Rot-Weißes Round-Up: Paul Breitner

Es ist nicht ohne eine gewisse Tragik, dass viele Bayern-Fans, die in den 80er Jahren oder später geboren wurden mit Paul Breitner wohl vor allem einen hemdsärmelig grantelnden TV-Experten oder eine Ritterrüstung verbinden. Dabei gehörte Breitner in den 70er und frühen 80er Jahren zu den fußballerisch und charakterlich außergewöhnlichsten Spielern dieser Ära. Breitner erkämpfte sich in der Saison 1970/1971 mit gerade einmal 19 Jahren einen Stammplatz bei den aufstrebenden Münchnern, die mit dem DFB-Pokalsieg gegen Köln in dieser Saison den ersten Vorgeschmack auf die folgenden dominante Jahre der Roten gaben. Mit dem FCB gewann Breitner in den kommenden drei Jahren drei Meisterschaften und einen Landesmeistertitel. Breitner interpretierte hier seine nominelle Außenverteidigerrolle sehr innovativ, indem er seine durchaus physisch geprägte Defensivarbeit mit spektakulären Vorstößen paarte. Breitner hatte damit großen Anteil an den Erfolgen der Bayern in den frühen 70ern. Mit der Nationalmannschaft wurde Breitner zudem Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Unvergessen dabei wie der damals 23-Jährige im Finale 1974 in München gegen die Niederlande einen Strafstoß zum zwischenzeitlichen 1:1 verwandelte. Ziemlich überraschend zog es den streitbaren Breitner nach der Weltmeisterschaft nach Spanien, wo er neben dem im Jahr zuvor nach Madrid gewechselten Günter Netzer immer stärker zu einem zentralen Mittelfeldspieler reifte, der ein Spiel mit seiner immer noch großen Dynamik lenken und bestimmen konnte.

Nach zwei Meisterschaften in drei Jahren ging es über den Umweg Braunschweig zurück nach München wo er ab 1978 die post-Beckenbauer/Maier/Müller-Ära und die Anfänge von Uli Hoeneß als Bayern-Manager gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenigge prägte. Wer sich alte Aufnahmen aus dieser Zeit anschaut hat das Gefühl, dass Breitner und Rummenigge in ihrem eigenen Tempo auf dem Feld agierten. Für heutige Verhältnisse ist es ungewohnt zwei so eindeutig herausragende Spieler zu beobachten. Rummenigge (29) und Breitner (17) schossen in der Saison 1980/1981, in der Bayern seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigte, über 50 Prozent der Münchner Tore. Breitner und Rummenigge waren die unbestrittenen Anführer einer neben Dieter Hoeneß und Klaus Augenthaler personell eher unspektakulär aufgebauten Bayern-Mannschaft, die mit Spielern wie Horsmann, Weiner, Dürnberger und Kraus sogar das Landesmeistercup-Finale 1982 erreichte. Hier blieb Breitner genau wie wenig später bei der Weltmeisterschaft in Spanien die absolute Krönung verwehrt. Bayern verlor im Finale mit 0:1 gegen Aston Villa und die Nationalelf mit 1:3 gegen Italien. Breitner erzielte kurz vor Schluss den Ehrentreffer. 1983 war Schluss für Breitner der fortan als Kolumnist, beinahe Bundestrainer 1998 und einer Mischung aus Scout, Vorstandsberater und Botschafter für den FC Bayern in Erscheinung trat.

Einzigartige Einblicke in das Leben der Fußballer Paul Breitner und Uli Hoeneß, die sich lange ein Zimmer teilten, sich dann heillos zerstritten und schließlich wieder zueinander fanden, gibt es übrigens in der Dokumentation “Profis – Ein Jahr Fußball mit Paul Breitner und Uli Hoeneß”, die wärmstens weiterempfohlen werden kann. Paul Breitner wird am Freitag 63 Jahre alt.

Miasanrot.de stellt regelmäßig am Dienenstag und Freitag in einem Round-Up lesenswerte Texte und Fundstücke rund um den FC Bayern zusammen. Gewidmet wird jedes Round-Up einem ehemaligen Bayern-Spieler, der am jeweiligen Tag (oder kurz zuvor/danach) Geburtstag hat.

Chefsteiger

Bastian Schweinsteiger ist in dieser Woche, die von zwei Länderspielen der Nationalelf gegen Argentinien und Schottland geprägt ist zum neuen Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft bestimmt worden. Die Entscheidung war folgerichtig und insgesamt erwartet worden – auch wenn Löw hier und da ob der Entscheidung Mutlosigkeit vorgeworfen wurde. Mit Manuel Neuer und Thomas Müller gehören zwei weitere Bayern-Spieler dem neuen Mannschaftsrat der Nationalelf an.

Götze trifft bei Testspielniederlage gegen Argentinien

Ungewohnt wenig Einfluss hatten Spieler des FC Bayern auf die 2:4-Testspielniederlage der Nationalelf gegen Argentinien. Einzig Manuel Neuer stand zu Beginn der Partie auf dem Platz. Götze, der einen Treffer erzielte und Müller kamen später in die Partie. Jerome Boateng wurde geschont, während Schweinsteiger sich weiter von seiner Knieverletzung erholt.

Alonso-Transfer sorgt auch international für Erstaunen

Der britische Journalist und Barcelona-Experte Graham Hunter schildert in einem lesenswerten Stück für ESPN FC seine Einschätzungen zum Transfer von Alonso, den er als “one of the most fascinating transfer moves in modern football history” bezeichnet. 

Drei Bayern für deutsche Junioren-Nationalmannschaften aktiv

Auch die U-Mannschaften des DFB nutzen die Länderspielwoche für eine Reihe von Test- und Qualifikationsspielen. Mit Gianluca Gaudino, Sinan Kurt (beide U19) und Niklas Dorsch (U17) werden dabei auch drei Bayern-Akteure aktiv sein.

Weiter Diskussionen um Kurt

An Sinan Kurt entzündet sich derweil auch nach seinem erfolgten Wechsel nach München der Zorn über sein angeblich unmoralisches Verhalten rund um den Transfer. Kurt kriegt dabei in Fanforen und Facebook-Seiten den geballten Hass zu spüren worunter er laut seinem Berater durchaus leidet. Stefan Klüttermann beschäftigt sich für die Rheinische Post ebenfalls mit dem Transfer und was dieser für den Kampf um Talente aussagt.

Taktikanalyse zu Bayerns U19

Die Taktik-Liebhaber von Konzeptfußball-Blog nehmen in einer lesenswerten Analyse den 5:1-Erfolg der U19 des FC Bayern gegen den 1. FC Saarbrücken auseinander. Die Elf von ex-Basel-Coach Heiko Vogel scheint dabei ebenfalls auf eine Dreierkette zu setzen. Ein Sonderlob gibt es unter anderem für Raumgefühl-Star Michael Eberwein. Good Stuff.

Serie zu “Guardiolas Bayern” auf bundesliga.de

Im Rahmen einer Serie zu den fußballerischen Entwicklungen des FC Bayern unter Pep Guardiola hat Karol Herrmann einen gut aufbereiteten Vergleich zwischen Bayerns-Spiel unter Heynckes und im ersten Jahr unter Guardiola zusammen gestellt. Interessant dabei: Die Bayern liefen unter Guardiola pro Spiel fast 2 Kilometer mehr und verteidigten im Schnitt vier Meter höher als unter Heynckes.

Miasanrot Patreon

Abonniere unsere Beiträge!

Twitter & Facebook

Folge uns über Social Media

Du willst die aktuellsten und wichtigsten News zum FC Bayern lesen? Folge uns auf Twitter @miasanrot oder like unsere Facebook Seite.

Folgen

Leserkommentare
  1. bürschchen

    Auch wenn der Paule heute manchmal nervt: er ist eine Ikone des Vereins und ich werde ihm auf ewig dankbar sein für seine hemdsärmeligen Auftritte im Bayern Dress – mit runtergerutschen Stutzen, wehendem Haupthaar und Zuckerpässen in den Lauf von KHR.
    An dieser Stelle empfehle ich euch auch den Link zum blog von KEMPERboyd bei Spox empfehlen (selten genug, dass dort was vernünftiges steht). Hoffe mal, der Administrator akzeptiert den Link, ansonsten bitte unter KEMPERboyd bei Spox suchen.
    http://www.spox.com/myspox/gro…..11991.html

  2. […] Der MSV nimmt durch die “Zebra-Anleihe” über 500.000 Euro ein (SPOX) +++ München: MiaSanRot zum 63. Geburtstag mit einer Hommage an Paul Breitner +++ Fankurve: Endreas Müller mit Gedanken zum […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog