Rückrunde

  3. wipf1953

    Ich bin schon sehr gespannt, wie das zweite Halbjahr unter CA so wird.

    Mehrere Abgänge, kein Zugang, und, so wie es ausschaut, auch kein hochgezogener Nachwuchsspieler.

    Wenn man mal optimistisch davon ausgeht, dass Bayern von erneuten Verletzungsarien einiger Maßen verschont bleibt (nicht nur die Anzahl der verletzten Kicker war die letzten Jahre dramatisch, sondern auch die Verletzungsdauer), könnte sich ein eingeschworener Zirkel bilden, bei dem jeder einzelne wichtig ist und für den anderen spielt.

    Am gespanntesten bin ich, wie sich Costa und Coman in der Rückrunde machen. Thiago kommt hoffentlich bald wieder und bleibt dann hoffentlich verletzungsfrei.

  4. Marco05

    Wie immer auswärts gegen Freiburg fürchte ich nichts Gutes, zumal an einem Freitag Abend. Streich wird seine Jungs mehr als heiß machen und die sind ausgeruht und gut im Saft. Das wird eine ganz heiße Kiste und mehr als ein Unentschieden oder ein ganz knapper Sieg würden mich fast überraschen.

    Die letzten Ergebnisse in Freiburg bestätigen das. Von den letzten 4 Spielen wurde nur eines gewonnen. Schon unter Finke waren das immer ekelhafte Kicks und jetzt kommen auch noch stattliche Minusgrade dazu. Sieht für mich alles nach einem verdammt ungemütlichen Abend aus, Aufstellung hin oder her…

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