Vorschau: Die U17 im Kampf um die Meisterschaft

16 Tage nach der knappen Finalniederlage unserer U19 startet unsere B-Jugend in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Gegner im Halbfinale ist wie bereits bei der A-Jugend der FC Schalke 04. Wir stellen euch unser Team noch einmal ausführlich vor.

Als “Keyfacts” für den Erfolg nannten wir in unserer Saisonvorschau die Tagesform in den Spitzenspielen sowie geringes Verletzungspech. Beide Faktoren schlugen zu Gunsten der Bayern aus.

Mit Nitzl, Mai, Pudic, Zylla und Evina kam das Grundgerüst der Mannschaft ausnahmslos verletzungsfrei durch die Saison. Auch Heiland, Rausch, Lungwitz, Batista Meier und Jelisic absolvierten mindestens 22 der 26 Ligaspiele. Und die Form in den entscheidenden Spitzenspielen stimmte ebenfalls: In den acht Partien gegen die Teams auf den Tabellenplätzen 2-5 konnte das Team sechs Siege einfahren. Darunter auch zwei Auswärtssiege in der “Crunchtime” der Saison bei den schärfsten Verfolgern in Karlsruhe und Stuttgart. Das Team hat gezeigt, dass es in der Lage ist, in den entscheidenden Spielen unter Druck zu Hause wie auch auf fremden Platz eine Topleistung zu zeigen. Ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf die anstehenden entscheidenden Spiele.

Saisonverlauf: Ein problematischer Herbst

Mit vier Siegen in den ersten vier Spielen gelang Tim Walters Mannschaft ein hervorragender Saisonstart. Den ersten Rückschlag (2:3 in Kaiserslautern) konnte das Team noch gut wegstecken, im weiteren Verlauf des Herbst hingegen zeigte sich die U17 sehr wechselhaft.

Gleich drei Niederlagen setzte es, darunter die wohl schlechteste Saisonleistung bei der 1:4-Heimniederlage gegen den SC Freiburg. Doch auf der anderen Seite rappelte sich das Team auch immer wieder auf und konnte in dieser Phase wichtige Heimsiege gegen den VfB Stuttgart (Am Ende Vizemeister) und Mainz 05 (Am Ende Tabellenvierter) einfahren.

Schlussendlich stand zu Weihnachten der erste Tabellenplatz in der Bilanz. “Konstanter werden” lautete das große Ziel im Jahr 2017 und das setzte die Mannschaft sehr gut um, auch wenn eine Heimniederlage gegen Kaiserslautern Ende Februar nochmal ein kurzer Rückfall ins Jahr 2016 war.

Alle anderen sieben Spiele bis zur Meisterschaftsentscheidung Ende April in Stuttgart gewann das Team, darunter die bereits erwähnten Siege bei den direkten Konkurrenten in Karlsruhe und in Stuttgart. Eine hervorragende Leistung zeigte die Mannschaft auch an Ostern bei einem internationalen Turnier in Amsterdam (Unter anderem mit Arsenal und Paris), bei dem sie erst im Finale gegen den Nachwuchs von Ajax verlor und von unabhängigen Beobachtern als spielerisch beste Mannschaft des Turniers bewertet wurde. Die beiden abschließenden Niederlagen sind zu vernachlässigen, da entweder zahlreiche Stammspieler geschont wurden (Unterhaching) oder aber taktische Experimente (Mainz) durchgeführt wurden.

Spielsystem: Mehr Risiko, mehr Dominanz

Das Trainerteam um Tim Walter und Tobi Schweinsteiger setzte im Laufe der Saison durchgehend auf ein 4-2-3-1-System. Die noch in der Vorbereitung etwas zögerlichen Versuche mit einer Dreierkette in der Abwehr wurden nicht weiter intensiviert. Dennoch kann es speziell im Spielaufbau zu einer solchen Formation kommen, wenn wahlweise ein Innenverteidiger oder Außenverteidiger ins zentrale Mittelfeld rückt, um für Überzahlsituationen zu sorgen.

Für den Spielaufbau sind stets die Verteidiger zuständig, während die beiden 6er als Anspielstationen im Mittelfeld dienen. Situationen wie bei der U19, bei der sich mit Niklas Tarnat der defensive Mittelfeldspieler den Ball oft sehr weit hinten holt, sind bei der U17 nicht zu beobachten. Je nach Situation können Angriffe dann sowohl durch das Zentrum als auch über die Flügel gespielt werden. Das Team ist äußert variabel in der Gestaltung seiner Angriffe. Darüber hinaus verfügt es auch über facettenreiche Strategien bei der Ausführung von Eckbällen, die schon zu so manchem Torerfolg geführt haben.

In der Defensivbewegung presst die Mannschaft, soweit möglich, sehr früh und aggressiv, um Bälle schnell wieder zurückzuerobern. Das jedoch mit den allseits bekannten Nachteilen, nämlich guten Kontergelegenheiten für den Gegner, die oft von den Abwehrspielern 1:1 verteidigt werden müssen. Diese entstehen im Fall eines frühen Fehlers im Spielaufbau auch durch die dann sehr offensive Staffelung der Mannschaft, die in der Konterabsicherung dann ihre Defizite zeigt.

Gleichwohl hat die U17 im Laufe der Saison das richtige Timing für das Gegenpressing immer weiter verfeinern und auch die eigenen Fehler im Spielaufbau minimieren können, was im Resultat dann für eine defensiv weiße Weste bei den Topspielen in Stuttgart und Karlsruhe sorgte.

Die Mannschaft im Detail

Im Tor steht mit Michael Wagner ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft, der durchaus in der Lage ist, auch Spiele für seine Mannschaft zu entscheiden. Seine Defizite hat er vor allem mit dem Ball am Fuß. Hinter Christian Früchtl war er eigentlich nur die Nummer Zwei im Jahrgang 2000, doch sein Teamkollege rückte bereits in der Winterpause vorzeitig zur U19 auf. Ein durchaus denkbarer Einsatz von Früchtl in den Finalspielen scheitert an seinem Syndesmosebandriss, den er sich im April im Profitraining zuzog.

Mit derselben Verletzung muss der etatmäßige Linksverteidiger Alexander Lungwitz seinen Einsatz in der Endrunde absagen. Er riss sich beim Turnier in Amsterdam ebenfalls das Syndesmoseband, die Verletzung wurde kurioserweise allerdings erst nach dem Spiel in Stuttgart diagnostiziert, bei dem er die komplette Spielzeit auf dem Platz stand.

Lungwitz, der sich durch seine guten Leistungen in dieser Saison bis in die Juniorennationalmannschaft spielte, wird voraussichtlich von Daniel Jelisic vertreten werden, der bisher seine Stammposition im defensiven Mittelfeld hatte. Er erfüllt seine Aufgaben offensiv wie defensiv sehr zuverlässig, ist aber eben einfach kein klassischer Spieler für eine Außenbahn.

Im Zentrum sind die Juniorennationalspieler Lukas Mai und Alex Nitzl gesetzt. Kapitän Mai profitiert von seinen physischen Vorteilen, Alex Nitzl eher von seiner Spielintelligenz. Beide auf diese Schubladen herunterzubrechen, wird ihnen jedoch nicht gerecht. Mai hat sich in den letzten Monaten im Spielaufbau deutlich verbessern können, seine früher doch öfter auftretenden Fehler sind deutlich weniger geworden.

Nitzls Defizite im Zweikampfverhalten gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Rechts verteidigt mit Thomas Rausch ein solider Außenverteidiger, der in seinem jungen Alter schon eine Ausbildung und Leistungssport unter einen Hut bringt.

Im defensiven Mittelfeld werden wohl Marin Pudic und Tobias Heiland die Doppelsechs bilden. Heiland, der bereits letzte Saison in der U17 spielte, hat seinen Stammplatz im Laufe der Saison ein wenig überraschend verloren, obwohl er an seinen körperlichen Defiziten arbeitete und auch Fortschritte erzielte. Da Jelisic jedoch nun hinten links benötigt wird, ist für Heiland wieder ein Platz frei.

Sein Nebenmann Marin Pudic ist ein Spieler, der aufgrund seiner wenig spektakulären Spielweise gerne übersehen wird, sich aber im Saisonverlauf unverzichtbar machte. Er verschafft seinen talentierten Offensivspielern durch kluge Seitenverlagerungen Räume und antizipiert hervorragend bei zweiten Bällen, besetzt zudem beim Gegenpressing auch die richtigen Räume.

Die offensive Dreierreihe wird angeführt von Marcel Zylla im Zentrum. Zylla hat sowohl in der Vorbereitung als auch im Torabschluss Stärken, was auch seine Statistik (12 Tore, 11 Vorlagen) beweist. Er ist eine zuverlässige Anspielstation in der so wichtigen Zone 14 und findet die richtigen Lösungen im weiteren Angriffsverlauf, die sowohl der Zug zum Tor, der Pass in die Tiefe oder aber die Seitenverlagerung sein können.

Wie so viele Spieler auf seiner Position, wirkt auch Zylla manchmal etwas zu phlegmatisch. Er konnte jedoch bereits das ein oder andere Tor aufgrund cleverem Pressingverhaltens erzielen. Auf dem rechten Flügel ist U16-Nationalspieler Oliver Batista Meier gesetzt, der im vergangenen Sommer aus Kaiserslautern nach München kam. Taktisch und im Defensivverhalten recht grün hinter den Ohren, hatte er speziell in der Hinrunde einige Probleme, Tim Walters hohe Anforderungen zu erfüllen. Er ist aber mittlerweile auch mannschaftstaktisch hervorragend integriert.

In der Offensive ist er sehr variabel, rückt auch manchmal temporär in die Sturmspitze, hat jedoch noch ein wenig Potential dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf dem linken Flügel ist noch nicht ganz absehbar, ob Can Karatas oder Daniel “Dada” Ontuzans den Vorzug erhält. Letzterer wurde in der Rückrunde immer wieder durch muskuläre Probleme zurückgeworfen. Während Karatas eher im Torabschluss gefährlicher ist, ist Ontuzans der kleine, quirlige Vorbereiter.

Im Sturmzentrum wird Franck Evina auflaufen. 21 Tore und 9 Vorlagen in 25 Spielen lautet seine hervorragende Bilanz. Der bullige Stürmer, der nur aufgrund des bisher fehlenden deutschen Passes noch nicht für die Juniorennationalmannschaft aufgelaufen ist, ist der Mittelpunkt des Offensivspiels.

Trotz seiner bulligen Statur hat Evina einen hervorragenden Antritt, durch den er in Kombination mit seinem Körper auf den ersten Metern kaum zu schlagen ist, wenngleich ihm bei langen Sprints dann auch mal die Endgeschwindigkeit fehlt. Viele sehen seine Zukunft eher auf den offensiven Flügelpositionen. Für die U17 ist er jedoch aufgrund der Kaderzusammenstellung als Mittelstürmer unverzichtbar.

Gleichwohl rotieren die Offensivspieler auch während des Spielverlaufs auf ihren Positionen, sodass Evina immer mal wieder Angriffe vom Flügel startet. Zu Beginn der Saison war Evina vor allem die schlechte Chancenverwertung anzukreiden, mittlerweile ist er jedoch deutlich kaltschnäuziger vor dem Tor geworden. Um es im Herrenfußball zu schaffen, wird Franck aber definitiv an seiner Athletik arbeiten müssen.

Vorschau aufs Halbfinale

Wie schon vor Monatsfrist bei der U19 wartet erneut die Schalker Knappenschmiede auf unseren Nachwuchs. Zunächst empfängt unsere B-Jugend am morgigen Mittwoch um 18 Uhr die Schalker im Sportpark Heimstetten, ehe am Sonntag um 11 Uhr das Rückspiel in Gelsenkirchen ausgetragen wird.

Die Schalker haben die Weststaffel vor Borussia Dortmund gewonnen, die im anderen Halbfinale auf Werder Bremen treffen. Die beiden Sieger bestreiten am 18. Juni das Endspiel, wobei das Heimrecht dem Sieger aus dem Halbfinale der FCB U17 zusteht. Trainiert wird die Schalker U17 von Stephan Schmidt, der schon Cheftrainer in Paderborn sowie in Cottbus war und nächste Saison die Würzburger Kickers in der 3. Liga übernimmt.

Auch auf dem Spielfeld treffen die Bayern auf einen alten Bekannten, nämlich auf Luca Beckenbauer. Nach dem Tod seines Vaters Stephan, dem langjährigen Nachwuchstrainer des FC Bayern und angesichts der gesetzten Nitzl und Mai in der Innenverteidigung, entschied er sich im letzten Sommer zu einer Luftveränderung und wurde auf Anhieb Schalker Kapitän.

Von ihren 26 Saisonspielen verloren die Schalker bisher nur ein einziges Spiel bei einem Torverhältnis von 64:20 und 65 Punkten. Das sind zehn Punkte mehr als das Bayern-Team holen konnte, wobei die Südstaffel in der Breite ein wenig stärker einzuschätzen sein dürfte.

Den letzten Meistertitel bei den B-Junioren holte sich der FC Bayern im Jahr 2007, als die von eben jenem Stephan Beckenbauer trainierte Mannschaft bei Borussia Dortmund das Finale mit 1:0 gewann. Zwei Jahre später erreichte zum bisher letzten Mal eine U17 des FC Bayern die Endrunde, als das Team mit David Alaba das Finale unglücklich in der Verlängerung gegen den VfB Stuttgart verlor. Im vergangenen Jahr zog die B-Jugend der Münchner beim letzten Spiel in Stuttgart mit 2:3 den Kürzeren und verpasste die Endrunde nur knapp.

Generell lässt sich eine Prognose für das Duell gegen Schalke nur schwer abgeben, da es kaum Anhaltspunkte dafür gibt, das Niveau der Mannschaften zu vergleichen. Die FCB U17 war auf jeden Fall in ihrer Liga deutlich dominanter und herausragender als das bei der U19 der Fall war, die es bekanntlich bis ins Elfmeterschießen im Finale geschafft hat.

Dementsprechend sind die Hoffnungen bei der U17 auch ein wenig höher, dass es mit dem so lange herbeigesehnten Titel im Nachwuchs endlich mal wieder klappt. Gleichwohl haben aber die Halbfinalspiele bei der U19 auch gezeigt, dass es im Jugendfußball unfassbar schnell gehen kann, weil Nachwuchsmannschaften psychologisch noch nicht so gefestigt sind.

Tim Walter fasst es wohl passend zusammen: “Die Mannschaft, die mehr investiert, wird sich nach Hin- und Rückspiel durchsetzen”. Heißt für unsere Buam: 160 Minuten hochkonzentriert Vollgas geben, so wie sie es schon die Saison über weitestgehend gezeigt haben!

Verfolgen könnt Ihr das Spiel morgen um 18 Uhr direkt im Sportpark Heimstetten (Eintritt ist frei) oder aber im Internet kostenlos auf fcbayern.tv und der Facebookseite unserer Nachwuchsabteilung.

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Leserkommentare
  1. GP11

    Sehr informativer und umfassender Artikel, vielen Dank dafür.

    “Um es im Herrenfußball zu schaffen, wird Franck aber definitiv an seiner Athletik arbeiten müssen.”

    Was genau verstehst du denn hier unter “Athletik”?
    So wie ich es bisher immer verstanden hab und in diversen Spielzusammenfassungen und den (leider nur ein Mal) eigenen Beobachtungen selbst gesehen habe, ist Evina doch gerade körperlich besonders weit. Oder meinst du hier etwas anderes?

    Und noch ein kleiner Tipp. Ich finde es immer schön, wenn beim Verweis auf vergangene Mannschaften ein paar damalige Spieler genannt werden, wie du es bei Alaba ja auch gemacht hast.
    Habe es jetzt aus Interesse die Meistermannschaft von 2007 nachgeschaut und mit Ekici, Soriano, Hummels’ Bruder Jonas und vor allem Contento sind das ja auch keine gänzlich Unbekannten.

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