Vorschau: FC Bayern München – 1. FC Köln

Interview mit Eike vom Gutsport Podcast

Nach der verdienten Niederlage gegen Atlético Madrid geht für die Bayern das Kerngeschäft Bundesliga weiter. Am Samstag ist mit dem 1. FC Köln ein Verein zu Gast, der seit einigen Jahren zeigt, dass mit nachhaltiger Arbeit einiges möglich ist.

Wir haben uns für die Vorschau Eike vom Gut Sport Podcast eingeladen. Eike bespricht dort mit unserem Autor Steffen wöchentlich den aktuellen Bundesliga-Spieltag sowie die interessantesten Themen des Sports. Im Interview erzählt er uns das wichtigste zum Lauf des Effzeh und weshalb er die Bayern im Meisterrennen vorne sieht.

Hallo Eike, wir haben bereits vor dem letzten Spiel miteinander gesprochen. Damals sprachen wir von einer schwachen Chancenverwertung des effzeh. Heute steht das Torverhältnis nach fünf Spielen bei 9:2. Was hat sich getan?

Et läuft… würde man wohl in Köln sagen. Es stimmt zur Zeit einiges in der Mannschaft. Die Truppe ist eingespielt und hat viel Selbstvertrauen, das scheint dazu zu führen dass wir wieder mehr Ruhe vor dem Tor haben. Die Defensive war unter Stöger schon immer unser Prachtstück und auch letzte Saison haben wir uns für unsere Verhältnisse viele Chancen rausgespielt. Dieses Jahr machen wir mehr davon rein. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt. Ich kann mich erinnern, dass Modeste ne lange Durststrecke hatte letzte Saison, Osako hatte sogar nur einmal am 1. Spieltag getroffen. Und wenn man sich jetzt die Tore gegen Schalke und Leipzig anguckt, dann sieht man einfach: Die Jungs glauben an sich. Unsere großen Pluspunkte sind die Geschlossenheit, dass der Kader fast komplett zusammen geblieben ist und wir uns nur punktuell verstärkt haben. Die Abläufe stimmen und das sieht man aktuell.

Warum scheint Modeste jetzt so zu explodieren?

Ich war im Sommer im ersten Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf in Österreich und habe da zum Tony gesagt er soll sich mal vor dem Tor zusammen reißen. Nee, Scherz bei Seite. Dass Modeste einer der besten Stürmer der Liga sein kann, hat er meiner Meinung nach damals schon in Hoffenheim angedeutet. In Köln fühlt er sich sehr wohl und bringt es aktuell auf den Platz. Letzte Saison war es nicht immer so und im Sommer gab es ja auch das Wechseltheater, also mal gucken wie lange das so bleibt. Wer mich jedoch viel mehr beeindruckt ist der Osako. Ich fand ihn damals bei 1860 schon gut und habe mich sehr über den Transfer gefreut. Aber er hat sich nie wirklich durchsetzen können bei uns und wurde hart kritisiert. Stöger hat jedoch immer an ihn geglaubt und ihn immer wieder gebracht (siehe die ersten Minuten in diesem Video). Endlich wird er in Köln gefeiert. Ich war am 1. Spieltag gegen Darmstadt da und als Osako für Rudnevs kam, ging ein Raunen durchs Stadion. Gegen Leipzig wurde er jetzt mit Standing Ovations verabschiedet. So ist Fußball.

Spieler wie Jonas Hector haben ihren Vertrag in Köln verlängert. Wächst da eine Truppe heran, die bald um die europäischen Plätze spielen kann oder ist das wieder nur eine Momentaufnahme?

Dass sich Spieler wie Jonas Hector und Timo Horn gegen einen Wechsel zu einem Champions-League-Verein entschieden haben, zeigt, dass in Köln aktuell viel richtig gemacht wird. Aber wir haben das im Gut Sport Podcast auch schon besprochen, Verträge zu verlängern ist heute nicht mehr unbedingt ein Treuebekenntnis zum Verein, sondern nachhaltiges Wirtschaften. Und wenn wir eines Tages unsere Schulden loswerden wollen und die finanzielle Lücke zu den Vereinen die vor uns stehen verkürzen wollen, ist das zwingend notwendig. Unabhängig von den Vertragslaufzeiten glaube ich schon, dass da gerade was zusammen wächst. Wir haben viele gute Leute in den Führungspositionen, jeder übernimmt seine Verantwortung und versucht den Effzeh nach vorne zu bringen. Und das spiegelt sich dann auch im Team wieder. Es scheint keine Grüppchenbildung zu geben, alle Spieler betonen in den Interviews immer wieder, wie gut die Stimmung ist. Ich glaube da ist was dran. Und auch wenn es diese Saison für Europa reichen sollte (disclaimer: die Saison ist lang), kann es ganz schnell wieder ganz woanders hingehen. Ein Blick nach Hannover reicht.

Schlüsselspieler wie Jonas Hector konnten gehalten werden.(Foto: Patrik Stollarz / AFP / Getty Images)
Schlüsselspieler wie Jonas Hector konnten gehalten werden.
(Foto: Patrik Stollarz / AFP / Getty Images)

Beim letzten Interview rechneten wir beide mit tiefstehenden Kölnern und einer Fünferkette. Diesmal bin ich mir, auch aufgrund der neuen Spielweise des FC Bayern, nicht ganz so sicher. Wie erwartest du den Effzeh?

Für mich die spannendste Frage. Bisher war es so, dass wir gegen vermeintlich übermächtige Gegner die 3+2-Kette ausgepackt haben. Ich denke, dass kann Samstag wieder passieren, bin aber gespannt was Stöger den Jungs zutraut. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir mit Viererkette spielen, vielleicht nicht die ganze Zeit, aber zwischendurch. Der Wechsel zwischen den Systemen während des Spiels hat gegen Schalke auch schon gut geklappt. Ansonsten sind die Schlüsselsituationen klar: Ihr werdet das Spiel machen und uns hinten reindrängen und wir müssen versuchen die Umschaltsituationen zu nutzen. Das können wir diese Saison ziemlich gut und wenn dann unser französisch-japanisches Knipser-Duo vor dem besten Torwart der Welt auftaucht, geht vielleicht was…

Wie geht das Spiel aus und weshalb erreicht der 1. FC Köln diese Saison eine bessere Platzierung als in der letzten?

Im Podcast habe ich 4:1 für euch getippt. Aber eigentlich nur um die Latte für Steffen möglichst hoch zu legen. Insgeheim träume ich natürlich von einem Punkt in München. Es wäre mal wieder Zeit und die 7500 Kölner hätten sich auch eine schöne Wiesn verdient. Vielleicht kommt es ja wirklich so: Ecke für Euch, Freddie klärt, Hector spielt den Ball schnell auf Risse, Osako und Modeste kommen mit, kreuzen, Risse spielt den Ball in die Schnittstelle und Yuya macht ihn rein. Dass es nur zum 1:1 reicht, liegt am Bayerndusel bzw. an eurem neuen Mentalitätsmonster und Torjäger Nr. 1 Joshua Kimmich.

Im Gut Sport Podcast hast du auch vor der Saison auf den FC Bayern als Meister getippt. Bleibt das auch nach 5 Spieltagen so?

Klar. Defense wins championships. Wir werden es euch zusammen mit dem BVB so lange wie möglich schwer machen, aber am Ende des Tages ist die Saison zu lang für einen Überraschungsmeister aus dem Westen und ihr habt die reifste und beste Mannschaft.

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Leserkommentare
  1. Osrig

    Normaler Weise würde ich zum Spiel gegen Köln sagen: Heimspiel gegen eine Mannschaft, die sich noch in der Phase der Konsolidierung in der Liga befindet, und die nicht zu den Top-Vier gehört – da ist von einem klaren Sieg auszugehen.
    Heute bin ich nicht so optimistisch. Wir sind selbst noch im Umbruch, und die Niederlage gegen Atletico hat gehörig am Selbstvertrauen genagt. Jetzt kommt mit Köln eine Mannschaft, die defensiv stark ist, mittlerweile nach vorn aber eine gute Qualität entwickelt hat. Lasse ich eure “FunFacts” auf mich wirken, so sehe ich ein Null zu Null kommen. Ein Punktverlust aber würde Unruhe und Unsicherheit erst recht steigern lassen, und Dortmund würde schon wieder den Abstand verkürzen können.
    Bei uns würde sogar das Wort von der “Krise” bemüht werden.
    Der FCB steht somit gegen Köln stärker unter Druck, als gedacht, und es hängt vieles davon ab, wie die Jungs auftreten werden.

    Da die Mannschaft unter Druck aber meist in der Lage ist, sich zu fokussieren und ihre Leistung auch auf den Platz zu bringen, hoffe ich sehr, dass wir endlich zu sehen bekommen, was bislang nur in Ansätzen zu erkennen war:
    Ein System, in dem der Ball schnell gespielt wird, die Jungs in Bewegung bleiben und den Gegner gar nicht erst in die Zweikämpfe kommen lassen. “One-Touch” in den berühmten “Dreiecken”, mit mutigen vertikalen Aktion, wenn die Kölner Abwehrreihen eine Lücke zulassen. Dann fallen auch Tore.
    Ich bin sicher, Ancelotti wird die Defizite vom Atletico-Spiel angesprochen und Lösungen trainiert haben. Jetzt muss es die Mannschaft umsetzen. Die Rotation darf dabei kein Hemmschuh werden! Aber auch mit Kimmich, Hummels und Robben sollten die “Dreiecke” funktionieren, und mit Robben sind auch vertikale Durchbrüche erfolgversprechend, wenn sich die Mannschaft – von mir immer noch mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet – weiter nach rückwärts fallen lässt und dem FC Köln Raum gibt.
    Wenn die Jungs also eine Reaktion zeigen und sich auf ihre Stärken im Zusammenspiel besinnen, dann werden wir auch gewinnen, mit mindestens zwei Toren mehr als Köln.

    1. wipf1953

      Ich könnte mir vorstellen, dass die Mannschaft etwas müde sein wird. Somit ist der “höchstens zwei Tore Tipp” nicht falsch. Dass Bayern gewinnt, halte ich aber dennoch für überwiegend wahrscheinlich. Schon, weil CA ordentlich durchrotieren wird.

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