Pokal-Vorschau: Chemnitzer FC – FC Bayern München

Spielvorschau

Der Chemnitzer FC hat kein einfaches Jahr hinter sich. Über den Sieg im Landespokal qualifizierten sich die Sachsen aber immerhin für den DFB-Pokal, wo nun der große FC Bayern zu Gast sein wird.

Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte erlebte der CFC vor vielen Jahren. So reichte es 1967 sogar zur Teilnahme am Europapokal der Landesmeister. 1989 und 1990 nahmen die Sachsen am UEFA-Pokal teil. Auf nationaler Ebene stehen die DDR-Meisterschaft 1967 sowie die DDR-Vizemeisterschaft 1990 zu Buche. Zwischen 1991 und 1996 sowie zwischen 1999 und 2001 spielte der Chemnitzer FC zudem in der 2. Bundesliga. Danach rutschte man sogar in den Amateurbereich ab.

Gegnervorschau

2011 feierte der CFC mit der Regionalliga-Meisterschaft schließlich die Rückkehr in den Profifußball. Seitdem hatten sie mit dem Abstieg nichts zu tun. Die Vorbereitung auf die aktuelle Saison lief allerdings alles andere als geradlinig. Zum einen gab es Lizenzprobleme, die erst im zweiten Versuch geregelt werden konnten, zum anderen gab es den bereits im Interview erwähnten Umbruch.

Es gab Veränderungen auf allen Ebenen. Elf Spieler wechselten vom Chemnitzer FC zu anderen Vereinen, darunter Björn Jopek (jetzt Würzburger Kickers), der im zentralen Mittelfeld eine wichtige Rolle einnahm. Dafür kamen bisher elf neue Akteure, die sich erst finden müssen. Das bekannteste Gesicht unter ihnen dürfte Florian Trinks (ehemals Werder Bremen) sein.

Dabei ist auffällig, dass das Durchschnittsalter der Abgänge 27,0 beträgt, während die Neuzugänge im Schnitt 23,7 Jahre alt sind. Der Chemnitzer FC hat sich also eindeutig verjüngt. Darüber hinaus hat sich der Verein aber auch in der sportlichen Führung sowie an der Seitenlinie neu aufgestellt. Steffen Ziffert heißt der neue Sportvorstand und Horst Steffen will das Team stabilisieren.

Was erwartet den FC Bayern am Wochenende?

Wie so oft, muss sich aber auch der Chemnitzer FC noch gedulden. Die Saison startete mit vier Punkten aus den ersten vier Spielen eher mäßig. Die angesprochenen Defensivprobleme gilt es in den Griff zu bekommen. Während sein Vorgänger noch auf ein klares 4-2-3-1 setzte, das sehr offensiv interpretiert wurde, versucht Horst Steffen Überzahl in der Zentrale zu generieren.

Beim Saisonauftakt gewann der Chemnitzer FC 1:0 gegen den FSV Zwickau. Danach gab es zwei Niederlagen und ein Unentschieden.
(Foto: Karina Hessland-Wissel / Bongarts / Getty Images)

Dafür nutzt der Chemnitz-Trainer das 3-5-2-System, das zwar ebenfalls sehr angriffslustig interpretiert wird, aber mit der Zeit eine bessere Balance aus Defensive und Offensive bringen soll. Am Wochenende ist es wahrscheinlich, dass der Trainer von der offensiven Ausrichtung abweicht.

In einem 5-3-2 oder alternativ auch 5-4-1 könnten die Chemnitzer sich zurückfallen lassen und so auf Konter lauern. Auch mit Sechserketten machte der FC Bayern in den frühen Pokalrunden schon das ein oder andere mal Bekanntschaft. Die Sachsen werden versuchen, die Räume im eigenen Drittel so eng wie möglich zu gestalten, um dann aggressiv um jeden Ball zu kämpfen.

Der vielleicht größte Vorteil der Chemnitzer dürfte sein, dass sie bereits mitten in der Saison stehen. Beim Rekordmeister hatte man zuletzt nicht das Gefühl, dass die Fitness auch nur annähernd bei 100% ist. Will man sich also irgendeinen Strohhalm für einen spannenden Pokalfight greifen, dann ist es wohl dieser.

Die Bayern hingegen müssen nur auf sich selbst achten. Spielen sie ihre Überlegenheit im Angriffsdrittel konsequent aus und nutzen sie ihre Chancen, dürfte der Deckel früh drauf sein. Für den Rekordmeister geht es eigentlich nur darum, eine Woche vor dem Bundesligastart den eigenen Rhythmus zu finden und die nächste Runde so klar wie möglich zu erreichen.

Manuel Neuer und Arjen Robben waren zwar beispielsweise schon wieder im Mannschaftstraining, doch wer von den Verletzten und Angeschlagenen gegen Chemnitz schon wieder zurückkehrt, ist ein großes Fragezeichen. In jedem Fall wird Carlo Ancelotti auf ein schlagkräftiges Team zurückgreifen können. Spannend dürfte die Personalie Coman sein. Der Franzose saß im Supercup zunächst auf der Bank, während Tolisso eine im Ancelotti-System neue Rolle bekleidete.

Neuzugang Tolisso, hier im Duell mit Dortmunds Castro, glänzte zuletzt in neuer Rolle.
(Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Der Neuzugang spielte eine Art Hybrid-Position aus halbrechtem Achter, rechtem Mittelfeldspieler und rechtem Verteidiger. Seine Aufgabe war es, Joshua Kimmichs Offensivläufe abzusichern und ihm den nötigen Platz zu verschaffen. Der Rechtsverteidiger, aber auch Thomas Müller profitierten sehr vom 23-Jährigen. Eine Rolle, die aus der Not geboren wurde, aber zumindest in Dortmund funktionierte. Es wird interessant zu sehen, ob Ancelotti darauf im Laufe der Saison zurückgreift.

Vor allem gegen den Ball brachte Tolisso auch einiges an Stabilität mit, die Coman so vermutlich nicht hätte geben können. Ob dies am Wochenende gegen einen Drittligisten notwendig ist, ist natürlich fraglich, aber es ist eine Option, die man in Zukunft nicht vergessen sollte.

In Chemnitz freut man sich jedenfalls auf ein 90 Minütiges Fußballfest und – wer weiß schon, was alles passieren könnte – vielleicht sogar auf mehr.

Wissenswertes zum Duell

  • Mit dem Chemnitzer FC machte die Profimannschaft des FC Bayern noch keine Erfahrungen. Allerdings setzte sich die zweite Mannschaft des Rekordmeisters 1994 in der zweiten Runde des DFB Pokals gegen die Sachsen durch. Nach einem 2:2 ging es ins Elfmeterschießen, wo die Münchner mit 4:1 gewannen.
  • Der Chemnitzer Dennis Grote hat bereits vier Mal gegen Bayern München gespielt und dabei zwei Tore erzielt. Mit dem VfL Bochum gelang ihm 2008 dabei sogar ein 3:3-Unentschieden. Die anderen drei Duelle gingen verloren.
  • Der FC Bayern schied zuletzt 1994 in einer ersten Runde des DFB-Pokals aus. Damals gewann der TSV Vestenbergsgreuth mit 1:0.

Expertentipp

Im Expertentipp tippt ein externer Experte den Spielausgang. Für den richtigen Tipp gibt es drei Punkte und für die richtige Tendenz (Sieg, Unentschieden, Niederlage) einen Punkt. Verglichen wird dies dann mit einem zweiten Expertentipp, der vom Autorenteam von Miasanrot.de kommt. Am Ende der Saison wird sich zeigen, ob die eingeladenen Experten mehr Punkte erreicht haben, als die Redaktion.

Für die erste Pokalrunde schicken wir Jan aus der Miasanrot-Redaktion ins Rennen, um gegen Interviewgast Markus Herwig anzutreten. Luca Gierl hat in der vergangenen Woche einen Bayern-Sieg vorausgesagt, wenngleich dieser erst im Elfmeterschießen zu Stande kam. Das heißt, dass er die Experten mit 1:0 in Führung gebracht hat.

Markus Herwig: Der FC Bayern hat das Spiel vom Anpfiff an fest im Griff und geht verdient bis zur Pause mit 3:0 in Führung. Danach nimmt Bayern das Tempo raus und Chemnitz kommt nach einer Standardsituation noch zum Ehrentreffer. Am Ende gewinnt Bayern souverän, aber „nur“ mit 3:1, auch weil CFC-Torhüter Kevin Kunz noch einige Male glänzend pariert.

Jan: Bayern wird forsch loslegen und dann läuft es wie jedes Jahr in der ersten Pokalrunde: 1-2 Tore vor der Halbzeit, anschließend das Sparprogramm anwerfen. Eventuell macht Chemnitz noch einen Treffer und Bayern legt spät nach. 4:1 für den Rekordmeister.

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Leserkommentare
  1. Kramnik

    Glaub nicht an die rechte Seite mit Tolisso und Kimmich. Es wurde ja auch schon von Ancelotti gesagt, dass diese Variante nur aus der Not geboren ist (Verbindungen zwischen Offensive/Defensive zu löchrig und Spieler noch nicht bei 100%). Man wird bei solch einem Gegner das Spiel übernehmen und dominant auftreten, dann würde ein Coman schon deutlich mehr Sinn machen.
    Bin gespannt ob man eine weitere Steigerung sieht, vorallem in der Fitness.

    1. Kramnik

      Generell wäre eine leichte Rotation, eventuell Coman + Sanches+ Süle passend. Das wird das erste Spiel in der Saison, bei dem man sehen wird, wie weit Ancelotti bereit ist, relativ wichtige Spiele auch mal mit B- Personal zu bestreiten. Das Vertrauen hat ja letzte Saison komplett gefehlt.

    2. Das schreibe ich ja auch genauso. Ich rechne damit auch nicht in Chemnitz, aber im Laufe der Saison könnte man darauf schon nochmal zurückgreifen. War taktisch das spannendste, was Carlo bisher bei uns geliefert hat.

    3. GP11

      Ich denke auch, dass man das öfters sehen wird. Kimmich kann den Flügel nicht alleine bespielen und soll er sich nicht nur auf die Defensive konzentrieren, benötigt er einen Babysitter.
      Tolisso und Sanches sind dafür natürlich ideal. Oder um es etwas zynischer auszudrücken: So kann man die beiden wenigstens irgendwie sinnvoll einsetzen, denn zu etwas anderem sind sie aufgrund ihrer massiven spielerischen Defizite ohnehin nicht zu gebrauchen.
      Ich frage mich, ob das sogar von Anfang an der Plan Ancelottis war. Der Plan würde mir zwar nicht unbedingt gefallen, aber wir sind an einem Punkt, wo jede Art von Plan als Fortschritt angesehen werden muss.
      Ist nur die Frage, was passiert, wenn Robben endlich wieder fit ist. Der braucht dann zwar auch Kimmich zum Überlaufen, jener muss die rechte Offensive aber nicht mehr ganz alleine übernehmen.

      1. Kramnik

        Coman und Kimmich auf einer Seite ist mehr als ausreichend. Da würd ich mir über die linke Seite mehr Gedanken machen. Die Idee war den Umständen entsprechend passend, wird aber keine Zukunft haben. Wenn man selber dominieren will und nicht nur auf die extrem pressenden Dortmunder wartet. Wenn sich Coman und Robben nicht verletzen, sehe ich keinen Grund nochmal so zu spielen.

  2. Fotos von Karina Hessland-Wissel und Karina Hessland. Hat die Dame zwischen den beiden Fotos spontan geheiratet? :D

    Aber btt, ich denke, dass die Einschätzung schon realistisch ausfällt. Gegen Dortmund sah das im Vergleich zu den vorangegangenen Partien schon deutlich verbessert aus, und selbst wenn noch keine Routine vorhanden ist, ist die bei Ancelottis “System” so wichtige individuelle Klasse doch deutlich größer. Alles andere als ein Sieg wäre schon sehr verwunderlich. Wirklich aussagekräftig werden so oder so erst die ersten Bundesligawochen.

    1. Danke für deinen Hinweis. Tatsächlich war die Quelle für die Bilder auf der Seite, von wo wir die Bilder beziehen, unterschiedlich. Daher lass ich das mal so stehen.

  3. Osrig

    Ich bin auch neugierig, wie Ancelotti auflaufen lassen wird. Spielt er mit Blick auf den Ligastart schon eine bestimmte Formation, oder lässt er mit voller Offensivwucht spielen, um kein Risiko einzugehen und durch ein klares Ergebnis nicht nur für ein gutes Gefühl bei den Spielern zu sorgen, sondern auch ein klares Zeichen nach außen zu setzen?

    Ich meine, er wird schon mit einer Mannschaft beginnen, die auch in den ersten Ligaspielen antreten könnte, und somit formal eine etwas mehr defensiv orientierte Aufstellung wählen, weil wir uns auf Gegner einstellen müssen, die ihre Chancen im frühen Attackieren suchen. Das wird Chemnitz sicherlich auch machen, wenn gleich in ihren Möglichkeiten natürlich limitierter. Da sich die Mannschaft im Moment quasi von alleine aufstellt, rechne ich auch nicht mit großen Überraschungen in der Startelf. Junge Nachwuchsleute wie Götze, Dorsch oder Pantovic kommen erst ins Spiel, wenn wir klar führen.
    Und daran habe ich keinen Zweifel, dass die Jungs das Spiel für den FCB entscheiden werden, allerdings wird auch noch kein Feuerwerk zu erwarten sein, sondern ein unaufgeregt erspielter Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied.

    1. M1900

      @OSRIG

      Bei Dorsch wäre ich mir ned sicher und auch bei Götze ned.

      Dorsch hat die Woche die Grippe gehabt und daher fraglich.

      Genauso Götze der zuletzt verletzt gefehlt hat.

  4. Eva Etheber

    Die machen bestimmt einen auf Sportfreunde Lotte letzte Saison und kegeln erst Bayern und dann Borussia Dortmund aus dem Pokal wartet es mal ab die dritte Liga ist nicht zu unterschätzen. Man sollte nicht von solch einem Horror Szenarium ausgehen aber gerade die kleinen Vereine wollen nur eins dem großen Gegner das Leben schwer machen.
    Der DFB Pokal war schon immer dafür bekannt das gerade die kleinen Gegner ganz schön heftig spielen können und die großen Vereine am Anfang denken, gegen die kann man doch nur gewinnen. Das ist ein Fehler gerade solch utopische Einstellungen sorgen dafür das unnötig Fehler entstehen. Die Jungs des Fc Bayern müssen einen klaren Kopf behalten um das Spiel nicht zu schnell locker aus der Hand zu geben. Keine Konter entstehen zu lassen muss oberste Priorität sein.
    Gerade Tolisso hatte mir in letzter Zeit viel zu viele Fehlpässe die gerade in entscheidenden Spielen zur Gefahr werden können. Ebenso Martinez der hat bei vielen der letzten Gegentore nicht gut aus gesehen. Die Defensive hat noch viel Arbeit vor sich sonst muss Manuel Neuer der seit heute wieder im Mannschaftstraining ist ( siehe Abendzeitung München – Alaba auch ) zu viel bereinigen ich weis noch nicht ob der das schon wieder hin bekommt.
    Für die rechte Seite würde ich Rafinha und Ribery empfehlen. Und rechts Kimmich und Robben wenn der wieder fit ist Abwehr mit Mats Hummels und Jerome Boateng ( ist der schon zurück, sonst Süle ). Sanchez und Martinez im Mittelfeld und Müller mit Lewandowski in der Spitze. Wenn dann alles gut geht sollte zur Hälfte schon alles in trockenen Tüchern sein.
    Ich hoffe nur das Ancelotti nicht zu extrem Rotiert und das ganze System auf den Kopf stellt sonst haben wir einen Haufen irritierter Spieler die nicht gemeinsam agieren. Das ganze Umstellen ist zu bezweifeln aber das kann man vermutlich erst nach 3 bis 5 Liga Spielen sagen.

    1. Das ist schon richtig, aber bedenke, dass einem immer die Sensationssiege der “Überraschungsmannschaften” im Hinterkopf bleiben, während die unzähligen Favoritensiege als selbstverständlich hingenommen werden und in Vergessenheit geraten. Das Verhältnis spricht doch eine deutliche Sprache zugunsten der Favoriten.
      Was du sagst, ist ja nur das offensichtliche: Cool bleiben und das eigene Spiel aufziehen, dann ist bei aller Formschwäche der Bayern ein CFC chancenlos. Im Grunde kann sich Bayern das nur selbst versauen.

      Und bitte, der Mann heißt nicht SancheZ. Das sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben :)

  5. Kramnik

    Mal ein anderes Thema. Mich würde interessieren, was eure Meinung zu dem heutigen Transfermarkt ist (Neymar, Dembele, Mbappe…). Zur Zeit scheint ja eine gigantische Umwälzung von statten zu gehen, die den Fußball grundlegend verändert hat und noch weiter wird. Vor zwei Jahren hat man bei Martial den Kopf geschüttelt, heute würde man einem Verein regelrecht gratulieren, solch ein Talent für nur 50 Mio verpflichtet zu haben. Immer mehr Geld kommt in den Fußball Kosmos, die Ablösen sind hier nur die logische Konsequenz. Ein Podcast in dem ihr das Thema diskutiert wäre sehr interessant.
    Dabei fände ich vorallem die Fragestellung ansprechend, wie sich das Kräfteverhältnis in Europa verschieben wird und wie man den Fc Bayern dort einordnen kann bzw. welche Konsequenzen das Ganze für die strategische Ausrichtung hat. Persönlich hab ich sehr negative Zukunftsszenarien, mit City und PSG wird sich früher oder später ein Club in die Top drei und vielleicht auch an die Spitze von Europa schieben. Als “normaler” Verein wird man, einmal überholt, nicht mehr mit diesen Clubs mithalten können. Immer mehr Clubs werden diesen Weg gehen, siehe Valencia und AC Mailand. Der Markt für junge Spieler wird teurer und umkämpfter.
    Das sind viele spannende Themen, die man vielleicht in einem Artikel oder Podcast ansprechen kann, wenn das Interesse und die Zeit da ist.

    1. M1900

      @KRAMNIK

      Der Markt wird umkämpfter, da stimme ich dir zu.

      Wichtig wird deshalb sein, weiter so clever wie möglich einzukaufen und Talenten zu vertrauen.

    2. Kieler

      Gute Idee von Kramnik.
      Ich denke auch, dass dieses Thema einen Podcast oder einen umfassenden, eigenen Artikel verdient hätte.
      Fände ich auf jeden fall sehr interessant!

    3. Mehmet68

      Sehe ich so wie Du: Mit der aktuellen Strategie wird für unsere “Roten” künftig im VF der CL Schluss sein, und zwar spätestens. Allerdings fände ich den umgekehrten Weg – Man City, PSG – auch nicht erstrebenswert, wenn man sieht, wie wenig Bindung die Spieler noch zu ihren Klubs entwickeln – siehe Neymar, Dembele… loyale Spieler wie Griezmann sind da die Ausnahme.

      Man muss sich wohl auf lange Jahre im europäischen Mittelmaß einstellen und auf eine neue goldene Generation irgendwann warten und hoffen. Ich rechne mit einem “Dortmund plus”-Ansatz für die Zukunft. Talente fördern und gezielt zukaufen, ohne echte Granaten. Schwieriger wird es insofern werden, als deutsche Topspieler nicht mehr automatisch bei uns landen, siehe Reus, Özil, Sane, Draxler etc.

      Wieviel Spaß der gekaufte Erfolg den anderen Vereinen und speziell den Fans dann noch bereitet muss man abwarten. Ich hoffe ja, dass auch die treuesten Fans von PSG etc. irgendwann genug von diesem Irrsinn haben und keine Monatsgehälter mehr für Trikots, Pay TV und Eintrittsgelder opfern.

      1. Entlauber

        Mir würde schon ein “Dortmund”-Ansatz ohne plus reichen… Mag ja sein, dass es mit der Bindung zum Verein bei einem Dembele nicht weit her ist, aber mit dem offensichtlich riesigen Transfer-Überschuss im Vergleich zum Einkaufs-Preis, den man jetzt beim Verkauf erzielen würde, lässt sich doch sicher schon sehr gut arbeiten…

        Aber so sieht eben momentan der Unterschied aus – dort werden bspw. Auba und Dembele geholt, wo sie noch keiner so richtig auf dem Zettel hat, schlagen voll ein und steigen massiv im Wert. Bei uns kommt bspw. ein Sanches, der bis dato eben leider als Fehl-Kauf mit Wert-Steigerung allenfalls im marginalen Bereich dank derzeitiger Inflation konstatiert werden muss.

        Wenn für Bayern in Zukunft bei den Utopie-Summen nicht ganz schwierige Zeiten anbrechen sollen, müsste man sich meines Erachtens schon noch deutlich verbessern, was den Bereich Souting und Entdeckung wirklich vielversprechender und noch unter dem Radar der Scheich-/Öl-Klubs befindlicher Spieler betrifft.

      2. GP11

        Der Dortmund-Ansatz hat nur das Problem, das wir gerade bei Dembélé sehen. Ein solches Talent will langfristig zu einem absoluten Topclub, der FC Bayern wird also entweder zu einem Ausbildungsverein werden müssen oder solche Talente werden erst gar nicht zu uns wollen, weil sie wissen, dass wir sie qua eigenem Anspruch nicht weiterziehen lassen. Und ruhige Entwicklung können wir aufgrund der nationalen Ansprüche selbst bei internationalem Zurückstecken nicht bieten.

        Natürlich haben nicht alle Talente so einen Karriereplan. Manche wollen auch unter einem bestimmten Trainer spielen oder einfach nur das meiste Geld. Bei beidem sehe ich uns auch nicht vorne.

    4. Ju

      Man wird sich eben von der Momentaufnahme der letzten Jährchen verabschieden müssen, dass Bayern finanziell ganz oben mithalten kann. Ich weiß auch überhaupt nicht, was schlimm daran sein sollte, wenn wieder regelmäßig im CL-VF Schluss ist. Es geht doch nicht um absoluten, sondern um relativen Erfolg. Aus den vorhandenen Möglichkeiten soll das Maximale herausgeholt werden. Ich denke, dann sind wir alle zufrieden. Und echte Glücksgefühle nach einem gewonnen Achtelfinale oder einem Gruppensieg, wären doch auch mal wieder was.

      Letztendlich ist es natürlich eine Katastrophe, wenn irgendwelche abenteuerlichen Konstrukte zur Finanzierung von Spielertransfers überhand nehmen. Wobei mich schon stark interessieren würde, wie der Neymar-Transfer unter schenkungssteuerlichen Gesichtspunkten zu bewerten ist. Würde mir doch sehr wünschen, dass die französischen Finanzbehörden sich das mal ganz genau anschauen.

      Letztendlich wird es nur über die Abschaffung von Ablösesummen, kurze Vertragslaufzeiten (meinetwegen 3 Jahre) und restriktive Auslegung der zu treffenden Bestimmungen gehen. Wie überall wird man kriminelle Aktivitäten zur Umgehung nicht verhindern können. Aber man kann es zumindest versuchen. Letztendlich müsste es dann wie überall sonst zugehen: Arbeitsvertrag, Kündigungsfrist, Konkurrenzverbot. Fertig.

      1. Systemrelevant

        Na ja, Bayern spielt finanziell ziemlich weit oben mit. Das Problem ist, dass aber mit dem TV-Deal in UK jetzt noch einige Vereine mehr in diese Liga von Real, Barca, Bayern und Man Utd reinstoßen. Die Gruppe dieser finanziellen Ausnahmevereine erweitert sich dann eben von 3 auf vllt 8 Vereine in Europa.

        Dass finanzielle Power aber nicht unbedingt auch für sportlichen Erfolg steht sehen wir aber seit 5 Jahren in Paris, seit gut 6 Jahren bei Man utd und seit 6 Jahren oder so bei Man City. Chelseas Erfolg in den vergangenen 13 Jahren waren auch nur ein Ausrutscher in der CL. Klar hat England in den vergangenen 2 Jahren fähiges Personal in Form von Trainern geholt, aber dass Pep z. B. schlagbar ist dürften wir selbst ja auch am besten wissen.

        Ins VF der CL zu kommen sollte möglich sein. Bei Halbfinale und mehr wird es wie in der Vergangenheit auch auf die Tagesform ankommen. Ist nicht so, dass man komplett schwarz sehen muss für die Zukunft.

      2. GP11

        Ob Hoeneß und Rummenigge das meiste aus den vorhandenen Mitteln holen, also für den relativen Erfolg stehen, halte ich doch für arg fraglich.
        Die verbrennen hier hunderte Millionen Euro.

        Die Abschaffung des bisherigen Prinzips würde normale Klubs außerdem meiner Meinung nach noch viel schlechter dastehen lassen. Die Ölklubs können wegfallende Ablösen direkt in Gehälter investieren und die normalen Klubs haben null Planungssicherheit.

      3. Ju

        Nun, an dieser Stelle ist man dann bei einer politischen Diskussion.

    5. Jo

      Steffen hat hier im Blog anlässlich des Kimmich-Transfers einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit diesem Thema (Positionierung des FCB im “neuen” Transfermarkt”) beschäftigt. Außer dass sich die Entwicklung seitdem noch mal beschleunigt hat kann man das immer noch gut lesen.

    6. Systemrelevant

      Wenn Bayern weiterhin seinen Weg der wirtschaftlichen Vernunft (Ablöse aber auch Gehälter) geht könnten sich vielleicht auch ein paar schlechtere Jahre im internationalen Vergleich einschleichen. Langfristig wird sich aber die Vernunft durchsetzen wie in den vergangenen 20, vllt sogar 40 Jahren. Was gerade stattfindet, auch wenn gerade viel Geld in den Fußballmarkt vließt, ist eine Übertreibung. Auf jede Übertreibung folgt eine Untertreibung oder anders gesagt: der Kater. Die Frage ist nur wann dieser Kater kommt. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann.

      Die 0-Zinspolitik der Notenbanken, die Inflationsgefahr, ein wirtschaftlicher Einbruch, der Brexit etc. Alles Faktoren, die nicht für immer so weiter laufen werden und den Fußball irgendwann als uninteressant gelten lassen könnten, zumindest was den Fußball als Investment angeht. Wie viel Geld Katar wohl für PSG locker macht, wenn die Wirtschaft einbricht und der Ölpreis für Monate und vielleicht Jahre im einstelligen Bereich rumkrebst? Was wenn der nächste TV-Deal nach dem Brexit in UK niedriger ausfällt als der jetzige oder das Pfund ins bodenlose fällt?

      Könnte mir vorstellen, dass PSG, ManCity und Co in 10 Jahren nur noch Teil von Geschichtsbüchern als Schaubild der wirtschaftlichen / finanziellen Exzesse sein werden. Wie es tatsächlich laufen wird werden wir irgendwann sehen.

  6. Eva Etheber

    Die Summen werden immer utopischer und es sind im Grunde genommen auch nur Zahlen auf Papier kein Mensch wäre sonst so bekloppt. Das sind auch alles nur Menschen.Das ist moderner Sklavenhandel und die Summen werden immer größer es ist nichts mehr unmöglich. Zu beginn der Bundesliga kosteten Transfers maximal 50.000 und 10.000 gab es als Geld auf die Hand das Gehalt der Spieler ging bis maximal 2.500 und nicht höher. Schwarzgeldzahlungen über diesen Summen wurden mit Zwangsabstieg quittiert und das werben um Spieler war verboten.
    Jürgen Klopp hatte sich zum Neymar Transfer in soweit vermerkt das nur zwei Klubs soweit gehen PSG und Manchester United . An seiner Aussage lies sich unschwer ableiten das es sich um korrupte Arten der Geld Beschaffung handelt.
    Normalität ist immer noch was anderes nur das der BVB es bei Dembele auch mal versuchen möchte weil sie wissen wie viel der Verein bekommen hat. Solche Zahlungen sollten nicht öffentlich gemacht werden. Den das es nicht normal ist mit solchen Zahlen zu spielen sollte eigentlich jeden klar sein der noch über Normalen Menschenverstand verfügt.
    Dieser Transferboom wird sich in Deutschland bestimmt nicht durchsetzen ich denke die Deutschen Vereine sind die einzigen die sich auf dauer abgrenzen werden . Die haben das in einem Land wo der Fußball so bekannt ist nicht nötig.

    1. Mehmet68

      Du meinst Man City, oder? PSG und Man City sind halt die beiden “Scheichclubs”, die haben ihr Geld ganz ehrlich mit Erdöl verdient. ;-)

      Der Irrsinn wird die Deutschen insofern betreffen, als sie bei den aktuell hohen Ausbildungsstandards immer begehrter im Ausland werden. Kann sein, dass in 10 Jahren die komplette N11 in England, Spanien und Frankreich spielt.

    2. Kieler

      Ich bin da anderer Meinung Eva.
      Ist für mich kein “moderner Sklavenhandel” sondern freie Marktwirtschaft. Wenn Unternehmen oder Privatpersonen so viel Geld haben und aus welchen Gründen auch immer bereit sind, es für Neymar, Mbappe oder Spieler X zu investieren, dann sollen sie das doch tun. Finde ich das gut für den Sport? Nein. Entfernt sich der Fussball immer weiter vom “Normalobürger”? Ja, sicherlich. Aber das Grundsystem an sich funktioniert so, wie es soll (und damit meine ich nicht das FFP). Läuft in anderen Bereichen nicht anders, nur das da durchschnittlich deutlich geringere Summen fließen.

  7. FR7

    Da ihr meine hochgeschätzten Thesen zum Spiel entfernt habt, mache ich das ab sofort immer.

    Meine fünf Thesen zum Spiel:
    1. Die Bayern gewinnen das Spiel mit mindestens zwei Toren Unterschied.
    2. Müller wird treffen.
    3. Rudy wird in der Startelf zu finden sein.
    4. Kimmich wird einen Assist für sich verbuchen.
    5. Bayern wird (für die Ancelotti-Bayern untypisch) >keinen< Gegentreffer kassieren.

    1. Bis auf These Nummer 5 stimme ich mit dir überein :-)
      Allerdings wird sich Sven Ulrich den “obligatorischen” Gegentreffer fangen.

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