Round-Up: Von Vorbereitern und Verwertern

Trotz der Vertragsverlängerungen von Ribery und Robben bis 2018 haben einige Bayern-Fans weiterhin Bedenken, wer die beiden nach ihrem Karriereende annähernd gleichwertig ersetzen könnte. Zu lange haben beide Spieler das Angriffspiel der Münchner gestaltet und entscheidend geprägt. Im heutigen Round-Up wollen wir einen Blick darauf werfen, wie abhängig der FC Bayern von einzelnen Spielern noch ist.

Dazu wird eine Statistik verwendet, die bereits letzte Saison auf unserem englischen Pendant zum Einsatz kam.

Wie damals schon sollte auch dieses Mal nicht auf die traditionellen Tore und Assists geschaut werden. Vielmehr werden erneut die Schüsse und Key Passes eines einzelnen Spielers anteilig an den Schüssen und Key Passes des gesamten Teams betrachtet. Um den Einfluss der Spielzeit zu reduzieren, wurden die Werte jeweils pro 90 Minuten berechnet.

In der Grafik stellt die Größe des jeweiligen Kreises zudem die Anzahl der gespielten Minuten dar. Die Statistiken eines Spielers mit geringer Spielzeit sind natürlich weniger aussagekräftig und können größeren Schwankungen unterliegen.

Für eine bessere Übersicht sind die Punkte von Spielern gleicher Mannschaftsteile in einer Farbe gehalten. Dies ist hilfreich, um auch die offensivstarken Abwehr- und Mittelfeldspieler zu erkennen.

Anteilige Schüsse und Key Passes der Bayern-Spieler
Wenig überraschend liegt die polnische Tormaschine beim Anteil der Torschüsse weit vorne, während sein Anteil an den Key Passes nur mittelmäßig ist. Nur minimal überraschender ist, dass Lahm die anteilig meisten Key Passes spielt und nur im Notfall selbst abschließt.

Interessant ist die Verteilung der offensiven Mittelfeldspieler und Flügelstürmer. Hier kann man gut zwischen den Vorbereitern und Verwertern unterscheiden. Ribery nimmt dabei ganz klar die Rolle des Vorbereiters ein, der es schafft nach erfolgreichem Dribbling das Auge für die Mitspieler zu haben und diese in Szene zu setzen.

Am anderen Ende der offensive Nahrungskette ist der zweite Bestandteil des kongenialen Duos Robbery zu finden. Robben sucht zuerst selbst den Abschluss und hat dabei die meisten Schüsse hinter Lewandowski und noch vor Müller (!). Allerdings ist der Niederländer auch in dieser Betrachtung kein “one trick pony” und liegt zusätzlich bei der Anzahl der Key Passes dennoch im oberen Drittel der Bayern-Mannschaft.

Ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis unter den Offensivspielern weisen Costa und Müller auf, die sowohl als finaler Passgeber und -Empfänger glänzen können. Wie in vielen Statistiken weiß Costa auch hier zu begeistern – liegt er doch in beiden Statistiken unter den Top-3 des Kaders. Coman fällt gegenüber den anderen Offensiven etwas ab, wobei seine kurze Spielzeit die Statistik auch weniger repräsentativ macht.

Von den zentralen Mittelfeldspielern liegt etwas überraschend Kimmich noch vor dem schon mehrfach zum Spieler des Monats ausgezeichneten Thiago. Vor allem seine Stärke bei Schüssen könnte hier auf die frühe Saisonphase zurückzuführen sein, als er in fünf Bundesliga-Spielen vier Tore erzielte. Der oft wegen seiner offensiven Präsenz auf dem Platz auffällige Vidal, ist in den Zahlen eher weniger auffällig.

Bei den Außenverteidigern ist neben dem Spezialfall Lahm auffällig wie ähnlich sich die drei restlichen Spieler in ihrem Profil sind, mit der eindeutigen Rangfolge, dass die beiden Linksverteidiger offensivstärker sind als Rafinha. Nach der sehr enttäuschenden EM und einem schwierigen Start in die Saison glänzt Alaba mittlerweile mit Werten vergleichbar der zentralen Mittelfeldspieler.

Eine klare Aufgabenverteilung ist bei den Innenverteidigern erkennbar. Martinez spielt offensiv ausgeglichen und glänzt eher in den defensiven Statistiken. Boateng fokussiert sich auf seine Laserpässe und Hummels profitiert vor dem Tor vor allem von seiner Kopfballstärke im gegnerischen Strafraum.

Was bedeutet dies nun zukünftig für den FC Bayern?

Anhand der eingefügten grauen Diagonalen kann die offensive Abhängigkeit der Mannschaft an einem einzelnen Spieler gut dargestellt werden. Hier liegt Ribery nicht mehr ganz vorne mit dabei, sondern wird von Costa verdrängt, der sogar den höchsten Wert des Teams erreicht.

Es wird jedoch offensichtlich, dass Bayern nicht von einem einzelnen Spieler abhängig ist, sondern vielmehr die ganze Offensive auf nahezu einem Niveau spielt. Ein Ausfall von Robben wiegt hiernach kaum schwerer als der momentane von Costa.

Wenn allerdings in ein, zwei Jahren sowohl Ribery als auch Robben den Verein verlassen sollten, muss man sich diese Statistik nochmal sehr genau anschauen. Fallen doch immerhin ein Sechstel der Schüsse (16 %) und Key Passes (19,5 %) weg. Doch hier könnte sich, laut Medienberichten, schon eine neue brandtgefährliche Offensiv-Waffe im Anflug auf München befinden.

Vieles wird jedoch davon abhängen wie sich die bereits im Kader vorhandenen Spieler, wie auch die Zukäufe, entwickeln und ob diese mit gleicher Konstanz auch auf der ganz großen Bühne in der Lage sein werden dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, wie es Ribery und Robben beispielsweise in einer Wembley-Nacht getan haben.

Maximales Offensivspektakel

Letzte Saison zündete Guardiola bei Bayern in Heimspielen ein extremes Offensivfeuerwerk und stellte gleichzeitig fünf Angreifer plus Thiago auf. Diese Aufstellung wurde von uns in Anlehnung an die Golden State Warriors als „Line-Up of Death“ bezeichnet.

Ancelotti lies dieses Biest bisher noch nicht von der Kette. Sein abgewandeltes und abgeschwächtes „Line-Up of Death“ umfasste dabei vier Angreifer plus Thiago plus einen absichernden defensiven Mittelfeldspieler.

Anhand von dieser Statistik können wir ihm nun das – aus rein offensiver Sicht – optimale „Line-Up of Death“ empfehlen. Dieses umfasst dabei natürlich die drei Spieler aus der obersten Ecke: Lewandowski, Robben und Costa.

Ihnen an der Seite würde nun als vierter Angreifer Ribery stehen – für Müller bleibt hier leider nur die Joker-Rolle. Neben dem obligatorischen Thiago könnte Kimmich die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers mit dem größten offensiven Output ausfüllen.

Natürlich ist Fußball keine Mathematik und es liegt an Ancelotti ein System zu finden, in dem diese Spieler ihre volle offensive Dominanz ausspielen könnten, ohne defensiv dem Gegner zu viele Räume zu gewähren.

Statistik auf dem Stand vom 02. April

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Leserkommentare
  1. Maldeika

    Ich finde die Statistik der Keypasses je 90 Minuten immer eher irritierend, da sie auch die Standards umfasst – und auch nicht wirklich darstellt, welche Schüsse dadurch verwirklicht werden. Es ist nämlich ein riesiger Unterschied in der Erfolgsquote für die Schüsse, ob es sich um Keypasses für Schüsse außerhalb des Strafraumes handelt (selbst bei den verwirklichten Weitschüssen sind ja dann auch noch die bei direkten Freistößen dabei) oder um Schüsse innerhalb.

    Nur mal als Beispiel – Toni Kroos hat genauso viele Assists wie Müller lt. Whoscored in dieser Saison. Müller erzielte diese im offenen Spiel – Toni Kroos hat einen Herrn Ramos im Strafraum und 5 seiner Assists waren Ecken, 2 Freistöße.

    Die Schlüsse, die hier im Bericht nach dieser Statistik gezogen werden, kann ich daher nicht nachvollziehen.

    Seit 2009 hatten europaweit in den 5 Topligen nur CR7 und Messi mehr Assists aus dem offenen Spiel heraus als Müller. Auf Zeit gesehen ist Müller hier auch besser als CR7 – auf Zeit gesehen ist der absolute Champion hierbei aber Ribery, der aufgrund der Verletzungen hier rausfällt.

    Um hier mal das oben genannte Schlagwort “Fußball ist keine Mathematik” zu nehmen…
    Doch, man kann gut Schlüsse aus Statistiken holen – man sollte es sich dabei nur nicht so einfach machen. Keypasses sind eben keine verwirklichten Assists. Und vielleicht auch beachtet, welche Funktionen einzelne Spieler in einem Spiel haben und wer mit wem besser kann…

    1. “Nur mal als Beispiel – Toni Kroos hat genauso viele Assists wie Müller lt. Whoscored in dieser Saison. Müller erzielte diese im offenen Spiel – Toni Kroos hat einen Herrn Ramos im Strafraum und 5 seiner Assists waren Ecken, 2 Freistöße.”

      Soweit ich weiß, zählen die Tore nach Standards nicht weniger als Tore aus dem freien Spiel. Auch und gerade die Standardtore von Herrn Ramos, brrr, immer wieder unschöne Erinnerungen.
      Umgekehrt ist nicht jeder Assist aus dem Spiel heraus ein Traumpass, manchmal ist es ein 3m-Querpass ;-)

  2. wipf1953

    Ich finde diese Statistik eher irreführend. Lewandowski hat danach prozentual gar nicht mal so viel mehr Torschüsse als Robben. Selbst wenn man Lewas Zahlen auf die Spielzeit von Robben runterrechnet, hat er aber tatsächlich prozentual fast immer noch doppelt so oft getroffen. Den Erfolg einer Aktion sollte man daher nicht ausblenden.

    Ähnlich ist es bei Müller und Sanches, die prozentual fast gleichviele Torschüsse abgegeben haben. Sanches hat aber noch kein Tor erzielt, und Müller immerhin ein paar, wobei hinzukommt, dass er viele unglückliche Aktionen gehabt hat in denen Bälle nicht reingingen. Wie viele torgefährliche, spektakuläre Szenen hatte Müller diese Saison und wie viele Sanches? (o.k., Müller hat die ca. dreifache Spielzeit ..).

    Trotzdem würde mich ein Vergleich der Zahlen aus dieser Saison mit der letzten interessieren.

  3. Maldeika

    Es hilft bei den Schüssen schon, wenn man Schüsse mit recht niedriger Erfolgsaussicht (also Schüsse von außerhalb des Strafraumes) abzieht und stattdessen eine Schußstatistik nur mit Schüssen von innerhalb des Strafraumes nimmt…

    Dann haben wir per 90 Minuten:
    Robert Lewandowski 3,8
    Arjen Robben 2,2
    Thomas Müller 2,0
    Mats Hummels 1,3
    Franck Ribéry 1,2
    Joshua Kimmich 1,2
    Kingsley Coman 1,0
    Arturo Vidal 0,9
    Douglas Costa 0,8
    Juan Bernat 0,7
    Thiago Alcántara 0,6

    Man muss dabei sehen, dass außer Xabi Alonso, der 2 Tore von außerhalb des Strafraumes geschossen hat (mit 18 Schüssen), Alaba (Freistoß), Vidal, Lewy (Freistoß), Robben, Costa und Rafinha je ein Tor von außerhalb geschossen haben. Da die Quote generell aus dem Spiel für diese Schüsse recht schlecht ist, sollte man sie daher vernachlässigen.

    Nimmt man dann wieder obige Schlußfolgerungen, ist Costa zwar schussfreudig – aber eher aus Positionen, in denen die Wahrscheinlichkeit zu treffen, doch recht niedrig ist. Von seinen 26 Schüssen von außerhalb des Strafraums hat er nämlich nur einen verwandelt, einen Freistoß gegen Darmstadt – von den 10 von innerhalb waren es 3. Aus dem Spiel heraus keinen. Auch Arjen hat z.B. von seinen 16 von außerhalb nur einmal getroffen, von 32 innerhalb waren es 7 Tore. M.E. – was ich aber den Daten von whoscored nicht entnehmen kann, weil man dort zwar Situationen unterscheiden kann und Positionen für Schüsse und Tore man aber eben nicht sehen kann, wie viele Schüsse für gewisse Situationen in Position x abgegeben wurden, müsste Robben sogar eine größere Erfolgsquote aus dem Spiel heraus im Strafraum haben als Lewy in dieser Saison.

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