Bayern-Frauen ziehen gegen Bremen ins Pokalhalbfinale ein

Mit 0:3 setzen sich die FC Bayern Frauen gegen Bremen im DFB-Pokal-Viertelfinale durch. Der Aufsteiger zwang den Deutschen Meister im heimischen Weserstadion mit 0:0 in die Verlängerung, in der Gina Lewandowski mit dem Dosenöffner und Vivianne Miedema mit dem späten Doppelpack alles klarmachten. Neben den Münchnerinnen konnten auch der SC Sand, der VfL Wolfsburg und der SC Freiburg das Ticket zum Halbfinale lösen.

Die Kräfteverhältnisse waren bereits vor dem Anpfiff klar verteilt. Einerseits Bremen, der Herausforderer, der Aufsteiger, der in der laufenden Bundesliga-Saison nur einen einzigen Sieg hatte eintüten können — und das gegen den anderen Aufsteiger aus Köln. Andererseits der amtierende Deutsche Meister Bayern München, der seit fast einem Jahr kein Pflichtspiel mehr verloren hat, folgerichtig mit einem komfortablen Vorsprung von 9 Punkten von der Tabellenspitze grüßt und in der letzten Pokal-Runde den FFC Frankfurt auf die Bretter schickte.

Doch Bremen hatte schon in der Liga über weite Strecken ein 0:0 gegen die Bayern halten können und im Pokal, wo jede Partie zum Endspiel wird und sich keine Mannschaft schon aus Gründen, die das Reglement mit sich bringt, mit einem Unentschieden zufrieden geben kann, haben schon ganz andere Teams den Freakmodus eingeschaltet. Haushoher Favorit Bayern? Ja. Pflichtsieg Bayern? Ja. Automatisches Durchmarschieren? Auf keinen Fall.

Und so kam es.

Falls Ihr es verpasst habt

Heimtrainer Bremen-Coach Steffen Rau schickte sein Team in einer 4-4-1-1-Grundformation auf’s Feld, die sich gegen den Ball in den meisten Fällen zu einem 5-4-1 oder gar 6-3-1 wandelte. Vor der Abwehr stellten mit Lisa-Marie Scholz, Marie-Louise Eta und Sophie Maierhofer gleich drei Sechserinnen die Räume zu, verschoben defensiv in einem flachen Band und stellten offensiv mit smarten 1-2-Staffelungen Verbindungen in die Tiefe und über die Halbräume nach außen her. Trotz der maximal defensiven Ausrichtung Bremens am eigenen Strafraum blieb Mittelstürmerin Stefanie Sanders durchgängig vorne am Mittelkreis, um Bayerns Innenverteidigung zu binden, Rückpässe im Bayrischen Spielaufbau zu erschweren und vor allem natürlich, um bei gegnerischem Ballverlust sofort für Konterangriffe zur Verfügung zu stehen.

DFB Pokal Viertelfinale: SV Werder Bremen - FC Bayern München Frauen - GrundformationenBremen im 4-4-1-1/5-4-1, Bayern im 3-5-2

Doch Sanders war nicht ganz allein für die Offensive zuständig. Auch die offensiven Mittelfeldspielerinnen Cindy König und Maren Wallenhorst suchten nach Möglichkeit flott die Wege nach vorn und wurden dabei gut durch die Außenverteidigerinnen durch hinterlaufende Bewegungen auf den Flanken unterstützt. Dazu hatten sie insgesamt aufgrund der Bayern-Dominanz zwar nur selten Gelegenheiten, aber die hatten es in sich.

Gästetrainer Tom Wörle setzte wie gewohnt auf seine 3-5-2-Grundformation, bei der Tinja-Riikka Korpela nach Ehrung in Finnland wieder zwischen die Pfosten zurückkehrte und Vanessa Bürki für Lisa Evans in die Startformation rotierte. Ansonsten blieb es bei der grundsätzlichen Rollenverteilung, wie sie am Sonntag gegen Essen zu sehen gewesen war.

In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor — und natürlich war es das Tor der Hausherrinnen. Der Ballbesitz dürfte sich zu mindestens zwei Dritteln zugunsten der Bayern verteilt haben. Das Spiel fand zu gefühlten 90 Prozent in der Hälfte Bremens statt. Bayern spielte sich vermutlich eine Trilliarde Ecken und Freistöße heraus, doch prägender Topos des Spiels blieb neben Schüssen, die am Ziel vorbei, darüber hinausgingen oder von der fantastisch aufgelegten Jennifer Martens pariert wurden: der geblockte Schuss. Bremen mutierte zum perfekt synchron tanzenden Tausendfüßler im eigenen Sechzehner, zu dem noch die Bayrischen Haxn erschwerend, weil im Weg, hinzukamen. Gerade Pässe von der Grundlinie in den Rückraum sowie die gefürchteten Schüsse Behringers, Lewandowskis und Maiers aus der zweiten Reihe bekam Bremen so hervorragend in den Griff, ohne allzu lange Wege machen zu müssen. Zudem engten die Sechserinnen den Spielraum Behringers, Leupolz’ und Däbritz’ mit direkten Gegnerorientierungen ein und auch die Außenverteidigerinnen waren mit Unterstützung ihrer Nebenleute dicht an Lewandowski und Maier dran. Ein Geduldsspiel für beide Seiten. Für Bayern, weil sie trotz drückender Überlegenheit bei ausbleibendem Torerfolg nicht verzweifeln durften und ihr Spiel weiter mit Tempo forcieren mussten, um den Gegner zu beschäftigen. Für Bremen, weil zu jeder Zeit eine Unachtsamkeit, ein Foul im Strafraum oder ein dummer Zufall doch den Gegentreffer hätte bedeuten können.

Bayern versuchte alles: Schüsse aus der Distanz (Behringer, Däbritz, Miedema, Maier, Bürki), Schlenzer ins lange Ecke, flach satt ins kurze, platziert ins Kreuzeck oder völlig frei an den Pfosten (Lewandowski), Kopfbälle und Abnahmen aus kurzer Distanz nach Ecke (Abbé, kurz vor Halbzeitpfiff klärten Martens und v.a. Gabrielle Tóth gerade noch auf der Linie, Miedema), Kombinationen und Doppelpässe im Strafraum (Lewandowski, Bürki, Leupolz, Miedema), Dribblings über die Flanken (Bürki, Lewandowski, Leupolz, Maier), Chipbälle hinter die Abwehr (Mewis), direkte Freistöße (Behringer, Mewis) — doch der “Fuck-Ball” (und hier zitiere ich Torsten Lieberknecht) wollte einfach nicht reingehen.

Bremen mit Nadelstichen

Auf der Gegenseite hatte auch Bremen mehr als nur eine Großchance, den Spielverlauf mit einem Tor komplett auf den Kopf zu stellen. Nach gut zwanzig Minuten startete Schacher über rechts und brachte eine gefährliche Flanke vors Tor unter der Caro Abbé ins Luftloch trat. Zehn Minuten später bediente Melanie Leupolz die Bremerinnen mit einem Fehlpass im Mittelfeld. König und Tóth spielten es dann eigentlich ganz kess über die linke Flanke, wobei König Leupolz sogar per Tunnel düpierte. Mit ein paar flinken Doppelpässen kamen sie hinter die Bayernabwehr, hatten aber unterwegs irgendwie den Mumm verloren und spielten die Chance ohne größere Gegenwehr der Bayern mangels Courage nicht konsequent zuende. Dann tauchte Wallenhorst im Strafraum auf, doch Korpela war zur Stelle. Eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit konnte Wallenhorst am Sechzehner in einen Pass von Abbé auf Holstad spritzen und vergab die wohl größte Chance, die Bayern zu bezwingen. Doch es half alles nichts: 0:0 nach 90 Minuten. Auch die offensiven Wechsel — Wörle hatte zunächst Mewis und Evans für Maier und Bürki gebracht, Rau setzte auf Moelter für König und Volkmer für Wallenhorst — änderten am Spielstand nichts. Es ging in die Verlängerung.

Nach 97 Minuten hatte das Steineklopfen dann ein Ende. Lewandowski kommt nach Ecke Mewis im Strafraum an den Ball, verlegt den Tausendfüßler, indem sie sich den Ball nochmal auf den linken Fuß legt, Holstad stürzt sich geistesgegenwärtig aus der Schussbahn und endlich zappelt der Ball im Netz.

[Randnotiz: Apropos Bossmove Holstad]

Der Bann war gebrochen und Miedema schnürte noch einen lässigen Doppelpack oben drauf. Zunächst brachte Mewis den Ball vors Tor, halb Schuss, halb Chipball, den Ulbrich unglücklich nach vorne klatschen ließ, wo Miedema trockene abstaubte und wenig später nochmal nachlegte. Dabei hatte die Niederländerin in der Verlängerung mehrere Chancen liegen lassen. Mit der sicheren Führung im Rücken hielt sie lieber den Ball im Dribbling oder gab die Kugel weiter wie bei der Großchance für Wenninger, als selbst nochmal abzuschließen. Es juckte niemanden mehr. Der Favorit setzte sich schlussendlich doch noch verdient durch.

3 Dinge, die auffielen

1. Bremen defensiv, aber nicht passiv

Es gehört viel Konzentration und Fleißarbeit dazu, wenn man den Raum so verdichten möchte, wie es die Bremerinnen gegen die Bayern taten. Werder ging das Spiel äußerst defensiv an, überließ das zweite Drittel fast von vornherein den Münchnerinnen, versucht sich also nicht in einer aggressiven Pressingtaktik, sondern wollte zunächst einmal hinten felsenfest stehen. Wer aber behauptet, Bremen hätte Beton angerührt, verkennt allerdings, wie beweglich und flexibel das Defensivgefüge agierte.

Nur in ganz seltenen Fällen säumte sich die Abwehrkette zu einer komplett flachen Linie mit sechs Spielerinnen nebeneinander auf. Besonders die Außenverteidigerinnen bzw. die Außenspielerinnen, die sich in die Verteidigung mit einreihten gaben zusammen mit der Dreifachsechs immer auch Tiefenstaffelungen, indem sie sich etwas weiter vorne positionierten. Bayern hatte somit nicht nur eine breite Abwehrkette zu überspielen, auch nicht zwei Viererketten, sondern ein Bremer Zickzackgefüge, das immer etwas versetzt auf Lücke stand und in sich gute Verbindungen herstellte. So blieben die Schotten dicht und Bayern hatte große Probleme, mit Schnittstellenpässen oder Kombinationen durch diese Enge durchzukommen.

In der zweiten Halbzeit taten die Bayern daher vermehrt das einzig Richtige, versuchten über die Flanken zur Grundlinie durchzubrechen, bei Pässen und Läufen die Geschwindigkeit anzuziehen und über Behringer schnelle Seitenverlagerungen zu spielen, so dass Bremen extrem viel laufen musste und das Bollwerk auseinander gezogen werden konnte. Mit dem Wechsel Evans für Maier schaffte Wörle darüber hinaus eine Verteidigerin ab, so dass sich mehr Münchnerinnen in die Angriffe mit einschalten konnten. Auch die drei zentralen Innenverteidigerinnen, die defensiv und im Spielaufbau durch Abkippbewegungen Behringers und Lewandowskis unterstützt wurden, gingen einzeln immer wieder mit nach vorne. In der zweiten Halbzeit gelang es Bayern besser — trotz weiteren Offensivpersonals — selbst für eine brauchbare Tiefenstaffelung zu sorgen, also nicht zu geschlossen aufzurücken und sich so selbst um Passoptionen zu bringen.

2. Überraschung: Evans ist eine Offensivkraft

Die Angriffslust der Bayern und gerade der Wechsel Maier für Evans barg auch einiges an Gefahren. In der Rückwärtsbewegung sah Evans gleich mehrfach nicht gut aus und konnte wenig überraschend nicht die Stabilität und Souveränität auf den Platz bringen, mit der Leonie Maier auf der rechten Seite zu Werke geht. Das hatte auch Steffen Rau erkannt, zog Wallenhorst auf die linke Bremer Angriffsseite und ließ diese Schwäche im Bayern-Gefüge aktiv bespielen.

Wörle reagierte seinerseits, zog Lewandowski auf die rechte Seite rüber, ließ Evans davor ihre Stärke als Flügelflitzerin ausspielen und sicherte auf der linken Seite mit Mewis an der Stelle von Lewandowski ab. Das klappte wesentlich besser.

3. Gina Lewandowski: ihres Zeichens Maschine

Dass Gina Lewandowski in engen Partien die Frau für die wichtigen Tore sein kann, war bereits im Ligaspiel gegen ihren Ex-Club Frankfurt aufgefallen, wo sie das einzige Tor des Spiels erzielte.

Dass es zur Zeit ganz gut läuft bei Lewandowski hatten wir ebenfalls schon nach dem Spiel gegen Sand festgestellt und uns gefragt, ob sie einfach immer besser wird, so dass auch das US-Nationalteam nicht anders konnte, als sie doch noch zu nominieren, oder ob ihr die Nominierung wiederum so gut tat, dass sie seither immer weiter über sich hinauswächst.

Fakt ist, Lewandowski hat in den letzten Wochen und Monaten nochmal einen riesigen Schritt gemacht und zu ihrem soliden Spiel noch mehr Konstanz und Offensivesprit hinzugefügt. Den Willen und den Fleiß für die vielen Meter auf der Außenbahn hatte sie schon in der vergangenen Saison solide und pflichtschuldig aufgebracht. Aber mittlerweile konnte sie ihr Offensivspiel nochmal auf eine neue Stufe heben. Selbstbewusste Dribblings — ob zur Grundlinie, diagonal zum Tor oder entlang der Strafraumgrenze — sieht man nun nicht mehr nur in Situationen, in denen die Gegnerinnen ihr den Platz überlassen, sondern sie erzwingt diese Möglichkeiten. Sie hat Bock drauf. Sie weiß was sie kann und das bringt die nötige Ruhe am Ball, um platziert zu schlenzen, um sich wie heute vor dem wichtigen 0:1 den Ball nochmal auf den richtigen Fuß zu legen und dabei die Verteidigung komplett aussteigen zu lassen.

All das zeigt Lewandowski nicht nur dann, wenn es ohnehin läuft, sondern besonders dann, wenn ihre Mannschaft zusätzliche Impulse braucht. Sie stellt sich jedem aufkeimendem Abwärtsstrudel entgegen und kämpft für den Sieg. Mit weniger scheint sie sich einfach zu keinem Zeitpunkt zufrieden zu geben. Gerade gegen solche Defensivblöcke wie Bremen ist sie eine absolute Waffe im Team, die über außen Alarm macht, wenn im Zentrum alle Versuche auf Granit stoßen. She’s a machine!

SV Werder Bremen – FC Bayern München Frauen
SV WerderMartens – Tóth, Schiechtl, Ulbrich, Schacher – König (76. Moelter), Eta, Maierhofer (105. Schröder), Scholz – Wallenhorst (85. Volkmer) – Sanders
FC BayernKorpela – Schnaderbeck, Holstad, Abbé – Lewandowski, Behringer, Leupolz (105. Wenninger), Maier (66. Mewis) – Däbritz – Miedema, Bürki (66. Evans)
BankZinsberger, Boquete, Beckmann, Rolser
Tore0:1 Lewandowski (97.), 0:2 Miedema (112.), 0:3 Miedema (114.)
KartenGelb: – / Bürki (53.)
SchiedsrichterinMirka Derlin (Bad Schwartau), Franziska Wildfeuer (Ruhmannsfelden), Tanja Petersen (Kiel)
Zuschauer714

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Leserkommentare
  1. […] Gegen Bremen gab es viele Situationen, in denen die Mannschaft insgesamt weit aufgerückt war, auch weil sich Bremen so weit hinten aufgehalten hat. Häufiger haben sich auch Nora Holstad oder Caro Abbé weiter vorn mit eingeschaltet. Wie stimmt Ihr Euch ab, wer mit vorgeht? Ist das situativ, wenn man merkt, „zwei sind schon vorne, da bleibe ich besser mal hinten“ oder gibt es da feste Einteilungen wie zum Beispiel bei Eckstößen? […]

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