Telekom Cup: FC Bayern München – Borussia Mönchengladbach 7:6 n.E.

Als der FC Bayern im Vorjahr mit einem 4:0 gegen den HSV und einem 5:1 gegen Mönchengladbach durch den Telekom Cup pflügte war das durchaus ein Statement. Es war der erste echte Test für die neuen Bayern unter Pep Guardiola und auch der erste Auftritt von Neuzugang Thiago, der in Mönchengladbach glänzte. Die Vorzeichen für den Telekom-Cup 2014 in Hamburg sind andere. Der FC Bayern ist in einer frühen Phase der Vorbereitung – die deutschen WM-Fahrer+Dante, Robben und Shaqiri kehren erst in einigen Tagen zurück. Das muss der Einordnung der Auftaktpartie für die Münchner am Samstag-Abend gegen Mönchengladbach voraus geschickt werden. Trotzdem bot das 7:6 n.E. (2:2, 1:0) einige interessante Erkenntnisse. Wer die Intensität von Pep Guardiola und Matthias Sammer rund um den Schlusspfiff und während des Elfmeterschießen gesehen hat, weiß im Übrigen auch, dass den Münchnern die Ergebnisse auch in einem im Prinzip unbedeutenden Vorbereitungsturnier alles andere als egal sind.

Die Telekom Cup-Notizen:

  • Mönchengladbach begann besser und hatte zu Beginn die größeren Chancen. Die Roten befreiten sich aber zusehends und bekamen schon im Verlauf der ersten Hälfte mehr Spielkontrolle. Zwei wunderschöne Tore von Lewandowski und Ribéry brachten die Münchner in Führung. Als das Spiel entschieden schien und Guardiola begann durchzuwechseln, schenkte Bayern den Gladbachern das Elfmeterschießen. Vor dem Strafstoß zum 1:2 vertändelte Alaba den Ball, den Strafstoß zum 2:2 verschuldete Martínez durch Ballverlust und Schubser gleich komplett selbst. Im Elfmeterschießen verschoss zunächst Rafinha, dann hielt Starke gegen Wendt. Weil Martínez traf und Korb verzog, hieß der Sieger am Ende doch FC Bayern München.
  • Bayern agierte mit der erwarteten Mischung aus Dreier- und Fünferkette mit Alaba als nominellem linken Halbverteidiger sowie Rafinha und Bernat auf den Flügeln. Rode und Gaudino bespielten vor allem die zentralen Positionen, während Pizarro und Ribéry Mittelstürmer Lewandowski unterstützen sollten. Formativ ergab sich so bei Ballbesitz häufig ein 3-4-2-1 und gegen den Ball eine Art 5-3-2. Häufig pendelte die hinterste Reihe auch zu einer Viererkette auf, wenn der ballferne Flügelspieler sich in die Kette zurück zog, um Breite zu geben. Deutlich wurde hier mehrfach, dass die Abstimmung längst nicht perfekt funktioniert. Gerade Alaba verließ seine Position mehrfach für Vorstöße ohne Absicherung und brachte seine Kollegen so in Zugzwang. Auch mit einigen Fehlpässen (wie vor dem 1:2) fiel der Österreicher auf. Auf der anderen Seite ließ sich Rafinha einige Male in die Mitte ziehen, um einen Ballgewinn zu provozieren. Weil das zwei Mal nicht klappte erspielten sich die Gladbacher schon in der ersten Hälfte zwei gute Möglichkeiten über den linken Flügel. Es ist richtig, dass Guardiola die Vorbereitungsspiele nutzt, um die Mechanismen der Dreierkette einzustudieren. Da das Personal in der Defensive bis auf Bernat gleich geblieben ist, ist die Viererkette ohnehin eingespielt und kann jederzeit wieder eingesetzt werden. Guardiola nutzt die Testspiele für Tests. Das ist gut so. Schon im Verlauf der Partie wurde die Abstimmung der Defensive spürbar besser – was an der gut funktionierenden Abseitsfalle zu erkennen war. Die beiden Gegentore durch Strafstöße entstanden aus dem Nichts.
  • Offensiv war Bayerns Spiel verständlicherweise noch etwas zu stark abhängig von Einzelaktionen. Die ansonsten gewohnte Ballzirkulation und das sukzessive Verschieben des Spielmittelpunkts klappte häufig nicht optimal. Auch die Abstände zwischen Mittelfeld und Lewandowski waren häufig zu groß, um schnelle Kombinationen einleiten zu können. Bernat zeigte einige gute Ansätze im Nachstoßen, vermied jedoch über weite Strecken jedes Risiko. All das ist auf Grund des frühen Stadiums der Vorbereitung absolut erklärbar.
  • Holger Badstuber nahm den Part des zentralen Innenverteidigers ein und spielte unauffällig – was ein gutes Zeichen ist. Ich habe sehr genau hingeschaut, ob es bei bestimmten kniebelastenden Bewegungen und Richtungswechseln irgendetwas unrundes zu sehen ist. Aufgefallen ist mir dabei nichts. Badstuber ließ sich in manchen Situationen vielleicht etwas zu früh aus der Kette nach vorn locken, machte seine Sache aber wie gesagt sehr ordentlich. Alle Signale sind zur Zeit positiv beim Rückkehrer. Beim Strafstoß vor dem 1:2, den er durch ein Handspiel verschuldete, hatte er Pech. Seinen Elfmeter im Shootout in den Winkel kann der DFB als Lehrvideo für seine Jugendmannschaften verwenden.
  • Ein Sonderlob mit Sternchen verdiente sich am Samstag-Abend Sebastian Rode. Der giftige Allrounder, dessen Transfer im Bayern-Umfeld mit leichter Skepsis beäugt wurde, war an allen spielentscheidenden Szenen beteiligt. Beim 1:0 verdiente er sich einen Assist nachdem er nach tollem Diagonallauf an Mönchengladbachs Keeper Blaswich scheiterte. Vor dem 2:0 von Ribéry eroberte er den Ball. Auch ansonsten gefiel Rode durch eine Mischung aus engagierten Zweikämpfen und sehr ruhigem, beinahe fehlerlosem Passspiel. Ich sehe Rode nach wie vor als Idealbesetzung für die am Samstag von Rafinha ausgefüllte Rolle auf dem rechten Flügel – auch in der Mitte hat Rode mit seinem Auftritt gegen Mönchengladbach nun eine erste Duftmarke gesetzt.
  • Scholl und Gaudino muss ich mir weiter ansehen. Ich sehe bisher noch keine besonderen Elemente in ihrem Spiel, die herausstechen. Beide wirkten wie das was sie sind. Jugendspieler, die bei den Erwachsenen mitspielen dürfen.
  • Lewandowskis Tor zum 1:0 sollte sich jeder, der seine Verpflichtung immer noch kritisch sieht noch einmal ansehen. Zum Beispiel hier.

  • Ribéry war anzumerken, dass er körperlich längst noch nicht in Topform ist. Der 31-Jährige wählte sich seine Momente sehr bewusst und setzte deutlich seltener zu Einzelaktionen an als gewohnt. Dass er seine Klasse aber längst nicht verloren hat, bewies er beim zwischenzeitlichen 2:0, als er nach schönem Solo Gladbachs Schlussmann Balswich überlupfte.
  • Guardiola bekräftigte nach dem Schlusspfiff am Sat1-Mikro mit Nachdruck seine Botschaft von der Auftakt-PK unter der Woche. Er will keine Ausreden, ob der WM-bedingten schwierigen Saisonvorbereitung. Stattdessen nimmt er die in die Pflicht, die da sind. Aus meiner Sicht die richtige Botschaft zu diesem Zeitpunkt.
  • Im Finale geht es am Sonntag ab 18:15 wie zum Auftakt der Bundesliga-Saison gegen den VfL Wolfsburg.
Telekom Cup: FC Bayern München – Borussia Mönchengladbach 7:6 N.E. (2:2, 1:0)
FC BayernStarke – Martinez, Badstuber, Alaba – Rafinha, Pizarro (35. Hojbjerg), Rode, Gaudino, Bernat – Ribéry (40. L. Scholl) – Lewandowski
BankZingerle, Contento, Oikonomou, Sieghart, Sallahi, Walter, T. Schweinsteiger
M’GladbachBlaswich – Korb, Schulz , Dominguez , Wendt – Dahoud, Nordtveit – Hahn, Raffael, Traoré – Kruse
Tore1:0 Lewandowski (29.), 2:0 Ribéry (34.), 2:1 Kruse (42. / Handelfmeter), 2:2 (60. / Foulelfmeter)
3:2 Lewandowski, 3:3 Nordtveit, 4:3 Alaba, 4:4 Raffael, 5:4 Badstuber, 5:5 Hahn, Rafinha verschießt, 5:6 Kruse, 6:6 Hojbjerg, Wendt verschießt, 7:6 Martinez, Korb verschießt
Karten– / –
SchiedsrichterGagelmann (Bremen)

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Leserkommentare
  1. H34T

    Ich konnte das Spiel gestern leider nicht sehen, aber das Tor von Lewandowski ist wirklich genial. Wie er den Ball gegen beide Leute abschirmt und gleichzeitig den Torwart im Blick die Situation erkennt und dann auch noch die Technik hat den Ball optimal zu lupfen ist sehr stark. Die perfekte Kombination von Physis, Ballkontrolle, Übersicht und Technik. Die Ballbehauptung ist meiner Meinung nach eine von Lewandowskis größten stärken und ich glaube nicht dass es einen anderen Stürmer gibt, der darin besser ist als er. Ich denke, wir werden noch viel Freude an ihm haben, auf jeden Fall: Willkommen.

    Die Intesität von Guardiolas Coaching Rede ist für ein Vorbereitungsspiel wirklich bemerkenswert, man kann sehen was er diese Saison noch vorhat.

    Alaba als linker IV habe ich schon erwartet, aber wenn Dante und Boa wieder da sind scheint er ja eher für das Mittelfeld vorgesehen zu sein, wenn man die Berichte der letzten Tage beachtet. Ich sehe Martinez jedenfalls prädestiniert für die zentrale IV position in der 3er Kette, deiner Aufstellung nach hat da aber Badstuber gespielt.

    Ich hoffe, dass der “Merger” mit miasanrot keinen negativen Einfluss auf die Häufigkeit deiner Beiträge hat. Die Beiträge haben für mich die Artikel der Tageszeitung abgelöst, die mit dem Tiefgang und teilweise taktischen Betrachtung nicht mithalten kann. Vor allem die SZ mit ihren gezwungen semi-komischen Stil könnte sich an der Sachlichkeit deiner Artikel eine Scheibe abschneiden. Also bitte weitermachen!

    1. Philipp

      das kann ich nur unterschreiben ! ohne diese spelanysen würde mir das nur halb so viel Spaß machen ! vielen Dank und hoffentlich gehts weiter so !

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