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Testspiel: FC Bayern München – Inter Mailand 1:0 (0:0)

Im Rahmen der China-Werbetour traf der FC Bayern drei Tage nach dem ersten Testspiel gegen Valencia CF auf Inter Mailand. Im Vergleich zum Samstag gab es drei Änderungen. Neuer, Benatia und Lewandowski rückten für Ulreich, Rafinha und Rode in die Startelf. Nachdem Alonso zunächst durch einen leichten Ballverlust eine Chance für Inter Mailand verursacht hatte, drückte der FC Bayern die Italiener zunehmend in die Defensive. Eine Vielzahl an Chancen in der Anfangsviertelstunde blieben aber zunächst ungenutzt.

In der ersten Halbzeit war das Spiel äußerst rechtslastig, da Costa, im Gegensatz zu den ersten Testspielen, über die rechte Außenbahn kam. Bernat spielte wie auch schon zum Ende der Rückrunde über die offensive Linksaußen-Position. Dort konnte er jedoch deutlich weniger Akzente setzen als der Brasilianer. Costa überzeugte vor allem in den direkten Dribblings, indem er seinen Gegnern meist durch seine Antrittsschnelligkeit mehrere Meter abnahm und so Freiraum in der Offensive schaffen konnte. Auch nach stürmischen 20 Minuten hatte der FC Bayern immer wieder große Torchancen. Die größte vergab Philipp Lahm nach Vorarbeit von Thiago und Müller. Murillo kratzte den Schuss von Lahm noch für den bereits geschlagenen Handanovic von der Linie (33.). Wenig später musste der Kapitän das Spielfeld verlassen – ein Grund war anhand der TV-Bilder zunächst nicht erkennbar. Wenig später gab es aber bereits eine vorsichtige Entwarnung, Lahm habe lediglich einen Schlag auf die Wade bekommen. Für ihn kam Pierre-Emile Højbjerg in die Partie.

Die zweite Halbzeit war geprägt von vielen Wechseln auf beiden Seiten. So kamen auf Seiten der Bayern Ulreich (46.), Götze (46.), Kimmich (46.), Benko (46.), Rafinha (59.), Rode (59.), Gaudino (66.), Steinhart (73.) und Green (73.). Offensiv hatte der FC Bayern noch immer viel Ballbesitz, konnte sich aber nicht mehr die Fülle an Torchancen erspielen wie in der ersten Halbzeit. Am auffälligsten agierte noch Benko. Der 17-jährige Nachwuchsspieler erzeugte über die linke Außenbahn mehr Druck als Bernat zuvor in der ersten Halbzeit. Überzeugend war sein Antritt und der Mut, auch in die direkten Duelle zu gehen. Auch die Flanken mit seinem linken Fuß waren brauchbar.

In der 82. Minute nutzte der FC Bayern seine Feldüberlegenheit und ging durch Mario Götze mit 1:0 in Führung. Zuvor gewann Steinhart den Ball im Mittelfeld und Rode leitete per Außenristpass die Chance von Götze ein. Andreolli hob die Abseitsposition von Götze auf. In der Summe ein gut ausgespielter Konter der Münchner.

Alles in allem ein verdienter Testspielerfolg der Bayern, der sogar noch höher hätte ausfallen können. Vor allem die über weite Strecken gute Konterabsicherung, aber auch die Befreiung aus dem Pressing von Inter überzeugten. Einzig die Chancenverwertung hätte besser ausfallen müssen. Am Donnerstag erfolgt bereits das letzte Testspiel während der Chinareise. Gegner ist dann Guangzhou Evergrande.

2 Dinge, die auffielen

1. Die Einerkette

In der ersten Halbzeit agierte der FC Bayern im eigenen Ballbesitz in einem 1-3-2-4 System. Dabei spielte meist Benatia als ‘letzter Mann’. Davor spielten Alaba links, Alonso zentral und Boateng auf der rechten Seite. Thiago und Lahm waren davor auf den Achterpositionen unterwegs. Bernat, wie bereits erwähnt, auf der linken Außenbahn, Costa auf der Gegenseite. Müller und Lewandowski bildeten das Sturmzentrum, wobei sich situativ einer von beiden immer wieder ins Mittelfeld fallen ließ.

Der Vorteil am gesamten Konstrukt: Der FC Bayern konnte das Aufbauspiel der Mailänder geschickt stören und hatte gleichzeitig eine personelle Überlegenheit im Mittelfeld bzw. im letzten Angriffsdrittel. Dies hatte die Folge, dass Inter Mailand Spieler wie Costa nicht ohne weiteres Doppeln konnte. So ergaben sich auf der Flügelposition viele direkte Duelle. Einige konnte Costa für sich entscheiden und zumindest eine meist flache Flanke nach innen oder in den Rückraum bringen, wo es neben Lewandowski mit Müller und den nachstoßenden Achtern zahlreiche Abnehmer gab. So ergaben sich vor allem in den ersten 25 Minuten einige Halbchancen.

Defensiv entstanden durch die Formation zwei Probleme: Das erste resultierte aus der fehlenden Pressingresistenz von Alonso, die ihn schon nach drei Minuten den Ball vertändeln ließ. Das zweite war ein strukturelles Problem: Durch die Einerkette mit Benatia ließen die Bayern die defensive Außenbahn unbesetzt. Inter versuchte mit einigen vertikalen Bällen diese Räume zu nutzen, konnte aber in den wenigen Szenen, die sich daraus ergebenden Flanken nicht gefährlich in den Bayern-Strafraum bringen. In einem Pflichtspiel hätte Manuel Neuer sicherlich den ein oder anderen langen vertikalen Pass der Italiener bereits abgefangen.

In der Summe ein interessantes taktisches Konstrukt, das möglicherweise mit Vidal oder Martínez anstelle von Alonso defensiv noch sicherer in der Konterabsicherung wäre.

2. Interessante Optionen

Die beiden Transfers Kimmich und Costa überzeugten während der beiden Testspiele und zeigten, welche neuen Optionen sich auf den jeweiligen Positionen ergeben können. Costa zeigte gegen Valencia auf der linken Seite und gegen Inter Mailand auf der rechten Seite, wie viel Druck er auf der Außenbahn entfachen kann. Er gewann in beiden Spielen viele direkte Duelle und konnte so Raum für seine Mitspieler schaffen bzw. Torchancen einleiten. Lediglich den eigenen Abschluss suchte Costa noch zu selten. Eine Spur zu oft versuchte er noch, durch einen weiteren Pass seine Mitspieler in Szene zu setzen. In Pflichtspielen könnte ihm etwas mehr Egoismus gut tun. Es zeigte sich aber in den bisherigen 3 1/2 Testspielen, welche Bereicherung er für die FC-Bayern-Offensive sein kann. Endlich scheint es einen weiteren Spieler im Kader zu geben, der neben Ribery und Robben ein Dribbling gewinnen kann. Eine Eigenschaft, die in den letztjährigen Halbfinalspielen gegen Barcelona und Dortmund gefehlt hat.

Aber auch Kimmich überzeugte bereits in seiner zugegeben kürzeren Einsatzzeit. Gegen Inter Mailand ging er immer wieder früh ins Pressing und konnte so viele Balleroberungen weit in der Hälfte der Italiener erzwingen. Mal, weil er den Zweikampf direkt gewann, mal, weil er zusammen mit Thiago und Højbjerg die Gegner in den Ballverlust trieb. Natürlich erzwang er auch indirekte Eroberungen, die sich durch Befreiungsschläge der italienischen Abwehrspieler ergaben. Darüber hinaus hat Kimmich immer wieder durch kluge Pässe die Offensive belebt. Auch längere Zuspiele auf die Flügelpositionen fanden zielgenau den Adressaten. Kimmich könnte somit eine Alternative auf der Sechser- bzw. Acterposition werden, erst recht, wenn Philipp Lahm wieder mehr auf der rechten Seite spielt. Gegen Inter Mailand konnte sich Lahm auf der Acht jedenfalls nicht in der gleichen Art einbringen, wie gegen Valencia, wo er deutlich flügellastiger spielte. Vor allem im Pressing wirkte Kimmich agiler und frischer. In der Summe könnte Kimmich eine ähnlich positive Entwicklung nehmen, wie Rode in der vergangen Saison.

FC BAYERN – INTER MAILAND 1:0 (0:0)
FC BayernNeuer (46. Ulreich) – Benatia (73. Steinhart), Boateng (59. Rafinha), Alaba – Alonso (46. Kimmich) – Costa (59. Rode), Lahm (40. Hojbjerg), Thiago (67. Gaudino), Bernat (46. Bernat) – Müller (46. Götze), Lewandowski (73. Green)
Inter MailandHandanovic (46. Carrizo) – Montoya, Ranocchia, Murillo (41. Juan Jesus), Dimarco (55. Longo) – Brozovic (70. Nagatomo), Kovacic (70. Baldini), Kondogbia – Hernanes (70. Popa) – Palacio (55. Andreolli), Icardi (60. Delgado)
Tore1:0 Götze (80.)
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Leserkommentare
  1. Jello

    Thiago ist der beste spieler der welt. Thiago ist ein magischer Mann.

  2. Jo

    Blitzschnelle Analyse (glaube nur Costa ist schneller) die den Kern trifft.

    Nur Widerspruch in einem Punkt. Die angesprochenen defensiven Probleme haben mich jetzt nicht gerade angesprungen. Wenn das Probleme sind würde ich sie gerne in jedem Spiel kaufen.

    Als die beiden bisherigen Gewinner sehe ich ebenfalls Costa und Kimmich.

    An Costa könnten wir tatsächlich viel Freude haben. Wenn er das Niveau halten kann, ist das eine richtige Waffe.

    Bei Kimmich war ja der Tenor, er wäre bei seinen Medienauftritten durch großes Selbstbewusstsein aufgefallen. Im Interview ist es das eine, aber das auch so im Spiel rüberzubringen. Respekt! Spielt ruhig und abgezockt wie ein alter Hase. Witzig wie er nach einigen Minuten seine Mitspieler schon gestenreich in die Positionen schickte.

    Bernat hat in beiden Spielen etwas unter seiner vorgeschobenen Position gelitten. Das ist irgendwie nicht seins. Die besten Spiele hat er immer als relativ klassischer AV gemacht.

    Ach und Benko hat natürlich auch Spaß gemacht. Genau so müssen die jungen Spieler auftreten, wenn sie ihre spärlichen Chancen bekommen. Klar klappt nicht alles (bei wem schon), aber dass da einer was reißen will sollte man schon sehen.
    Sinan Kurt zur Ansicht empfohlen.

    1. Christopher

      Nur Widerspruch in einem Punkt. Die angesprochenen defensiven Probleme haben mich jetzt nicht gerade angesprungen. Wenn das Probleme sind würde ich sie gerne in jedem Spiel kaufen.

      Hey Jo,
      eigentlich ja, allerdings darf man Inter Mailand jetzt nur wegen dem Namen nicht in den Himmel loben. Spielerisch kam von denen schon recht wenig. Es wirkte so, als spielt Bayern gegen ein Team zwischen Rang 7-12 in der Bundesliga. Sollte daher kein Gradmesser sein. Boateng und Benatia haben mir aber sehr gut gefallen und auch viele gute und sinnvolle Zweikämpfe geführt.

      1. Jo

        Ja, Platz 7-12 wird es wohl treffen. Im Vergleich zum Inter-Mythos war das natürlich wenig. Im Vergleich zu dem was sie die letzten Jahre anbieten wohl eher normal.

        Boateng und Benatia waren beide bärenstark. Hat sich letztes Jahr schon angedeutet. Wenn beide fit und in Form sind, sind sie zusammen schwer zu knacken.

  3. Josef

    Ebenfalls mein bester Dank für die Analyse. Vor allem für jene Leute wie mich ein toller Service die wegen der frühen Anstoßzeit (MEZ) nichts sehen konnten.
    Bzgl. der Dinge, die auffielen:
    So wie ich die Aufstellung verstehe, könnte man statt der 1er-Kette auch von einem “schlichten” 3-4-3 mit Mittelfeldraute sprechen, oder?
    Ich finde das vor allem insofern interessant, weil es – meiner Wahrnehmung nach – zum ersten Mal in der Vorbereitung war, dass wir mit 3er-Kette gespielt haben. Ich begann schon zu überlegen, ob Pep eventuell (ein kleines kleines bisschen) weniger variabel spielen lassen würde. Kann man vorerst zu den Akten legen.

    1. Christopher

      So wie ich die Aufstellung verstehe, könnte man statt der 1er-Kette auch von einem “schlichten” 3-4-3 mit Mittelfeldraute sprechen, oder?

      Dachte ich auch erst Josef, aber ich wurde zunächst immer wieder von der Führungskamera überrascht, als Benatia dann doch immer noch gute 3-5 Meter tiefer stand als Boateng, Alonso und Alaba. Das taktische Muster ist mir erst nach 5-10 Minuten aufgefallen. Die drei besagten Spieler waren aber deutlich vor Benatia und standen meist auf einer Linie. Alonso spielte auch deutlich zu tief, um ihn als “Mittelfeldspieler” zu titulieren. Er schob nur selten ins Mittelfeld und unterstützte nur gelegentlich im Spielaufbau, wenn es längere Ballbesitzphasen gab.

  4. Thomas

    Bernat (46. Bernat)

    Juan bernat ist laut Eurer Statistik durch Juan Bernat ausgetauscht worden …
    :-o

    1. Done

      Vermutlich ein Automatismus in den Redakteurenfingern… Benko geht ja auch mit Be… an ;-)

  5. Eure Analysen, dazu trollfreie Kommentare.
    Das gefällt mir und ist der große positive Gegensatz zu so vielen, auch Bayern Foren.

    Bin dafür auch gerne bereit, aus der Anonymität herauszutreten:
    http://www.orth-haus.com

  6. Bixente

    Schöne Zusammenfassung!
    Insgesamt bin ich erstaunt ob des Fitness-Zustands des Teams und der Spielfreude. Die erste Halbzeit hatte hohes Tempo und einen Costa, der übers Feld jagt wie ein Hase. Sein Antritt und die die Dribblinggeschwindigkeit tun unserem Angriffsspiel sehr gut. Wenn er gut in die Saison startet, wird sich vielleicht auch Ribéry nochmal ein wenig mehr anstrengen müssen.
    Ähnlich wie Robben sehe ich Costa auf rechts aber noch ein wenig stärker als auf links.

    Im Mittelfeld fehlt mir noch die Balance und die ordnende Hand auf der Sechs. Kimmich kann dort hineinwachsen und momentan eine bessere Rolle als Alonso spielen. Dafür braucht er Spiele, Spiele, Spiele.
    Zu den Achtern: Mehr Stabilität wird man bestimmt auch durch Vidal reinkriegen. Lahm gewinnt derweil langsam alte Stärken zurück, die ihm nach seiner langen Verletzungspause gefehlt hatten. Er wirkt wieder spritziger und schlägt keine Fehlpässe mehr. Thiago wirkt mir manchmal etwas zu verspielt mit einem Schnörkel zu viel: Obwohl seine Kreativität und technische Finesse seinesgleichen suchen, wäre mir ein wenig mehr Xavi in seinem Spiel lieber.

    Was mir nicht gefällt, sind die kurz ausgeführten Ecken. Die gabs schon gegen Valencia und im Telekom-Cup. Entweder wird man bis zur Mittellinie zurückgedrängt oder es gibt eine Flanke unter Bedrängnis, die folglich ohne Gefahr bleibt.

    Ein Extrasternchen gebe ich Rode, der immer aufs Neue beweist, dass er den tiefen Ball auf die Stürmer spielen kann. Er strahlt dazu Torgefahr aus und was er kämpferisch leistet, ist zweifellos sehenswert. Mehr Spielanteile in der Liga hätte er sich auch verdient.

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