Vorschau: FC Schalke 04 – FC Bayern München

Interview mit Schalke-Fan Tim

Nachdem die Bundesliga schon nach der Saisoneröffnung durch eine Länderspielpause unterbrochen wurde, dürfen sich die Fans nun auf fünf Spieltage in vier Wochen freuen. Der FC Bayern wird zudem auch in der Champions League gefordert sein. Am Freitagabend eröffnen die Münchner diese ereignisreichen Wochen in Gelsenkirchen.

Dort wird mit Schalke ein hochinteressanter Gegner auf den Rekordmeister warten. Mit Blogger und S04-Fan Tim sprachen wir vor dem Spiel über den großen Umbruch der Knappen, neue Personalien, Zielsetzungen und natürlich die Begegnung mit den Bayern.

Hallo Tim, stell dich zunächst doch bitte kurz unseren Lesern vor und erzähle uns wie Du Schalke-Fan wurdest. Was macht den Klub für dich so speziell?

Moin Justin! Ich heiße Tim, bin 24 Jahre alt und wohne in Hannover. Ich habe zunächst mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen und bin jetzt im Rundfunk-Bereich aktiv. Bis vor zwei Jahren war ich selbst noch begeisterter Fußballer, aber meine Verletzungen zwangen mich im wahrsten Sinne in die Knie. Schalker halt.

Mit dem Schalke-Virus habe ich mich vor knapp 15 Jahren infiziert. Für mich persönlich verbindet der Verein Emotionen und Leidenschaft wie kein Zweiter. Es herrscht eigentlich nie Ruhe. Das ist nicht immer positiv, aber diese Emotionen machen den Verein tatsächlich einzigartig. Es führte damals kein Weg an S04 vorbei. Und das obwohl ich gebürtiger Hannoveraner bin. Jeder S04-Fan, so ist zumindest meine Erfahrung, braucht diese Prise Chaos in seinem Leben. Es wird niemals langweilig.

Es gab mal wieder einen großen Umbruch auf Schalke. Was hat sich deiner Meinung nach schon jetzt verändert und wie positiv ist der nun begonnene Weg für dich?

Es ist in der Sommerpause tatsächlich etwas mehr Ruhe eingekehrt. Christian Heidel hat es verstanden, die Wogen zu glätten und dem Umfeld neues Leben einzuhauchen. Da hat auch das Spiel gegen Frankfurt zunächst nicht viel dran geändert. Mitentscheidend ist wohl die Tatsache, dass nicht mehr wochenlang über Transfers diskutiert wird. Es werden weniger Interna ausgeplaudert. Für FC-Bayern-Fans ist das seit Jahrzehnten normal, aber für uns ist das ein Riesenschritt. Dieser Weg ist genau richtig. Ob das langfristig so bleibt, kann jetzt noch niemand voraussehen und vor allem erst nach ein paar krachenden Niederlagen wirklich eingeschätzt werden. Mit Vorschusslorbeeren sollte auf Schalke also wie immer vorsichtig umgegangen werden.

Christian Heidel war sehr aktiv auf dem Transfermarkt. Stell uns die Neuen doch bitte kurz vor.

Mit Naldo haben wir gleich zu Beginn von Heidels Amtszeit einen sehr erfahrenen Innenverteidiger geholt. Der war nach dem Abgang von Joel Matip auch nötig. Der vermeintliche Königstransfer Breel Embolo soll Leroy Sané auf der Rechtsaußen-Position beerben. Er gilt aber eher als Zukunftsinvestition. Mit Baba Abdul Rahman und Coke wurde auf den Außenverteidigerpositionen personell nachgelegt, was vor allem ein wichtiger Faktor für unsere traditionellen Verletzungssorgen sein wird. Wie es der Zufall so wollte, wird Coke natürlich erstmal lange ausfallen. Für die Sechserposition wurde mit Benjamin Stambouli und Nabil Bentaleb gleich doppelt eingekauft, beide sollen das Zusammenspiel zwischen Offensive und Defensive stärken, was in der Vergangenheit ein fürchterliches Manko war. Kurz vor Ende kam noch Jewhen Konoplyanka vom FC Sevilla hinzu, flexibel einsetzbar über die Außen.

Das hört sich doch nach einem guten Transferfenster an. Wie zufrieden bist Du insgesamt mit den Zu- und Abgängen?

Die Transferbilanz von S04 ist wirklich ordentlich. Heidel hat den Verein nicht nur in der Breite verstärkt, er baut auch auf langfristige Talente. Breel Embolo ist einer davon. Schalke ist jetzt tatsächlich auf jeder Position doppelt besetzt. Das war in der Vergangenheit selten der Fall. Höchstens Nachwuchskräfte konnten unsere Stammelf ersetzen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Durch die vielen neuen Leute wird es aber entsprechend lange dauern, eine eingespielte Mannschaft auf den Platz zu bringen. Keiner sollte Wunderdinge erwarten. Der Konkurrenzkampf ist aber da.

In Bezug auf die Abgänge schmerzt der Abschied von Joel Matip mehr, als es in der Außendarstellung vielleicht rüberkommt. Matip war nicht nur menschlich ein grandioser Typ, er hat uns sportlich auch wirklich weitergeholfen. Das mag von Außen anders ausgesehen haben, aber der Großteil der S04-Fans hielt Jimmy für den wohl besten Innenverteidiger. Womöglich sogar besser als Benedikt Höwedes. Leroy Sanés Abgang war natürlich auch eine bittere Pille. Ich hätte ihm einen (noch stärkeren) Durchbruch auf Schalke zugetraut und bezweifle, ob er sich jetzt schon in England durchsetzen kann.

Christian Heidel und Markus Weinzierl stehen auf Schalke vor einer großen Herausforderung.(Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)
Christian Heidel und Markus Weinzierl stehen auf Schalke vor einer großen Herausforderung.
(Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Du hast bereits von der benötigten Zeit für den Umbruch gesprochen. Weinzierl ließ beim missglückten Saisonstart in Frankfurt wenig von einer neuen Philosophie durchblicken. Kannst Du uns dennoch erzählen wie er den Spielstil der Schalker verändern möchte?

Formationstechnisch wird sich auf Schalke wenig ändern. Die Neueinkäufe zeigen, dass Weinzierl weiter auf ein 4-2-3-1 setzen wird. Vor allem weil unser Coach großer Huntelaar-Fan ist und sich sonst vorne wenig Alternativen bieten. Weinzierls Veränderungen sind eher taktischer Natur. Im 4-2-3-1 waren die einzelnen Mannschaftsteile in der Vergangenheit schlicht zu weit auseinander. Es entstanden vor allem zwischen der Sechserposition und dem Mittelfeld so große Lücken, dass kaum ein Zusammenspiel stattfand.

Während die Sechser in der letzten Saison oft viel zu tief standen, warteten die offensiven Leute wie Max Meyer oder Leroy Sané verzweifelt auf ordentliche Anspiele. Leider hat man genau dieses Phänomen auch in Frankfurt gesehen. Gegen das Pressing der Hessen sah Schalke keinen Stich. Es fehlte einfach an einem geordneten und teambasierten Aufbauspiel. Und das war in der zweiten Hälfte der letzten Saison teilweise furchtbar mit anzusehen. Genau deshalb wurde auf der Sechserposition nachgelegt. Weinzierl will variabler und kompakter agieren, die Außenpositionen stärken und ein verzahnteres Gefüge schaffen. Das werden die Hauptaufgaben sein.

Wie viel Zeit wird er dafür auf Schalke bekommen?

Das ist auf Schalke immer die entscheidende Frage. Die Halbwertszeit der Trainer ist dort bekanntlich erschreckend gering. Mit Christian Heidel könnte sich das ändern. Außerdem hat unser Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies betont, er wolle sich stärker aus dem alltäglichen Bundesligageschäft raushalten. Das macht natürlich erstmal Hoffnung, eine genaue Prognose kann aber erst dann abgegeben werden, wenn die erste Kritik am Trainer aufkommt und man sieht, wie die Chefetage mit dieser Kritik umgeht. Und das wird unabhängig von den Ergebnissen sehr schnell passieren, das kann ich versprechen. Ich hoffe aber, dass ihm die nötige Zeit gegeben wird und er die Mannschaft nach seinen Vorstellungen formen kann.

Welche kurzfristigen Ziele hat sich der Verein gesteckt? Ist die Champions League angesichts der großen Konkurrenz realistisch?

Kurzfristig ist das Ziel auf Schalke eigentlich immer mehr Konstanz. Die Leistungen müssen einfach mal über sechs bis acht Spiele halten. Das ist auf Schalke in der Vergangenheit fast nie der Fall gewesen. Auf überzeugende Auftritte folgten dann mindestens zwei Spiele voller Tristesse. Das muss sich kurzfristig ändern. Die Champions League ist natürlich intern ein großes Ziel. Mit dem Kader und den Verstärkungen sollte es auch der Anspruch sein. In dieser Saison wird es aber wieder extrem schwierig. So viele Neuzugänge, die alle das Potential haben in der Startelf zu stehen, machen es da nicht unbedingt leichter. Anspruch und Wirklichkeit liegen auf Schalke oft weit auseinander. Man sollte auch in dieser Saison keine Wunder erwarten. Ich rechne mit Platz 5.

Am Freitag geht es nun ausgerechnet gegen die Bayern. Wie erwartest Du Schalke von der taktischen Ausrichtung her?

Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn Weinzierl am Freitag mit einer Fünferkette agieren würde. Das hat im Hinspiel der letzten Saison schon ganz ordentlich geklappt und wäre aufgrund der Übermacht des FCB keine Überraschung. Ein großes Offensivfeuerwerk ist also nicht zu erwarten. Trotz Heimspiel. Schalke wird vermehrt auf Standards bauen und die gegen den FC Bayern so unglaublich wichtige Entlastung suchen müssen. Weil Junior Caicara absolut nicht in Form ist und Sascha Riether für die Münchner wohl einen Tick zu langsam ist, könnte es hinten auch eine Viererkette werden, bei der Benedikt Höwedes auf Rechts ausweicht und Naldo sowie Matija Nastasic in die Innenverteidigung rücken. Beide Varianten sind möglich. In der zweiten Variante rechne ich mit einem klassischen 4-2-3-1 mit Leon Goretzka und Nabil Bentaleb vor der Abwehr, falls Goretzka fit ist. Davor wird Markus Weinzierl wohl nicht groß experimentieren. Franco Di Santo wird auf Rechtsaußen wohl durch Breel Embolo ersetzt werden, daneben Meyer und Choupo-Moting oder Neuzugang Konoplyanka. Ganz vorne dann Huntelaar. Diese Variante wäre aber deutlich riskanter.

Wie geht das Spiel aus und wohin geht die Reise für die Knappen in dieser Saison? Glaubst Du an die schon lang ersehnte Ruhe und Konstanz auf Schalke?

Ich bin für das Spiel gegen Bayern schon ein paar Wetten eingegangen. Die sind aber eher kühner Optimismus als echter Realismus. Es wird natürlich bockschwer gegen die Bayern. Mit einem 0:2 und der Gewissheit, dass die Mannschaft alles gegeben hat, könnte ich mich durchaus anfreunden. Ich würde aber lügen, wenn ich insgeheim nicht mindestens auf einen Punkt hoffen würde. Da muss aber tatsächlich alles zusammen passen und der FC Bayern darf auch nicht zwingend einen Sahnetag haben.

Natürlich glaube ich daran, dass auf Schalke langfristig mehr Konstanz und Ruhe herrscht. Der Verein verbaut es sich im Grunde immer selbst. Schlechte Leistungen lassen die Ruhe sofort wieder platzen. Das darf in der neuen Saison nicht mehr passieren. Christian Heidel wird da keine unwesentliche Rolle spielen. Er muss versuchen, den Laden zusammen zu halten. Und ich bin optimistisch, dass ihm das gelingen kann. Eine Prognose kann ich aber nicht abgeben. S04 ist und bleibt eine große, unberechenbare und vor allem extrem zickige Wundertüte. An grauen Haaren wird es mir auf jeden Fall nicht mangeln, wenn ich alt werde. Danke, Schalke.

Abonniere unsere Beiträge!



Twitter & Facebook

Folge uns über Social Media

Du willst die aktuellsten und wichtigsten News zum FC Bayern lesen? Folge uns auf Twitter @miasanrot oder like unsere Facebook Seite.

Folgen

Leserkommentare
  1. “Es werden weniger Interna ausgeplaudert. Für FC-Bayern-Fans ist das seit Jahrzehnten normal”

    Ähem. Seit ein paar Jahren ist das erfreulicherweise so, aber “Jahrzehnte” ist dann doch etwas hoch gegriffen, aber vielleicht ist die Perspektive Tims Jugend geschuldet. ;)

    Aber wie schlimm, dass selbst gegnerische Fans sich mit einer 0:2-Heimniederlage “anfreunden” könnten. Was soll denn diese Unterwürfigkeit?

    1. Haha, habe auch etwas gestutzt als es um die Interna ging. Und ich ahne auch nichts Gutes für die nähere Zukunft.

      Ich bin sehr gespannt, was Weinzierl sich einfallen lässt bzw. wie mutig er agiert. In meinen Augen ist für Schalke mindestens ein Punkt drin.

    2. Done

      Ich schätze mal, dass Weinzierl nicht so unterwürfig an die Sache rangehen und sich Schalke als etwas hartnäckigerer Gegner als Werder präsentieren wird. Mein Lieblingsergebnis gegen die Königsblauen 0:4 wirds vermutlich nicht geben, aber ein Auswärtssieg sollte schon drin sein. Entgegen der 5 Thesen gehe ich von einen knappen ZuNull aus.

  2. pitvonbonn

    Was weiß Weinzierl?
    Dass er mit seiner Ausburger Mauertaktik gegen Bayern “gut” ausgesehen hat.
    Also welche Taktik wird er mit Schalke anwenden?
    Die Bremer oder die Ausburger “Spielweise”?
    Ra´te mal.

  3. Osrig

    Der FC Schalke hat durch den Wechsel in der Vereinsführung und auf der Trainerbank, aber auch durch die durchaus vielversprechenden neuen Spieler, einen erheblichen Umbruch erfahren, der beinahe zwangsläufig zu Schwierigkeiten führen muss. Die Abstimmung in vielen Bereichen ist sicher noch verbesserungsbedürftig, gerade auf dem Spielfeld wurde das am ersten Spieltag gerade zu eklatant deutlich. Diese Abstimmungsprobleme werden nicht innerhalb von ein paar Tagen beseitigt worden sein, zumal Weinzierl von seiner Spielweise nicht zu vergleichen sein dürfte mit Breitenreiter. Auch wenn mittelfristig S04 durch Heidel und dem ehemaligen Augsburger Übungsleiter eine Weiterentwicklung erfahren haben dürfte, wird sich eine Verbesserung nicht schon morgen zeigen. Da Schalke schon jetzt unter einem nicht unerheblichen Druck steht, wird das die Unruhe und Nervosität im Revier noch einmal steigern. Sicher nicht zum Vorteil der Knappen, die diesen Druck nicht so gewohnt sind, wie die Unsrigen.

    Auch wenn bei uns ein neuer Trainer auf der Bank sitzt, sind einschneidende Änderungen ja glücklicher Weise nur vereinzelt vorgenommen worden, wenn gleich auch bei uns die Abstimmung sicher noch nicht optimal ist. Damit dürfte es bei unserer Mannschaft geordneter laufen.
    Nein, ich rechne daher nicht damit, dass Schalke die Oberhand behält.

    Allerdings glaube ich auch nicht an eine Gala wie gegen Werder. Nicht nur, dass sich Schalke wesentlich beherzter, ja sogar aggressiver präsentieren wird, auch hinsichtlich der spielerischen Qualität sehe ich S04 natürlich deutlich besser als die Männer von der Weser. Wenn wir uns nicht von der harten Gangart anstecken lassen, zu der dann auch noch die Begeisterung des Publikums kommt, sondern durch gute Raumaufteilung und schnelles Pass-Spiel den Schalkern unser Spiel aufzwingen, dann werden auch Tore fallen für uns – hoffentlich mindestens eins mehr als für die Schalker^^

    Denn Ich habe noch immer die Sorge, dass durch die bislang gezeigte phasenweise praktizierte stärker defensiv ausgerichtete Aufstellung unseres FCB die Schalker durchaus gefährlich werden können, da sie sich in solch einer Spielsituation mit ihren guten Einzelspielern bis an und in unseren Strafraum kombinieren können. Selbst wenn sie aus dem Spiel heraus dadurch nicht zum Torerfolg kommen, werden sie Standards zugesprochen bekommen, und da sind die Knappen immer gefährlich gewesen. Ich rechne daher auch mit einem Gegentor.
    Ob unsere Offensiven wiederum wie beabsichtigt durch die größeren Räume tatsächlich auch mehr Konterchancen erarbeiten können, bleibt abzuwarten. Und erst recht bleibt es abzuwarten, ob Lewy und Müller die Chancen dann auch verwerten.
    Ich habe da so meine Zweifel, ob die Taktik aufgeht, um am Ende zu siegen, daher halte ich ein Remis für durchaus nicht unwahrscheinlich.

    Dafür muss bei Schalke trotzdem alles sehr gut laufen, und bei uns der eine oder andere “Schnitzer” dabei sein.
    Wenn sich unsere Spieler aber wie gesagt nicht anstecken lassen von der zu erwartenden aggressiven Gangart des Gegners, sondern konzentriert und schnell spielen, dann werden sich Lücken auftun, die wir hoffentlich nutzen können.
    Und sollte sich Schalke doch am eigenen Strafraum verbarrikadieren und auf die berüchtigten Nadelstiche setzen, dann werden Ribéry und Co. hoffentlich noch nicht alles von Pep gelernte vergessen haben und wieder ihr Formationsspiel aufziehen, mit dann hoffentlich erfolgreichen Zügen in den S04-Strafraum und Toren für unseren FCB.

  4. […] In München bewertet man das Spiel gegen Schalke als „ersten großen Gradmesser für Carlo Anc… […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog