Mario Götze – Spitzenspieler ohne feste Position

Zehn Tore und neun Vorlagen in 5 Wettbewerben. Wahrscheinlich hat niemand an Götzes Fähigkeiten und einer raschen Anpassung an seinen (neuen) Verein an der Isar gezweifelt. Und seit er seinen Kapselriss im Herbst 2013 überwunden hat, steht der 21-jährige Nationalspieler zur Verfügung und spielt. Dennoch wird eines ganz deutlich: Eine feste Position hat er beim FC Bayern noch nicht gefunden. Macht ihn das so wertvoll oder schränkt es seine Möglichkeiten ein?

1.76m klein, beidfüßig, wendig, schnell und mit fast perfekter Körperbeherrschung ausgestattet dürfte Mario Götze zu den besten Spielern im offensiven Mittelfeld gehören und dabei beinahe jede Position besetzen können. Die Kollegen von Spielverlagerung.de stecken ihn in die Kategorie »Nadelspieler«, wo er neben Luka Modric, David Silva oder Samir Nasri unter anderem wegen seiner technischen Stärke, Beweglichkeit, Dynamik, Passpräzision und Spielfeldorientierung gelobt wird. Die genannten Aspekte sind besonders für Coach Pep Guardiola wichtig, denn ein fluides Positionsspiel gepaart mit absolutem Ballbesitz ist sein Steckenpferd.

Blicken wir einmal auf Mario Götze in Dortmund zurück – dort agierte er oftmals hinter den Spitzen auf der “10”. Hier glänzte er vor allem als Vorlagengeber – meist mit zielgenauen Zuspielen in die Nahtstellen. Die Abnehmer dort waren Reus, Kuba oder auch Lewandowski. Meist ging das Spiel beim BVB durch die Mitte, aber er machte nicht nur Vorlagen, sondern durch gezielte Doppelpässte kreierte Götze häufig seine eigenen Torabschlüsse selbst. So entstanden letztes Jahr in 28 Spielen 10 Tore und 12 Assists – alleine in der Bundesliga. Fast noch wertvoller waren seine Auftritte in der Champions League. Hier kam Götze auf 7 Assists in 11 Spielen. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich sein relativ gutes Pressingspiel – der BVB konnte im Vorjahr viele Ballgewinne bzw. Chancen schon im gegnerischen Angriffsdrittel erzwingen. Aber auch durch das schnelle Umschaltspiel hatte Götze häufig viel leere Wiese vor sich. In München findet er beides eher selten vor.

Das Experiment »falsche Neun« mit Mario Götze im roten Trikot hat keine überragenden Ergebnisse eingebracht, aber vermutlich wird man hier in Zukunft noch einmal testen. Derzeit ist ein großer Stümer, der als Zielspieler für Flanken dient oder Zweikampf um Zweikampf gewinnt, eine wichtige Stütze des Bayernspiels. Götze war in der zentralen, aber sehr häufig auch linken Mittelfeldposition zu sehen. Dort ersetzte er Franck Ribery, der mit Rückenproblemen und einem Bluterguss zu Beginn des Jahres 2014 mehrere Wochen ausfiel. Und dort? Ich muss sagen, dass Götze mir dort nie besonders gut gefallen hat. Oftmals, besonders aus der Stadionperspektive beobachtet, wirkte er etwas verloren bzw. allein gelassen. Auf der Außenbahn muss er für die nötige Breite auf dem Spielfeld sorgen oder über lange Sprints in Richtung gegnerischen Strafraum kommen. Mit David Alaba hatte er dabei zwar meist einen hervorragenden Hintermann, aber seine Fähigkeiten kommen in einer zentralen Position meiner Meinung nach besser zur Geltung. Im Kicker wird Götze im Durchschnitt mit 2.43 benotet.

Mittig vor dem gegnerischen Strafraum kann er auf engstem Raum mit seinen Mitspielern kombinieren. Dort, wo er nur den Platz eines DHL-Paketscheins braucht, um sich von den Verteidigern zu befreien und in höchster Bedrängnis jemanden freizuspielen oder selbst zum Abschluss zu kommen. Vermutlich ist es nicht nur eine Frage der Position sondern auch der Qualität des Nebenmanns, denn solide Leistungen können viele Spieler im Kader des FC Bayern erzielen. Wirklich großartige Momente kennen wir auf den Außenbahnen nur von Franck Ribéry und Arjen Robben. Ich stelle hier eine (gewagte) These auf: Xherdan Shaqiri hätte Mario Götze in den letzten Wochen auch auf der Außenbahn vertreten können. Aus Leistungs- und Qualitätssicht hätten wir vermutlich keinen großen Unterschied gesehen. Zu oft taucht Götze ab und spielt unauffällig.

Es bleibt abzuwarten, ob Mario Götze in Zukunft nicht wegen der Möglichkeit auf allen Offensivpositionen zu spielen eingesetzt wird, sondern endlich in die Zentrale rücken darf. Gemeinsam mit dem flinken und teilweise genialen Thiago oder einem ballsicheren Toni Kroos könnte er Konstanz erreichen und seine Möglichkeiten voll ausspielen. Derzeit überzeugen mich seine Auftritte zu selten. Höhepunkte wie gegen Frankfurt und Gladbach wechseln sich noch zu oft mit durchschnittlichen Leistungen ab. Ein genialer Fußballer, der in jungen Jahren schon mitbringt was andere kaum erreichen, bleibt er dennoch. Nur seinen Platz muss er in München noch einnehmen – die nötige Zeit dafür wird er bekommen.

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Leserkommentare
  1. Felix

    Sehe ich ähnlich, gerade in den letzten Spielen war immer einer aus dem Mittelfeld dabei, der überragt hat (Thiago gg Frankfurt, Schweini gg Leverkusen). Nur war Götze da nie dabei…leider

  2. Bazi78

    Ich denke auch das Götze zentral als offensiver 8er oder als 10er am besten ist.Aber ihm geht es eigentlich genauso wie Müller der ebenso von einer Position zur nächsten geschoben wird.Wir haben im Zentrum Schweini oder Lahm als 6er,Thiago oder Kroos als 8er und Götze als 10er.Lahm könnte natürlich wieder als Außenverteidiger spielen.Gegen Ronaldo und Co. in der Champions League wäre das wohl auch am besten.Lahm als RV,Schweini 6er,Thiago oder Kroos 8er und Götze als 10er sind vielleicht in der heißen CL-Phase die beste Wahl!?

  3. rob

    Leider hat Götze seit seiner ersten längeren Einsatzzeit bei Bayern abgebaut. Man sieht ihn kaum noch, es kommen kaum noch entscheidende Spielsituationen, Tore oder Vorlagen von ihm. Das hat mich am Anfang sehr von ihm beeindruckt. Nur leider ist ihm das etwas abgegangen. Hoffen wir, dass sich das bald wieder ändert. Ich würde ihn glaub mal 1-2 Spiele auf der Bank lassen oder als Joker ziehen. Wäre sicher eine gute Idee.

  4. Da auch Shaqiri auf links nichts gerissen hat (und auch Contento sich nicht anders verhielt), ist mein Eindruck eher, dass es sich um eine taktische Anweisung hat, dass dort nicht viel passieren soll, wenn Franck nicht spielt: Ball annehmen, ein paar Schritte machen, zurückspielen. Das sieht eher nach Dribbelverbot aus, damit ein in dieser Angelegenheit vielleicht etwas sensible Franck sich nicht für überflüssig hält: https://twitter.com/fcblogin/status/444898420059561984.

    1. Christopher

      Mag sein, aber de facto ist er dort nicht so effektiv wie im zentralen Mittelfeld. Bin mal gespannt ob er in der Champions League weiter in der ersten 11 stehen wird.

      1. Bazi78

        Wer könnte bzw. sollte denn links Außen spielen wenn Ribery nicht dabei ist? Bisher waren Götze und auch Shaqiri nicht konstant gut.Wenn Robben nicht kann ist es wohl auf rechts Außen genauso oder…

    2. Die Variante: Du darfst nicht Dribbeln, weil der Franck das sonst immer macht, halte ich für unrealistisch. Für mich bleiben Shaqiri und Götze gute Ersatzleute – über die Qualität eines Ribery und seinen Möglichkeiten dort auf der Außenbahn brauchen wir ja nicht reden. Da muss man lange suchen, um jemanden zu finden.

      In Zukunft könnte Julian Green dort – aus Amateure-Sicht gesprochen – interessant werden, aber da fließt vorher noch viel Wasser die Isar entlang. ;))

  5. DS

    Es wurde eigentlich schon so ziemlich alles angesprochen und ich stimme auch so ziemlich allem zu (sowohl was den Artikel als auch die Comments betrifft). Dennoch fehlt hier meiner Meinung nach ein recht wichtiger Punkt. Und zwar Bayerns Spielweise in den letzten Wochen.
    Zeitgleich mit Schweinsteigers Einbindung in das System wurde faktisch wieder mit Doppelsechs gespielt. Ob solche Bezeichnungen nun sinnvoll sind oder nicht sei dahingestellt, was jedoch auffällig war ist die Tatsache dass der defensivere 8er, solange Schweinsteiger auf dem Feld stand, über weite Phasen des Spiels auf der selben Höhe wie dieser spielte.
    Außerdem wurde zur selben Zeit Müller häufig eingesetzt, welcher in dieser Zeit wohl zusammen mit Schweinsteiger die meisten Akzente setzen konnte.
    Wenn man diese beiden Aspekte bedenkt, ist es nicht verwunderlich dass die Spielweise der Bayern ihrer letztjährigen gleicht wenn Müller und vor allem Schweinsteiger auf dem Feld stehen. Alles ist etwas zielgerichter, weniger verspielt und sogar Ansätze von Kontern waren in den letzten Spielen immer wieder zu beobachten.

    Etwa gleichzeitig mit der oben angesprochenen Veränderung in der Spielweise hat Götzes Formtief begonnen. Natürlich hängt viel damit zusammen dass er ein paar Mal Ribery auf dem linken Flügel ersetzen musste, aber auch zuletzt in der Mitte konnte er keine überragenden Leistungen abrufen.
    Götze hatte meiner Meinung nach seine besten Spiele auf der offensiveren 8 (Iniesta Rolle) wo er häufig neben Ribery anzutreffen war und sich mit diesem in den Strafraum kombinierte. Ein Paradebeispiel dafür war das Spiel gegen Frankfurt.
    Ebenfalls scheint Götze sehr gut mit Müller zu harmonieren, welcher wiederrum der perfekte Nebenmann für Robben sein dürfte.
    Von daher würde ich es begrüßen wenn diese Kombination in Zukunft zumindest mal getestet werden würde. Hierbei würde Müller als Sturmspitze agieren, Ribery und Robben die Flügel besetzen und Götze den offensiveren 8er/10er übernehmen. Auf diese Weise hätte man wohl die Vorteile beider von mir genannter Systeme. Die Offensive ist kombinationsstark allerdings auch sehr durchschlagskräftig und man kann über beide Flügel sowie durch die Mitte wohl in etwa gleich viel Druck erzeugen.
    Einzig die Kopfballstärke und Torgefahr eines Mandzukic findet man wohl in dieser Form bei Müller nicht wieder, weshalb man hier natürlich Anpassungen an den Gegner vornehmen sollte. Bei tief stehenden Gegnern läuft man mit der genannten Aufstellung evtl. gegen eine Wand und man kann den Gegner möglicherweise nur noch durch Flanken unter Druck setzen. Das erfordert dann natürlich auch einen kopfballstarken Abnehmer.

    1. Christopher

      “Hierbei würde Müller als Sturmspitze agieren, Ribery und Robben die Flügel besetzen und Götze den offensiveren 8er/10er übernehmen.”

      Gutes Argument. In der Hinrunde hatten wir vielleicht in Leverkusen und gegen Manchester City unsere besten Spiele – in beiden Spielen agierte Müller als Stürmer.
      Auf der Gegenseite stehen natürlich die 24 Saisontore und 10 Vorlagen von Mandzukic – in 40 Spielen.

      Ich bin daher nicht vollends sicher, wie sich die Aufgabenteilung in naher und mittelfristiger Zukunft entwickeln wird. Ich sehe z.B. auch die Möglichkeit einer Dreierkette, die dann einen weiteren “Mittelfeldspieler generiert.

      1. Meiner Meinung nach können wir derzeit nicht auf Mandzukic als Stürmer verzichten, weil er dafür zu Torgefährlich und Zweikampfstark ist. Er verinnerlicht für mich das System schon sehr gut & sucht sich daran seine Aufgaben. Egal ob er nun Positionen besetzt, die beim Rotieren frei sind, oder früh attackiert. Obwohl wir die erwähnten Spiele so klar dominierten, fühle ich mich immer wohler, wenn Mandzukic spielt.

  6. Felix

    Denke, dass DS das schön zusammenfasst…was mich interessieren würde: Was würdest du mit Kroos und Thiago machen? In vielen Spielen mit den beiden hatte ich das Gefühl dass wir die Partie zu 100 % im Griff haben – das hatte ich zwar gegen Leverkusen und Arsenal auch,allerdings weniger wegen unserer Dominanz im Mittelfeld,als vielmehr dem offensiven Unvermögen der Gegner. Kehrt man zur Doppelsechs zurück,wenn auch nicht “offiziell”, gibt das nach außen hin für uns ein bekanntes (und wunderbares) Bild wieder – allerdings bezweifle ich,dass wir dann den CL-Titel verteidigen können. Denn ich denke,dass der Grund dafür,dass noch nie eine Mannschaft zweimal hintereinander gewonnen hat,darin liegt,dass sich niemand innerhalb eines Jahres taktisch und spielerisch in einer Form weiterentwickeln konnte,die es ermöglicht den Gegner (z.B. Barca) wiederholt zu überraschen. Dieses Gefühl hatte ich bei uns bisher mit dem 4-1-4-1 und hätte uns deshalb die Titelverteidigung zugetraut! Ob das mit der Rückkehr zu “alten Tugenden” möglich sein wird wird sich zeigen…

  7. ST

    Wenn man sich die Entwicklung eines Spielers ankuckt, muss man auch ein bisschen in die Zukunft schauen. Wenn nächste Saison Lewandowski bei den Bayern ist, stehen Pep 2 erstklassige Stürmer zur Verfügung, daher wäre das Thema “falsche 9 mit Götze” wohl erledigt.
    Vermutlich ist auch Götze ein Spieler, der Spielpraxis einerseits und Unterstützung vom Trainer andererseits braucht, zumal er auch noch recht jung ist und gerade sein ganzes Umfeld gewechselt hat. Das ständige Wechseln der Positionen und auf die Bank tut ihm sicher nicht gut.

    Aber davon abgesehen: Ein Notenschnitt von 2,43 beim kicker ist doch gut! Grad für einen Feldspieler.

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