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FC Bayern U17 – Eintracht Frankfurt U17 2:2 (2:2)

Nach einem dramatischen Samstagnachmittag steht fest: Die Ausgangssituation für das entscheidende Spiel um die U17-Staffelmeisterschaft zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern bleibt exakt gleich. Beide Teams erreichten jeweils ein 2:2 Unentschieden.

Die Ausgangslage vor dem Spiel beschrieben wir bereits in unserer Vorschau: An der Tabellenspitze standen der VfB Stuttgart und der FC Bayern punktgleich, wobei die Schwaben die um zwei Treffer bessere Tordifferenz auf ihrer Seite hatten.

Falls ihr es verpasst habt:

Bayerntrainer Tim Walter setzte auf das bewährte 4-2-3-1 System. Vor Torhüter Früchtl verteidigten Ettner, Nitzl, Mai und der im letzten Moment wieder fit gewordene Jonathan Meier. Kapitän Adrian Fein biss nach verletzungsbedingt nur zwei Trainingseinheiten in den letzten vier Wochen auf die Zähne und bildete mit Tobi Heiland die Doppelsechs, die Meritan Shabani in der offensiven Zentrale ergänzte. Shabani war nahezu die komplette Saison bei der U19 im Einsatz. Auf den Flügeln starteten Benjamin Hadzic sowie Franck Evina. Timothy Tillman, normalerweise im zentralen defensiven oder zentralen offensiven Mittelfeld beheimatet, begann diesmal in der Sturmspitze. Besonders erfreulich: Drei Monate nach seinem Außenbandriss kehrte Manuel Wintzheimer in den Kader zurück. Und bemerkenswert: Mit Früchtl, Nitzl, Mai, Heiland und Evina begannen gleich fünf Spieler, die im Jahr 2000 geboren sind und somit normalerweise noch in der U16 spielen dürften.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Keine drei Minuten waren gespielt, da erreichte Adrian Fein nach einem Dribbling die Grundlinie und legte zurück auf Benni Hadzic, der ins linke Eck einschob. Die frühe Führung für den FC Bayern und der erhoffte Start nach Maß. Nahezu zeitgleich erreichte die Fans auch die Kunde vom 0:1-Rückstand des VfB Stuttgart in Karlsruhe. Ruhig und konzentriert dominierte die B-Jugend des FC Bayern in der Folge das Spiel, ein Elfmeterpfiff blieb ihr jedoch verwehrt, nachdem Tillman im Strafraum zu Fall gekommen war.

In der 19. Spielminute fiel aus heiterem Himmel der Ausgleich. Eine Flanke von der linken Seite wollte Nitzl annehmen, statt zu klären. Bei der Ballannahme sprang ihm jedoch der Ball zu weit weg, der Frankfurter Stürmer bedankte sich und schob den Ball an Früchtl vorbei ins Tor. Keine Zeigerumdrehung später zappelte der Ball erneut im Netz, nachdem die Frankfurter über die linke Seite durchbrachen und der Stürmer in der Mitte im zweiten Versuch traf. Der Doppelschlag hinterließ ihre Spuren bei der Mannschaft, die fast auch noch das 1:3 kassiert hätte. Drei Frankfurter liefen gegen nur einen roten Gegenspieler aufs Tor zu, aber Früchtl hielt die Münchner mit einer starken Parade im Spiel. Auf der Gegenseite kam Hadzic im Strafraum zum Schuss, verfehlte aber den Kasten um wenige Zentimeter (30.).

Kurz vor der Halbzeit war es dann so weit. Ein Konter im “eigenen Stadion” führte zum Ausgleich, nachdem Hadzic mit einer Hereingabe den freien Tillman am zweiten Pfosten bediente. Der Frankfurter Trainer beschwerte sich so lautstark über den Körpereinsatz bei der Balleroberung vor dem Ausgleich, dass der Schiedsrichter ihn “auf die Tribüne” schickte, im diesem Falle schlicht hinter den Absperrzaun auf den Nebenplatz. Während es in München somit mit einem 2:2 in die Halbzeitpause ging, lagen die Stuttgarter zum Halbzeitpfiff mit 0:2 in Karlsruhe zurück.

(Bild: U17 FC Bayern - Eintracht Frankfurt)
Freistoß bei FC Bayern U17 – Eintracht U17 (Bild: @stadtneurotikr)

Die zweite Spielhälfte begann nicht nur ohne Wechsel, sondern auch erst einmal ohne große Torraumszenen. Kapitän Fein merkte man die mangelnde Fitness zunehmend an. Walter reagierte und ersetzte die komplette Zentrale: Für Fein, Heiland und Shabani kamen Zylla, Zaiser sowie Manuel Wintzheimer. Timothy Tillman rückte auf seine Stammpostion im zentralen offensiven Mittelfeld zurück. Kurz darauf hatten die Hessen eine große Chance zum 2:3, doch Barliks Heber flog über das Tor. Nun war wieder mehr Schwung im Spiel, nicht zuletzt durch die Präsenz Wintzheimers. Ein hoher Ball erreichte ihn an der Strafraumkante, den er perfekt annahm und nach einer Drehung aufs Tor schoss, doch leider ein wenig zu ungenau und knapp rechts vorbei. Eine weitere Chance vergab der eingewechselte Maximilian Franzke per Kopf- Nachdem zwischenzeitlich auch Tim Walter vom insgesamt sehr kleinlich agierenden Schiedsrichter hinter den Zaun geschickt wurde, hatten beide Teams in der Nachspielzeit die Chance auf den Siegtreffer. Zuerst parierte Früchtl stark gegen den durchgebrochenen Frankfurter Barlik, bevor Franzke in der vierten Minute der Nachspielzeit an die Grundlinie gelangte und den freien Tillman am zweiten Pfosten bediente. Doch diesmal war das Glück der Mannschaft nicht hold und Tillman setzte den Ball aus 2 oder 3 Metern über die Latte. Somit blieb es beim 2:2, genau dasselbe Ergebnis erreichte der VfB. Somit muss die U17 des FC Bayern letzten Spieltag in Stuttgart gewinnen, um die Meisterschaft in der Bundesliga Süd/Südwest zu gewinnen und sich fürs Halbfinale um die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren.

3 Dinge, die auffielen

1. Mangelnde defensive Stabilität

Die defensive Stabilität ist das größte Problem der U17 des FC Bayern in dieser Saison. Und das zeigt sich gleich in mehreren Aspekten. Teils haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel laden den Gegner zu Kontersituationen ein. Im Gegenpressing fehlt anschließend oft das richtige Gespür fürs Timing. Nicht selten werden hier Positionen verlassen, ohne eine Chance zu haben, Druck auf den ballführenden Gegenspieler auszuüben. Zu oft entstehen hier riesige Lücken, die zu Gegentoren führten. Die Außenverteidiger werden von den zentralen Spielern teilweise gegen zwei Gegenspieler alleine gelassen, eine Einladung für den Gegner, durch einfaches Hinterlaufen gefährliche Situationen zu bekommen.

“Defense wins championships” – Geht es nach diesem bekannten Spruch, stehen die Chancen des FC Bayern schlecht. Aber die Mannschaft hat auch gezeigt, dass sie an konzentrierten Tagen deutlich sicherer stehen kann. Das wird mit einem hoffentlich auch fitteren Adrian Fein nötig sein, um die drei Punkte aus Stuttgart mitzunehmen.

2. Offensive Qualität

So viel es an der Defensive auszusetzen gibt, so sehr ist auf die Offensive Verlass. 76 Tore in 25 Spielen bedeuten einen Schnitt von mehr als drei Treffern pro Partie. Von den offensiven Spielern ist jeder einzelne torgefährlich, sowohl im Strafraum als Endverwerter als auch durch eigene Aktionen. Die Mannschaft blieb in keinem einzigen Spiel torlos, in 20 Spielen erzielte man mindestens zwei Treffer. Die Mannschaft erzielt ihre Tore auf alle möglichen Arten: Mit Standardsituationen, nach Kontern, über die Außen, durch die Mitte, sie ist kaum ausrechenbar. So fielen auch heute die Tore sowohl in Ballbesitz durch ein Dribbling durch die Mitte (1:0) als auch nach einem Konter über den Flügel (2:2).

3. Schlüsselspieler unersetzbar

Dies machte sich sowohl im positiven wie auch im negativen Sinn bemerkbar. Zum einen in Person von Kapitän Adrian Fein, dessen körperliche Präsenz und offensive Qualität die Mannschaft bis zu den beiden Gegentoren trug. Doch mit zunehmender Spieldauer ließen nicht nur seine offensiven Aktionen nach, sondern auch seine Präsenz in der Defensive. Sein Nebenmann Heiland konnte die durch Feins nachlassende Kraft immer größer werdenden Lücken nicht immer alleine schließen, auch weil zu oft die Unterstützung der offensiveren Mitspieler fehlt. Dabei ist Fein kein Vorwurf zu machen. Er biss trotz verletzungs- und krankheitsbedingt nur zwei absolvierten Trainingseinheiten in den letzten vier Wochen auf die Zähne und ging als Kapitän voran, wie es sein sollte.
Während also Fein nicht zuletzt aufgrund seiner Auswechselung in der zweiten Halbzeit quasi fehlte, war Wintzheimer die positive Erscheinung. Seine Präsenz im Strafraum und sein Riecher für die gefährlichen Situationen sorgten sofort für mehr Torgefahr. Beobachter der U17 sind sich uneinig, ob Wintzheimer noch aufgrund seines fortgeschrittenen Körperbaus profitiert und es in der U19 sowie im Erwachsenenbereich schwer haben wird oder ob er tatsächlich diese gewissen Stürmerfähigkeiten hat. Ich tendiere persönlich zu letzterem und traue ihm viel zu, sollte er von Verletzungen halbwegs verschont bleiben.

So oder so, die Chancen stehen gut, dass die U17 in Stuttgart in Bestbesetzung auflaufen kann. Mit einem fitteren Fein in der defensiven Zentrale und hoffentlich auch mit Wintzheimer in der Startelf. Dann ist alles möglich. Denn diese Mannschaft ist zu allem fähig, auch zu einem verdienten Sieg im Spitzenspiel.

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Leserkommentare
  1. Rye B

    Freu ich mich auf Sonntag? Ja verdammt!!

    Unsere Perspektivjugend spielt gegen die 1892+1er (Ja, ich mag die nicht)
    Um die Staffelmeisterschaft.
    Quasi vor der Haustür.
    In Bestbesetzung.
    Trotz Patzer.

    Kann das Junior Team/unsere U-Mannschaften leider nur sporadisch sehen, trotzdem kann man festhalten: Hoffentlich hat Walter keine/wenig Ambitionen in den Profibereich aufzusteigen. Mit Ihm, ab nächster/übernächster Saison dann hoffentlich zusätzlich mit Elgert in der U19 und Vogel lässt sich da trainerseitig richtig was aufbauen.
    Wenn ich mir vorstelle, dass in der U17 sogar 5 von den 2000er Jungs mitspielen (Gott werde ich alt… :-( .. ) dann stimmt mich das absolut positiv.
    Aus eigener Erfahrung dauert das entwickeln von Nachwuchsmannschaften/Spielern einfach seine Zeit, was sich einfach auch nur bedingt verkürzen lässt!
    Nichts desto trotz ich glaube wir sind rein sportlich auf einem guten Weg.

    @Napto:
    Danke, dass du die U-Mannschaften verfolgst/analysierst/berichtest.
    Bist du am Sonntag zufällig vorort? Vielleich kriegen wir ja mal einen kurzen Plausch hin… fände ich klasse!

  2. wipf1953

    @Rye B

    1. Ich mag die 1892+1er auch nicht. Wobei man anerkennen muss, dass ihre Nachwuchsarbeit top ist.
    2. Ob’s jetzt der erste oder der zweite Platz wird – egal, noch sind die Jungs in einem Alter, wo ich die individuellen fußballerischen Fähigkeiten für wichtiger halte als das Mannschaftsdenken. Wenn ich da den einen oder anderen (Bayern)trainer reden höre, habe ich den Eindruck, dass die das anders sehen.
    3. Elgert bleibt angeblich bei S04! Mist! Weiß nicht, womit ihm der Tönnies gedroht hat dass er seine Entscheidung nochmal über den Haufen geworfen hat.

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