FC Bayern München Frauen - SC Freiburg, Saisonauftakt, C: Sven Beyrich

Saisonauftakt Bayern Frauen – SC Freiburg 1:1 (0:0)

Im Auftaktspiel der Bayern-Frauen war der SC Freiburg zu Gast. Was hat sich über den Sommer an der Spielweise des FCB verändert? Wir analysieren die Partie und werfen vorab noch kurz drei kleine Blicke auf die aktuelle Lage in der Liga, der Champions League und der deutschen Nationalmannschaft.

Die Frauenfußball-Bundesliga ist schon einen Spieltag alt. Bayern startete die neue Spielzeit mit einem Heimspiel gegen den SC Freiburg und konnte lediglich ein Unentschieden holen. Die perfekte Vorlage für den VfL Wolfsburg — hätte man meinen können. Doch auch die Wölfinnen holten lediglich einen Punkt aus ihrer Begegnung mit dem SC Sand. Gewinner des Spieltages war eindeutig der 1. FFC Frankfurt, der den Aufsteiger Borussia Mönchengladbach mit 8:0 nass machte. So durfte der Club am Main mal wieder von der Tabellenspitze grüßen. Doch schon an diesem Wochenende werden die Karten neu gemischt. Die Bayern sind in Jena zu Gast, wo sie auf ihre ehemalige Torhüterin Kathrin Längert treffen. Im Top-Spiel, das live übertragen wird, stehen sich Turbine Potsdam und Frankfurt gegenüber und Wolfsburg empfängt Bayer 04 Leverkusen.

In der Champions League nach Schottland

Während die französischen Spitzenteams jeweils nach Norwegen müssen — Paris nach Lillestrøm und CL-Titelverteidiger Lyon nach Avaldsnes — zieht es die deutschen Teams auf die Insel. Chelsea bekommt es erneut mit den Finalistinnen aus Wolfsburg zu tun. Letztes Jahr war das Team von Emma Hayes im Achtelfinale am VfL gescheitert. Obwohl Chelsea zuletzt das englische Double gewann, waren sie bei der Auslosung aufgrund des schlechteren UEFA-Koeffizienten nicht gesetzt und bekamen so die „Chance“ zur Revanche gegen Kellermanns Team. Bayerns Gegner heißt Hibernian FC aus Edinburgh in Schottland, der Heimat von Lisa Evans.

Kurzer Exkurs zur Nationalmannschaft

Steffi Jones hat die Nachfolge von Silvia Neid als Bundestrainerin angetreten und mit der ersten größeren Amtshandlung den Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Russland (16.9.) und Ungarn (20.9.) benannt. Die Olympiasiegerinnen wurden dabei weitgehend verschont, so dass als einzige Bayern-Spielerinnen Neuzugang Verena Faißt und Leonie Maier berufen wurden. Dafür kommen drei Debütantinnen zum Zuge: Linda Dallmann und Jacqueline Klasen von der SGS Essen sowie Hasret Kayikci vom SC Freiburg. Anbrennen sollte für das Team von Jones dennoch nichts, denn die bisherige Quali-Bilanz liest sich so: 6 Spiele, 6 Siege, 30:0 Tore. Die Russinnen hat man im Vorjahr gleich mit 12:0 verhaftet. Der europäische Länderwettbewerb dürfte also erst in der Endrunde tatsächlich an Brisanz gewinnen.

Doch zurück zum Auftaktspiel Bayern München gegen den SC Freiburg

Ein talentiertes, gut geführtes Team wie den SC Freiburg gleich am ersten Spieltag serviert zu bekommen, hat seine Tücken. Vor allem, da die Bayern aufgrund des Olympiaturniers nur wenig Zeit in ganzer Kaderstärke an den Abläufen arbeiten konnten. Die Gäste versuchten sich denn auch gleich, durch forsches Pressing Respekt und den Ball zu verschaffen. Dennoch gingen die ersten Chancen auf das Konto der Bayern. Nach den ersten fünf Minuten waren Torraumszenen allerdings Mangelware. Beiden Mannschaften fehlte es an Lösungen, um gefährlich in den Sechzehner einzudringen. Das Diagonaldribbling von Leonie Maier, die Behringer gleich zu Beginn im Strafraum bediente, hatte somit Ausnahmecharakter.

Die Bayern kontrollierten das Spiel mit relativ wenig Ballbesitz, indem sie das Zentrum verschlossen und Freiburg den Ball in deren Abwehrkette kreiseln ließen. Ging der FCB schon früh ins Pressing und ergänzte Sara Däbritz Vivianne Miedema in der vordersten Abwehrreihe, so griff Gästetorhüterin Laura Benkarth früh zum langen hohen Ball. Zogen sich die Bayern weiter zurück, so versuchte Lina Magull aus dem Zehnerraum zurück ins defensive Mittelfeld abkippend bei der Spieleröffnung zu unterstützen. Über weite Strecken fehlte es beiden Teams jedoch an Tempo und/ oder Präzision in den eigenen Aktionen, um sich am jeweils gut verschiebenden Gegner vorbei zu kombinieren.

FC Bayern - SC Freiburg, GrundformationenFC Bayern – SC Freiburg, Grundformationen

Nach einer guten halben Stunde rotierten die Bayern die Positionen in der Offensive etwas durch. Verena Faißt, die auf dem linken Flügel einen guten Eindruck machte, Bälle forderte, viel Präsenz und Zielstrebigkeit ausstrahlte, kam nun mehr über die Zehn, Däbritz ging vermehrt vorne rein und Miedema ließ sich weiter zurückfallen und füllte den linken Achterraum. So wurde das Bayernspiel noch zentrumslastiger, während zuvor Faißt und Maier gute Szenen über die Flügel zeigen konnten.

Obwohl die Bayern peu à peu das Heft in die Hand zu nehmen schienen, drängte sich ein Tor nicht zwingend auf. Dennoch hätte Gina Lewandowski kurz vor dem Halbzeitpfiff gleich zweimal zum Matchwinner avancieren können. In der 42. Minute senste sie nach einer Körperdrehung in Rücklage den Ball über das Tor. Eine Minute später zeigten Miedema, die aufgerückte Schnaderbeck und Lewandowski im linken Halbraum eine schöne Dreieckskombination, Benkarth schien auf Knien schon bezwungen doch Lewandowski traf statt flach am kurzen Pfosten zur Führung nur das Außennetz. Mit 0:0 ging es in die Pause.

So oder ähnlich hätte das Spiel noch lange weiter plätschern können, doch der Rhythmus änderte sich, nach dem 1:0-Elfmetertor durch Melanie Behringer. Zuvor war Däbritz bei einer ihrer guten Bewegungen im Sechzehner zu Fall gebracht worden. Weniger als null Punkte gibt es nicht und so ging nun Freiburg mehr Risiko, wodurch sich das Spiel beschleunigte und sich auch für die Bayern mehr Räume ergaben. Mit einer starken Parade verhinderte Benkarth das 2:0 durch einen strammen Schuss von Faißt (53.). Holstad hätte kurz drauf um ein Haar einen Querpass nach langem Freistoß Behringers auf den zweiten Pfosten verwerten können. Carina Wenninger zielte in der 65. Minute nur knapp vorbei. Zehn Minuten später traf Miedema ebenfalls nur das Außennetz, als sie einen langen Ball klasse festmachen und sich durch eine Drehung den Abschluss herausarbeiten konnte.

Spätestens in dieser starken Phase hätten die Bayern die drei Punkte festmachen müssen, doch sie taten es nicht und wurden umgehend bestraft. Zunächst waren sie noch im Glück, als auf den äußerst heiklen Zweikampf zwischen Holstad und Carolin Simon im Bayernstrafraum der Elfmeterpfiff ausblieb. Doch kurz drauf pennte die heimische Defensive. Ein Freiburger Ball schien ins Toraus zu gehen, die eingewechselte Lena Petermann ging konsequent hinterher, Holstad konnte die Flanke nicht mehr verhindern, Kopfball Kayikci, Ausgleich 1:1 (78.).

Bayern bäumte sich noch einmal auf, doch gefährlich vors Tor kamen vor allem die Freiburgerinnen in der hektischen Schlussphase. Petermann brachte einen Distanzschuss aufs Tor von Korpela (86.) und auch Einwechselspielerin Jobina Lahr konnte nach einem Konter gefährlich in den Strafraum eindringen, da sich im Mittelfeld keine Bayernspielerin mehr zu einem kartenwürdigen Foul hinreißen ließ (87.). Ein Tor fiel nicht mehr. Die Partie hätte mit Blick auf die Chancen in beide Richtungen ausgehen können. Die Punkteteilung geht somit in Ordnung, obwohl die Bayern eher zwei Punkte verloren, während Freiburg einen gewann.

3 Dinge, die auffielen

1. Behringer und Holstad mit offensiveren Rollen

Die Grundformation der Bayern hat sich in der neuen Saison nicht verändert. Wörle baut auf das gut greifende System mit Dreierkette und Wingbacks auf und ergänzt es mit weiteren Facetten. Dass Melanie Behringer bei Olympia die meisten Turniertore schoss, ist niemandem verborgen geblieben und auch in der letzten Saison addierte die Kapitänin mit Distanzschüssen und Freistößen viele entscheidende Tore zum Punktekonto der Bayern. Keine schlechte Idee also, die defensive Mittelfeldstrategin noch häufiger in offensive Räume einzubinden und ihre Box-to-Box-Rolle zu stärken.

Dazu wurde auch für die Ko-Kapitänin Nora Holstad, in der Regel Abwehrchefin in der Verteidigungszentrale, eine offensivere Rolle ersonnen. Besonders in der Anfangsphase übernahmen die Halbverteidigerinnen Viktoria Schnaderbeck und Carina Wenninger die Aufgabe der Spieleröffnung, während Holstad in den Sechserraum aufrückte, wo sie die gegnerische Pressinglinie bespaßte und für Anspiele paratstand. Dadurch konnte sich Behringer entweder noch höher an der Grenze zum letzten Drittel anbieten oder in den linken defensiven Halbraum abkippen, den Lewandowski hoch aufgerückt öffnete.

Schnaderbeck und Wenninger haben von Tom Wörle offenbar das Vertrauen für die Spieleröffnung bekommen. In der Vergangenheit musste sich Wenninger nach Verletzung über Rotationseinsätze auf der Sechs oder der Halbverteidigung auf unterschiedlichen Positionen ihren Platz und ihre Minuten im Kader erkämpfen. Als rechte Halbverteidigerin war Caroline Abbé gesetzt. Im Aufbauspiel dürfte Wenninger allerdings die besseren Karten haben als die Schweizerin.

2. Diagonalität

Auch in dieser Saison setzt Wörle wieder auf offensive Flügelverteidigerinnen. Maier und Lewandowski waren erneut mit vielen offensiven Aktionen zu sehen. Wieder wird an dem Muster festgehalten, dass die ballferne Außenverteidigerin eher hinten bleibt und mit den Halbverteidigerinnen eine Dreierkette bildet. In der Regel war dies Lewandowski. Die ballnahe Linienspielerin — häufig also Maier — rückt dagegen weit auf in die Rolle eines Flügelstürmers. Beide streuen aber jederzeit diagonale Läufe durch die Halbräume ein. Die hintere Spielerin, um für die Ballzirkulation und Spielverlagerungen zur Verfügung zu stehen, die ballnahe oder sogar ballführende, um durch den Halbraum das Tor zu attackieren.

Diagonale Muster finden sich aber fast in allen Facetten des Bayernspiels. Gerade nach Ballgewinnen fächert sich das Team in Richtung Tor immer weiter in die Richtung auf, in der der Ball zunächst nicht war. Leonie Maier gewinnt beispielsweise zusammen mit Carina Wenninger auf der rechten Abwehrseite den Ball, verlagert auf die ballnahe Sechserin Leupolz, die steckt weiter vor ins Zentrum auf Behringer, die in den linken Halbraum auf Faißt weiterleitet. Miedema läuft zeitgleich in Müllermanier den sich ad hoc anbietenden Raum an. Entweder noch weiter links oder sie kreuzt durch ins Zentrum, wo sie entweder anspielbar ist oder Verteidigerinnen vom Ball wegzieht. Technisch erfolgt die Ballannahme dabei häufig auf allen Stationen mit dem Rücken zum Tor in Kombination mit einer Drehung zur anderen Seite, so dass der Ball bei der Verlagerung abgeschirmt werden kann. Für die Verteidigung ist es schwer, diesen Fluss zu durchbrechen, da sich über diese Diagonale samt sich kreuzender Laufwege immer wieder auch auf der anderen Seite Anspielstationen und Lücken ergeben. Für das erste Saisonspiel sahen diese Bewegungen der Münchnerinnen schon sehr ordentlich aus.

3. Viele Laufwege abseits des Balles

Obwohl zuweilen noch das Tempo fehlte und es Freiburg den Bayern nicht gestattete, sich problemlos vor das Tor zu kombinieren, verfiel das Bayernspiel fast nie in das ideenlose „U“, bei dem die Innenverteidigerinnen den Ball auf den Flügel bringen, ihn von dort postwendend zurückbekommen und dann zur Abwechslung schauen, ob es auf der anderen Spielfeldseite vielleicht mehr zu holen gibt. Und wieder retour. Einerseits sind sämtliche Abwehrspielerinnen in die Offensive eingebunden. Nicht zufällig verzeichneten Holstad, Wenninger und Lewandowski Großchancen und Maier und Schnaderbeck Pässe, die Assists hätten werden können. Es ist darüber hinaus auch eine gute Dynamik im Team. Alle Spielerinnen ohne Ball haben klare Aufgaben und Laufwege. In der Regel hat jede Spielerin mit Ball zwei Passoptionen und abseits dessen startet schon die Dritte durch. Echte Torraumszenen waren zwar Mangelware, doch die Bayern dominierten das Mittelfeld besonders im Zentrum und in den Halbräumen. Zudem gelang es ihnen, unter Pressingdruck das komplette Spielfeld mit Pässen zu durchschreiten, was das Nachjagen für die Freiburgerinnen extrem schmerzhaft und aufwendig machte. In dem Moment, wo ein Zugriff möglich gewesen wäre, fehlte der Saft und auf Jens Scheuers Ruf „Nachschieben“ folgte nicht mehr viel.

In der letzten Saison war Jena das erste Team, das den Bayern Punkte abluchsen konnte. Mal schauen, ob ihnen dies wieder gelingt. Die ersten wären sie diesmal nicht.

FC Bayern München Frauen – SC Freiburg
BayernKorpela – Schnaderbeck, Holstad, Wenninger – Lewandowski, Behringer, Leupolz, Maier (84. Maier) – Faißt, Miedema (77. Pekel), Däbritz
BankZinsberger, Abbé, Evans, Gerhardt, Rolser
FreiburgBenkarth – Simon, Schiewe, Puntigam (69. Petermann), Gwinn – Zehnder, Schöne – Minge (58. Lahr), Magull, Starke (88. Maier), Kayikci
BankGiuliani, Ziegler, Bühl, Wagner
Tore1:0 Behringer (51., Foulelfmeter), 1:1 Kayikci (79.)
KartenGelb: Behringer (53.)
SchiedsrichterinnenRiem Hussein (Bad Harzburg), Svenja Pleuß (Schwarme), Irina Stremel (Barnten), Christine Weigelt (Leipzig)
Zuschauer1.022

Abonniere unsere Beiträge!



Reklame

.. hilft Miasanrot


Hier werben

Leserkommentare
  1. […] Stefanie van der Gragt neben Viktoria Schnaderbeck und Nora Holstad in der Abwehrkette ein – im Auftaktspiel gegen Freiburg hatte die Rolle als halbrechte Innenverteidigerin noch Carina Wenninger übernommen. Ebenfalls zum […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog