Bayern Munich's Julian Green celebrates scoring his first goal against Inter Milan during an International Champions Cup match in Chatrlotte, North Carolina, on July 30, 2016. / AFP / NICHOLAS KAMM

Testspiel: Inter Mailand – FC Bayern München 1:4 (0:4)

In der Nacht von Samstag auf Sonntag trat der FC Bayern zu seinem zweiten Testspiel während der USA-Tour an. Im Rahmen des International Champions Cups trafen die Münchner wieder auf einen Verein aus Mailand. Dieses Mal aber Inter Mailand.

Das Spiel beider Mannschaften fand in Charlotte (North Carolina) statt. Trotz sommerlich heißer Temperaturen von über 30 Grad gegen 17 Uhr Ortszeit, entwickelten die Münchner viel Spiellaune vor immerhin 53.629 Zuschauern.

Falls Ihr es verpasst habt:

Im Vergleich zum Spiel gegen den AC Milan änderte Ancelotti auf ein paar Positionen seine Startaufstellung. Starke stand für Ulreich im Tor. In der Abwehr begann Feldhahn neben Martínez, Rafinha und Alaba. Außerdem setzte der Italiener auf eine Doppelsechs aus Thiago und Vidal. Vor drei Tagen spielte dort zunächst noch Alonso neben Thiago. Davor versuchte Ancelotti ein sehr variables System mit Ribéry auf der linken Seite und Benko auf der rechten Seite zu etablieren. Pantovic war nominell auf der Achter/Zehnerposition, zog aber sehr oft zu Ribéry auf die linken Seite. Im Sturm spielte Green.

Den Münchnern machte die große Hitze in Charlotte scheinbar wenig zu schaffen. Sie gingen früh hohes Tempo und erspielten sich über die linke Seite immer wieder Torchancen. In der siebten Minute hinterläuft Alaba Ribéry und flankt scharf ins Zentrum. In der Mitte muss Green nur noch das lange Bein hinhalten und trifft zum 1:0 für die Münchner. Gestärkt von der frühen Führung spielten die Bayern weiter sehr vertikal nach vorne, aber verlagerten dabei auch immer wieder geschickt den Ball. So auch in der 17. Minute als das Spielgerät über mehrere Stationen von links nach rechts gespielt wird. Benko wird schließlich im Strafraum gefunden und dribbelt geschickt seinen Gegenspieler aus. Anschließend findet er Ribéry in der Mitte. Dieser hat wenig Mühe, da Handanovic bereits verladen war und verwandelt zum 2:0.

Etwas später trafen die Münchner nach einem halben Konter. D’Ambrosio springt unter einem langen Ball von Starke hindurch und ermöglicht somit Ribéry mit Tempo auf die Abwehr zuzulaufen. Der Bayern-Kapitän spielt Green an, der mit links überlegt ins lange Eck einschiebt. Handanovic war abermals geschlagen (32.). Nach einer Trinkpause war es erneut Green der zum dritten Mal traf. Vidal wird im Achterraum nicht angegriffen und bedient den hinterlaufenden Rafinha. Dieser passt flach in die Mitte und der Bayern-Stürmer trifft erneut in das Tor von Inter. Mit 4:0 ging es in die Kabine. Es war die höchste Führung in den bisherigen Testspielen und vielleicht auch die beste Halbzeit unter Ancelotti.

In der zweiten Halbzeit wurde es dann deutlich ruhiger. Die Münchner wechselten bereits vierfach. Vidal, Martínez, Pantovic und Ribéry hatten den Platz verlassen. Alonso, Tillmann, Bernat und Öztürk kamen in die Partie. Die nun fehlende individuelle Qualität von Ribéry machte sich sofort bemerkbar. Die Münchner konnten sich nicht mehr so selbstverständlich in den Strafraum kombinieren. Das lag aber auch daran, dass Inter nun wesentlich stabiler im 4-4-2 stand und besser verschob. Die Außenverteidiger der Münchner wurden effektiver übergeben und die Räume im Mittelfeld konsequenter besetzt. Sogar einige Halbchancen konnten sich die Italiener erspielen. Ein Rückpass von Alaba direkt in die Füße von Icardi ermöglichte Inter Mailand immerhin noch den Ehrentreffer in der vorletzten Spielminute. Abermals war es ein Aussetzer eines Bayern-Abwehrspielers, der zu einem Gegentor führte.

3 Dinge, die auffielen:

1. Starke Vertikalität

Zugegeben – die Leistung von Inter Mailand macht es schwer die Bayern-Spieler zu bewerten. Auffällig war allerdings die starke Vertikalität der Doppelsechs Thiago und Vidal. Beide kippten immer wieder zwischen Martínez und Feldhahn ab und holten sich die Bälle tief am eigenen 16er. Im Gegensatz zur Guardiola-Ära wurde der Ball aber auch teilweise durch Dribblings nach vorne getragen. Thiago ist natürlich der ideale Spieler dafür, aber auch Vidal kann diese Funktion übernehmen. Beide rückten infolgedessen auch stark mit auf und versuchten die Halbräume bei eigenen Ballbesitz zu besetzen. Diese Aufrückbewegungen rissen immer wieder große Löcher in das 4-4-2 von Inter. Vornehmlich auf der linken Abwehrseite der Italiener. Nicht ohne Grund wurden relativ leicht zwei Tore über diese Seite eingeleitet.

Allerdings war auch auffällig, dass durch die starke Aufrückbewegung von Vidal und Thiago durchaus große Löcher im Mittelfeld entstehen können. Auch weil Martínez und Feldhahn nicht so stark mit nach vorne verschoben haben. Wie konteranfällig das System von Ancelotti wirklich ist, werden wohl die ersten Pflichtspiele zeigen. Ein Gefahrenpotential wie in der ersten Guardiola-Saison ist aber durchaus vorhanden.

2. Julian Green – der 20. Feldspieler?

Lange hat es gedauert, aber gegen Inter Mailand war es endlich soweit. Julian Green hat die Chance genutzt die er in den ersten drei Wochen unter Carlo Ancelotti erhalten hat. Bisher spielte der Nachwuchsspieler des FC Bayern in jedem Testspiel, zumeist fehlte es aber an der nötigen Durchschlagskraft. Gegen Lippstadt, beim ersten Testspiel, haben wir die Abschlussschwäche von Green deutlich angemerkt. Gegen Inter zeigte er sich nun deutlich verbessert und deutete an, warum der FC Bayern doch an ihm festhält. Drei Tore in der ersten Halbzeit, allesamt überlegt und gut abgeschlossen. Das Potential von Green flackerte endlich wieder auf. Meist lag das Problem in der Vergangenheit beim Wiederabrufen der selbigen Leistung. Die kommenden Wochen werden hier einen Indikator liefern. Der US-Nationalspieler dürfte gegen Real Madrid beim letzten Testspiel in seinem Heimatland nochmals in der Startelf stehen. Ab dann kehrt Robert Lewandowski zurück und der FC Bayern bestreitet in dieser Phase nur noch Pflichtspiele. Green muss weiter an sich arbeiten, will er als 20. Feldspieler in die Saison des FC Bayern starten. Hinter Robert Lewandowski gibt es eine strategische Lücke. Green kann in diese stoßen, auch wenn er nicht gerade den Typus des zweiten Stürmers verkörpert.

3. Heißsporn Franck Ribéry

Franck Ribéry sprüht richtig vor Spielfreude und ist aktuell ein wichtiger Bestandteil im Spiel des FC Bayern. Zusammen mit Alaba spielt er in den Überlegungen von Carlo Ancelotti wohl eine entscheidende Rolle. Die Münchner überladen immer wieder geschickt die linke Angriffseite und schaffen so Freiräume für das Zusammenspiel von Ribéry und Alaba. Die Muster sind bekannt, aber noch immer äußerst wirkungsvoll, da Ribéry deutlich von seinem aktuellen Fitnesszustand profitiert. Er wirkt spritziger und dynamischer als in der abgelaufen Saison. Dies hilft natürlich ungemein in den vielen Dribblings die der Franzose ausführt. Gegen Inter Mailand war er in den ersten dreißig Minuten der Ausgangspunkt nahezu jedes Bayernangriffs. Das 1:0 bereitete er mit einem Pre-Assist vor. Das 2:0 erzielte er selbst und das 3:0 leitete er durch einen guten Körpereinsatz selbst ein und bereite den Treffer von Green vor.

Verstärkt negativ fallen aber mit steigender Spielfreude auch die wiederaufkommenden Undiszipliniertheiten auf. Es scheint fast so als gehen Kreativität und Aggressivität bei Ribéry Hand in Hand. Felipe Melo foulte den Franzosen relativ rüde in der 24. Minute. Kein Foul, welches man auf dem Fußballplatz nicht schon gesehen hätte. Ribéry war dennoch so gereizt von Melo, dass er diesen zwei Minuten später abseits des Balls umstößt bzw. sich mit ihm verhakt. Der erfahrene Bayern-Akteur sah folgerichtig die gelbe Karte und war damit noch gut bedient. Carlo Ancelotti wird viel Moderationsarbeit leisten müssen, will er Ribery einfangen und auf die richtige Bahn führen. Im jetzigen Zustand ist er ein Gefahrenherd – nicht nur im positiven Sinne, da er in jedem Pflichtspiel nah an einem Platzverweis stehen kann, sollten bestimmte Faktoren zusammenlaufen.

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Leserkommentare
  1. Done

    “Hinter Robert Lewandowski gibt es eine strategische Lücke. Green kann in diese stoßen, auch wenn er nicht gerade den Typus des zweiten Stürmers verkörpert.”

    Wie muß ich das verstehen? Wie sieht denn der Typus des zweiten Stürmers aus?

  2. Bayer

    Thiago erinnerte mich gestern an seine besten Zeiten im Bayern-Trikot. Vielleicht bleibt ihm diese Form bzw. sich noch mal steigern wird.

  3. wipf1953

    Ich habe gestern nur die erste Halbzeit gesehen. Green ist sicher nicht der ideale Kombinationsspieler. Er kommt auch eher über die Geschwindigkeit, nicht durch Dribblings. Dass für ihn unter Guardiola kein Platz war ist klar. Auch unter Ancelotti wird ihm z.B. ein Costa meilenweit voraus sein. Dass er jetzt so gehyped wird, hängt sicher damit zusammen, dass Bayern gerade in den USA spielt. Wären sie in Japan, hätten sie Usami zurückgeholt und der wäre jeden Tag in der Zeitung. Trotzdem freut es mich, dass so ein Spieler unter einem neuen Trainer mal seine Stärken zeigen kann.

    Ich fände es trotzdem gut, wenn Bayern noch einen Mittelstürmer holt. Schon weil Lewandowski im nächsten Sommer sicher wieder mit Real Madrid flirtet ..

  4. Christoph

    Naja, Ende der vergangenen Saison hat Ribery ja seine ganze Karriere gezeigt. Auch letzte Saison gegen Ende. Ja, ich halte das auch für ein Problem, aber eben nicht für “Wiederaufkommend”.

  5. Osrig

    Mir hat die erste Halbzeit auch sehr gut gefallen! Na klar, zum Einen wegen der schönen Tore, zum Anderen aber auch, weil wieder zu sehen war, dass die Jungs bemühen, den Ball schnell und direkt weiter zu spielen. Ob nach außen oder in die Spitze, der Ball lief gut. Sicher hat Inter durch eine gewisse Passivität da in die Karten gespielt, trotzdem müssen solche Pass-Stafetten eben auch gelingen. Und das tun sie in eindrucksvoller Weise. Mir gefällt diese Spielweise prima, ich sehe noch viel Guardiola im System, aber eben auch dieses schnelle direkte Spiel.
    Zum Thema Konterabsicherung bzw. -anfälligkeit: Ich halte das in erster Linie für ein Abstimmungsproblem, dass mit solch erfahrenen Spielern wie Javi, Xabi und vor allem mit Mats und Jerome ganz sicher abzustellen ist.
    Green hat mich positiv überrascht, da war nichts zufällig bei seinen Aktionen. Wenn er das konservieren kann, ist er tatsächlich ein Kandidat für die Vertretung von Lewa! Das beide gemeinsam in der Startelf auflaufen werden, halte ich in einem Pflichtspiel für unwahrscheinlich, da sehe ich dann doch Thomas oder selbst Arjen vorn.
    Wie auch immer, die Mannschaft macht einen harmonischen Eindruck und die Vorstellungen von Ancelotti lassen sich mehr und mehr erahnen. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr!^^
    Zu doof, dass das Spiel gegen Real erst zu einer Zeit nächtens ist, wo andere schon bald wieder aufstehen müssen.

    1. wipf1953

      Mir hat vor allem die linke Seite gefallen. Gerade Alaba scheint unglaublich von einem motivierten und spielstarken Ribery zu profitieren (dass er am Ende diesen Bock geschossen hat, Schwamm drüber). Ich glaube, das ist die erste ganz wesentliche Veränderung unter Ancelotti. Er lässt die Spieler wieder das spielen, was sie am besten können. Gerade auf Costa bin ich daher nächste Saison besonders gespannt. Man kann aus solchen fußballerischen Urgewalten keine Strategen formen. Es kommt ja auch keiner auf die Idee, von Spielern wie Kroos oder Kimmich spektakuläre Dribblings zu fordern. Dann soll man aber bitte die Individualisten auch Individualisten sein lassen.

      1. Osrig

        Ich fand Alaba im Zusammenspiel mit Ribery auch schon richtig stark! Wir werden das sicher noch häufiger sehen. Was Costa betrifft, mal abwarten! Er wird hoffentlich wieder an seine Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen können. Übrigens finde ich nicht, dass individuelle Klasse es rechtfertigt, auf Einbindung in Strategie und Taktik zu verzichten. Im Gegenteil, ich denke, Spieler mit hoher individueller Klasse wie Ribery sind in der Lage, mit den taktischen Vorgaben ihres Trainers in besonders effektiver Weise umzugehen und machen deswegen auf hohem Niveau den Unterschied aus.
        Wenn ein Spielsystem zu sehr auf die “Freigeister” im Team ausgerichtet wird, dann wird es erstens zu berechenbar und zu einseitig, dadurch auch nicht effektiv genug. Andererseits darf die individuelle Klasse eines Spielers nicht zu sehr geknebelt werden durch Einbindung in ein System, dann wird der Spieler seine Stärken nicht mehr genug ausspielen können. Diese Gratwanderung traue ich Ancelotti aber auf jeden Fall zu.

      2. wipf1953

        Naja, ich sehe das schon als eine Aufgabe des Trainers an, einen Superspieler gezielt seine Stärken ausspielen zu lassen. Wir haben in Deutschland die Neigung, immer nur nach den Fehlern bei anderen zu suchen. Da heißt es, Hummels, Badstuber und Schweinsteiger seien zu langsam, Gomez wird zum Antitechniker und ein Kimmich kann nicht dribbeln. Im Falle von Costa kritisiert man sein fehlendes Mannschaftsspiel, bei Robben seinen Egoismus. Versteh mich nicht falsch, es tut sicher allen Spielern gut, wenn sie von Pep Guardiola einen neuen Blick auf Taktik und Zusammenspiel vermittelt bekommen. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Jetzt sollen die Jungs auch ihre herausragenden individuellen Fähigkeiten zeigen.

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