Round-Up: Wie verändert sich der Bayern-Kader?

Das Sommertransferfenster wurde geschlossen. Mit Neymars Wechsel vom FC Barcelona zu Bayerns Champions-League-Gruppengegner für 222 Millionen Euro wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Auch der FC Bayern übertraf seine bisherige Rekordablöse, um Corentin Tolisso aus Lyon zu holen. Im heutigen Round-Up werfen wir einen Blick auf die Personalpolitik der Münchner, auf die Abgänge die schmerzten und die Neuzugänge die einschlugen.

Dabei soll die Frage geklärt werden, inwiefern sich der Bayern-Kader über die Jahre verändert hat. Haben es die Münchner in den vergangenen Transferphasen geschafft ihre erste Elf zu verstärken oder war der Sprung für die Neuzugänge doch zu groß? Zusätzlich soll überprüft werden, ob der FC Bayern tatsächlich nur Spieler abgibt, die er auch abgeben möchte.

Nur Lúcio ging, aber viele kamen

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurde die Spielzeit der einzelnen Spieler pro Bundesligasaison betrachtet. Die Spieler sind nach Einsatzzeit sortiert, mit einer kleinen weißen Lücke zur Visualisierung der elf Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Hierbei kann von einem Stammteam gesprochen werden, wobei ein lange verletzter Spieler (Bsp.: Robben 2015/16) natürlich dennoch zur eigentlich ersten Elf für wichtige Spiele gehören könnte.

In hellrot sind Spieler dargestellt, die in der betrachteten Saison neu im Kader waren. Alle in dunkelgrau dargestellten Spieler spielten ihre letzte Saison in München und verließen die Roten am Ende der Saison. Die wenigen hellgrauen Felder markieren Spieler, die in diesem Jahr sowohl ihre erste als auch ihre letzte Saison in den rot-weißen Trikots absolvierten.

Spielzeit einzelner Spieler seit 2006. Neuzugänge und Abgänge am Saisonende sind dabei farblich hervorgehoben.
(Grafik: Lukas)

Eine interaktive Version inklusive der Möglichkeit jeden einzelnen Spieler anzuklicken findet ihr über folgenden Link.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass nur einmal ein Spieler aus der Top-3 der Spielminuten den Verein am Ende der Saison verließ. Lucio spielte 2008/09 mit 2.833 Minuten sogar die meisten aller Spieler im Kader, doch zur neuen Saison überwarf sich der Brasilianer mit dem neuen Chefcoach Louis van Gaal und “flüchtete” zu Inter Mailand.

Dem entgegen verpflichtete Bayern insgesamt sieben Spieler, die direkt in ihrer ersten Saison unter den Top-3 der Spielminuten landeten: Daniel van Buyten, Zé Roberto, Luca Toni, Manuel Neuer, Dante, Robert Lewandowski und etwas überraschend Juan Bernat. Der italienische Weltmeister Toni und der spätere deutsche Weltmeister Neuer schafften es dabei sogar die Mannschaft in Minuten anzuführen.

Jahre ohne Abgang als Kern des Triple

Über den betrachteten Zeitraum von elf Saisons verließen elf Spieler die Münchner, nachdem sie zuvor zu den elf meist eingesetzten Spielern gehörten. Mit Lahm, Alonso und Kahn verließen drei Spieler die Bayern in Richtung Karriereende. Lúcio, Pizarro, Kroos, Mandzukic und Salihamidzic wechselten direkt zu einem europäischen Topclub, während es Podolski, Zé Roberto und Makaay in die Nähe der Heimat zog.

Dies zeigt, dass der FC Bayern nicht Spieler verkaufen muss, im Gegensatz zu Vereinen auf die später noch eingegangen wird. Vielmehr ließ man alle Spieler mehr oder weniger bereitwillig ziehen. Auch bei den beiden Leistungsträgern Kroos und Lúcio entschied das Management aktiv einem Verkauf zuzustimmen.

Gleichermaßen zeigt sich allerdings auch, dass vor dem Triple-Jahr 2013 für vier Jahre kein Spieler aus der ersten Elf mehr abgegeben wurde. Dieser Mannschaftskern war vielmehr der Grundbaustein für den viel umjubelten Sieg in Wembley.

Die zwei Pärchen Pärchen Kroos/Mandzukic und Alonso/Lahm stechen besonders ins Auge. Einerseits, weil sich deren Zahlen in ihrer letzen Bayern-Saison sehr ähneln, aber deren Geschichten des Abgangs so unterschiedlich sind und andererseits, weil es die einzigen vier Spieler aus der ersten Elf sind, die seit 2009 verkauft wurden – im Gegensatz zu 18 Neuzugängen für die erste Elf im gleichen Zeitraum.

Für die erste Elf geholt

Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg verpflichtete der FC Bayern insgesamt 24 Spieler, die in ihrer ersten Saison bereits eine tragende Rolle einnahmen und bei den Einsatzzeiten unter den Top-11 lagen. In sechs von elf Saisons wurden sogar mindestens drei Neuzugänge in die erste Elf integriert.

Ein Beispiel für gelungene Einbindung von Neuverpflichtungen: Arjen Robben und Mario Gomez.
(Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images)

Neben dem großen Umbruchjahr 2007/08, als unter anderem Ribéry und Toni kamen, sind vor allem noch die Saisons 2011/12 als Jahr vor dem Triple-Triumph und 2014/15 als zweites Guardiola-Jahr hervorzuheben. Alle drei Saisons weisen große Spielzeit für Neuzugänge auf.

Auch hier kann der Schluss gezogen werden, dass es Bayern immer wieder schafft Spieler zu identifizieren, die den hochklassigen Kader sinnvoll ergänzen und auch verstärken können.

Verfälscht wird die Statistik natürlich leicht durch Verletzungen. So kam das Flügel-Duo Kingsley Coman und Douglas Costa in der Saison 2015/16 natürlich nur zu so vielen Minuten, da beide Konkurrenten Ribéry und Robben über weite Teile des Jahres verletzt ausfielen.

Interessanterweise ist 2011/12 das einzige Jahr in dem sowohl Robben als auch Ribéry beide in der Top-11 nach Spielzeit standen. Im Jahr Eins nach dem Triple sind sogar beide außerhalb der Top-11.

Blick auf die nationale Konkurrenz

Zum Vergleich soll an dieser Stelle noch auf die nationale Konkurrenz der letzten Jahre eingegangen werden. Auf der Übersichtseite sind deren Kader ebenfalls interaktiv dargestellt.

Der Dauerrivale Borussia Dortmund zeigt hier bereits ein anderes Bild als die Münchner. Zwar musste man auch nur 15 Spieler verkaufen, die im Vorjahr eine der elf meisten Einsatzzeiten hatten, allerdings war 2006/07 das letzte Jahr in dem man keinen Spieler der Stammelf abgab.

Zudem verlor man in den meisten dieser Jahre wichtige Leistungsträger und meist gegen den Willen des Vereins. Am schlimmsten traf die Schwarz-Gelben sicher die Transferperiode im Sommer 2016, als trotz mehrmaliger vorheriger Verneinung von “Aki” Watzke mit Hummels, Michitarijan und Gündogan gleich drei Pfeiler der Mannschaft den Verein verließen. Bereits zuvor hatten Götze, Sahin, Kagawa und Lewandowski den Verein zu internationalen Top-Teams verlassen.

Gündogan, Hummels und Kagawa: Alle drei Leistungsträger musste der BVB früher oder später abgeben.
(Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Wer viele Spieler aus der ersten Elf abgibt, muss auch viele Spieler nachholen. Insgesamt 26 Neuverpflichtungen schafften beim BVB auf Anhieb den Sprung in die Stammelf. Auch im Ruhrgebiet stellte 2007/08 das Jahr des großen Umbruchs dar und sechs Transfers rückten unter die Top-11.

Interessant ist auch die deutlich kürzere Halbwertszeit einzelner Spieler. Gündogan und Lewandowski verließen den Verein nach vier Saisons. Dembélé und Petric gar nach einer Saison. Ein solcher Fall unterstreicht, dass Dortmund teilweise gezwungen war diese Spieler zu verkaufen.

Noch deutlicher wird dies beim Blick auf den Rivalen aus dem Pott – den FC Schalke 04. Die Knappen mussten 20 Spieler, die zuvor in der Stammelf standen, ziehen lassen. Gleichzeitig holte man auch 25 neue Spieler, die direkt den Sprung in die erste Elf schafften. Besonders hart traf es die Knappen 2011 und 2012 als mit Neuer und Raúl zwei absolute Führungsspieler und Topstars den Verein verließen.

Auch der VfL Wolfsburg musste sich von 20 Spielern trennen, die vorher einen elementaren Part im Team einnahmen. Dafür konnten auch unglaubliche 33 Neuzugänge direkt den Sprung in die erste Mannschaft packen. Interessant ist hier vor allem die Saison 2007/08 in der Wolfsburg fast nur auf Neuzugänge setzte, aus der Top-11 spielten alleine Madlung und Marcelinho bereits vorher im Verein. Dieser Kern an Neuen bildete den Großteil der Meistermannschaft aus der Folgesaison. Hier hat schnelle Integration also funktioniert.

Kommen wir zu den Links für diese Woche

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Leserkommentare
  1. pitvonbonn

    Also doch – auch statistisch – der erfolgreiche Verein in der Verpflichtung neuer Spieler und der Bindung wertvoller Spieler an den Verein, entgegen so mancher Foren Meinung. Die Bayern Familie lebt weiter als großherziger Familienverbund.

  2. wipf1953

    Dass Bayern entgegen der häufig anzutreffenden Boulevardmeinung weder “dauernd Fehleinkäufe” tätigt, noch “nur Spieler kauft um den Gegner zu schwächen”, sollte in den letzten Jahren klar geworden sein. Die wahre Leistung der letzten 10 Jahre war es allerdings, die guten Spieler (fast) alle zu halten. Persönlich bedauere ich nur die Abgänge von Toni Kroos und Mario Mandzukic [ Achtung, das war jetzt Wasser auf die Mühlen der Pep-Basher-Fraktion ].

    Ich bin mal gespannt, wie die obige Statistik in zwei Jahren aussieht. Wird dann eventuell auch Bayern öfter mal Leistungsträger abgeben? Weil man bei unverschämten Ablöseangeboten schwach wird, oder weil man schlicht Geld braucht, um dem auf das Ablösengewitter folgenden Gehaltsgewitter standzuhalten? Und wird man sich noch so wie in den letzten Jahren beim BVB bedienen können, oder werden die Dortmunder gehaltsmäßig gleichziehen? Ich sehe ehrlich gesagt die “späten 1990er / frühen Nullerjahre” wiederkommen, mit einem BVB auf (finanzieller) Augenhöhe (was für die Liga nicht das Schlechteste sein muss).

    1. Jo

      Der BVB auf finanzieller Augenhöhe? Wie kommst du zu dieser Einschätzung?
      Ich kann in den letzten Jahren nichts erkennen was in diese Richtung weist.

    2. Moosburger

      Wir machen nicht dauernd Fehleinkäufe. Aber die, die wir machen werden immer teurer. Götze, Benatia, Sanches. Davon geht zwar momentan die Welt nicht unter aber auf Dauer kostet uns das durchaus Substanz die wir für echte Qualität brauchen.

  3. Max

    Ein Fakt ist noch wichtig: Sammer hat, obwohl er 4 Jahre Sportvorstand war, keinen einzigen guten Transfer gelandet. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern, Nerlinger (er hat noch seinen Anteil an Martinez und hat sogar den ersten Kontakt mit Pep noch gehalten – auch, wenn das so in der Öffentlichkeit gar nicht rüberkam) und natürlich Hoeneß. Sammer hat Spieler wie Rode, Kurt oder Kirchoff geholt. Waren zwar wirklich nett gemeinte Transfers (junge talentierte deutsche Spieler), aber einfach nicht die richtigen für einen Verein wie den FC Bayern. Da reicht es nicht, einfach nur junge deutsche Spieler, die Leistungsträger in ihrer bisherigen Mannschaft sind, zu holen. Die heutigen Arbeitsplätze der genannten Beispiele sind ka bekanntermaßen nicht mehr in München. Beim FCB braucht man ein Auge für die Spieler mit dem Gewissen Etwas und mehr Verständnis für Qualität. Talentförderungsmotive, die so einfach dort einfach nicht funktionieren, wie beim DFB als Sportdirektor machbar, reichen nicht aus. Und nur mahnen und reden…ist zwar oft gut für die Außwirkung. Aber mehr nun mal nicht.

    Die in seiner Zeit getätigten guten Transfers (Coman, Thiago, Kimmich…) kamen alle bin Pep selbst oder von diesem genialen Mann, Michael Reschke.

    Ich bin großer Bayern-Fan. Gebürtiger Münchner und von klein auf dabei. Aber Klopp hatte damals mit seiner Aussage Recht: “Bayern hätte ohne Matthias Sammer keinen Titel weniger”

  4. wipf1953

    100 bis 150 Mio. für Dembele z.B.

    Im übrigen arbeitet der BVB daran, Unternehmen als Ankeraktionäre / Investoren zu gewinnen, ebenso wie es Bayern mit Adidas, der Telekom und Audi gemacht hat.

    1. Ohne81

      “100 bis 150 Mio. für Dembele”
      Das Geld hat der BVB aber nicht komplett zur freien Verfügung!
      -Ich glaube 20 % gehen an Rennes (ob die Bonuszahlungen davon betroffen sind, weiß ich nicht)

      Und Hoeneß selbst hat dazu mal folgendes gesagt:
      „Selbst wenn nun ein Ersatz für 50 Millionen gekauft würde, könnten davon im Falle eines Fünfjahresvertrags nur 10 Millionen Euro im gleichen Geschäftsjahr abgeschrieben werden. Das heißt: Ich zahle aus 70 Millionen Euro rund 35 Millionen Euro an Steuern. So sieht die Wahrheit aus. Das Verkaufen ist gar nicht so schön, wie es sich anhört.“

      Also bleibt nicht ganz so viel davon übrig um uns richtig anzugreifen ;-)

      1. wipf1953

        Die steuerlichen Kenntnisse unseres Präsidenten in Ehren, aber das ist Stammtischniveau. Erstens beträgt die Körperschaftsteuer seit einigen Jahren nur noch 15%, die Gewerbesteuer in Dortmund dürfte nicht höher sein. Versteuert wird (nur) der Gewinn. D.h. wenn Dortmund noch in diesem Jahr ein paar Verträge verlängert bzw. Transfers macht, mindern z.B. alle noch dieses Jahr geschuldeten Handgelder etc. den Gewinn. Verluste in kommenden Jahren (etwa aus Transfers) können rückgetragen werden .. da gibt es einiges wie Dortmund die Steuerbelastung senken kann.

        Ganz generell wird beim BVB z.Zt. topp gearbeitet. Die Transfers sitzen, bei den Trainern haben sie z.Zt. zwar wenig Kontinuität, aber interessante Leute. Im November 2014 war der BVB mal Tabellenletzter. Aktuell gehe ich davon aus, dass sie in den nächsten ein, zwei Jahren einen gewaltigen Sprung machen.

      2. Mehmet68

        Es gibt mehr als genug Möglichkeiten, um in Bilanz und GuV die Gewinne vor Jahresablauf mit Verlusten (Abschreibungen) oder Investitionen zu saldieren. Keine Sorge, kein Fußballverein zahlt 50% Steuern auf die tatsächlichen(!) Einnahmen.

        Der BVB wird zum End des Geschäftsjahres hin mit einer roten oder schwarzen Null dastehen.

    2. chicago_bastard

      Der BVB arbeitet nicht daran Unternehmen als Investoren zu gewinnen, er hat schon vor Jahren Anteile an Puma und Evonik verscherbelt. Näher rangekommen ist er damit auch nicht, weil der FC Bayern weiterhin 3 mal so hoch bewertet wird wie der BVB. Und einmalige Einnahmen durch Ablösesummen sind ganz bestimmt nicht dazu geeignet finanziell zu den großen Fischen aufzuschließen, aber das habe ich ja schon mal versucht zu erklären…

      Und wenn du ernsthaft meinst, dass bei denen die Transfers sitzen… Rode, Schürrle, Götze, Mor, Merino, ist ja ne fantastische Quote an Transfertreffern… Möchte nicht wissen was hier los wäre, wenn die Bayern mal in einer Transferperiode 5 Flops ziehen und einen Treffer, den sie aber nach einem Jahr gleich wieder abgeben.

      Aber ich will deine Bewunderung der achso tollen Arbeit in Nord-Lüdenscheid nicht schmälern. Beeindruckend, wie sie es als finanziell klare Nummer 2 der Liga in den letzten 3 Jahren 2 mal nicht geschafft haben, unter die ersten 2 zu kommen. Das wäre vergleichbar, als wären die Bayern in den letzten Jahren 1 mal Meister und 2 mal Vize geworden. Der BVB schafft es nur hervorragend, sein eigenes Under-Achieving ständig als Erfolg zu verkaufen und selbst einige Bayernfans fallen darauf herein.

      1. wipf1953

        Götze war ein grottenschlechter Einkauf, das stimmt. Damit meine ich allerdings den von 2013 ..

        Ich werde jetzt nicht als Bayernfan anfangen, unsere Transfers niederzuschreiben. Aber wie beim BVB auch (Mor – mit Gewinn verkauft, Merino – für ein Butterbrot) sind bei uns Spieler gekommen und gegangen (Benatia, Rode, Costa ..). Der einzige BVB-Transfer, den ich für wirklich misslungen halte ist der von Schürrle – erstens viel zu teuer und zweitens haben sie auf Linksaußen an sich Reus. Auf der Habenseite stehen beim BVB Verpflichtungen wie die von Aubameyang (und zuvor Lewandowski, auch für ein Butterbrot gekommen). Dem BVB gelingt hier, was der FC Bayern eine Hausnummer größer gerade versucht.

        Um das Sportliche abzurunden: So leid es mir tut, aber in den letzten drei Aufeinandertreffen im DFB-Pokal hat Bayern einmal das Elfmeterschießen gewonnen und zwei mal in für Bayernfans sehr frustrierender Weise zu Hause das Nachsehen gehabt. Das hat schon auch eine gewisse Aussagekraft.

      2. chicago_bastard

        Ach, jetzt wird es interessant. Welche Aussagekraft soll es denn haben, dass der BVB zwei Spiele, in denen das Chancenverhältnis laut Kicker aus ihrer Sicht 5:14 und 3:8 betrug, gewonnen hat? Dass sie besser darin sind, unverdient als deutlich schlechtere Mannschaft weiterzukommen, sprich: mehr Dusel haben?

        Für mich hat eine Saison über 34 Spieltage da ja mehr Aussagekraft und da sprechen die zumeist zweistelligen Punkteabstände der letzten fünf Saisons eine mehr als deutliche Sprache. Aber deine merkwürdige Wertung der Transfers (Götze für uns ein Flop, für den BVB hat er für dich letzte Saison aber anscheinend die Sterne vom Himmel gespielt; der mickrige 3 Mio-Gewinn durch den Mor-Verkauf wird groß erwähnt, unser 14 Mio-Gewinn mit dem Rode-Verkauf nicht) lässt ohenhin vermuten, dass du beim Thema BVB irgendwie verblendet bist. Wie gesagt, darin sich selbst zu verkaufen ist Watzke spitze, du bist da nicht der einzige Beweis.

      3. wipf1953

        Chicago, wenn Du persönlich wirst macht es für mich keinen Sinn, weiterzudiskutieren.

      4. chicago_bastard

        Weiß jetzt nicht welche Stelle man so auffassen kann, maximal den vorletzten Satz, war aber nicht so gemeint. Und sorry, wer auf einer Bayern-Seite derart rosarot über den BVB schreibt muss mit dem Echo leben können. Wenn du auf Zustimmung zu deinen Lobgesängen auf den BVB aus bist, kann ich dir da eher eine Seite namens schwatzgelb.de empfehlen.

    3. Jo

      Der BVB hat transferbereinigt vielleicht die Hälfte unseres Umsatzes und unseres Personaletats. Das hat sich überschlägig auch in den letzten Jahren nicht groß geändert.
      In diesem Jahr werden sie einen beachtlichen Transferüberschuss haben und zum nächsten Geschäftsjahr vermutlich stolz einen Rekordgewinn verkünden. Die Rechnung die Hoeneß da aufgemacht ist, gelinde gesagt, seltsam. Aber im Grundsatz weist er darauf hin, dass man bei diesem (allen) Transfer fragen muss was denn effektiv über bleibt.
      Das erfährt man im Normalfall sehr selten, hier liegen einige Dinge etwas klarer auf dem Tisch. Neben der schon öfter angesprochenen Beteiligung von Rennes (20 Mio) sollen auch Dembele und Berater gute 10 Mio davon eingesteckt haben. Wenn ich dann noch seinen designierten Nachfolger, der ja nur deshalb verpflichtet wurde, mit 25 Mio mit einberechne (wenn das auch schon etwas in Richtung Milchmädchenrechnung geht), sieht man wie schnell solche Summen schmelzen können.
      Vielleicht hat der BVB in diesem Jahr per Saldo einen Transferüberschuss von vielleicht 50 bis 60 Mio. Gutes Geld, aber nichts was mich ins Grübeln bringen würde.
      Und da halte ich tatsächlich zu viel von Watzke, als das ich ihm zutrauen würde laufende Kosten wie Gehaltszahlungen über ungewisse Einmalerträge abzudecken.
      Ein gut Teil des Geldes wird wahrscheinlich sowieso in die Taschen von Reus (mutmaßliche Vertragsverlängerung) oder Auba (evtl. selbiges) fließen.
      Darüber hinaus gibt der Dembele-Deal Watzke wahrscheinlich noch die Sicherheit in den nächsten beiden Jahren den selben Aufwand betreiben zu können und vsl. trotzdem schwarze Zahlen vorweisen zu können.
      Nicht umsonst hat der BVB ja den Eindruck vermittelt mit Auba oder Dembele eigentlich sehr gerne einen guten Schnitt machen zu wollen (vielleicht sogar zu sollen). Das wurde interessanterweise nie auch nur im Ansatz infrage gestellt. Es sollte eben nur zu ihren Bedingungen passieren.
      Es hat schon seinen Grund warum ein so überschaubarer Transfer wie Toljan von einem Dembele-Verkauf abhängig gemacht wurde.
      Wie ich das sehe hat sich der BVB mit diesem Transfer für einige Zeit wieder Luft zum Durchatmen verschaftt. Das ist sicher schön für sie, aber nichts was die finanziellen Größenordnungen zwischen beiden Vereinen berührt.

      Sportlich kann das sicher anders aussehen. Da kann uns der BVB an jedem Tag und in jedem Jahr gefährlich werden. Aber das ist ja ein anderes Thema.

  5. Kurt

    Tolles Foto.

  6. Tschemp

    Auf jeden Fall eine beeindruckende Datensammlung, jedoch werden dadurch irgendwie Fragen beantwortet, die nie gestellt wurden? Die finanziellen Zwangslagen der Clubs sind bekannt, die Analyse bestätigt also Allgemeinwissen.

    Für die Zukunft lässt sich für uns auch wenig herausziehen. In jedem Transfersommer gibt es spezielle Faktoren, die in der Situationsanalyse berücksichtigt werden müssen. Dazu zählen vor allem das sportliche Abschneiden, sowie das Alter und die Vertragssituationen der Spieler. Je näher wir zB. dem Jahr kommen, in dem unser dominierender Alters-Block um Lewa, Boateng, Hummels, Neuer, Vidal, Müller, Martinez.. ersetzt werden muss, desto mehr Stammelfminuten müssen wir ersetzen. Sollte situativ (wie bald Goretzka, oder vielleicht danach Werner) ein Muss-Transfer anstehen, wird auch mal vorzeitig und abseits der Norm agiert werden. Ansonsten diktiert unser Kaderalter die notwendigen Transfers. Dann braucht man auch Glück, dass auf der Angebotsseits ein passender Neuzugang zu finden ist. In manchen Jahren gibt es tolle Spieler, für die wir keinen Platz haben, und im nächsten Jahr können wir Platz haben, aber keine tollen Spieler auf dem Markt sein.

    1. GP11

      Goretzka ist das hundertprozentige Gegenteil eines Pflichttransfers. Den können wir nicht einmal im Ansatz gebrauchen. Was soll der denn bei unserem System ausrichten? Diesen Spielertyp haben wir schon im Überschuss, obwohl nicht einen einzigen davon benötigen.
      Weil er ablösefrei und Deutscher ist, werden ihn Hoeneß und Rummenigge natürlich trotzdem verpflichten.

      1. chicago_bastard

        Ist was dran. Pflichttransfer wäre für mich Draxler gewesen, es gibt einfach keinen anderen deutschen Spieler mit dessen Qualitäten im 1 gegen 1 (außer vielleicht Sane, aber der dürfte nicht mehr zu kriegen sein). Und da ausländische Star-Spieler mit diesem begehrten Profil (dribbelstark, jung aber dennoch schon international erfahren) für die Bayern kaum zu kriegen sind, wäre Draxler als perspektivischer Robbery-Nachfolger logisch gewesen. Aber man will die verhätschelten Stars diese Saison ja keinem zu großen Konkurrenkampf aussetzen, daher hofft man, dass nächsten Sommer wenn bei Robbery endgültig Schluss ist schon irgendein guter Spieler zu haben sein wird. Wenn die Antwort dann aber Gnabry und Brandt lautet kann man sich wirklich von der europäischen Spitze verabschieden.

    2. Tschemp

      Warum es ein Pflichttransfer ist?

      Goretzka ist ablösefrei, jung, deutscher Nationalspieler. Und wir haben seinen Spielertypen eben nicht “im Überschuss”, ich rechne mit einem Vidal Verkauf und keiner Rückkehr von Sanches.

      1. GP11

        “ablösefrei, jung, deutscher Nationalspieler”
        Kein einziger dieser drei Punkte führt zu einem Pflichttransfer, das sind alles positive Nebenargumente.
        Es gibt ein unumstößliches Auschlusskriterium und das ist die Eignung für das Spielsystem. Goretzka erfüllt dieses nicht.
        Die nächsten beiden Punkte (allerdings schon mit gewissem Abstand) sind immer noch nicht die von dir genannten, sondern die Qualität und der Bedarf.
        Qualität ist bei Goretzka definitiv in Ordnung, aber jetzt auch nicht irgendetwas total Spektakuläres.
        Bedarf ist nicht vorhanden. Man braucht keinen einzigen Spieler dieses Spielertyps, hat aber selbst bei deiner Rechnung dann Tolisso und Goretzka sowie einen Kimmich, der das im Mittelfeld dann auch so spielen kann.

      2. wipf1953

        Natürlich ist es sinnvoll, auf junge Deutsche Nationalspieler zu setzen. Der FC Bayern ist eine Marke, die Marke bringt Sponsoren und die Sponsoren bringen das Geld, das die Tore schießt. Und eine Marke ist der FC Bayern auch deshalb, weil er außerhalb der 90 Minuten Spielzeit interessant ist. Weil die Spieler interessant sind.

        Ein Hummels gibt einfach bessere Interviews als ein Martinez (also jedenfalls Interviews auf Deutsch), was weder hochnäsig klingen soll noch deutschtümelnd. Aber wenn der FC Bayern so auflaufen würde wie der S04 vor ein paar Jahren, oder wie große Englische Clubs mit Ausländern bis knapp unter die Schmerzgrenze, würde mein Interesse erlahmen.

      3. Tschemp

        Welches Spielsystem spielen wir denn (unter welchem Trainer?) ab 2018, und warum passt ein Goretzka da nicht hinein? Wieso wird man die Tolisso-Fähigkeiten nicht doppelt im Kader abdecken?

      4. GP11

        “Natürlich ist es sinnvoll, auf junge Deutsche Nationalspieler zu setzen”
        Ich habe auch nie das Gegenteil behauptet. Es ist eben ein Bonus, wenn alles andere passt, aber kein Argument für einen Transfer für sich genommen. Ich würde beispielsweise selbst einen Max Meyer noch eher verpflichten als Goretzka, wenn wir schon bei den Argumenten “jung, ablösefrei, deutscher Nationalspieler” sind. Nicht, dass ich jetzt ein Fan davon wäre, aber wenn ich mich zwischen beiden entscheiden müsste, wäre es Meyer.

        “Welches Spielsystem spielen wir denn (unter welchem Trainer?) ab 2018, und warum passt ein Goretzka da nicht hinein?”
        Das ist leider aus zwei Gründen irrelevant. Erstens weil Hoeneß und Rummenigge sowieso nur primitive Dauerläufer im Mittelfeld sehen wollen und zwar unabhängig davon, was der Trainer will. Zweitens, weil unsere Gegner unabhängig vom Trainer uns den Ball überlassen werden und dann Hoeneß’ und Rummenigges Dynamiker-Truppe sich die Zähne ausbeißen wird. Die Gegner interessiert es nicht, ob wir jetzt offiziell auf weniger Ballbesitz spielen wollen, die werden trotzdem den Bus parken und wie unsere Leichathleten und Kampfsportler dann aussehen, kann man ja allwöchentlich bestaunen.

        “Wieso wird man die Tolisso-Fähigkeiten nicht doppelt im Kader abdecken?”
        Man w i r d diese Position natürlich nicht nur doppelt, sondern mindestens dreifach, eher vierfach abdecken, dafür werden Hoeneß und Rummenigge schon sorgen. Nur s o l l t e man das nicht tun, weil Spieler, die nur dafür gut sind, in Umschaltsitutation bei extrem viel Platz möglichst viel Raum zu überbrücken, bei unseren Ballbesitzwerten nicht benötigt werden.

      5. Tschemp

        Im Grunde bin ich da bei dir, wohl jeder wünscht sich ein modernes Mittelfeld komplett ohne den Typen “Ballack”(ich hätte Leipzig mit Geld zugeschüttet, um Keita zu bekommen).

        Es schadet doch aber nichts, diesen Spielertypen zusätzlich im Kader zu haben, und dann auch doppelt (jede Wette, vierfach wirds den nicht geben 2018).
        Wir verlieren in Europa durch die Karriereenden von nicht ersetzbaren Weltklassespielern wie Lahm, Robben, Ribery so oder so schleichend die Spitzenposition. Wir werden uns zukünftig öfter mal in der Lage befinden, dass internationale Gegner gegen uns den Ball haben wollen, und dies auch wegen individueller Überlegenheit gerechtfertigt ist. (um individuell mitzuhalten, müssten wir investieren, was wir aber nicht wollen. Und das Kaderbauglück hinsichtlich der goldenen Generation wird nicht wieder kommen)

      6. Ju

        @Tschemp
        Dein letzter Punkt ist aber eigentlich viel zu spannend, um ihn nur kurz zu verneinen. Denn: Warum denn eigentlich nicht? Es gibt für mein Empfinden im Moment viel mehr potentielle Weltklassespieler als damals. Auch wird die Situation wie bei Robben, dass ein außergewöhnlicher Spieler aufgrund aufgepumpter Kader irgendwo durchs Raster fällt, eher häufiger als seltener vorkommen (denke da im Moment besonders an Martial oder an Beispiele wie Augustin und Matic). Ziel von Bayern muss deshalb sein, die allerbesten Scouts zu haben, die man irgendwie bekommen kann (und diesen auch zu Vertrauen) um diese Spieler nicht dauerhaft Monaco, Liverpool (Mané, Salah, Keita, wow) oder anderen zu überlassen. Man hat mit Rudy, Kimmich, Thiago und zumindest potentiell mit James, Süle, Coman da schon tolle Ergebnisse. Ich würde es begrüßen, wenn man auch in der Breite da noch etwas mehr spekulieren würde, um die “Nieten” wie Costa verschmerzen zu können.

      7. wipf1953

        Vielleicht mal was grundsätzliches: IMHO ist es ein Riesenunterschied, Fußball in der Form von 34 Spielen á 90 Minuten um Punkte (und Tordifferenzen) zu spielen, als ko-Spiele mit 180 oder gar nur 90 Minuten. Wobei in der Champions League durch die Auswärtstorregelung nochmal ganz andere fußballerische Qualitäten gefragt sind (nämlich die, nach einem zum Ausscheiden führenden Treffer in den verbleibenden Minuten ein- oder gar zweimal zurückzuschlagen).

        Es mag also durchaus sein, dass in einer Saison 34 Gegner in der Bundesliga und fünf in der CL Vorrunde gegen uns mit zwei Fünferketten antreten. Das ändert nichts daran, dass die zusätzlich zur Meisterschaft möglichen Gladiolen im ko-Modus verteilt werden. Und da denke ich wird Bayern auf internationaler Ebene nur dann Chancen haben, wenn sie selbst sich ab und zu hinten reinstellen. Zumal sie mit Lewandowski einen Stürmer haben, der auch ein grandioser Konterstürmer sein kann.

      8. Marco05

        Wer ist eigentlich dieser “Hoeneß und Rummenigge”?

        Sei mir nicht böse @GP11, dieses dümmliche infantile permanente Wiederholen zieht den Rest deiner Kommentare leider obsolet…

      9. Tschemp

        @ JU

        Du sagst zwar richtig, es gibt heute auch viele (oder sogar mehr) sehr gute Spieler, die auch wegen besonderen Umständen in unsere Reichweite gelangen könnzen. Aber es sind eben meist “nur” sehr gute Spieler!

        Unsere Goldene Generation war jedoch besser als sehr gut.

        Wir hatten auf mehreren Positionen gleichzeitig den wohl besten Spieler der Welt. Ich würde behaupten, auf mindestens 5 Positionen (Neuer sowie die Außenbahnen Lahm-Robben und Alaba-Ribery) hatten wir gleichzeitig die weltbeste Lösung. Teilweise spielte auch Schweinsteiger auf diesem Niveau, auch Boateng oder Martinez. Alle anderen Spieler waren auch noch sehr gut.

        Eine einzigartige Konstellation!
        Es wäre schon ein kleines Wunder, wenn wir auf einer Position wieder den weltbesten Spieler bekommen werden. Geschweige denn in der halben Mannschaft.

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