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Rot-Weißes Round-Up: Lúcio

“Lúcio! Zurück, zurück, lass die Läufe!” – regelmäßig musste der langjährige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld die Offensivbemühungen seines brasilianischen Innenverteidigers mit solchen oder so ähnlichen Rufen unterbinden. Und doch gelang es ihm nie, Lúcios berühmt-berüchtigte Offensivsprints endgültig zu stoppen. Der Brasilianer ist als einer der speziellsten Verteidiger in die Bundesliga-Historie eingegangen – am heutigen Freitag wird er 37 Jahre alt.

Lucimar da Silva Ferreira, geboren in Brasilia, spielte in der Jugend für den Platalina EC sowie den Clube Regatas Guará, bevor er 1998 seinen ersten Profivertrag beim renommierten SC Internacional Porto Alegre unterschrieb. Nach zwei Saisons in Brasiliens erster Liga wagte er mit 21 den Sprung nach Europa zu Bayer 04 Leverkusen. Bereits in seinem ersten Jahr schlug er voll ein und gehörte auf Anhieb zur Stammelf. Beinahe gewann er mit den Leverkusenern alles – am Ende war er jedoch “nur” Teil des legendären Vizekusen-Teams. Doch immerhin erlebte er einen ersten Karriere-Höhepunkt, als er im Champions-League-Finale gegen Real Madrid zum zwischenzeitlichen 1:1 traf und einen weiteren, als er im Sommer mit der Nationalmannschaft den WM-Titel holte. Aber bereits im Jahr darauf erlebte Lúcio die Schattenseiten und konnte mit Bayer gerade so einen Abstieg verhindern. Nach einer stark verbesserten dritten Saison in Leverkusen wechselte er nach 92 Einsätzen zum FC Bayern München und folgte damit Michael Ballack und Ze Roberto, die bereits 2002 an die Isar gezogen waren.

Unter Trainer Felix Magath zählte Lúcio zum Stammpersonal und rochierte zusammen mit Robert Kovac, Valerian Ismael und Daniel van Buyten durch die Innenverteidigung. 2004 und 2005 holte er zudem seine beiden ersten Meisterschaften in Deutschland. Auch nach einer schwierigen Saison 2006 und dem Trainerwechsel zu Ottmar Hitzfeld veränderte sich an der Position des Brasilianers wenig. Er gehörte weiterhin zu den besten Innenverteidigern in der Liga und wusste darüber hinaus mit einem starken Schuss und einigen offensiven Akzenten für Gefahr zu sorgen – auch wenn diese, wie bereits eingangs erwähnt, manchmal etwas zu viel des Guten waren. Lúcio zählte in der ersten Saison mit Ribery 2006/07 zu den Hauptverantwortlichen für den damals neu errungenen Rekord der wenigsten Gegentore (21).

Erst 2009 wendete sich das Blatt. Der neue Trainer Louis van Gaal machte Lúcio von Anfang an klar, dass er nicht mehr mit ihm plane – man möchte sich im Nachhinein gar nicht vorstellen, wie schief dieses “Experiment” ohne Holger Badstuber hätte gehen können. Lúcio verließ den FC Bayern also nach fünf erfolgreichen Jahren in Richtung Inter Mailand. Und am Ende der Saison traf man sich wieder: Unter Trainer Jose Mourinho waren Lúcio und Walter Samuel zu dem damals wohl besten Innenverteidigerduo in Europa aufgestiegen. Sie bildeten das Rückgrat der Mannschaft, die in überragender Manier das Triple gewann. 2012 wechselte Lúcio zu Juventus Turin, blieb dort jedoch aufgrund geringer Einsatzzeiten nur für ein halbes Jahr und kehrte schließlich nach Brasilien zurück. Nach einer Saison beim FC Sao Paulo ist er seit 2014 für den Konkurrenten Palmeiras unterwegs – und auch mit 37 Jahren noch gut im Saft. Wir gratulieren herzlich zum Geburtstag!

Miasanrot.de stellt regelmäßig am Dienstag und Freitag in einem Round-Up lesenswerte Texte und Fundstücke rund um den FC Bayern zusammen. Gewidmet wird jedes Round-Up einem ehemaligen Bayern-Spieler, der am jeweiligen Tag (oder kurz zuvor/danach) Geburtstag hat.

Presseschau

Niederlage in Barcelona

Am Mittwochabend verlor der FC Bayern das Hinspiel im Champions League-Halbfinale gegen den FC Barcelona im Camp Nou am Ende deutlich mit 0:3. Steffen konzentrierte sich in unserer Analyse auf die fehlende Stabilität in den letzten 30 Minuten, den Mangel an Lösungen im Konterspiel oder beim »Ergebnisfußball«. Martin Schneider legte in seiner Betrachtung für die Süddeutsche Zeitung besonderen Wert auf die ersten 14 Minuten, in denen Guardiola mit einem »schiefen System mit Dreierkette« spielen ließ. Nach einer guten Viertelstunde stellte der FCB-Coach auf eine Viererkette um. Zonal Marking beschäftigte sich ebenfalls mit Dreierkette und Mannorientierung. Neben einigen Statistiken lobte Thomas Hummel (ebenfalls Süddeutsche Zeitung) in seinem Kommentar das Fußballspektakel und Guardiolas »bemerkenswerten Mut«. Matthias Sammer wollte der Mannschaft im Interview mit SPOX keinen Vorwurf machen und zeigte erneut die Schwierigkeiten der aktuellen Spielzeit auf.

Raphael Honigstein fand für ESPNFC deutlichere Worte und Kritik. Sein Text endet mit dem Hinweis, dass der künftig notwendige »Umbruch« im Spielerkader eventuell doch früher beginnen muss, als vielleicht im ursprünglichen Plan vorgesehen. Der Kicker hat die Interviews nach Abpfiff zusammengetragen.

Wie das Götze-Gerücht entstand

Wenn der Boulevard ein Gerücht aufgreift, sollte stets mit Vorsicht agiert werden. Der »BILDblog« zeigt einmal mehr, wie aus Gedankenspielen – eher »Kaffeesatzlesereien« – Schlagzeilen gedreht werden.

Saison-Aus für Ribéry?

Der Kicker berichtete, dass Franck Ribéry wohl das Aus für die laufende Endphase der Saison 2014/15 droht. Nur mit optimalem Handlungsverlauf könnte er Ende Mai eingreifen. Gegenüber dem Sportmagazin zeigte er sich sehr enttäuscht und erklärt, dass er noch immer Probleme mit dem Sprunggelenk hat. Nun muss der Fuß erneut ruhig gestellt werden.

Soccer Film Festival

»Landauer – Der Präsident«, der Film über den FCB-Ehrenpräsidenten Kurt Landauer, dessen Geschichte und Bedeutung für den Verein auf Initiative der Fans wieder ins Licht gebracht wurde, ist in der Auswahl des »kicking + screening« Fußball-Filmfestivals dabei. Wir berichteten Mehrfach über das Projekt und veröffentlichten zwei Rezensionen: Felix berichtete von der Weltpremiere und Jolle schrieb über die Vorführung des Club Nr. 12 im Sendlinger Tor Kino.

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Leserkommentare
  1. Georg

    Schönes Round Up und gut, an Lucios legendäre Läufe erinnert zu werden.
    Was mich aber beschäftigt: diese wie ich finde elendige Diskussion zum Umbruch des Kaders (Artikel von Hr Honigstein).
    Dass das System auch für diese Saison noch auf Robbery ausgelegt war, ist doch nachvollziehbar, oder? Robben war in TOPform auch bei der WM und bis zu seiner Verletzung. Bei Ribbery müsste man doch auch davon ausgehen, dass er wieder zu seiner Form findet. Also für mich nachvollziehbar, dass man sich zutraut mit den beiden nochmals großartige Triumpfe zu feiern.

    Jetzt aber zu dem Umbbruch: manchmal habe ich das Gefühl, es wird den Verantwortlichen vorgeworfen sie würden die Situation nicht erkennen und wir hätten einen überalterten Kader. Da muss ich immer spontan an Alaba, Thiago, Bernat, Götze denken. Das sieht für mich wie ein Versprechen für die Zukunft aus. Alle sind 90er Jahrgänge und mehr als gestandene Profis (auch wenn die Form bei einem nicht stimmt). Dazu kommen noch “ältere” Spieler wie Neuer, Boateng, Badstuber, Benatia, Martínez, Lewandowski, Müller. Denen könnte man ohne Verletzungen doch durchaus noch ein paar gute Jahre unterstellen.

    Und so fundamental gescheitert sind wir diese Saison nun auch nicht. Wer hat denn nach der WM mit so einer souveränen Meisterschaft gerechnet? Im Gegenteil: auch wenn wir das Wunder nicht schaffen, war das – unter diesen Umständen – eine grandiose Saison mit viel Herz, Kampf, aber auch Brillianz (Rom, Porto) und Dramatik (BVB). Meister und zwei Halbfinals: das sollte der Anspruch sein und nicht das Triple… Und dieser realistische und durchaus anspruchsvolle Anspruch wurde erfüllt.

  2. kurt

    Das Finale gegen Lucio war wirklich nicht schön fürs Gemüt. Der Post ist allerdings nicht ganz auf der Höhe der Zeit, denn er hat erst vor ein paar Tagen mit beidseitigem Einverständnis seinen Vertrag mit Palmeiras aufgelöst.

    Um mal das Götze-“Gerücht” und den Part zu Ribery aufzugreifen. Ich bin nicht sicher, ob wir überhaupt noch den klassischen Winger brauchen/wollen. Welche ja jetzt mit Griezmann, Sterling, Depay, Bale,…im Gespräch waren/sind.

    Es sei denn man sieht diese Position als Schienenspieler (kann die Bezeichnung ja gar nicht leiden).

    Für mich sollte die 3er-Kette wie sie gegen Roma gespielt wurde zum Gerüst werden. Dafür ist auch das vorhandenene Spielermaterial bereits da und es muss nur bedingt nachgebessert werden, wie es damals mit Martinez geschah.

    Die Frage ist ja, ob man sich wirklich so ohne weiteres von gestandenen Spielern wie Schweinsteiger und Lahm trennen wird, die sobald sie wirklich fit sind, ja auch immer noch absolute Topleistungen bringen. Wie löst man so ein Problem mit “Stammspielern” ?

    http://i.imgur.com/Gn9gRNf.png

    Fänd ich geil, aber dann sitzen immer ein paar aus Alonso, Schweini, Ribery, Rode, Kimmich + Verratti? auf der Tribüne.

    Vielleicht will Schweini ja nochmal nach England, aber da blutet einem schon das Fanherz. Also von mir aus sollten wir uns gerne um Verratti bemühen, aber ich tu mich echt schwer einen loszuwerden. (Vor allem das Wie ist hier wohl entscheidend)

    1. Jo

      Ja, es werden zwangsläufig einige harte Entscheidungen gefällt werden müssen, bzw. menschlich schwierige Situationen entstehen.
      Eine der ersten wird die Frage einer evtl. Vertragsverlängerung von Schweinsteiger sein. Vor einigen Monaten hätte ich das noch als Routine bezeichnet. Mittlerweile bin ich mir da gar nicht mehr so sicher.
      Schwierig wird die Situation dadurch, dass Schweinsteiger vermutlich wenige Alternativen haben wird. Jeder kennt sein Alter und seine Verletzungsgeschichte. Die Vereine die ihn unter diesen Bedingungen nehmen würden, entsprechen wohl kaum seinen sportlichen und finanziellen Ansprüchen.
      Die gesichtswahrendste Variante wäre wohl ein gemütliches Ausklingen in USA, oder irgendeiner Wüste.
      Ansonsten stellt sich die unangenehme Frage, ob ein Verein wie der FCB eine Klublegende wie Schweinsteiger im Regen stehen lassen kann.

  3. Johannes

    Ansonsten stellt sich die unangenehme Frage, ob ein Verein wie der FCB eine Klublegende wie Schweinsteiger im Regen stehen lassen kann.

    Klar können die das ist zwar hart aber seine Leistungen haben stark nachgelassen, die Spiele die er nach dem Triple mit Heynkes wie früher dominiert hat kann man an einer Hand abzählen.
    Es ist zwar Hart den Vize abzuservieren, aber sie werden nicht drum rum kommen.Wenn man die letzten beiden Saisons analysiert glaub ich nicht das er nochmal nen Vertrag bekommt für 10Mio muss absolut mehr bei rum kommen.Sie habens in der Vergangenheit ja auch gezeigt Lucio war damals Captain, van Bommel auch bei beiden hats mich tierisch aufgeregt im Endeffekt wars aber die richtige Entscheidung.Denke das es bei Schweini ähnlich laufen wird wie bei van Bommel, der wird in der Hinrunde oft auf der Bank sitzen,dann wird Löw rumheulen warum sein Kapitän nicht spielt und ihm einen Wechsel nahelegen.In Italien könnte er sicher noch was reissen und an Angeboten wirds da sicher nicht mangeln.

  4. Bayer

    Warum schreibt ihr alle Schweinsteiger ab? Kann ich einfach nicht nachvollziehen. Ihn in eine gemütliche Rente abräumen, was seid ihr für Fans?

  5. farbeegalhauptsacherot

    Morgen wird Heynckes 70, und ihr widmet euer Round-up Lucio – *kopfschüttel*.

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