Vorschau: FC Ingolstadt – FC Bayern München

Spiel Eins nach der Bekanntgabe des Karriereendes von Philipp Lahm, der am Ende der Saison seine Schuhe an den Nagel hängen wird. Rund um die etwas seltsam verlaufende Ankündigung Lahms und dem bevorstehenden Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Arsenal, müssen die Münchner nach Ingolstadt reisen.

Nach nun zwei anstrengenden Heimspielen gegen Schalke und Wolfsburg, hat Bayern mit dem FCI einen weiteren unangenehmen Gegner vor der Brust. Letztes Jahr taten sich die Bayern unter Pep Guardiola bereits zweimal gegen das letztjährige Überraschungsteam aus Ingolstadt mit Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl schwer.

Hasenhüttl ist mittlerweile in Leipzig und auch sein Nachfolger Markus Kauczinski ist bereits wieder Geschichte. Der neue Trainer heißt Maik Walpurgis. Der 43-jährige soll die Schanzer vor dem Abstieg bewahren, denn im Gegensatz zu letztem Jahr, kämpfen die Ingolstädter gegen den Abstieg aus der Bundesliga.

(Grafik: Michael Böck)

Gegnervorschau

Aktuell stehen sie mit 15 Punkten auf Platz 17 und haben einen Punkt Rückstand auf den fünfzehnten Bremen. Jedoch läuft es aktuell besser: Aus den letzten sechs Bundesligapartien konnte Ingolstadt neun Punkte mitnehmen und schlug dabei Leverkusen und den damaligen Tabellenführer RB Leipzig.

Zu Beginn seiner Amtszeit nutzte Walpurgis noch ein 4-2-3-1-System, stellte aber vor dem Spiel gegen die Leipziger auf ein 5-4-1 um. Der frühere Sechser Roger rückte in die Innenverteidigung und spielt dort meist neben Kapitän Matip und dem Franzosen Brégerie.

Die Doppelsechs wurde dieses Jahr meist von Morales und Almog Cohen gebildet, während Pascal Groß, der wichtigste Spieler in den letzten Jahren, sich auf Außen bzw. etwas eingerückt wiederfindet. Vorne stürmt meist der schnelle Dario Lezcano.

Ihn muss man vor allem bei Kontern im Auge behalten. Rechtsaußen Matthew Leckie wurde gegen Hamburg verletzt ausgewechselt, könnte aber gegen die Bayern wieder auflaufen. Auch der Australier ist mit seiner Schnelligkeit in Kontersituationen eine Gefahr.

Die beiden Bundesligisten im Vergleich.
(Grafik: Lukas)

Pressing als Markenzeichen

Mit Walpurgis kehrten die Ingolstädter wieder etwas mehr zu dem im letzten Jahr so erfolgreichen Spielstil von Ralph Hasenhüttl zurück. Gegen ihren Ex-Coach und seine Leipziger schoben die Ingolstädter aus ihrem 5-4-1/5-2-2-1 weit nach vorne in die Leipziger Hälfte und versuchten so den Spielaufbau der Sachsen zu verhindern.

Ein ähnliches Vorgehen kann auch gegen den FC Bayern erwartet werden. Nicht nur letztes Jahr, sondern auch dieses Jahr in der Hinrunde, schafften es die Schanzer gegen den Rekordmeister mit ihrem aggressiven Pressing mitzuhalten und sich regelmäßig viele Torchancen zu erspielen.

Hauptsächlich werden sie versuchen die Mitte zu verdichten, Bayerns Spielaufbau zu lenken und zu stören, um dann die Münchner auf Außen zu isolieren. Bei Ballgewinn geht es zumeist schnell und vertikal nach vorne. Mit Groß haben sie einen starken Passgeber, mit Lezcano und eventuell Leckie schnelle Stürmer. Auch Lukas Hinterseer kann von der Bank neue Impulse geben.

Auf ihren letztjährigen Toptorjäger Moritz Hartmann müssen die Ingolstädter allerdings verzichten. Jener wird verletzungsbedingt noch einige Zeit fehlen.

Gerade die Offensive der Schanzer ist jedoch nicht die aller Stärkste. Diese Saison stehen erst 17 Tore zu Buche und auch letztes Jahr waren sie nicht sehr erfolgreich vor dem Tor der Gegner. Aufgrund der starken Verteidigung fiel dies damals nicht auf.

Dieses Jahr ist die Abwehr der Ingolstädter etwas schwächer und weiterhin fehlt ein Stürmer, der regelmäßig seine Tore macht.

Bayerns Probleme

Dass die Ingolstädter sich gegen den FC Bayern Chancen ausrechnen können, liegt an der aktuell schwachen Form der Münchner. In jedem Spiel der Rückrunde haben die Bayern bisher mit argen Problemen zu kämpfen, die vor allem taktischer Natur sind. Dies könnten die Schanzer ausnutzen.

Aktuell ist das größte Problem der Spielaufbau des Tabellenführers. Immer mehr wird die fehlende Struktur deutlich und immer weniger sieht man von Guardiolas Positionsspiel.

Die vielen Freiheiten, die Ancelotti seinem Team lässt, führen derzeit zu einer schlechten Staffelung und vielen schwachen Freilaufbewegungen der Münchner. Besonders das Duo Alonso und Vidal stellt sich im Mittelfeld als problematisch dar.

Der Chilene hat mit der fehlenden Struktur zu kämpfen. Zu oft verlässt er seine Position, bewegt sich in die falschen Räume und ist nicht anspielbar bzw. blockiert Passwege zu seinen eigenen Mitspielern. Auch sein Passspiel ist mitunter katastrophal.

Alonso hingegen lässt sich konstant zwischen die Innenverteidiger fallen und fehlt so als sichere Anspielstation in der Zentrale. Diese Bewegungen sind typisch für den Spanier, der sich unter gegnerischem Druck nicht wohl fühlt und sich diesem gerne entzieht.

Alonso kippt häufig zwischen die Innenverteidiger ab. Der Sechser-Raum wird anschließend aber zu selten besetzt.

Thomas Müller hingegen schlägt sich sowieso schon seit längerem mit Problemen herum. Meist schiebt er zu weit vor oder versucht mit vielen Läufen Räume zu schaffen. Allerdings ist dadurch der Zehner-Raum häufig nicht gut genug besetzt.

Am Dienstag feierte Thiago sein Comeback gegen Wolfsburg. Mit ihm war etwas mehr Struktur im Spiel, man merkte ihm aber seine fehlende Spielpraxis und Form an.

Der Spanier ließ sich außerdem häufig fallen, um irgendwie eine Verbindung zwischen Abwehr und Stürmern herzustellen, da Vidal sich nicht immer richtig bewegte. Dadurch fehlte Thiagos Präsenz aber in höheren Zonen.

Alles in allem hat Bayern gerade ein großes Problem im Spielaufbau. Sie verlieren zu schnell die Bälle, müssen recht früh nach Außen spielen und sind dadurch zum Teil am Flügel isoliert. Auch in der Nähe des Sechzehners tut sich der Serienmeister schwer, zwischen die Linien des Gegners zu kommen.

Das Positionsspiel der Münchner hat sehr gelitten. Gegen Wolfsburg versuchte Thiago tiefer zu unterstützen, wodurch er in der Offensive fehlte.

Speziell gegen eine Fünferkette fehlt Bayern aktuell das Handwerkszeug, um sich regelmäßig viele Chancen zu erspielen. Das zeigten die Spiele gegen Schalke und Wolfsburg zuletzt.

Gegen Ingolstadts Konter wird es außerdem auf ein funktionierendes Gegenpressing ankommen, das die Bayern allerdings aufgrund der schlechten Staffelung in eigenem Ballbesitz aktuell kaum umsetzen können.

Dies werden alles Punkte sein, die gegen die Schanzer zum Tragen kommen können. Diese werden versuchen die Münchner aggressiv anzulaufen und aufgrund Bayerns Problemen so auch den ein oder anderen Ballgewinn in höheren Zonen verbuchen.

Für Bayern wird dies eine gefährliche Mischung, da auch gerade die Abwehrreihe, wie man gegen Wolfsburg in den letzten zehn Minuten sehen konnte, nicht immer stabil ist. Bayern selbst wird nicht übermäßig viele Chancen kreieren, denn Ingolstadt lässt auch diese Saison nur 12,1 Schüsse pro Spiel zu, womit sie im Mittelfeld der Bundesliga landen.

Sollten die Bayern es schaffen, sich aus dem starken Pressing zu befreien und ihre individuelle Klasse geschickt einsetzten können, werden sie auch als Sieger vom Platz gehen.

Allerdings wird dieses Spiel sicherlich kein Selbstläufer. Es bleibt ebenso abzuwarten wie viel Ancelotti vor dem wichtigen Spiel gegen Arsenal rotieren wird. Sollte Ingolstadt wirklich hoch pressen wäre beispielsweise eine Doppelsechs aus Kimmich und Lahm mit Thiago als Zehner eine interessante und passende Wahl. Allerdings wird dieses Spiel kein lockeres Aufwärmen für Arsenal, sondern ein hartes Stück Arbeit.

Justins fünf Thesen zum Spiel

  1. Die Bayern schießen mindestens zwei Tore.
  2. Lewandowski trifft.
  3. Ingolstadt trifft auch.
  4. Ancelotti wechselt im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel mindestens vier Mal.
  5. In der ersten halben Stunde fällt mindestens ein Tor.

Immerhin drei Thesen aus der Wolfsburg-Vorschau trafen zu. Gesamt: 65/125.

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Leserkommentare
  1. Kramnik

    Neuer
    Lahm Martinez Alaba Bernat
    Kimmich Sanches

    Coman Müller Costa

    Lewandoski

    1. Minanda

      Thiago braucht aber unbedingt Spielpraxis für Arsenal.

      1. Kramnik

        ja, vielleicht ein 4-3-3 mit Müller als Spitze. Würde mich unheimlich freuen, wenn Sanches, Kimmich und Coman 90min spielen

      2. Thiago braucht vor allem eins: Keine erneute Verletzung. Drei Spiele hintereinander könnten(!) schädlich sein. Aber: Wenn er die Fitness schon hat, hätte ich natürlich nichts dagegen. Muss das Team entscheiden.

  2. Axel

    Tobias, vielen Dank für die Vorschau!
    Ich leite daraus – und aus meinen eigenen Eindrücken dieser Saison – aber diese Thesen ab:
    1) Es wird zäh und jeder Fan, der den Weg nach Ingolstadt auf sich nimmt, wird sich ärgern;
    2) Es wird nur durch Einzelleistungen gelegentlich zu Gefahr für die Ingolstädter kommen;
    3) Wir verlieren das Spiel 0:1
    4) Der erneut verletzte Thiago wird nach dem Spiel sagen, dass das ein wichtiger Weckruf vor der CL-Partie sei.
    5) Costa läuft mit dem Namen “Forrest Gump” auf;

    Die Frustration wächst, seht’s mir nach…..

  3. rookie

    @ Axel super ich ergänze
    6) Carlo wird uns erklären, dass man nciht immer gut spielen kann (immer nicht ok, aber selten wäre ja auch mal was) und alles kein Problem
    7) hier im Forum wird in jedem Fall erklärt werden, dass es a) unter Pep auch solche SPiele gab b) wir mal runterkommen sollen und c) noch nicht März ist, da geht dann die Post ab, also in 3 Wochen, ich kann es kaum erwarten ;-)
    8) Carlo und Leute aus dem FOrum: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS

  4. Das Schöne am fußballerischen Frühjahr: Man hat nie zu lange Zeit, um sich auf den Nebenschauplätzen auszutoben. Also back to business.
    Wir sind gespannt auf die Reaktion der Mannschaft. Mäßige Leistungen hinter uns, Champions League vor uns. Ein Spiel bei wiedererstarkten und unbequemen Schanzern. So gesehen alles angerichtet für einen Ausrutscher.

  5. wipf1953

    Ich bin mir nicht sicher, ob CA so groß rotieren wird. Es ist sein erstes BuLi-Spiel vor einem CL-ko-Spiel. Kenne seine Philosophie da noch nicht. Vielleicht lässt er exakt die Elf auflaufen, die gegen RB gespielt hat und die auch am Mittwoch Arsenal schlagen soll. Diese Jungs wüssten dann, dass sie es sind auf die der Trainer baut, was sie noch stärker machen sollte.

    Letztlich ist es aber vielleicht ja doch naheliegender, dass er die RB-Elf für Mittwoch so weit schont wie nur möglich – dann wären für Samstag plötzlich Müller, Bernat, Kimmich, Sanches und Rafinha erste Wahl …

    Ein 0:0 würde mir reichen .. es wird Mittwoch das erste Mal seit 2010 (!) sein, dass wir im CL-Achtelfinale das erste Spiel zu Hause haben (ein, wie ich meine, für Bayern meistens gutes Omen …)

  6. Systemrelevant

    Ich denke es wird ausreichend rotiert. Vllt auch Lewi auf der Bank, Robben und Thiago auf jeden Fall. Von daher vielleicht auch die Chance für Spieler mit weniger Spielzeit in den letzten Wochen sich zu präsentieren. Also eventuell Müller vorne in der Sturmspitze. Mal schauen..

    Auch gut, dass ihr das 6er Problem ansprecht. Hab ja die leise Hoffnung das hier jemand mitliest. Mit Thiago auf der 10 hatte es damals zum Leipzig Spiel auch funktioniert. ;-)

    Ansonsten wärs nett, wenn sie Gegentore vermeiden. Ein Feuerwerk erwarte ich ja schon gar nicht mehr. Aber wenn hinten die Null steht fällt es leichter zu gewinnen. ;-)

  7. Ohne81

    Ich hoffe, dass Kimmich, Sanches und Coman mal über 90 Min ran dürfen. Wenn nicht in solch einem Spiel wann dann?
    Bin mal gespannt, wie die Fans unseren abwanderungswilligen Lahm begrüßen.
    Tipp: Sieg unser Mannschaft mit 2 Toren unterschied. :-)

  8. Kurt

    Ich denke dieses Spiel wird die Mühen für diese Vorschau ebenfalls wieder nicht gerecht werden.
    Der Spieler springen momentan gerade so hoch genug wie es nötig ist.
    Und ich verstehe Carlo auch immer weniger. Anfang der Saison hieß es, es will so wenig wie möglich ändern. Mittlerweile spielen wir aber einen Fussball den selbst eine Dorfligamannschaft mittels entsprechender Manndeckung zahnlos macht. Die Bälle wild auf die Flügel spielen und von dort Flanken und beten kann es doch nicht gewesen sein. Ohne die inviduelle Klasse der einzelnen Spieler würde der FCB im Mittelfeld der Tabelle dümpeln.
    Und zwischendrinn gibt es Spiele wie gegen RBL. Carlo stellt auf das Pep System um und auf einmal maschiert die Mannschaft mit einem Zug aufs Tor das es einem richtig Freude macht.
    Vor der Winterpause hab ich Carlo ohne geringsten Zweifel verteidigt da Pep sein Pulver immer vor den wichtigen Spielen verschossen hatte. Was bringt es im Feber Meister zu sein wenn den Spielern in der CL die Kraft fehlt.
    Bei Carlo hab ich nun aber eher die Befürchtung das die Mannschaft den Hebel nicht mehr umlegen kann wenn es drauf ankommt. Carlo verschießt das Pulver zwar nicht aber wenn es Nass ist bringt es auch nichts mehr.
    Und der letzte Kritikpunkt ist, das er die jungen Spieler zuwenig einsetzt. Wie sollen die Jungs der Mannschaft helfen können wenn sie keine Erfahrungen sammeln können. Ich bin mir sicher das in Coman, Costa und Sanchez viel mehr steckt als die Jungs bis jetzt gezeigt haben. Und Kimmich scheint sich leider sogar zurückentwickelt zu haben.

    1. wipf1953

      Warum hast Du dieses Gefühl? Es galt bisher ein einziges Mal den Hebel umzulegen, das war gegen RB. Das ist damals der Fall gewesen.

      Jetzt gegen Arsenal ist es wieder der Fall. Warten wir doch einfach ab.

      1. Daniel

        Weiß nicht. Bei Atletico und in Dortmund (die damals noch nicht so weit hinter uns waren wie heute) hätte man den imaginären Hebel schon auch mal umlegen dürfen ;)

  9. Mehmet68

    Schonen für Arsenal? Kimmich, Sanches und Coman in der Startelf, ehrlich?

    Ich wäre auf die Reaktionen hier im Forum sehr gespannt, wenn wir wirklich so starten und dann 0:1 verlieren.

    Vermutlich wird Carlissimo rotieren, aber er wäre schlecht bdient, die Topleute zu schonen und dadurch ggf. den negativen Trend weiter zu verstärken, denke ich.

    1. Ju

      Meine Reaktion wäre: Finde ich gut so. Wenn man Spieler wie Robben und (einen eben erst genesenen) Thiago hat, muss man eben rotieren. Dass das dann ins Auge geht, kann eben passieren. Augen auf bei der Kaderplanung.

      1. Mehmet68

        Deinem letzten Satz kann ich leider nur zustimmen. Warum man den Fehler von 11/12 wiederholt, ist mir schleierhaft: Fußballerlogik halt. :-/

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