Die Probleme der ältesten Teams – Der Nachwuchs im Herbst

Auch in diesem Monat wollen wir euch über die aktuelle Lage der Jugendmannschaften des FC Bayern berichten. Der überwiegend sehr positive Saisonverlauf unseres Nachwuchs wird getrübt von den Problemen bei den beiden ältesten Teams.

Amateure in der Krise

Bereits in unserem letzten Monatsupdate im September berichteten wir von den ersten Rückschlägen des Teams. Diese haben sich mittlerweile zu einer nicht zu leugnenden Krise verfestigt. Seit fünf Spielen sind die Bayern Amateure ohne Sieg. Aus den Gastspielen beim Tabellenletzten Hof (0:1) und beim Vorletzten Schalding-Heining (2:2) holte Heiko Vogels Team nur einen einzigen Punkt.

Mittlerweile ist die Mannschaft auf den fünften Tabellenplatz gefallen und die Situation gleicht stark der letzten Saison, als man nach dem Spitzenspiel in Regensburg total einbrach und bis zur Winterpause nur noch sieben Punkte aus acht Spielen holte. Die Mannschaft wirkt vollkommen verunsichert und ideenlos bei eigenem Ballbesitz. Ähnlich wie in der Vorsaison kann kaum einem Spieler eine positive persönliche Entwicklung attestiert werden. Die Zeiten, als unter Erik ten Hag Spieler wie Alessandro Schöpf, Julian Green, Ylli Sallahi oder Lukas Görtler riesige Sprünge machten, scheinen vorbei.

Die Verantwortlichen werden genau analysieren müssen, warum im zweiten Jahr unter Heiko Vogel zum zweiten Mal die Spieler individuell sowie als Team ihr Potential nicht ausschöpfen. Den Amateuren wird in den nächsten Jahren bei der Fülle an vielversprechenden Talenten, die von unten nachkommen, wieder eine bedeutendere Rolle zukommen als zuletzt.

Dass sich hier Spieler gut präsentieren, ist aus zweierlei Sicht enorm wichtig: Zum einen refinanzieren die regelmäßigen Verkäufe teilweise den Aufwand der Nachwuchsarbeit, zum anderen sind die Amateure als Sprungbrett in den Profifußball ein wichtiges Argument bei der Verpflichtung von jungen Nachwuchstalenten.

U19 enttäuscht ebenfalls

Kaum besser läuft es bei der A-Jugend des FC Bayern. Zwar folgte nach unserem letzten Artikel ein überraschender 3:1-Sieg in der Youth League bei Atletico Madrid, dessen Ergebnis jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass zwei der drei Treffer durch katastrophale individuelle Abwehrpatzer des Gegners entstanden. Einem 3:0-Pflichtsieg im bayrischen Landespokal gegen den unterklassigen FC Memmingen folgte ein 2:2-Unentschieden zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg. Beide Treffer entstanden jeweils durch Einzelaktionen von Adrian Fein, der jeweils mehrere Spieler ausspielte, um endlich vors Tor zu kommen.

Beim 0:2 gegen den PSV Eindhoven zeigte die Mannschaft eine gute Anfangsphase, verlor jedoch anschließend spätestens nach dem Gegentor in der 28. Minute vollkommen den Faden und verlor am Ende verdient gegen keinesfalls starke Holländer.

Für Beobachter des Nachwuchsfußballs beim FC Bayern gilt der derzeitige U19-Jahrgang als der individuell stärkste seit langer Zeit. Gerade offensiv hat die Mannschaft zahlreiche Spieler, die in der U17 offensiv brilliert haben, wie beispielsweise Wintzheimer (23 Tore, 8 Vorlagen), Crnicki (15 Tore), Hadzic (19 Tore) und Tillman (8 Tore, 15 Vorlagen). Umso erstaunlicher ist es, dass gerade die Offensive das große Problem bei der U19 darstellt.

Würden die öffentlich-rechtlichen Sender ein Spiel der U19 wie bei der EM mit Hilfe des “Packing” Werts analysieren, dürfte der Wert unserer Spieler vernichtend ausfallen. Das durchschaubare Kombinationsspiel der Mannschaft bringt kaum Raumgewinne mit sich. Eine Kreativlosigkeit, die sich bereits letztes Jahr in der Rückrunde unter Holger Seitz zeigte und von vielen angesichts der hohen individuellen Qualität der Mannschaft für unmöglich gehalten wurde. Auch hier wird bei anhaltend negativer Tendenz interessant, welche Schlüsse die Verantwortlichen aus der Entwicklung ziehen.

U17 macht erneut Freude

Im Sommer 2015 tätigte der FC Bayern zahlreiche Transfers. Arturo Vidal, Douglas Costa, Joshua Kimmich und Kingsley Coman kamen an die Isar. Ein Transfer, der Medienberichten nach ebenfalls eine Ablösesumme bzw. ein Freundschaftsspiel beim Karlsruher SC kostete, war der Karlsruher Jugendtrainer Tim Walter. Gut möglich, dass in zehn Jahren die Verpflichtung von Walter eine ähnlich wegweisende Bedeutung für den FC Bayern gehabt haben wird wie die von Kimmich.

Auch in diesem Jahr begeistert die U17 des FC Bayern unter Trainer Tim Walter wieder mit tollem Fußball, der die Mannschaft zurecht an die Tabellenspitze führt. Am vergangenen Wochenende holte das Team im Spitzenspiel beim Zweitplatzierten FC Augsburg ein 2:2. Das Spiel war trotz des Unentschiedens bezeichnend dafür, wie spielerisch überlegen die Mannschaft der Konkurrenz in der Liga ist. Die Schwaben hatten unserer Mannschaft in der Spielidee kaum was entgegenzusetzen, sondern profitierten lediglich von ihrer klaren körperlichen Überlegenheit und verließen sich komplett auf lange Bälle aus der eigenen Hälfte auf die beiden kopfballstarken Sturmspitzen. So ist es kein Zufall, dass beide Augsburger Treffer durch Kopfbälle nach Eckbällen fielen.

Erneut scheint es Tim Walter zu schaffen, aus dem Spielerkader das Maximum herauszuholen. Spieler wie Daniels Ontuzans oder Can Karatas zeigen bereits jetzt eine erstaunliche persönliche Entwicklung. Bleibt nur zu hoffen, dass Tim Walter, der derzeit die Lizenz zum Fußballlehrer erwirbt, unserem Verein langfristig erhalten bleibt und nicht so schnell den Avancen des Profifußballs erliegt.

U16 schlägt sich wacker gegen die ältere Konkurrenz

Eine Ligastufe unter der U17 Bundesliga, nämlich in der U17 Bayernliga, spielt die U16 des FC Bayern. Da die U17-Teams vom 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth in der vergangenen Saison aus der Bundesliga abgestiegen sind, ist das Teilnehmerfeld in der aktuellen Saison sehr hochkarätig besetzt. So muss sich unsere U16 also gegen die älteren U17 Teams aus Nürnberg, Fürth und auch vom FC Ingolstadt beweisen.

Bisher gelang es unserer Mannschaft trotz Verletzungssorgen recht gut, ganz vorne mitzuhalten. Gegen die U17 des FC Ingolstadt gelang sogar ein deutlicher 4:0-Sieg, während man gegen die Fürther U17 mit 1:3 den kürzeren zog. In einer Woche geht es zum Topfavoriten 1. FC Nürnberg, die bisher alle sechs Spiele gewannen. Es wird spannend zu sehen, wie sich unsere U16 bei den älteren Franken schlagen kann.

Insgesamt gilt der 2001er Jahrgang als sehr ausgeglichen in der Breite und mit guten Spielern auf allen Positionen. Die Jungs dürften uns in den nächsten Jahren noch viel Spaß machen!

Weiterhin in allen Jahrgängen vor dem Lokalrivalen

Die U15 tritt in der Regionalliga Süd/Südwest an und hat sich ebenfalls in der Spitzengruppe etabliert. Am vergangenen Wochenende setzte es bei der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg einen Rückschlag. Derzeit liegt das Team von Peter Wenninger hinter Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart auf dem dritten Tabellenplatz.

Die neuformierte U14 erfüllt weiterhin die hohen Erwartungen auf ganzer Linie. Alle vier Ligaspiele konnten gewonnen werden, darunter auch das Spitzenspiel gegen den 1. FC Nürnberg deutlich mit 6:0. Zur Anmerkung: Die U14 des 1. FC Nürnberg hat ihre restlichen 4 Saisonspiele mit einer Tordifferenz von 34:0 allesamt gewonnen. Insofern ist der deutliche Sieg gegen die Franken, deren Spielereltern ob des schlechten Spielverlaufs sehr aggressiv reagierten, nicht hoch genug einzuschätzen.

Auch alle übrigen Nachwuchsteams des FC Bayern (U13, U12, U10, U9) stehen in ihrer Liga auf dem ersten Tabellenplatz.

Die Tatsache, dass man nicht nur in allen Jahrgängen vor dem blauen Lokalrivalen, sondern meist auch vor der kompletten restlichen bayrischen Konkurrenz steht, zeugt von einer guten Arbeit im Scoutingbereich in den letzten Jahren.

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Leserkommentare
  1. Alex

    Wie immer auf den Punkt gebracht.
    Man könnte sicher noch drauf hinweisen, dass es bei der U17 gut läuft, obwohl Trainer Walter durch Lehrgänge momentan nicht dauerhaft vor Ort sein kann.
    Da passts wohl insgesamt im Trainerteam sehr gut…

  2. Dani

    Danke für die tollen Infos zur Jugend! Ausser zur zweiten Mannschaft bekommt man ja sonst kaum was mit

  3. wipf1953

    Also ich denke nicht, dass es nur am Trainer liegt, wenn die beiden obersten Mannschaften erstens erfolglos und zweitens wohl auch recht einfallslos auftreten. Die U19 besteht zu 50% aus dem letztjährigen U17-Kader, mit, wie Ihr richtig schreibt, einigen herausragenden Talenten (Tillman hatte sogar die Schlagzeile “Real Madrid beobachtet Bayern-Juwel”). Letztes Jahr wurden sie erst im Finale um die deutsche Meisterschaft gestoppt (vom VfB Stuttgart). Die können nicht alles verlernt haben.

    Im Jugendbereich stellt sich doch zu allererst die Frage, was man anstrebt. Will man den mannschaftlichen Erfolg, oder will man die Spieler weiterbringen? Sowohl U19 als auch U23 spielen ja ballbesitzorientiert. Ich könnte mir vorstellen, dass das eben auf einem gewissen Level einfach nicht mehr den sofortigen Erfolg bringt. Bei der U19 kommt hinzu, dass die Jungs keine Vollprofis sind. Die machen entweder eine Ausbildung oder grad Abi ..

    Um mal einen Gedanken zur Diskussion zu stellen: Wäre unser Verein nicht besser beraten, wenn bei den beiden obersten Mannschaften mehr auf den sportlichen Erfolg abgestellt würde? Die U23 soll seit inzwischen fünf Jahren den Aufstieg packen – dass das wieder und wieder nicht klappt erinnert ja schon fast an den “blauen” Lokalrivalen ..

  4. Hennes

    Danke für den Artikel. Immer wieder sehr Interessant.

  5. […] Vorheriger Beitrag 21.10.2016 […]

  6. Tschemp

    Vielen Dank für den Artikel und die interessanten Einschätzungen. Da es “am Ende des Tages”, wie KHR sagen würde, weniger um die Titel in der Jugend, sondern um den erfolgreichen Übergang in den Profibereich geht, würden mich persönlich kurze, indivuellere Anmerkungen interessieren.

    Bei anderen Bundesliga-Teams sind neben einigen 97ern(wie Henrichs oder Reese), auch 98er(Eggestein, Pulisic oder Passlack) oder sogar 99er Jahrgänge (Havertz) schon im Bereich der Herrenteams. Haben wir auch Spieler, die so früh den Sprung schaffen könnten? Nicht mehr lang, und 2000er werden in der Bundesliga auflaufen.
    Wie verläuft die individuelle Leistungkurve unserer größten Talente? Ein paar kurze Worte zu z.B. Dorsch, Tillman, Evina oder Heiland, zu den Juwelen in den einzelnen Jahrgängen, wären klasse. Die DFB-Nominierungen machen da ja langsam Hoffnung.

    1. Napto

      Servus,

      ich scheue immer ein wenig davor, einzelne Spieler herauszuheben. Denn das fördert eine ungesunde Aufmerksamkeit auf einzelne Spieler.

      Dorsch: Der wohl einzige Lichtblick bei den Amateuren dieses Jahr, er war bisher der stärkste. Jetzt aber erstmal mit pfeiff. Drüsenfieber ausser Gefecht
      Tillman: Leidet unter dem Konzept von Seitz. Der setzt ihn fast immer auf dem Flügel ein, dabei hat Timmy m.M. nach zentral seine Stärken. Viel zu viele gelbe Karten für einen Offensivspieler (7 mal Gelb und einmal Gelb-Rot in 11 Saisonspielen)
      Evina: Spielt bisher eine starke Saison, ist aber nicht ein Stürmer wie Wintzheimer, der sich auch mal selbst Chancen kreieren kann und daher auf das Kollektiv angewiesen
      Heiland: Dieses Jahr mit deutlich mehr Verantwortung ohne Fein neben sich. Das löst er bisher ganz gut und körperlich hat er auch ein wenig zugelegt
      Batista-Meier: Muss sich noch ein wenig daran gewöhnen, dass er sich an ein taktisches Konzept halten muss und nicht mehr wie in Kaiserslautern einfach nur vorne auf den Ball wartet. Mit Tim Walter dürfte er da aber einen perfekten Trainer haben, unter dem er sich weiterentwickeln kann

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