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Paris zerquetscht den Champions-League-Traum der Bayern

Das größte Verdienst der Bayern aus dem Hinspiel vergangene Woche war es, sich eine realistische Chance auf ein Weiterkommen im Rückspiel herausgespielt zu haben.

So konnte das Team von Tom Wörle mit der Anspannung und der Vorfreude nach Paris fliegen, dass es um etwas geht, dass sie zwar keine große, doch aber eine kleine Chance darauf hatten, die Überraschung zu schaffen. Schließlich hatten sie PSG im Hinspiel mit 1:0 bezwungen. Wenn sie lange die Null würden halten können, mit Leib und Seele verteidigten und ein zunehmend nervöser werdendes Paris auskontern könnten — mit Blick auf die Auswärtstorregel hätte da tatsächlich etwas gehen können.

Allein, es kam anders. Paris stellte nur Minuten nach Anpfiff die Kräfteverhältnisse auf dem Platz glasklar.

Falls Ihr es verpasst habt

Frauen-Champions-League: Paris Saint-Germain - FC Bayern München Frauen, GrundformationenParis flexibel in letzter Reihe

War es PSG im Hinspiel nicht ein einziges Mal gelungen, aus ihren zig Torchancen Profit zu schlagen, so kehrten sie das Verhältnis diesmal auf den Kopf. Zwei Standards sorgten schon in den ersten zwölf Minuten für eine komfortable 2:0-Führung, die sie noch vor dem Seitenwechsel, als Bayern den Rückschlag gerade verdaut hatte, auf ein 3:0 aufstocken konnten. In Halbzeit 2 hatten die Roten noch ein weiteres Tor zu schlucken, ohne Katarzyna Kiedrzynek auch nur ein einziges Mal zu einer Parade gezwungen zu haben.

Zu allem Überfluss musste die zuvor erst eingewechselte Lena Lotzen ohne ersichtliche Fremdeinwirkung den Platz verletzt und emotional sichtlich angegriffen verlassen. Nach langer Verletzungshistorie war Lotzen gerade dabei, wieder Fahrt aufzunehmen und hatte mit dem einzigen Treffer am Wochenende gegen Leverkusen als Matchwinnerin brilliert. Für sie platzte womöglich nicht nur der Traum vom Champions-League-Titel, sondern auch der von der EM-Teilnahme im Sommer.

3 Dinge, die auffielen:

1. Eine Frage der Qualität

Paris dominierte Bayern über 180 Minuten. PSG kombinierte sich ein ums andere Mal gefährlich in den Strafraum der Bayern und arbeitete sich ausgezeichnete Torchancen heraus. 18 Möglichkeiten waren es in dieser Partie, sechs brachten sie auf Korpelas Kasten (Hinspiel 17 und 9). Zwar konnten auch die Bayern gelegentlich vor das gegnerische Tor kommen. Doch: Nicht ansatzweise so häufig, nicht ansatzweise so druckvoll, nicht ansatzweise so nah. Nicht ansatzweise so systematisch, nicht ansatzweise so gefährlich. Vier Abschlüsse wies die Statistik am Ende auf, davon einer aufs Tor (Hinspiel 5 und 1).

Das ist kein Vorwurf. Die schiere Qualität von Paris — offensiv, aber auch defensiv — ließ die Bayern nicht zum Zuge kommen. Bayern kämpfte, Bayern versuchte nach Möglichkeit alles, was sie im Tank hatten, auf den Platz zu bringen, aber Paris wusste sie zu stoppen. Die Bayern zeigten nicht ihren besten Fußball. Nicht weil sie nicht exzellent Fußball spielen könnten, oder weil sie nicht wollten, sondern weil Paris sie zu Fehlern zwang. Vor allem Nora Holstad und Simone Laudehr hätte dem FC Bayern bei diesem Kräftemessen gut getan. Man kann es sich nicht aussuchen…

2. Standards entscheiden die Partie. Sofort.

Hinzu kam das satte Ungleichgewicht bei Standards. Eigentlich eine Stärke der Bayern. Viele wichtige Tore hat Melanie Behringer in ihrer Karriere schon um die Mauer ins Kreuzeck oder auf die Stirn einer Mitspielerin gezirkelt. Doch diesmal gerieten die Ecken zu kurz, die Freistöße verfehlten ihr Ziel. Die größte Chance hatte noch Caroline Abbé per Kopf in der 70. Minute.

Im Gegensatz dazu hatte Patrice Lair seiner Mannschaft gleich eine ganze Reihe einstudierter Varianten an die Hand gegeben. Gleich bei der ersten schnappte die Falle zu. Bayerns Defensive schlief noch, als der Freistoß in den Sechzehner gezirkelt kam und sich weder Maier noch Faißt noch Korpela so recht entschließen konnten, zu klären. Marie-Laure Delie bedankte sich für die Einladung 1:0 – Hinspielergebnis nivelliert (4’). Beim 2:0 war es Cristiane, die nach dem Freistoß und einer Flippersituation im Strafraum als erste schaltete und kurzen Prozess aus kurzer Distanz machte (12’). Diesmal kam der Ball von Ex-Bayernspielerin Boquete, doch in den meisten Fällen war es Eve Perisset, die den FCB an ihren kunstvollen Standards verzweifeln ließ.

3. Dreierkette, Fünferkette, pendelnde Viererkette

Beide Teams waren mit der identischen Belegschaft ins Rückmatch gegangen. An den Rollen im Bayernteam veränderte sich nichts. Doch Patrice Lair drehte einige Male am System seiner Spielerinnen. Während Cruz im Vergleich zum Hinspiel etwas konservativer in der Schaltzentrale neben Geyoro verharrte, zog es Boquete von der Zehn besonders in der Anfangsphase immer wieder rechts neben die zwei Sturmspitzen Cristiane und Delie.

Bei Abschlag Bayern agierte Paris in einem klassischen 4-4-2. Bei eigenem Aufbauspiel wechselte Paris zwischen einem System mit Dreierkette bestehend aus Irene Paredes, Sabrina Delannoy und Laura Georges und einer pendelnden Viererkette, bei der sich situativ mal Lawrence, mal Perisset hinten mit einreihten. Zudem wechselten die zwei Flügelverteidigerinnen phasenweise die Seiten. Anders als im Hinspiel begann Paris mit Perisset rechts und Lawrence links. So ging es auch in die zweite Halbzeit. Zwischendurch war es jedoch umgekehrt und spätestens in der zweiten Halbzeit sicherte Paris die komfortable Führung mit Fünferkette ab.

Es wäre interessant zu sehen gewesen, ob Paris erneut die Flanken mit Tempo bespielt hätte, doch die frühen Tore und die verbesserungswürdige Raumaufteilung der Bayern boten PSG die Möglichkeit, kreativ durch die Zentrale zu kommen. Beispielhaft bleibt hier das 4:0 durch Cristiane nach Doppelpass mit Delie in Erinnerung (52’). Auch Cruz hatte nebst Cristiane wieder und wieder Gelegenheit zu Dribblings in und um den Strafraum, wobei ihr Treffer das Resultat eines aggressiven Angriffspressing der Pariserinnen war (42’).

Nun ist nur noch einer von drei Wettbewerben übrig. Am Sonntag geht es zuhause gegen den unangenehmen Gegner, den SC Sand, um drei ganz wichtige Punkte in der Liga. Potsdam ist sechs, Wolfsburg schon vier Punkte weg. Einen von beiden müssen die Bayern noch kriegen, wenn sie im nächsten Jahr einen neuen Anlauf in der Champions League nehmen wollen. Viel Zeit zu Niedergeschlagenheit bleibt nicht.

Paris Saint-Germain – FC Bayern München
ParisKiedrzynek – Perisset, Paredes, Delannoy, Georges (62. Formiga), Lawrence (79. Morroni)- Cruz, Geyoro, Boquete (76. Diallo), – Cristiane, Delie
BankGeurts, Palacin, Lahmari, Ouleymata
BayernKorpela – Lewandowski, Wenninger, Abbé – Faißt, Behringer, Baunach (56. Lotzen, 68. Schnaderbeck), Maier (56. Evans) – Däbritz – Rolser, Miedema
BankZinsberger, Weimar, Romert, Bürki
Tore1:0 Delie (4.), 2:0 Cristiane (12.), 3:0 Cruz (42.), 4:0 Cristiane (52.)
KartenGelb: Georges (40.) / Abbé (28.), Faißt (90+3.), Lewandowski (90+3.)
SchiedsrichterinnenCarina Vitulano (Italien), Lucia Abruzzese (Italien), Ella De Vries (Belgien), Maria Marotta (Italien)
Zuschauer13.974

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Leserkommentare
  1. Erwin Müller

    Schwacher Satzbau, zudem fehlt ein Hinweis, dass es sich hier um einen Bericht über die Frauen-Mannschaften handelt.

  2. Josep

    Wieviele Zuschauer waren das denn? Hat es Eintritt gekostet?
    Waren auch Münchner Fans da?
    Und sind die PSG Ultras sonst auch da oder nur wenn sie im Prinzenpark spielen?

    1. Da kann ich leider nicht weiterhelfen, Josep. Die Zuschauerzahl wurde im Gegensatz zum Hinspiel nicht bekanntgegeben. Zumindest hab ich sie nicht gefunden. Ich nehme an, der Schnitt war besser als in München, sah nur im großen Stadion etwas verlorener aus. Kennt man ja von Sechzig in der Arena. Der ein oder andere Bayern-Fan hat sich eingefunden, aber keine größeren Kohorten. Generell haben die zwei großen französischen Teams starken Ultra-Support. Das Spiel im Prinzenpark war ja eine Ausnahme, schätze schon, dass da noch ein paar mehr gekommen sind.

      1. Danke auch Dir, ist ergänzt

  3. football-women.com

    1. Scheint ein spezieller Spezialist für Satzbau zu sein, der da einen Hinweis braucht, dass PSG-Bayern in der CL irgendwo nicht zu den Männern passt.
    2. Für Zuschauerzahlen würde ich PSG oder UEFA empfehlen. Dann kommen vielleicht ein paar mehr raus. Vielleicht gibts bei PSG auch noch die Eintrittspreise
    3. Das mit den 120 Minuten kann man vielleicht einen klassischen Freudschen Fehler nennen ;-) Wäre zu schön gewesen.

    1. Danke Dir! Und klar, 180… ist korrigiert

  4. […] dem deutlichen Ausscheiden aus der Champions League gegen Paris Saint-Germain mussten die Bayern zusehen, nicht auch in der Liga die Fälle davonschwimmen zu lassen. 0 […]

  5. […] Paris zerquetscht den Champions-League-Traum der Bayern | Jolle […]

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