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Rot-Weißes Round-Up: Stefan Effenberg

Leitwolf, Tiger, Reizfigur. Bezeichnungen gab und gibt es viele für den ehemaligen Bayern-Kapitän Stefan Effenberg. Geboren in Hamburg, begann der Blondschopf seine Karriere bei Borussia Mönchengladbach, von wo aus er 1990 zum ersten Mal nach München wechselte. Effenberg spielte zwei individuell gute Saisons und erzielte mit 9 bzw. 10 Bundesliga-Treffern so viele Tore wie nie wieder in seiner Karriere. Für den FC Bayern waren es dennoch zwei schwere Jahre mit Platz 2 1991, Platz 10 (!) 1992 und der Entlassung von Trainer Jupp Heynckes. Effenberg wurde in München zum Nationalspieler und war doch durch sein Auftreten und verschiedene öffentliche Aussagen umstritten. Wohl auch deshalb ließ Bayern ihn für 7,5 Millionen D-Mark nach Florenz ziehen. Dort stieg Effenberg trotz Mitspielern wie Gabriel Batistuta, Brian Laudrup oder Francesco Baiano in die Serie B ab. Nach dem direkten Wiederaufstieg im Folgejahr ging der inzwischen 26-Jährige überraschend zurück an seine alte Wirkungsstätte nach Mönchengladbach. Effenberg reifte dort zur absoluten Führungspersönlichkeit und kam im Jahr 1998 mit 30 Jahren auf dem Höhepunkt seines Schaffens zurück nach München.

Dort begann für ihn die Zeit, die seine Karriere für immer definieren wird. Die zweite große Bayern-Ära wird häufig mit der Ankunft von Ottmar Hitzfeld verknüpft. Die Ankunft von Effenberg muss hier jedoch mindestens im gleichen Atemzug genannt werden. Effenberg war ein game-changer für den FC Bayern. Nachdem sich Lothar Matthäus sukzessive aus dem Mittelfeld verabschiedet hatte, kam mit Effenberg ein Fixpunkt, der Bayerns Spiel vielleicht so stark dominierte und an sich zog wie seitdem kein einzelner Spieler mehr. Er verband auf dem Feld strategische Fähigkeiten und herausragendes Passspiel mit einer enormen Härte und Robustheit gegen den Ball bzw. Gegner. Er war die Blaupause für einen Spielertypen, den Zinedine Zidane in seiner Zeit in Madrid wenig später zur Vollendung brachte und den es heute so nicht mehr gibt. Effenberg führte Bayern schon in seinem ersten Jahr in München zum Meistertitel und ins erste Landesmeister-Finale seit 1987. Als Solskjaer und Sheringham auch Effenbergs Träume zu Nichte machte, wurde er nur noch gefährlicher. In der Saison 2000/2001 schrieb er sein Meisterstück. In einem extrem komplizierten Finale gegen Valencia traf er zunächst per Strafstoß zum 1:1 und verwandelte auch im Elfmeterschießen sicher. Als Kahn gegen Pellegrini parierte, sackte Effenberg im Mittelkreis zusammen. Schreiend. Die Arme ausgebreitet. Momente, die kein Bayern-Fan vergisst.

Es war die Krönung seiner Karriere. Der FC Bayern hatte mit ihm im Zentrum des Spiels zu diesem Zeitpunkt alle großen europäischen Mannschaften dieser Zeit geschlagen. Von Manchester United, über Real Madrid bis hin zum FC Arsenal oder den FC Barcelona. So wie etwas mehr als 10 Jahre später die dritte große Bayern-Ära. Die Bedeutung des Fußballers Stefan Effenberg wird heute in der Retrospektive immer ein wenig relativiert. Der Mittelfinger von der WM 1994, sein unrühmlicher Abgang vom FC Bayern 2002, private Eskapaden – all das verhüllt inzwischen das Bild auf einen, der auf der Höhe seines Spiels zwischen 1999 und 2001 zu den besten Mittelfeldspielern der Welt gehörte. Am Samstag, den 02. August wird Stefan Effenberg 46 Jahre alt.

Miasanrot.de stellt regelmäßig am Dienstag und Freitag in einem Round-Up lesenswerte Texte und Fundstücke rund um den FC Bayern zusammen. Gewidmet wird jedes Round-Up einem ehemaligen Bayern-Spieler, der am jeweiligen Tag (oder kurz zuvor/danach) Geburtstag hat.

FAZ berichtet über den „absichtlichen Fehlpass“ – bald auch in München?

In einem Bericht über das jährliche Treffen der der deutschen Fußballtrainer, nachzulesen hier, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über ein innovatives taktisches Konzept und zitiert Chefausbilder Frank Wormuth mit den Worten „der Trend geht zum klugen Fehlpass“. Um eine gegnerische Defensive zu durchbrechen, sei die oberste Priorität, Verwirrung zu stiften und, zum Beispiel, die Verteidiger von ihren Positionen zu lösen. Da dies mit „normalen“, geordneten Angriffen gegen gut organisierte Abwehrketten oft schwer sei, wird der absichtliche Fehlpass immer mehr zum taktischen Mittel. Der Text von Daniel Meuren ist absolut lesenswert und fasst die nicht ganz einfach verständliche Thematik gut zusammen. Zudem geht der Autor auch auf die im deutschen Fußball unterbesetzte Außenverteidigerposition ein – auch für den FC Bayern langfristig wichtig.

Um noch einmal auf die gewöhnungsbedürftige Fehlpass-Taktik zurückzukommen: Eine schöne Erläuterung findet sich auch bei Rene Maric, der auf Englisch das Konzept auf seine Grundidee beschränkt und so mit wenigen Worten das erklärt, was Pep Guardiola möglicherweise in der kommenden Saison mit seiner Mannschaft vor hat. Man darf gespannt sein, ob das Team es schafft, die Idee wirklich aufzunehmen, die Begeisterung für allzu abwegige Taktiken muss allerdings nicht zwingend ausufern. Pep wird eine Lösung finden – da können wir uns sicher sein.

„Der Spiegel“ über die USA-Pläne des FC Bayern

Normalerweise verweisen wir in unserem Round-Up auf Online-Artikel, diese Woche lohnt sich allerdings auch ein Blick in die Printausgabe des „Spiegel“. „Rakete auf der Rampe“ heißt der lesenswerte Artikel über die USA-Pläne des FC Bayern und die Ideen von Jörg Wacker, seit 2013 „Vorstand Internationalisierung“ an der Säbener Straße. Vor allem online sollen, vom neueröffneten Büro in Manhattan aus, die US-Amerikaner dazu gebracht werden, den FC Bayern zu mögen und in Merchandising-Artikel zu investieren. Dass der FCB bei der Internationalisierung gen Westen im Vergleich zu anderen europäischen Topklubs hinterherhinkt, verschleiert Wacker nicht – seine Kernaussage: Derzeit sei der FC Bayern in einer Spitzenposition, aber nur durch konsequente Weiterentwicklung könne ein Abrutschen verhindert werden. Bei dieser Gelegenheit verweisen wir gerne noch einmal auf unseren Beitrag zum Thema USA-Tour, in dem wir die sportliche Sinnhaftigkeit in Frage stellen.

Co-Trainer Torrent über die WM-Rückkehrer

Dem katalanischen Sportblatt „L’Esportiu“ gegenüber äußerte sich Co-Trainer äußerst klar zu der späten Rückkehr der Weltmeister und Halbfinalisten zum FC Bayern:

Wie so oft schaffte es eine heimische Zeitung, eine Person aus Guardiolas Umfeld zu einer etwas gewagteren Aussage zu bewegen, die so vom Trainer selbst oder über die offiziellen Kanäle nicht zustande kommt. Viel wurde über den großen Nachteil geredet, mit dem der Verein in die nächste Saison geht – von Vereinsseite kamen dazu unterschiedliche Aussagen. Matthias Sammer und Karl-Heinz Rummenigge warnten beziehungsweise kritisierten die Liga, Pep Guardiola wollte die schwierige Vorbereitung keinesfalls als Ausrede gelten lassen – für viele die richtige Marschrichtung. Dass intern jedoch durchaus Zweifel bestehen, zeigt Torrent’s Aussage. Im Klub macht man sich mehr Gedanken, als nach außen hin zugegeben wird. Es ist Guardiolas Aufgabe, im Training viel einzufordern und die richtigen Personalentscheidung zu treffen, gleichzeitig ist auch Matthias Sammer mehr denn je in seiner Rolle als öffentliches Sprachrohr gefordert. Wie es außerhalb der Zeiten abläuft, in denen es rosig und friedlich zugeht in München, darf mit Spannung erwartet werden.

C12 informiert auf Facebook über Amateure-Ticketfragen

Der Club Nr.12 darf jede Woche eine Vielzahl an Fragen zu Spielen der Amateure, zu Ticketmodalitäten und anderen Fragen beantworten – via Facebook verbreitete die Fan-Dachorganisation nun einen längeren Beitrag zu den Ticketmodalitäten bei den Spielen der „kleinen Bayern“. Die klare Message: Bis auf wenige Ausnahmen gibt es während der Saison stets ausreichend Tickets für Heim- und Auswärtsspiele. Zu erwerben sind diese an den Spieltagen direkt am Stadion, zu besonderen Anlässen, wie zum Amateure-Derby gegen den TSV (12. August, 19.45 Uhr) gibt es auch einen Vorverkauf. Gerade für Fans, die Spiele der Amateure nicht regelmäßig besuchen, ist der C12-Beitrag eine gute Hilfe. Wir können einen Besuch in der Hermann-Gerland-Kampfbahn nur empfehlen – ein Stück Münchner Fußballgeschichte gepaart mit gutem Fußball des Nachwuchs.

Kein Bayern-Spieler im Kader der deutschen U19

Gestern Abend feierte der DFB einen weiteren Erfolg nach dem WM-Sieg Anfang Juli. Bei der U19-EM zeigte sich bereits die Nachfolgegeneration – und das nicht gerade schwach. Die Mannschaft um Brandt und Selke spielte ein beeindruckendes Turnier. Allerdings zeigt sich: Der FC Bayern ist in puncto Jugendarbeit bei weitem nicht die Nummer Eins in Deutschland. Leverkusen, Hertha & Co. haben, gerade in der U19-Altersklasse einen Vorsprung. Der FC Bayern fährt eine andere Strategie: Die schwierige Ausbildung junger Talente und deren Einbindung in den Kader wird klug umgangen, gereiftere junge Spieler sind gefragt und werden geholt. Ob das so richtig ist, ist fraglich, in einem Punkt haben die Verantwortlichen jedoch recht: Jugendarbeit ist schwer und oftmals wenig ertragreich, gerade was Spitzenklubs angeht, deren Startelf und Bank von Weltstars gefüllt sind. Einen schönen Artikel liefert hierzu die FAZ. In dem Beitrag von Michael Ashelm wird, neben der Entwicklung der Talentförderung in den letzten 10 Jahren, auch die Problematik thematisiert.

Bayern gewinnt Test in New York

Mit einem Tor durch Claudio Pizarro gewinnt der FC Bayern sein erstes Testspiel im Rahmen der USA-Reise. In der Nacht zum Freitag spielte die Mannschaft in New York gegen CD Guadalajara. Wir präsentieren erneut Testspielnotizen.

Auf Ran.de kann die erste und zweite Halbzeit in voller Länge angeschaut werden.

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Leserkommentare
  1. Andreas

    Zu dem absichtlichen Fehlpass: Irre ich mich, oder kam das Thema kurz in einem britischen Spielbericht letzte Saison beim Rückspiel der Bayern gegen Manchester United auf? Mal schauen, ob ich es nochmal finde. Wie auch immer, ich glaube, die Möglichkeit den Ball kontrolliert abzugeben um ihn dann an besser geeigneter Stelle zurückzubekommen ist bereits bei den Bayern angekommen, wird nur nicht so auffällig benutzt. Gegen konterstarke Mannschaften halte ich das auch für ein ordentliches Risikopotential.

    1. Christopher

      Ich denke auch, dass das schon öfters probiert wurde. Teile auch deine Meinung — gegen den BVB wird man dieses taktische Mittel nicht sehen.

      1. Josef

        Man könnte die Argumentation aber auch umdrehen und sagen: Gerade gegen konterstarke Mannschaften lohnt der gezielte Fehlpass und vermindert (!) das Risiko. Ein solcher Fehlpass würde ja nicht einem Hummels/Gündogan/Reus gezielt und kontrolliert in den Fuß gespielt, so dass dieser schnell umschalten kann. Stattdessen würde man (relativ) passschwache Spieler wie Sokratis, Schmelzer oder Bender anspielen und die direkten Passwege zustellen. Dann könnte es Sinn machen.

        Davon ab klingt das Stilmittel deutlich weniger “verrückt” wenn man es etwas relativiert: Es muss ja nicht gleich ein 100% sicherer Fehlpass sein. Man kann das dadurch relativieren, dass man einen Pass spielt, der zu 20% ankommt (dann aber super vorteilhaft ist, weil er z.B. durch eine Schnittstelle geht) und zu 80% ein Fehlpass wird, welcher wiederum erwartet wurde und wofür man ein perfekt gestaffeltes Gegenpressing vorbereitet hat. Analog mit einem mutigen Dribbling in bestimmten Zonen, das ebenfalls geringe Erfolgsaussichten hat. Klappt es: super, Rib ist durchgebrochen. Bleibt er hänger: auch super, man ist bereits aufs Gegenpressing vorbereitet.
        Und siehe da, beides Dinge, die der BVB seit Jahren und auch der FCB teilweise bereits anwenden.

      2. Christopher

        Schön geschrieben Josef,

        dann muss die Bewertung aber insgesamt tiefgründiger ausfallen und wir müssen unterscheiden zwischen “absichtlicher Fehlpass” und “Risikopass”. Ein Risikopass spielt sich natürlich leichter, wenn die defensive Ordnung bereits vorbereitet ist und ggf. sogar die Chance besteht aus dieser Situation mehr zu machen.

        Ein absichtlicher Fehlpass ist für mich eher ein langer Ball, der den Gegner zu Einwürfen bzw. Ballbesitz an der eigenen Strafraumkante zwingt, aus der sich der Gegner nur schwerlich befreien kann. Einen Gegner, z.B. aus der Vierkette absichtlich anzuspielen, ist durch den Torwart immer sehr gefährlich. Zum Beispiel kann Manuel Neuer auch unter Druck das Spiel sehr schnell machen – und dieser kann wohl nur schwerlich mit Pressing unter Druck gesetzt werden. Natürlich trifft das nicht auf jeden Torwart zu.

    2. Hast du den Artikel zufällig noch bzw. wieder gefunden? Würde mich sehr interessieren.

  2. blub

    Jo, Effenberg war ein unterschätzter Fußballer(und unvergesslich wie er mal Roy Keane versenkt hat), aber der Zidane-vergleich ist doch ein wenig abartig.
    Zidane war a) ein um welten besserer Fußballer und ist b) nie durch engagement gegen den ball aufgefallen. Das passt irgendwie in beide richtungen nicht.

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