Abschließendes zur Diskussion um Thomas Müller

Es ist das Dauerthema dieses Sommers: Das kolportierte Interesse von Manchester United an einer Verpflichtung von Thomas Müller.

Ja, es ist glaubwürdig, dass Manchester United ein sehr ernsthaftes Interesse an Bayerns erfolgreichstem Scorer der letzten fünf Jahre hat. Ja, es ist glaubwürdig, dass der Club von Ex-Bayern-Coach und Müller-Förderer Louis van Gaal dafür Mondpreise wie die am Mittwoch erneut veröffentlichten 85 Millionen Euro aufbietet. Aber nein, es ist nicht wahrscheinlich, dass Müller den Verein in naher Zukunft verlässt. Denn die Entscheidung darüber liegt im Prinzip ganz allein bei Müller selbst.

Thomas Müller ist ein einzigartiger Fußballer. Er kann nicht besonders gut dribbeln, er hat keinen besonders harten Schuss, er ist kein herausragender Passspieler. Er ist nicht außergewöhnlich schnell. Er ist kein herausragender (wenn auch ein unterschätzter) Kopfballspieler. Er ist nicht mal ein besonders guter Zweikämpfer. Dafür ist Müller wahrscheinlich in jedem Spiel der schlauste Offensivspieler auf dem Feld. Er findet die entscheidenden Räume. Er erzwingt durch kluge Entscheidungen gefährliche Situationen. Er ist ruhig vor dem Tor. Er versteht es seinen Körper geschickt einzusetzen und er ist nie verletzt. Er findet praktisch in jedem Spiel einen Weg seiner Mannschaft zu helfen ohne individuell herauszuragen. Müllers Siegeswille ist legendär. Wer ihn nach Niederlagen gestikulieren, geradezu verzweifelt hadernd sieht, weiß was damit gemeint ist. Müller ist neben Philipp Lahm die große Konstante der vergangenen fünf Jahre mit insgesamt drei Champions League-Finalteilnahmen, weil beide praktisch immer spielten.

Müller hat kein Preisschild

Müllers Spiel ist so außergewöhnlich, dass er in jedem System funktioniert, weil seine Stärken unabhängig vom Spielstil seiner Mannschaft sind. Es verwundert also nicht, dass ein Verein wie Manchester United bereit ist, richtig tief in die Tasche zu greifen. Der FC Bayern hat sehr lange keinen Spieler mehr verkauft, um Geld einzunehmen. Der FC Bayern verkauft grundsätzlich keine Spieler mit langfristigem Vertrag, die im Verein bleiben wollen. Der FC Bayern wird auch bei Müller nicht schwach werden. “Es gibt Spieler, die haben kein Preisschild”, sagte Karl-Heinz Rummenigge treffend. Sowohl der sportliche, als auch der Markenwert Müllers liegt für den FC Bayern ohnehin deutlich über den kolportierten 80 oder 85 Millionen Euro Ablöse. Insofern ist es völlig egal, ob Manchester United inzwischen auch offiziell ein Angebot abgegeben hat. Der Sachstand ist der gleiche.

Der FC Bayern hat Müller den roten wenn nicht sogar goldenen Teppich ausgerollt. Er gehört nach dem Abgang von Schweinsteiger neben Lahm und Neuer auch offiziell zum Führungstrio der Mannschaft. Müller braucht also schon sehr gewichtige Gründe, um den Wunsch zu verspüren den Verein zu verlassen. Dass er zuletzt in wichtigen Spielen ein paar Mal ausgewechselt wurde, ist kein gewichtiger Grund. Müller stand auch unter Guardiola fast ohne Ausnahme in jedem wichtigen Spiel in der Startelf. Wer die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen durch den bald geltenden Milliarden-TV-Vertrag in England kennt, weiß, dass ein Weltklasse-Spieler wie Müller dort Netto verdienen kann, was er in München Brutto verdient. Das wäre dann schon eher ein gewichtiges Argument. Ob Müller jemand ist, der dem ganz großen Geld nachjagt, kann nur er selbst beantworten.

Sinneswandel unwahrscheinlich

Müller hat genau wie Schweinsteiger zuvor häufiger betont, dass er nicht ausschließen kann, dass ihn eine Auslandsstation irgendwann in seiner Karriere reizen könnte. Er hat dies sogar recht klar bejaht. Bis zu dem Zeitpunkt allerdings an dem Müller diesen Wunsch gegenüber der Bayern-Führung klar artikuliert und mit Nachdruck einen Vereinswechsel fordert, ist die gesamte Diskussion um das Interesse von Manchester United ein Non-Thema. Müller hat erst im vergangenen Jahr seinen Vertrag in München langfristig verlängert. Auch im Vorjahr gab es bereits viele zahlungskräftige Interessenten. Es wäre schon ein sehr außergewöhnlicher Sinneswandel, wenn Müller nun mit aufgebessertem Vertrag, mehr Verantwortung innerhalb der Mannschaft und höchster Wertschätzung im Verein doch auf einen schnellen Wechsel setzt.

Am 31. August endet die Transferperiode und damit zumindest für diese Saison auch die ziemlich anstrengende Diskussion um Thomas Müller. Der Nationalspieler wird auch danach ein rotes Trikot tragen. Und zwar das des FC Bayern.

Miasanrot Patreon

Abonniere unsere Beiträge!

Twitter & Facebook

Folge uns über Social Media

Du willst die aktuellsten und wichtigsten News zum FC Bayern lesen? Folge uns auf Twitter @miasanrot oder like unsere Facebook Seite.

Folgen

Leserkommentare
  1. Jawohl, so und nicht anders ist es!

    Wie ich vorhin twitterte: Eher verpflichtet Thomas Totilas als Deckhengst, als daß er von einem anderen Verein verpflichtet wird.

  2. BayernExpat

    Oh nein, selbst ihr schreibt was dazu! Kein gutes Zeichen.

    So kurz vorm ende der transfer Periode wird es nicht passieren.

    Er ist meiner Meinung nach extrem schwer zu ersetzten, und das meine ich rein sportlich. Wenn man dann noch image/verein/fan Identifikation dazunimmt, muss schon eine utopische summe geboten werden um darüber Nachzudenken ihn abzugeben ohne das sein ausdrücklicher Wunsch dem vorausgegangen ist. Und ich meine wirklich utopisch, denn mit 60-80 Millionen kann man ganz ganz oben zwar sportlichen ersatz kaufen, aber eben nicht das drumherum.

    Es ist ja schon alles gesagt. Ich glaube das wenn er in den naechsten 2 Jahren die CL nochmal gewinnt es sich schwer überlegen wird nochmal im besten Fußballer alter neue Reize zu setzen. Mal davon abgesehen dass er bei einem der top clubs in England wohl an die £12 million verdienen würde, also quasi das doppelte.

    All das ‘der is ein heimat typ, Seele des Vereins etc’ is mir alles zu sentimental argumentiert, es weiss doch niemand was in ihm vorgeht.

  3. Johannes

    Wieso sollte er sich das antun Manchester ist nicht auf unserem Niveau, die können froh sein wenn sie unter die Top 3 kommen und maximal Viertelfinale Champions League.Vielleicht kacken wir in 2-3 Jahren ja auch so ab aber bis dahin wird er niemals wechseln.

  4. pitvonbonn

    Eine kleine Ungenauigkeit ist mir aufgefallen.
    Es ist nicht Müllers Entscheidung, ob er wechseln dürfte.
    Ohne Bayerns Zustimmung geht bis 2019 gar nichts.
    Außerdem macht mir das van Gaal immer unsympatischer.
    Das Baggern bei den Ex Clubs.

    1. Steffen

      Der Verein hat sich ja klar positioniert. Das einzige Szenario indem der Verein Müller freigeben würde, ist wenn Müller selbst mit Nachdruck einen Wechsel fordert und Theater macht. Dann hat der FC Bayern in der Vergangenheit niemandem groß Steine in den Weg gelegt. So war es gemeint.

      1. chicago_bastard

        Da würde ich widersprechen und Pitvonbonn zustimmen. Müller ist nicht vergleichbar mit Schweinsteiger, auf den dieses “keine Steine in den Weg legen” wohl gemünzt ist. Schweini haben die Offiziellen offensichtlich nicht als sportlichen Verlust eingeschätzt und deswegen ziehen lassen. Bei Müller wäre das anders, dessen sportlicher Wert wäre eher mit dem des Ribery von 2009 vergleichbar.

        Und dieser Ribery hat 2009 mit Nachdruck einen Wechsel zu Madrid gefordert und dabei ein Riesen-Theater veranstaltet und dennoch ist der Verein trotz eines hohen Angebots von Real stur geblieben und hat auf die Erfüllung des Vertrages gepocht. Das würde auch bei Müller passieren solange der noch länger gebunden ist. Der Spieler hat schließlich bei vollem Bewusstsein einen Vertrag bis 2019 unterschrieben, also hat er keinen Grund großartig Theater zu machen, zumal ich Müller eh nicht als so einen schwierigen Typen einschätzen würde. Höchstens ein Jahr vor Vertragsablauf würde man also über einen Wechsel nachdenken wenn Müller diesen forciert, da man sonst ein Jahr später keine Ablöse mehr bekäme. Daher kann man getrost davon ausgehen, dass uns Müller bis mindestens 2018 erhalten bleibt.

      2. Steffen

        Auch hier muss ich wiedersprechen. Ribéry selbst hat es so dargestellt. Es war alles klar mit Real – vor allem weil er so viele Probleme mit van Gaal hatte. Dann gab es ein letztes Gespräch mit Rummenigge und Hoeneß, die ihn umgestimmt haben (wie auch immer.. hier ein Link dazu: http://www.tz.de/sport/fc-bayern/franck-ribery-wechsel-real-madrid-schon-vorbereitet-4483007.html). Auch hier hätte Bayern am Ende einem Wechsel zugestimmt wenn Ribéry wirklich auf einen Wechsel gepusht hätte.

      3. chicago_bastard

        Sowas erzählt er Jahre später um vor den Bayernfans besser dazustehen, darauf geb ich nix. Da halte ich mich eher an seine klaren Aussagen von 2009, dass er unbedingt zu Real wolle. Und die Darstellung von Hoeneß war auch immer die, dass der Verein das Angebot von Real abgelehnt hat: http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/0908/Artikel/uli-hoeness-ueber-frankc-ribery-wechsel-real-madrid-rafael-van-dervaart-wesley-sneijder.html

        Klingt für mich deutlich glaubwürdiger als Riberys nachträgliche Rechtfertigung. Rummenigge betont ja auch immer man sei kein Verkäuferverein und so hat man auch immer gehandelt wenn es um einen absoluten Leistungsträger ging, der noch länger als ein Jahr gebunden war.

  5. rotweiss

    auch hier würde ich mir nochmal ein sehr deutliches statement vom verein wünschen.
    bei aller Wertschätzung für die Grundlagen, die van gaal bei uns gelegt hat, könnte man
    ihm jetzt mal laut und deutlich sagen: ruhe im karton! wenn euch mit euren sch…millionen
    nix besseres einfällt als ex-spieler anzubaggern, dann ist das ein Armutszeugnis. zumal
    sich der FCB eine zweite, medial aufgebauschte “Diskussion” um einen weiteren “Identitäts-
    spieler” nicht antun wird…

  6. Marco05

    Selbst wenn Müller “Theater”machen würde, erinnere ich an Ribery. Bei Müller würde man mindestens genauso stur bleiben. Außerdem hat sich der Verein sowas von klar positioniert, da muss man nicht minütlich auf jedes Gerücht nochmal eingehen.

    Wieder mal sehr gute Zusammenfassung des Themas und Müllers “Spielkultur”. Seinen Kampfgeist und die Lauf- und Einsatzbereitschaft habt ihr in der Aufzählung unterschlagen, sonst unterschreib ich die Charakterisierung. Einen dermaßen unkonventionellen Spieler, der noch dazu so erfolgreich ist gibts wohl kein zweites Mal auf der Welt. Bei manchen Aktionen schlägt man fast die Hände über dem Kopf zusammen aber dann kommt wieder ein “typischer Müller”. Dazu kommt sein Wert in der Mannschaft als Motivator (SMS nach dem Finale dahoam), Vorbild und Integrator von neuen Spielern. Kurz: priceless!

  7. Josef

    Wow! Sehr gut geschrieben. Rein stilistisch.
    Inhaltlich ebenfalls.
    Das Verrückte ist: Selbst alle Sentimentalitäten und Bauchgefühle ausgeklammert, kurzfristig wechseln für den kolportierten Preis hätte aus Bayernsicht auch sportlich/ökonomisch keinen Sinn. Für einen ansatzweise gleichstarken Spieler bist du im Paket aus Ablöse, Handgeld, Beraterhonoraren und dem höheren Gehalt das komplette Geld los. Und hast keine Garantie, dass der Neue rein sportlich Müller ersetzen könnte. Alles Müllereske darüber hinaus könnte eh niemand ersetzen.

    Bei der Bewertung des Ganzen aus Sicht Müllers darf man übrigens nicht vergessen: Ab einem gewissen Level gibt es auch einen abnehmenden Grenznutzen von noch mehr Geld. Und: Mit seinen deutschen Werbeverträgen verdient er auch nicht eben schlecht. Ob die als Spieler im Exil genauso hoch dotiert blieben?

  8. Jo

    Ein Aspekt wird in dem Beitrag nicht ausgeleuchtet und das ist derjenige, der mir bei der ganzen Affäre etwas sauer aufstößt.
    Und das ist die Rolle, oder vielmehr Nicht-Rolle die Müller in der ganzen Angelegenheit spielt.

    Ja, der Verein hat sich klar positioniert, ManU hat vielleicht gut begründetes Interesse. Aber was denkt oder sagt Müller?
    Ich bin jetzt keiner der tägliche Treuebekenntnisse zum Verein oder sonst was einfordert. Aber hier liegt die Lage vielleicht doch etwas anders. Es geht hier nicht um das wechselnde “Gerücht des Tages”, sondern um eine Geschichte die seit LVG’s Amtsantritt penetrant läuft.
    Ich kann mich leider an keine klare, eindeutige Aussage von Müller dazu in der ganzen Zeit erinnern. Nun ist Müller wahrlich nicht öffentlichkeitsscheu sondern Medienprofi durch und durch.
    Er könnte der Geschichte mit einem einzigen Satz vielleicht nicht den Garaus machen, aber ihr jeden Thrill nehmen.
    Was hindert ihn denn daran?
    Ich will jetzt nicht behaupten, dass das seinem virulenten Wechselwunsch geschuldet ist. Sehe ich auch nicht so.

    Für mich ist das allerdings herumtaktieren, kokettieren, lavieren. Und alles vmtl. mit dem Zweck den Marktwert zu checken, das Standing zu erhöhen, den Verein und Trainer unterschwellig unter Druck zu halten.

    Mag alles üblich und Business sein, mir persönlich gefällt dieses Verhalten nicht so besonders.
    Wenn jemand Führungsspieler in einem Verein sein will würde ich anderes erwarten.
    Ich würde natürlich gerne sehen, dass Müller mich morgen grandios Lügen straft und mal einen Knopf an das Thema macht ((-;

    1. theodor

      Na ja, ich denke mir, Thomas Müller genießt die Situation auch a bisserl und es schmeichelt seiner Eitelkeit{nicht negativ gemeint), wie weit jemand gehen würde, um ihn zu verpflichten. Ich meine, wenn ManU so was um die €120 Mio. bieten würde, wäre schon der Punkt erreicht, wo man zumindest mal drüber nachdenken könnte.

      Vor eineinhalb Jahren war es doch dasselbe, als er in Barcelona gesehen wurde. Er hätte auch sagen können, eh Jungs, ich habe da einen Spot gedreht, nix mit Barca usw., aber er hat sich seeehr kryptisch und geheimnisvoll dazu geäußert.

      Ich meine, versetze dich mal in seine Situation, würde dir das nicht auch Spass machen? Außerdem ist das ein junger Bursche, ganz so cool und professionell ist er bestimmt auch nicht.

      1. Thomas

        Mein Namensvetter muß doch zu Gerüchten nichts sagen. Außerdem hat sein Arbeitgeber (in Person von KHR) bereits alles gesagt: Thomas Müller wird nicht verkauft.

        Damit ist die Angelegenheit für Thomas Müller erledigt.

        (Und das muß sie auch, denn Thomas kann seinem Chef nicht in die Parade fahren und etwas zu Dingen erzählen, die sein Chef erklärt hat als “nicht diskussionswürdig”. Wenn Euer Chef eine Diskussion für beendet erklärt hat, dann werdet ihr Euch auch daran halten, wenn ihr Euren Chef respektiert und mit der Gesamtsituation in der Firma zufrieden seid.)

        Gruß,
        Thomas :-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog