Serie: Was von Sammer zu erwarten ist – Teil 2 Kaderplanung

Nach Teil 1 zum Thema Jugendarbeit blickt Der Bayern Blog im zweiten Teil seiner Serie „Was von Sammer zu erwarten ist“ auf die Kaderplanung des FC Bayern unter dem neuen Sportchef Matthias Sammer.

Teil 2 Kaderplanung

Die passende Zusammenstellung eines Profi-Kaders ist im modernen Fußball, der in der Spitze bestimmt wird von Mannschaften denen es gelingt herausragende Individualisten in ein taktisch wie spielerisches homogene Kollektiv einzuordnen, die Königsdisziplin der sportlichen Vereinsführung. Dem FC Bayern fehlte in den vergangenen Jahren im Laufe einer langen Saison häufig die richtige Balance in der Kaderzusammenstellung. In der zweiten Hitzfeld-Ära und der Klinsmann-Episode fehlten kreative, dribbelstarke Offensivspieler auf die mit der Verpflichtung von Ribery und später Robben reagiert wurde. Unter van Gaal und auch unter Heynckes verlagerte sich diese fehlende Balance in die Defensive. Neben dem Dauerproblem des zweiten Außenverteidiger neben Phillip Lahm (Erinnert sich noch jemand an Massimo Oddo?) standen zum Beispiel in der Rückrunde 2010/2011 nach dem Abgang von Demicheles und zuvor Lucio mit Daniel van Buyten und Holger Badstuber nur zwei Innenverteidiger mit Bundesligaformat im Kader der Bayern. Die Folge waren zahlreiche Einsätze der Mittelfeldspieler Anatolij Tymoschuk und Luis Gustavo in der Abwehrzentrale. Auch mit der Verpflichtung von Jerome Boateng wurde dies nur bedingt besser, da dieser häufig auf die bereits erwähne Baustelle Außenverteidiger ausweichen musste. Auch im Mittelfeld fehlte in der Vergangenheit trotz herausragender Klasse in der Spitze, die Qualität in der Breite. Toni Kroos stellte nach dem Abgang von Mark von Bommel den einzigen adäquaten Ersatz für Schweinsteiger auf der spielgestalterischen Sechser-Position dar. Fehlten neben Schweinsteiger auch ein verletzungsanfälliger Arjen Robben wurde es sehr schnell sehr dünn. Auch im Sturm fehlte insbesondere international eine Alternative auch wenn Mario Gomez diese Lücke mit einer herausragenden Saison komplett kaschierte. In der Rückrunde 2012, die von langfristigen Verletzungen von Schweinsteiger und van Buyten geprägt war, hieß die einzig mögliche gleichwertige Rotationsoption Tymoschuk für Luis Gustavo auf der Doppelsechs. Die weiteren nicht gerade gleichwertigen Alternativen hießen Rafinha, Pranjic, Contento, Usami, Petersen, Breno und ein nicht fitter Ivica Olic. Die Zeiten als der FCB wie zur Jahrtausendwende beinahe zwei Bundesliga-taugliche Mannschaften in einem Kader vereinte waren vorbei. Natürlich ist all das bei einem Champions League Finalisten jammern auf hohem Niveau, aber gerade in der Liga schien den Stammspielern in Auswärtsspielen wie in Mainz, Freiburg oder Hamburg die geistige und körperliche Frische zu fehlen. Auch die (zu) frühe Rückkehr von Bastian Schweinsteiger war eine Folge der fehlenden Alternativen auf seiner Position.

Die Verpflichtungen von Dante, Shaquiri, Pizzaro und Mandzukic sind als direkte Reaktion auf diese fehlende Breite zu sehen. Insofern ist ein Großteil der akut notwendigen personellen Maßnahmen bereits vor oder mit Sammer abgearbeitet – auch wenn ein weiterer spielstarker Sechser und ein stabiler Außenverteidiger dem Kader gut zu Gesicht stehen würden. Mit Spannung wird erwartet ob Sammer seine neuen Spielräume als Sportvorstand nutzt um noch vor der Saison eine Duftmarke für die weitere Kaderplanung zu setzen.

Was plant Sammer – Fragezeichen bleiben

Die Kaderzusammenstellung ist die vielleicht wichtigste Komponente im Aufgabenportfolio des Matthias Sammer und zugleich seine größte Unbekannte. Allein deshalb weil die Kaderplanung in seiner bisherigen sportlichen Laufbahn nicht zu seinem originärem Aufgabenbereich gehörte. Ist Sammer in der Lage über Jahre einen national dominierenden und international konkurrenzfähigen Kader zusammen zu stellen?

Betrachtet man die Transferbilanz bei seinen Trainer-Stationen Dortmund und Stuttgart, bei denen er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mitspracherecht bei Verpflichtungen hatte, fällt diese gemischt aus. In seine Dortmunder Amtszeit fielen die kurzfristig erfolgreichen, aber für den Verein mittelfristig beinah ruinösen Transfers von Tomas Rosicky, Jan Koller, Sunday Oliseh, Marcio Amoroso, Ewerthon und Evanilson. Demgegenüber stehen langfristig erfolgreiche Transfers wie die von Christoph Metzelder, Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller. Aus seiner Zeit in Stuttgart ist am Ehesten noch die weitsichtige Verpflichtung von Matieu Delpierre zu nennen, der ablösefrei aus Lille zu den Schwaben wechselte. Mario Gomez wurde von Sammer als 18 Jähriger zu den Profis geholt, kam jedoch über einige Kurzeinsätze nicht hinaus.

Offensive Balleroberer gesucht?

Viel mehr als aus diesen Transfers aus seiner Trainerlaufbahn ist aus aktuellen Aussagen Sammers zur Kaderzusammenstellung abzuleiten. Sammer bezeichnet einen Mix aus Führungsspielern, Teamspielern und Individualisten als optimale Mischung für eine Mannschaft. Zudem hat er am Beispiel der spanischen Nationalmannschaft und des FC Barcelonas in einem Interview eine Möglichkeit identifiziert wie eine Mannschaft gegen extrem tiefstehende Gegner Erfolg haben kann. Aus seiner Sicht liegt die Lösung im vielzitierten Gegenpressing. Sammers Theorie: Gegen extrem tiefstehende Gegner stößt das Konzept der endlosen Ballzirkulation an seine Grenzen. Das Ziel ist es den Gegner bei Ballverlust konsequent zu jagen und unter Druck zu setzen, um möglichst weit in der gegnerischen Hälfte den Ball zu gewinnen und so einen kürzeren Weg zum Tor, gegen einen zudem in der Phase des Spielaufbaus unorganisierten Gegner, vor sich zu haben. Auch Jupp Heynckes hat es in der vergangenen Saison phasenweise mit Pressing tief in der gegnerischen Hälfte versucht. Dieses weniger überfallartige, sondern eher organisierte Pressing hatte jedoch selten frühe Ballgewinne zur Folge, sondern häufig weit geschlagenen Bälle des Gegners in die bayerischen Abwehrreihen. Der Weg von dort zum gegnerischen Tor ist wiederum enorm weit und erlaubt es den Gegnern sich neu zu formieren. Die genannte taktische Variante klingt vielversprechend, allerdings fehlen Bayern die passenden Spielertypen. Mario Gomez, Arjen Robben, Toni Kroos, Franck Ribery sind nicht gerade für ihre Fähigkeiten zur Balleroberung bekannt. Thomas Müller schon eher. Bastian Schweinsteiger und vor allem Luis Gustavo sind gute Zweikämpfer und Balleroberer stehen jedoch meist eine Reihe weiter hinten. Spannend wird sein ob Sammer diesen Gedanken auch zum FC Bayern trägt und ob dieser Weg mit dem aktuellen Spielermaterial möglich ist oder neue Spieler notwendig sind.

Bender-Fan Sammer

Zwei Spieler stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur aus diesem Kontext heraus ganz oben auf der Agenda des neuen Bayern-Vorstands. Es gibt kaum ein Sammer-Interview aus den vergangenen Jahren, das ohne Lobeshymnen auf die Zwillinge Lars und Sven Bender auskommt. Sie kommen dem Spieler-Ideal Sammers wohl am nächsten. Technisch gut ausgebildet, taktisch auf hohem Niveau, physisch stark und dazu mit einer Führungsmentalität ausgestattet, die Sammer gefällt. Insbesondere Lars Bender, der offensiv stärker und vielseitiger als Sven zu sein scheint, hat zudem bei der EM 2012 nachgewiesen, dass er auch in einer psychisch schwierigen Situation auf einer für ihn ungewohnten Position überzeugen kann. In Leverkusen hat er sich darüber hinaus gegen Michael Ballack durchgesetzt. Es wäre nicht überraschend wenn er, als möglicher Schweinsteiger-Partner oder Schweinsteiger-Backup gerade nach der kolportierten Absage von Javi Martinez in Sammers Transfer-Fokus rückt.

Abonniere unsere Beiträge!



Reklame

.. hilft Miasanrot


Hier werben

Leserkommentare
  1. […] Teil 1 zur Jugendarbeit und Teil 2 zur Transferpolitik blickt Der Bayern Blog im dritten und letzten Teil der Serie„Was von Sammer […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog