Vorschau: Besiktas Istanbul – FC Bayern München

Champions-League-Achtelfinale. Rückspiel. Das vielleicht lauteste Stadion Europas. Es ist ein Hexenkessel, der den FC Bayern in Istanbul erwartet. Doch die Münchner reisen mit fünf Toren Vorsprung im Gepäck an und können deshalb ruhig und gelassen sein.

Es hätte aber alles anders laufen können. Zehn Minuten waren im Hinspiel gespielt und Miasanrot-Leser dürften den Eindruck bekommen haben, dass da genau der Gegner auf dem Platz stand, vor dem wir in unserer Vorschau warnten.

Besiktas war bissig, zweikampfstark und setzte durch Konter immer wieder kleine Nadelstiche. Doch dann kam wenige Minuten später der Platzverweis. Eine Unaufmerksamkeit und ein vollkommen unnötiges Tackling schmissen das komplette Konzept der Gäste über den Haufen.

Für die Münchner bedeutete dies, dass es nur Geduld brauchte. Die Hektik aus der Anfangsphase verschwand sukzessive und der fünfmalige Champions-League-Sieger kam immer besser in die Partie. Spätestens im zweiten Durchgang wussten die Bayern durch Willenskraft, Einstellung, aber auch durch spielerische Klasse zu überzeugen. Sie hörten nicht auf und erspielten sich so einen wichtigen Fünf-Tore-Vorsprung.

Was ist im Rückspiel noch zu erwarten?

Obwohl der Deckel drauf war, drückten die Bayern immer weiter auf das nächste Tor. Eine Einstellung, die es in der Bundesliga nicht braucht. Trotzdem ist Woche für Woche zu erkennen, dass das gesamte Team an einem Ziel arbeitet.

Auch im Rückspiel wird es diese besondere Mentalität wieder brauchen. Denn das Hinspiel-Ergebnis täuscht über vieles hinweg. Gerade zu Hause werden die Türken nochmal zeigen wollen, dass sie besser sind, als sie mit zehn Mann zeigen konnten.

Mit ihrem Publikum im Rücken und dem Wissen, dass es für ein Weiterkommen auf keinen Fall reichen wird, ist auch das Visier eventuell etwas offener als zu Beginn des Hinspiels. Besiktas wird vermutlich höher anlaufen und gerade in der Anfangsphase ein schnelles Tor erzwingen wollen.

Die Bayern hingegen können diese Partie als Test wahrnehmen. Eine Generalprobe für die nächsten Runden. Kann das Team sich aus gut organisiertem Druck befreien? Wie geht es mit hitzigen Spielphasen um? Gerade Auswärtsspiele in der Champions League bieten da einige Gelegenheiten, um den Status Quo der Mannschaft zu sehen.

Hamburg konnte hier nicht als Maßstab dienen. Selten hat ein Gast in der Arena so wenig Selbstvertrauen und so wenig Willen gezeigt, sich irgendwie aus der unangenehmen Situation zu befreien. Gegen Besiktas hingegen werden die Bayern wieder richtig gefordert.

Gerade was die Balance aus Offensive und Defensive betrifft, wird man in München einige Erkenntnisse gewinnen können. Diese Baustelle bleibt das größte taktische Thema beim Rekordmeister. Auch gegen schwache Hamburger kam es gelegentlich zu einfachen Ballverlusten, die den Gegner zum Kontern einluden. Ein gegen den HSV stark verbesserter Ribéry muss sich hier durchaus auch wieder angesprochen fühlen.

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Seine Offensivaktionen wären deutlich mehr wert, wenn er nicht zwischendurch immer wieder leichte Fehler machen würde. Sechs Offensivduelle hat er verloren, vier gewonnen. Von den vieren gleich drei bei seinem sehenswerten Tor. Heynckes muss es schaffen, den Fokus im Spiel vom Franzosen wegzuhalten.

Im Idealfall kombinieren sich die Bayern im rechten Halbraum frei und suchen dann die Verlagerung auf Ribéry. Mit genügend Platz ist er immer noch bärenstark. Nicht mehr so gut ist der 34-Jährige hingegen, wenn er selbst auf die gut gestaffelte Kette des Gegners zulaufen muss. Dann kommt es immer häufiger zu Unachtsamkeiten oder schlecht abgesicherten Dribblings. In der Königsklasse können diese kleinen Dinge schon den K.O. bedeuten.

Wenn James in Istanbul wieder spielen kann, wäre das schon ein großer Vorteil. Der Kolumbianer zieht gewöhnlich nicht nur Gegenspieler auf sich, sondern entlastet auch mit eigenen Aktionen die Flügelspieler etwas. Das könnte Ribéry, sollte er denn auflaufen, sehr helfen.

Sonst ist aus taktischer Perspektive wieder Müller zu nennen. Man wird als Bayern-Fan nicht satt daran, seine herausragenden Läufe und seine ganze Präsenz lobend zu erwähnen. Er ist ein weiterer Schlüssel, um die gut gestaffelten Türken zu knacken. Kimmich, James, Lewandowski und alle anderen Spieler auf der rechten Spielfeldseite profitieren derzeit enorm vom Kapitän.

Doch die Frage ist auch, wen Heynckes am Mittwochabend überhaupt aufstellen möchte. Lewandowski und Kimmich drohen mit einer weiteren gelben Karte Sperren. Andere Spieler – wie eben James Rodríguez – brauchen zwar Spielpraxis, kamen aber auch erst aus einer Verletzung. Heynckes wird entweder stark rotieren und andere Spieler auf sehr hohem Niveau testen, oder er gibt seiner vermeintlichen Stammelf wichtige Minuten, um den Rhythmus weiter zu finden. Beide Varianten haben gute Argumente.

Selbstvertrauen holen und weiter geht’s!

Unabhängig von der Formation wird aber gerade die Anfangsphase in Istanbul sehr spannend. Gehen die Bayern sofort das Tempo mit und schaffen sie es, Besiktas einen Strich durch die Rechnung zu machen? Oder lassen sie die Partie ähnlich anlaufen wie im Hinspiel? Dann wird es sehr schwer für die Münchner.

Besiktas ist weiterhin eine sehr erfahrene und starke Mannschaft. Auch wenn das Ergebnis nicht mehr so wichtig ist, so können die Bayern sich wichtiges Selbstvertrauen holen. Ein Auswärtssieg wäre für den Kopf sicher gut. Aber auch die Art und Weise des Auftritts kann eine Signalwirkung haben. Nach innen und nach außen.

Die Zeit für Korrekturen läuft den Münchnern davon. Schon Anfang April beginnen die Hinspiele des Viertelfinals. Spätestens dann muss die Heynckes-Elf kreativer im offensiven Zentrum sein, weniger Bälle in sinnlosen Dribblings verlieren und geordneter im Gegenpressing agieren. Vor allem aber muss sie stärker, kompakter und sicherer sein, wenn sie bei Ballverlusten in die Defensive umschaltet. Istanbul könnte ein wichtiger Fingerzeig für diese Entwicklung sein.

Hinweis: Aufgrund der Zeitverschiebung findet das Spiel bereits um 18:00 Uhr deutscher Zeit statt.

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Leserkommentare
  1. FR7

    An die Anstoßzeit um 18:00 will ich mich nicht gewöhnen müssen aber schön finde ich es trotzdem, das Spiel beginnt nämlich während des Sonnenuntergangs. Hat was von einem DFB Pokalfinale. Gut möglich, dass Besiktas erst ein Tor erzielen muss um die Bayern aufzuwecken. Gut möglich, dass Süle für Hummels oder Boateng spielt und dass Wagner Lewandowski ersetzt. Nicht möglich ist aber dass Bayern München als Verlierer vom Platz geht. Mir schwebt da ein 1:3 Sieg für die Münchner vor. Mit der Frage wie dieses Ergebnis zustande kommen könnte bin ich etwas überfragt. Selbst wenn unsere Roten ein wenig federn lassen sollten, in ihrer individuellen Qualität sind sie den Türken so weit vorraus, dass das der Einzug ins Viertelfinale keinesfalls in Gefahr ist. Zudem fehlt Besiktas wohl ihr Abwehrchef in Form von Pepe. Es wird ein ekeliges Spiel sofern die Türken nicht erneut in Unterzahl geraten oder Bayern früh in Führung geht.

    Meine fünf Thesen zum Auswärtsspiel gegen Besiktas Istanbul:

    1. Durch ein Müller Tor oder Vorlage trifft Bayern.

    2. Besiktas trifft aber auch.

    3. Süle, Vidal und Rafinha stehen in der Startelf.

    4. Ein Bayern Spieler wird angeschlagen oder verletzt ausgewechselt.

    5. Bayern München erzielt mindestens zwei Tore.


    Drei richtige Thesen waren es im Spiel gegen den HSV.
    Meine Trefferquote liegt bei 57%. (Insg. 88 von 155 richtig)

    1. Olorin

      Ich halte es sogar für gut möglich, dass Bayern als Verlierer vom Platz geht. Die Türken werden sich halbwegs rehabilitieren wollen und Bayern wird nicht mehr tun als unbedingt nötig. Ich rechne fest damit, dass Kimmich und Lewy geschont werden. Ich tipp mal 2:1 für Besiktas-für alle ein versöhnliches Spiel.

      1. FR7

        Sich so ein Spiel oder so einen Spielverlauf zu erlauben wäre ein fatales Signal an Europa, an die entschiedene Bundesliga Saison und vor allem an die eigene Mannschaft. Es geht hier nicht nur um die UEFA Fünfjahreswertung sondern auch um Dinge wie Selbstverständnis, Prestige und Status. Bayern muss in der Lage sein dieses Spiel zu gewinnen, ohne wenn und aber. Der Justin hat korrekt angemerkt, dass dies eine von nur einer Hand voll Gelegenheiten ist einige Dinge im Ernstfall und unter maximalem Druck zu testen. Champions League Kulisse, Hexenkessel, KO Spiel, da muss man sich komplett reinhängen. Wie soll man die Bundesliga in aller Ernsthaftigkeit zu Ende spielen wenn man sich nun sogar gegen Besiktas ausruhen möchte, nur, weil man insgesamt 5:0 führt? Ich denke auch, dass Kimmich auf der Bank Platz nimmt. Lewandowski hingegen könnte starten und nachdem er trifft, würde er ausgewechselt werden. So verscherzt man es sich nicht mit unserem besten Spieler. Moderationsarbeit ist da gefragt. Abgesehen davon zieht Lewandowski die gesamte Innenverteidigung auf sich, sodass Ribéry, Müller und co. mehr Platz haben.

      2. Marco05

        Kann mir auch nicht vorstellen, dass Heynckes irgendwen schont. Doch auch mit der vermeintlichen 1a-Formation denke ich, dass wir uns heute äußerst schwer tun werden.

        Würde mich fast wundern, wenn wir dort einigermaßen entspannt 3 Punkte mitnehmen. Mit dem hohen Heimsieg im Hinterkopf und der bekannten Atmosphäre dort wird das au meiner Sicht ein enges Ding. Gearde wegen dem hohen Heimsieg wird uns womöglich etwas der letzte Biss fehlen und je nach Spielverlauf (ein frühes Gegentor wäre absolutes Gift), wird es eine knappe Angelegenheit.

      3. GS

        @Marco005: das Spiel ist morgen, nicht heute …

        Ansonsten: ein 5:0 werden wir uns nicht mehr nehmen lassen, wir sind ja nicht PSG :-)

      4. Marco05

        Danke, auch wenn eine Null zuviel war ;)

        Bin schon den ganzen Tag irgendwie auf Mittwoch. Das ist jedesmal ein herber Rückschlag wenn jemand sagt, dass heute erst Dienstag ist :P

        Aber wer weiß, vielleicht tun wir uns heute auch schwer: Anreise, Abschlusstraining…

        Robben fällt ja offenbar aus. Die fachmännische Diagnose von KHR lautet “es zwickt”. Na da schauen wir mal, wie die Aufstellung aussieht. James dürfte wieder reinrutschen (oder doch Thiago?). Das defensive Mittelfeld stellt sich durch den Ausfall von Tolisso und des Tiefs von Rudy auch fast von alleine auf.

      5. FR7

        Lewandowski
        Ribéry – Vidal – James – Müller
        Martinez
        Alaba – Hummels – Süle – Rafinha
        Ulreich

      6. GS

        Sorry, aber das “O05” ist ja auch eine intellektuelle und optische Herausforderung – der ich auf die Schnelle einfach nicht gewachsen war :-)

        Inhaltlich sehe ich es übrigens auch so, dass das Spiel morgen (!) sicher kein Zuckerschlecken werden wird, und vom Ergebnis her eher in Richtung Unentschieden laufen dürfte, bestenfalls knapper Sieg. Aber dass das Viertelfinale dabei in Gefahr geraten könnte, halte ich für ausgeschlossen – Aytekin darf ja nicht pfeifen ;-)

      7. Olorin

        Dann seh ich das halt anders als ihr. Natürlich sagt Heynckes nicht: “Jungs, chillt heut mal ne Runde.” Aber der Fokus und die Aggressivität wird dann einfach nicht so da sein wie bei einem anderen Hinspielergebnis. Habt ihr die Rückspiele von City und Liverpool verfolgt? So ähnlich wirds bei uns auch laufen, Zeichen für die Konkurrenz hin oder her.
        Wenn Lewy spielt und sich dann die gelbe holt will ich mal sehen was hier los ist ^^

  2. wipf1953

    Ich wäre sehr überrascht, wenn Bayern nicht die beste Mannschaft aufbieten und wenn Heynckes nicht eine hochkonzentrierte Leistung einfordern würde. Aus Angst vor Verletzungen Spieler zu schonen kann ebenso nach hinten losgehen wie das Spiel mit halber Kraft zu bestreiten. Es kommen jetzt die entscheidenden Wochen, da müssen sich Spieler, Trainerstab und Management wie in einem Tunnel fühlen, wo es nur darauf ankommt das Licht am Ende zu erreichen.

  3. FR7

    Edit: Merkte eben erst, dass das Spiel in Istanbul nicht vorverlegt wurde sondern wir sie aufgrund der Zeitumstellung um 18:00 Uhr spielen sehen. Wie bin ich nur durch die Schule gekommen? Köstlich. :’D

  4. Jo

    Keine Verletzten, keine Sperren, keine Niederlage = 100% Erfolg!

  5. Osrig

    Heynckes hat in seiner Pressekonferenz angemerkt, dass man die Spiele ernsthaft angehe und es immer Inhalte gebe, die noch verbessert werden können. Ich denke, dass diese Verbesserungen auch deswegen möglich sind, weil aufgrund des hohenVorsprungs in der Liga der Druck geringer ist und es sich daher ambietet, stärker an Abläufen zu feilen und sich auf diese Weise für die Top-Spiele noch besser in Form zu bringen.

    Auch das Besiktas-Spiel ist vergleichbar, führt aufgrund der hohen Führung aus dem Hinspiel zu weniger Druck.
    Daher wird auch dieses Spiel dazu genutzt werden können, um das Spiel der Mannschaft weiter zu verbessern. Weshalb die Spieler das Match sicher ernst nehmen werden, erst recht unter den Bedingungen eines Auswärtsspiels in einer Atmosphäre wie z.B. im Spiel bei Atletico Madrid.
    Ich denke, dass Jupp daher im Wesentlichen die Stammelf spielen lassen wird, aber ein bis drei Spieler aus Position 13 bis 18 einfügen dürfte. Von den Jungs erwartet er hohen Einsatz – ich hoffe, dass er nicht auch Kampf bis zum Letzten erwartet, denn gerade weil der Gegner aggressiv anlaufen wird, kann daran gefeilt werden, diesem Gegenpressing auszuweichen. In dem der Ball schnell laufen gelassen wird und bei den eigenen Offensiv-Aktionen Zweikämpfen auf diese Weise soweit wie möglich aus dem Weg gegangen werden kann. Womit auch das Verletzungsrisiko minimiert werden kann.

    Wenn sie Larifari spielen, darüber unkonzentriert und nachlässig werden, dann ist das sicher nicht im Sinne von Heynckes, und kann auch daneben gehen. Ich denke zwar nicht, dass wir das noch “vergeigen”, aber mit einer Schlappe aus Istanbul zurück kehren, ist schlecht für das Selbstvertrauen, und mehr noch, ein schlechtes Signal nach Innen wie nach Außen.
    Ich meine aber, die Jungs wissen, worauf es ankommt und lassen nichts anbrennen.

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