Round-Up: Der Beste seit Gerd Müller?

Vor fast auf den Tag genau vier Jahren schrieb Steffen hier im Blog einen Artikel unter fast dem gleichen Titel über Mario Gomez – einen Spieler der trotz seiner überragenden Torquote nie die ihm eigentlich zustehende Anerkennung bekam.

Robert Lewandowski schießt ebenfalls viele Tore so wie am Wochenende gegen den Hamburger SV oder gestern mit zwei Toren und einer Vorlage im Pokal gegen Schalke 04. Doch der Pole scheint deutlich mehr Wertschätzung sowohl im Vereinsumfeld als auch in der öffentlichen Debatte zu genießen, wurde er doch nach dem Spiel gegen den HSV von Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge sogar mit Clublegende Gerd Müller verglichen. Der Pole wies diesen Vergleich im Interview sofort bescheiden zurück, wobei er auch ankündigte in München seine eigene Geschichte schreiben und „Neues zeigen“ zu wollen.

Seit jeher prägen den Bayern-Sturm die großen Namen: Gerd Müller in den 70ern, Roland Wohlfarth und Dieter Hoeneß in den 80ern, später Giovanne Elber, Roy Makaay, Luca Toni und eben Mario Gomez sowie Robert Lewandowski. Alle Spieler hier in einer Art Rangliste aufzuführen, ist nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Zeiten und Spielstile unfair gegenüber den einzelnen Leistungen.

Dennoch kann an dieser Stelle kurz auf die Zahlen geblickt werden. Zur Zeit von Steffens Blogeintrag war Gomez‘ Torquote in Bundesliga-Spielen für Bayern die zweitbeste in der Münchner Historie. Diesen Rang hat ihm mittlerweile Lewandowski abgelaufen. Der Pole hat eine Torquote von 0,78 Toren pro Spiel, die sich aus bisher 66 erzielten Treffern in gerade einmal 85 Ligaspielen im rot-weißen Dress zusammensetzt. Im aktuellen Kader ist er damit bereits auf Platz 4 der meisterzielten Liga-Tore hinter Franck Ribery (72), Arjen Robben (85) und Thomas Müller (92) aufgerückt, wobei alle mehr als doppelt so viele Spiele für die Münchner absolviert haben.

Selbst bei Betrachtung der besten Torquoten der Bundesliga-Historie liegt Lewandwoski mit seiner kombinierten Torquote aus seiner Zeit beim BVB und bei den Bayern in Höhe von 0,65 in bester Gesellschaft auf Platz 2 – natürlich hinter Gerd Müller (0,85), aber knapp vor Lothar Emmerich (0,63), Pierre-Emerick Aubameyang (0,63) und Horst Hrubesch (0,61).

Ebenfalls gab es nur vier Spieler in der Liga-Geschichte, die öfter als Lewandowski (36-mal) mindestens einen Doppelpack in der Liga erzielt haben – wieder ist Gerd Müller einer von ihnen.

Doch auch in anderen Wettbewerben trifft Lewandowski für die Bayern scheinbar, wie er will. Mit bereits 21 Toren in der Champions-League liegt er hier im vereinsinternen Ranking auf Platz 6 hinter den beiden Müllers (Thomas: 39, Gerd: 35), Gomez (23), Robben und Elber (je 22). Auch hier hat er die wenigsten Spiele der genannten absolviert.

Es bleibt jedoch die Frage, weshalb Lewandowski nun eine andere Wertschätzung genießt als Mario Gomez, der in allen Werten nur knapp hinter oder sogar knapp vor ihm liegt. Hierzu gehen wir nochmal zurück zur Einleitung in Steffens Artikel, in der er ein typisches Gomez-Spiel beschreibt: fiel nicht groß auf, eigentlich Note ausreichend bis mangelhaft, aber das Siegtor geschossen.

Wenn unsere Enkel uns in 30 Jahren einmal fragen, was für ein Spieler Mario Gomez war, dann reicht vielleicht eine DVD vom 1:0-Sieg des FC Bayern gegen Hoffenheim am 3. März des Jahres 2013 als Antwort. Es war ein typisches Gomez-Spiel. Hätte er das Tor nicht gemacht, hätte er sich über eine Note 4,5 und den Kommentar „fiel nicht groß auf“ nicht beschweren dürfen. So war er mit seinem Stochertor der Matchwinner. Mal wieder.

Lewandowskis Auftreten auf dem Platz wird hier anders wahrgenommen. Der Pole kämpft immer, läuft den gegnerischen Torwart sogar noch in den Schlussminuten an. Außerdem ist er ein Virtuose am Ball und zwar nicht nur im Strafraum, wie zuletzt gegen Freiburg sichtbar, sondern auch davor in der Kombination mit seinen Mitspielern auf engstem Raum. Hier wirkte Mario Gomez häufig staksig. Daher überrascht es, dass bei einem Vergleich der jeweiligen besten Bundesligasaisons im Bayern-Dress laut whoscored.com (2010/11 Gomez und 2016/17 Lewandowski) beide auf den gleichen Wert bei Key Passes kommen (0,8).

Natürlich gibt es auch bei Lewandowski die Spiele, in denen er in der Luft hängt und er weniger Bälle sieht. Dennoch spielte „Lewy“ in den betrachteten Saisons im Schnitt zehn Pässe mehr pro Spiel – mit leicht höherer Erfolgsquote. Auch in Dribblings geht der Pole deutlich häufiger, als Gomez dies pflegte.

Eine zusätzliche Seite in seinem Repertoire hat Lewandowski erst Anfang Dezember entdeckt, als er innerhalb von vier Tagen zwei Freistoßtreffer aus nahezu gleicher Position – nämlich halblinks am Strafraum aus etwa 20 Metern – erzielte. Eine nicht zu unterschätzende Qualität, die in engen Spielen den entscheidenden Vorteil bringen kann.

Abschließend bleibt also festzuhalten, dass Lewandowski wohl auf dem Weg ist, der beste Bayern-Stürmer seit dem famosen Gerd Müller zu werden. Auf einer Stufe steht er allerdings noch nicht mit ihm, sondern eher mit Mario Gomez – so verrückt wie das auch klingt. Dennoch bringt Lewandowski eigene, vor allem spielerische Qualitäten mit, die ihn auch von den letzten Bayern-Stürmern unterscheiden und daher auch der Grund sein dürften, wieso die Bayern ihn im vergangenen Dezember bis 2021 langfristig an den Verein banden. Der Miasanrot Spieler des Jahres 2016 wird also wohl auch weiterhin seine eigene Geschichte bei Bayern schreiben dürfen.

Anmerkung: Eine frühere Version des Artikels behauptete irrtümlicherweise, dass Lewandowski als erster Stürmer seit Elber seinen Vertrag verlängerte. Jedoch hatte auch Gomez im April 2012 seinen Vertrag bis ins Jahr 2016 verlängert.

Kommen wir zu den Links für diese Woche:

Badstubers Comeback-Plan geht auf | Philipp Selldorf | SZ

Hoffenheims Sebastian Rudy: “Ich will meine Grenzen ausloten” | Bundesliga.de

David Alaba & Franck Ribéry: 9,8 von 10 möglichen Swag-Punkten | Elferbolzen

SPORT1 zeigt “Golden Girls” live | Sport1

Gedränge in der Offensive – was, wenn morgen Champions-League-Finale wäre? | Johannes Mittermeier | Eurosport

2:1! FCB-Frauen drehen Spiel gegen Jena | fcbayern.com

„Bayern-Dusel“: HSV wollte nicht | TR | Spielverlagerung.de

FC Bayern verpflichtet Luxemburger | Luxemburger Wort

Das Geschäft mit den Fußballtalenten | Thomas Hummel | SZ

Statistik Suche, die Lahm Nachfolge | Tobias Hahn | thefalsefullback.com

Lell über van Gaal: Fachlich gut! „Aber mit dem Menschen bin ich nicht warm geworden…“ | Christopher Michel | fussball.news

Die aktuellen Miasanrot Artikel:

FC Bayern München – Schalke 04 3:0 (3:0) | Christopher

Bayern ist Meister der englischen Wochen | Maurice

Leser-Roundtable: Wo steht der FC Bayern?

FC Bayern München – Hamburger SV 8:0 (3:0) | Steffen

Wir überlegen oft, wie wir unser Round-Up mit lesenswerten Texten am besten präsentieren. Auch, weil uns die ehemaligen Spieler für Erinnerungen ausgehen und alles eine Zeitfrage ist. Gern würden wir euch im Round-Up eine Diskussionsfläche für einen allgemeinen Austausch rund um den FC Bayern bieten. Worauf habt ihr Lust? Hinterlasst uns ein Kommentar!

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Leserkommentare
  1. Mehmet68

    Guter Artikel! Mich wundert es nur immer wieder, warum in solchen Vergleichen der Name Rummenigge nie auftaucht – weil kein Neuner?

  2. pitvonbonn

    Endlich – mit der Passsicherheit, den Dreiecken und dem Gegenpressing von Pep und der Spielfreude von Ancelotti – welch eine explosive, erfolgreiche Mischung.

  3. chicago_bastard

    “Auf einer Stufe steht er allerdings noch nicht mit ihm, sondern eher mit Mario Gomez – so verrückt wie das auch klingt.”

    Da steht so viel Richtiges im Artikel und doch ist der Schluss dann dermaßen falsch. ;-) Lewys Auftreten auf dem Platz wird deshalb anders wahrgenommen, weil es anders ist. Er ist auch am Spiel beteiligt und wartet nicht nur darauf von seinen Nebenleuten eingesetzt zu werden. Gomez wurde in den zwei erfolgreichsten Saisons seiner Bayernzeit von Olic bzw. Mandzukic auf die Bank verdrängt, das ist kein Zufall. Lewy steht schon jetzt einige Stufen über Gomez und wird das noch ausbauen.

  4. pitvonbonn

    Wie wäre es mit Bildern, Baufortschritt und Visionen (Leitung, Trainer, Scouting und Spieler) rund um das neue Jugendleistungszentrum?

  5. Tom

    Gerd Müller war sicher ein unvergleichlicher Spieler, ein Jahrhundertfussballer. Wir dürfen aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und das ist ein Vergleich zwischen Lewandowski und Müller. Die Epochen sind Jahrzehnte auseinander und die Art und Weise des Spiels von damals zu heute ist in Puncto Taktik, Athletik und Schnelligkeit nicht mehr vergleichbar. Lewandowski dürfte in diesen Bereichen deutliche Vorteile gegenüber Müller haben, wenn man solche Vergleiche ziehen will. Dafür dürfte der Instinkt und die situative Handlungsschnelligkeit eines Gerd Müller unerreichbar bleiben. Bleibt als Vergleichskategorie noch der ” Wert für den Verein” und da hat Müller noch immer die Nase vorn. Aber Lewa hat ja noch ein bisschen Zeit um an dieser Kategorie zu arbeiten…..

  6. Axel

    And now for something completely different: Ich habe bisher vergeblich versucht, ein Ticket für das Spiel am Samstag in Köln zu bekommen. Hier nach so etwas zu fragen, ist nicht vorgesehen. Andererseits wäre es aber eine nette Gelegenheit, andere MSR-Enthusiasten mal bei einem Spiel persönlich kennenzulernen. Das ist ohnehin etwas, was ich öfter schon gedacht habe: Da schreibt jemand wiederholt interessante Kommentare, dass ich gerne mal gemeinsam ein Spiel schauen würde. Also rege ich jetzt an,. bei der nächsten Reform des Blogs so eine Nebenplattform zum individuellen Austausch einzurichten. Es würde ja schon reichen, wenn Zugriff auf individuelle Email-Adressen gegeben wäre. Und damit zurück ins Funkhaus.

    1. Ryuss

      So einen ähnlichen Gedanken hatte ich vor kurzem auch! Auch wenn ich noch zu den stilleren Mitleser gehören, sind das gute Vorschläge, wie ich finde. Würde die Aktivität und vor allem Atraktivität von MSR nur steigern. Frage ist natürlich die Machbarkeit bzw. der Aufwand. :)

      1. Und die noch größere Frage ist der Datenschutz. Seid ihr im FCBayern Zweitmarkt, Online Ticketing oder ggf. C12-Forum nicht fündig geworden?

      2. Ohne81

        @Jan:
        Es fehlt einfach ein kleines aber feines Mia-San-Rot-Forum
        ;-)

      3. Das hatten wir sogar schon einmal, haben es nach einigen Monaten wieder geschlossen, weil Gespräche weiterhin in den Kommentaren liefen :)

  7. Zero

    http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/gute-nachricht-fuer-den-fc-bayern-mario-gomez-verlaengert-vertrag-bis-2016_aid_732694.html

    Ich habe diesen Hinweis soweit ich mich erinnere schoneinmal woanders geschrieben, aber es stimmt nicht, dass seit Elber nur mit Pizarro verlängert wurde. Auch mit Gomez. Sicher, er verließ den Verein ein Jahr nach der Verlängerung, aber es gab sie trotzdem.

    1. Maurice

      Vielen Dank für deinen Hinweis.
      Wurde im Artikel richtiggestellt.

  8. Osrig

    Gomez ist zweifelsohne ein sehr guter Stürmer, der jeder Mannschaft gut zu Gesicht steht. Ich hätte ihn gern anstatt bei Wolfsburg wieder im Dress des FC Bayern gesehen, als Backup für Lewy, der da ist, wenn unsere Nr. 9 mal eine Pause braucht.
    Beide zu vergleichen, ist schwierig, da Mario für mich eher ein Strafraumstürmer ist, einer, der im Fünfmeter-Raum gerade da steht, wo der Ball hinkommt, der über eine gute Kopfball-Technik verfügt und auch mal einen Ball behaupten kann. Einer, der gegen den Ball eine gewaltige Wuchte entfalten kann. So jemanden kann man immer ganz vorn gebrauchen.

    Lewy hat sich meines Erachtens weiter entwickelt, kann auch von außerhalb des Strafraums für Torgefahr sorgen, und seine Fähigkeit, den Ball zu behaupten, ihn selbst unter stärkster Bedrängnis Richtung Tor weiter zu verarbeiten, ist unerreicht.
    Somit ist Lewy als Mannschaftsspieler noch wichtiger als Gomez, der zusätzlich noch ein Image-Problem hat oder zumindest hatte, nämlich das des eitlen “Gockels”, der mehr am Halt seiner Frisur interessiert sei, als am nächsten Zweikampf. Was natürlich bar jeglicher Realität sein dürfte, durch unsägliche Witze mancher Fussball-“Experten” im TV leider noch verstärkt wurde.
    Übrigens noch ein ganz anderer Gedanke: Der auch im Text erwähnte Pizarro wurde von Jupp und wohl auch von Pep als bisher komplettester (?) Stürmer bezeichnet. Auch wenn solche Quervergleiche ebenfalls schwierig sind, meine ich, dass unsere aktuelle Nr. 9 da durchaus mithalten kann. Gomez hingegen fällt da m.E. etwas ab.
    Nichts desto weniger: Schade, dass Mario nicht mehr dabei ist.

    1. Greenkeeper73

      Tja, jetzt wo Schweinsteiger nicht mehr da ist, könnte der Mario ja wieder zurückkommen ;-)

      1. Mehmet68

        @ Greenkeeper73: Dann muss nur Hummel seine hübsche Cathy verstecken. :-)

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