Scouting-Report: Matteo Darmian

Mehrere italienische Medien berichteten vom ernsthaften Interesse des FC Bayern an Matteo Darmian. Auch einige deutsche Medien haben dieses Gerücht aufgegriffen. Wir wollen fortan im Scouting-Report Spieler vorstellen, die in den Fokus des FC Bayern geraten sind. Dabei richten wir unseren Fokus auf realistische Transferziele.

Bisherige Karriere

Der 25-jährige Italiener verbrachte seine Jugend beim AC Milan. Entdeckt wurde er hier interessanterweise vom Vater von Ignazio Abate, der bei der letzten WM ebenso wie Darmian die italienische Nationalmannschaft als Rechtsverteidiger vertreten durfte. Nach einigen sporadischen Kurzeinsätzen in Liga und Pokal wurde er 2009 für ein Jahr in die zweite Liga nach Padova ausgeliehen, wo er in der Rückrunde zum Stammspieler wurde und in der Relegation den Klassenerhalt feiern durfte.

Dies machte einige Vereine auf ihn aufmerksam, weshalb Milan im darauf folgenden Sommer einem Verkauf an Palermo zustimmte. Hier sammelte Darmian erste Erfahrungen im internationalen Geschäft, konnte sich aber nicht wirklich durchsetzen, woraufhin es 2011 wieder zurück in die Serie B ging, diesmal nach Turin zum FC.

Bei Torino gelang dem Rechtsverteidiger der erneute Durchbruch, er überzeugte die Vereinsführung im Aufstiegsjahr so sehr, dass sie im Sommer 2012 fast 2 Millionen Euro nach Palermo überwies, um sich die Dienste der Pferdelunge zu sichern. Eine gute Entscheidung, denn er hat sich seitdem extrem entwickelt und wird seit 2013 auch vermehrt auf der linken Seite eingesetzt.

Diese Entwicklung fand auch auf nationaler Ebene Beachtung. 2014 wurde er zunächst ins Team der Saison gewählt (übrigens zusammen mit Medhi Benatia und Ciro Immobile) und im Mai dann von Cesare Prandelli in den vorläufigen WM-Kader Italiens berufen. Dort überzeugte er im Testspiel gegen Irland so sehr, dass Prandelli ihn trotz gerade einmal 88 Minuten Länderspielerfahrung nach Brasilien mitnahm. Dabei blieb es nicht, überraschend setzte er sich auf der Rechtsverteidigerposition gegen Abate durch und verpasste keine Minute der (kurzen) WM. Er war für Italien einer der wenigen Lichtblicke dieses Turniers.

In der vergangenen Saison absolvierte Darmian 32 Ligaspiele, davon 28 in der Startelf. Hinzu kamen noch 12 Spiele in der Europa League, wobei er hier keine Minute verpasste. Auch wenn er nicht viele Scorerpunkte sammelt (5 Tore und 4 Vorlagen in 46 Partien), so scheint der Allrounder definitiv ein Mann für die großen Spiele zu sein. So sorgte er mit einem Tor und einer Vorlage für einen historischen Derbysieg gegen Juventus und eliminierte mit seinem 3:2-Siegtreffer im San Mames das favorisierte Bilbao aus der Europa League.

Stärken und Schwächen

Zu den größten Stärken von Matteo Darmian zählen wohl die Athletik und seine bemerkenswerte Polyvalenz. Ursprünglich als Innenverteidiger ausgebildet, ist seine Hauptposition inzwischen die des rechten Außenverteidigers bzw. Wing-Backs, doch auch auf links kann Darmian ohne Bedenken eingesetzt werden. Aufgrund der ausgeprägten Laufstärke ist er dafür prädestiniert, auf außen die gesamte Länge des Spielfeldes zu beackern.

Die gute Kondition und der durchaus beindruckende Antritt ermöglichen Darmian eine häufige Unterstützung der Offensive. Hierbei rennt er aber nicht nur die Linie entlang, sondern ist durchaus auch bereit, den Weg nach innen zu gehen und sogar den gegnerischen Strafraum zu betreten. Grundsätzlich sieht Darmian in keiner Position verloren aus, was für einen Außenverteidiger nicht selbstverständlich ist.

Eine saubere Technik mit beiden Füßen und ordentliches Kurzpassspiel vervollständigen das Bild eines modernen Außenverteidigers, der sich hin und wieder auch auf Dribblings einlässt. Bei langen Bällen hingegen ist oft eine seltsam hohe Flugkurve zu erkennen, die an der Qualität auf höchstem Niveau zweifeln lassen. Die Langpassquote von 51% scheint diese Sorge zu bestätigen, ein Rafinha hat im Vergleich dazu 73% seiner langen Bälle an den Mann bringen können.

Defensiv ist sofort eine sehr hohe Zweikampfbereitschaft zu erkennen. Hierbei ist Darmian nicht der Typ Grätschenkönig, er verteidigt lieber mit Auge und Geduld. Bevorzugt blockiert er den offensichtlichen Passweg und bewegt sich dann auf den Gegner zu, um ihn in den Zweikampf zu zwingen. Er will sich den Gegenspieler zurechtlegen, um ihm dann mit seiner Stärke im Eins-gegen-Eins den Ball abzunehmen. Solange sich der Gegner in Richtung Grundlinie bewegt, ist Darmian in seinem Element. Geschieht das nicht, so führt dies schnell zu einer gelben Karte, wobei sich der 25-Jährige auch hier stark verbessert hat (9 gelbe Karten in 2012/13, 2 gelbe Karten in 2014/15).

Mögliche Rolle beim FC Bayern

Bei Bayern wäre Darmian mit ziemlicher Sicherheit für den rechten Flügel eingeplant und würde in ein direktes Duell mit Rafinha gehen. Ein riesiger Vorteil ist natürlich die extreme Polyvalenz, die es ihm ermöglichen würde, zahlreiche Positionen zu besetzen: als Rechts- oder Linksverteidiger in einer Viererkette, ebenso beidseitig als Wing-Back oder sogar als rechter Innenverteidiger im System mit Dreierkette. Im absoluten Notfall könnte Darmian sogar als offensiver Flügelspieler eingesetzt werden, wobei man sich da keine große Spielkunst erwarten sollte.

Inwiefern er mit dem Münchner Pass- und Positionsspiel zurechtkommen würde, lässt sich schwer beurteilen. Eine Entwicklung hin zu einem Rafinha mit zusätzlichem Offensivdrang dürfte möglich sein. Die Frage ist hierbei, ob das für einen 15-Millionen-Transfer genug wäre, auch wenn man das Schnäppchen Bernat nicht als Maßstab nimmt. Denn eine Verstärkung in der Breite wäre Matteo Darmian ohne Frage. Ob es jedoch zur Verstärkung in der Spitze reichen würde, ist fragwürdig, weshalb Bayern nach letzten Medienberichten auch nicht völlig von einer Verpflichtung des Italieners überzeugt ist.

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Leserkommentare
  1. Jo

    Darmian könnte tatsächlich ein Kandidat werden, was man von den meisten seltsamen Spekulationen eher nicht sagen kann.
    Hängt natürlich auch maßgeblich davon ab, was in Peps Kopf für den RV so vor geht. Zuletzt wurde ja auch spekuliert, dass man für die nächste Saison wieder mit Lahm als RV plant. Mit einem fitten Lahm und Rafinha wäre dann das Thema natürlich erledigt.

    Sollte Lahm fest im Mittelfeld gesetzt sein, sollte (oder muss) man tatsächlich was tun. Dann braucht man eine Ergänzung, Backup oder Verstärkung für Rafinha. Wobei das mit einer Verstärkung schon schwierig wird. Wieviele RV die man mit einiger Sicherheit als Verstärkung im Vergleich zu Rafinha bezeichnen könnte fallen einem schon ein?

    Und wenn es um eine Ergänzung in der Breite geht wird die gestellte Preisfrage natürlich relevant.
    Leider halte ich die gehandelten Summen von 15-18 Mio € für ziemlich unrealistisch.
    Sollte Reschke tatsächlich den Telefonhörer in die Hand nehmen wird das gleich um eine Zehnerstelle weiterspringen.

    1. Josef

      Als großer Rafinha-Fan würde ich durchaus gerne ohne neuen RV in die neue Runde gehen. Rafinha + Weiser (wird aber wohl wechseln) würden mir reichen.
      Insbesondere da ich davon ausgehe, dass Pep nächste Saison deutlich öfter mit 3er-Kette spielen lassen wird.
      Spielen wir mit 3er-Kette und Schienenspieler, ist der Bedarf an einem neuen RV selbst ohne Weiser deutlich geringer. Den Schienenspieler können auch Robben (Rom!), Hojbjerg (Dortmund!) und eben Lahm geben. Vor allem für Lahm wäre es eine “politisch” schöne Lösung: Sowohl die Pro-Mittelfeldfraktion als auch die Pro-RV-Fraktion wären happy, er würde auf einer solchen Position ja irgend wie beides spielen ;-).

      Was ich lese (ich kenne ihn nicht), bin ich hingegen skeptisch, ob Darmian die (offensiven) Qualitäten für die solche Position des Schienenspielers hat.
      Und – wie gesagt, ich kenne ihn nicht – nach den Leistungen in der Rückrunde verstünde ich den Wechsel vom kostenlosen 21-jährigen Weiser zum 15-20 Millionen teuren 25-jährigen Darmian nicht so richtig, dezent gesagt.

      1. Baldi

        Mit Rafinha und Weiser in die neue Saison zu gehen wäre auch mir recht.
        Rafinha hat einfach einen Sprung nach vorne unter Guardiola gemacht und Weiser hat viel Potential, das er seit kurzemsogar zeigt.

        Aber beide haben auch Schwächen. Wie sieht es mit Kopballspiel, Stellungsspiel und Zweikampfstärke aus?
        Bei Rafinha fehlt es in der Offensive vielleicht auch (mehr als nur) gelegentlich an der letzten Konsequenz, was zu ineffektiven Flanken aus ungünstigen Positionen führt.
        Weiser hat da deutlich mehr Optionen, ist aber in der Defensive schwächen, z.B. im Stellungsspiel.

        Wenn der Verein Weiser gehen lassen sollte, dann würde ein Spieler wie Darmian Sinn machen. Und der Preis ist nunmal unverschämt hoch, wenn Bayern einen Spieler aus einem Vertrag kaufen will.

        Aber vielleicht macht es auch Sinn das Geld hier zu sparen und, gerade wo Riberys Verletzungspech wieder zugeschlagen hat, in einen offensiven Flügelspieler zu investieren.

        Nichtsdestotrotz würde ich Weiser präferieren, zumal der auch offensiv auf dem Flügel spielen könnte. ;)

  2. Kalle

    Ich denke Rafinha wir gehen müssen, oder er akzeptiert die Ersatzbank oder sogar 3te Wahl der nicht stänkert und immer trotz Bank für Stimmung sorgt, das kann er denke ich, er ist ein Teamplayer. Bayern muss unbedingt Vierinha holen, der ist mir sehr positiv aufgefallen. Kann jetzt neben RM auch rechter Verteidiger spielen. Als neuen RV bei Bayern wäre optimal. Dann noch auf der rechten Seite Bellarabi. Für die linken Seite hätte ich Sterling gesagt aber der ist viel zu teuer, der hat halt noch lange Vertrag und Liverpool will so viel wie möglich bekommen. Genau deswegen wollte Guardiola Neymar damals von Santos, aber Barca hat mehr geboten. Hazard auch zu teuer, auf links hat Bayern verpasst Weichen zu legen. Bayern könnte locker 100Mio Euro Transfers ala Real machen, gut dass die das nicht machen. Diese Saison werden auf jeden Fall die 40Mio Euro von Martinez überboten, lassen wir uns überrachen.

  3. pitvonbonn

    Ich bin schon länger auf der Suche nach einem Bayernforum, welches sporlich fair über die Bayern schreibt und diskutiert. Gratuliere zu Eurer Seite.

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