Manchester United – The Fallen Empire?

Selten ist die Historie zweier europäischer Vereine so eng miteinander verbunden wie die Geschichte des FC Bayern und Manchester United. Menschliche wie sportliche Dramen spielten sich zwischen den beiden Klubs ab. Für viele Anhänger von United ist die Stadt München mit dem tragischen Flugzeugabsturz der legendären „Busby Babes” verbunden. Einige Spieler, die damals die erste englische Meisterschaft für den Verein aus Manchester holten, kamen ums Leben. Zudem viele junge Talente, die damals für den wohl attraktivsten Fußball auf der Insel verantwortlich waren. Öffentlich wurde nach dem Absturz bereits über das Aus des Klubs verhandelt – aber United machte weiter und die zweite Generation der Bubsy Babes mit Charlton, Best und Law holte gut zehn Jahre nach dem Absturz den Europapokal. Der Beginn einer Legende.

Aber nicht nur durch diese menschliche Tragödie ist München mit Manchester untrennbar verbunden, sondern auch sportlich. Es ist wohl das epischste Finale der Fußballgeschichte: Barcelona ‘99. Es gab selten ein Spiel, welches klarer für den FC Bayern verlief. Durch einen Freistoßtrick von Mario Basler gingen die Müncher früh in Führung und erarbeiteten sich vor allem in der zweiten Halbzeit zahlreiche Chancen. Der damalige Trainer Ottmar Hitzfeld schien sich seiner Sache sicher zu sein, so wechselte er in der 81. Minute den Libero Matthäus aus – und es kam, wie es kommen musste: Manchester United drehte durch zwei Eckballtore die Partie: Sheringham und Solskjær trafen in der 91. und 93. Minute. Der Mythos der Duselbayern schien für immer verloren zu sein. Für Alex Ferguson war es einer der größten Triumphe in seiner Trainerlaufbahn.

‘99 Reverse – die Revanche für Barcelona

Sir „Alex“ Ferguson ist neben Sir „Matt“ Busby das Fundament für den Erfolg von Manchester United. Beide waren über 24 (!) Jahre lang Trainer – eine Zahl, die heutzutage im modernen Fußballgeschäft nicht mehr vorstellbar erscheint. So war es auch der Schotte, der United betreute, bei dem großen Rückspiel der beiden Clubs in der Saison 09/10. Es war das Champions League Viertelfinale. Das Hinspiel war geprägt durch ein frühes Tor von Manchester und lange Zeit anrennenden Bayern, die sich schließlich in der 92. Minute belohnten: Gomez hatte einen Messiesken Moment und startete ein Sprint von der Mittellinie, doch an der Viererkette von den Red Devils biss er sich die Zähne aus. Evra ließ sich den Ball vom Fuß stehlen, sodass Olic den 2:1 Siegtreffer markieren konnte: ‘99 Reverse. Im Rückspiel war der deutsche Rekordmeister in den ersten 30 Minuten vollkommen chancenlos und lag mit Recht 3:0 zurück – erst ein Tor aus dem nichts von Olic gab etwas Hoffnung. Nachdem Rafael mit Gelb-Rot vom Platz musste, reichte den Bayern ein Tor – und es war Arjen Robben, der erneut Champions League Geschichte schrieb: Eckball Ribery, Volleyschuss von Robben und ein sich vergeblich streckender van der Sar bleiben wohl allen Bayernfans ewig in Erinnerung. Traumtor!

Der Umbruch – Moyes übernimmt für den Dauerbrenner Ferguson

Dies war aber noch nicht das Ende der Trainerlegende „Alex“ Ferguson – dieser holte sich zum Abschied in der Saison 2012/13 noch mal den Titel – 89 Punkte und 11 Punkte Vorsprung auf den Lokalrivalen Manchester City. Sein Nachfolger ist seit Juli 2013 David Moyes, der der grauen Maus Everton wieder Leben eingehaucht hatte. Ein durchaus undankbares Los, doch Moyes wurde von Ferguson persönlich auserwählt. Der Kader von Manchester Udt. hatte in den letzten Jahren immer mehr Baustellen, aber viele wurden nicht nachhaltig angegangen – oder zu inkonsequent behandelt. So gab es zum Beispiel immer wieder Gerüchte, dass man an Spielern wie Javi Martinez oder Thiago interessiert sei. Spieler, die zum FC Bayern wechselten – Alternativen fürs defensive Mittelfeld wurden aber nicht geholt. So spielte zuletzt wieder Ryan Giggs im defensiven/zentralen Mittelfeld. Der Waliser ist mittlerweile 40 Jahre alt. Bei seinem Profidebüt war Deutschland ein knappes halbes Jahr wieder vereinigt und der WM Erfolg von Rom lag noch in aller Munde. United war zwar nie dafür bekannt das große Geld zu investieren, lieber setzte man auf eigene Talente, doch die immer größeren Transferausgaben der Premiere League zwangen auch die Red Devils zu Stareinkäufen. Der letzte Volltreffer war in der Vorsaison – van Persie. Dieser erzielte auf Anhieb 26 Ligatore und war ein Garant für die Meisterschaft. Allerdings ist man wohl nicht erfahren genug mit Einkäufen und so schlugen viele Transfers in jüngster Vergangenheit nicht ein. Das Drama um Kagawa fand beim Hinspiel im Champions League Achtelfinale gegen Piräus seinen Höhepunkt. Aber auch Moyes Wunschspieler Fellaini, den er für fast 30 Mio. Euro aus Everton mitbrachte, sitzt nur auf der Bank.

Moyes agierte zuletzt vermehrt im 4-4-1-1 oder 4-3-2-1 System. Hinten sind die Aufgaben seit Jahren fest verteilt. Im Tor steht mit de Gea ein großes spanisches Torwart-Talent, welches sich nach einigen Anlaufproblemen zum Rückhalt der Red Devils gemausert hat. Die Probleme fangen erst in der Viererkette an. Kapitän Vidic ist in die Jahre gekommen und wechselt nach dieser Saison zu Inter Mailand. Ähnliche Probleme hat sein Partner Rio Ferdinand, der immer wieder wegen Verletzungen fehlt. Ferdinand wurde zuletzt von Phil Jones vertreten, dieser symbolisiert den Wunsch wieder vermehrt auf Spieler aus der ‘eigenen Jugend’ zu setzen. Auch auf der defensiven Außenbahn gab es zuletzt wenig Veränderung – hier spielt noch immer der bereits erwähnte Rafael. Auf der linken Außenverteidiger Position bekommen die Fans meist Evra zu sehen. Beide sind noch immer gut, keine Frage, aber sie verkörpern nicht (mehr) internationale Spitzenklasse. Die größte Baustelle im Kader von Manchester United ist aber nach wie vor das zentrale Mittelfeld. Kein Wunder, dass man vehement versucht mit Toni Kroos zu flirten. In der Champions League spielte dort zuletzt Giggs, in der Liga und im 4-3-2-1 sieht man ab und an Fellaini – mal zusammen mit Carrick und / oder Fletcher. Allesamt können nicht den Fußball spielen, den es in einer Welt von Pressing und Gegenpressing braucht – das Hauptproblem von United. Offensiv ist die Truppe von Moyes durchaus gut bestückt. Vor allem wenn Rooney gute Tage hat. Dann schnürt er immer wieder einen Doppel-/Dreierpack. Wie zuletzt gegen West Ham. Die Flügelpositionen im 4-2-3-1 werden immer wieder durchmischt. Einen festen Stammspieler gibt es nur mit Juan Mata. Dieser kam nach einem schwachen Saisonstart für 45 Mio. Euro im Winter von der Chelsea-Bank. Den Verantwortlichen wurde wohl schnell klar, dass nur noch frisches Blut den Kader der Red Devils neues Leben einhauen kann. Mata ist allerdings in der Champions League nicht spielberechtigt. Für die neue Saison plant man mit Transferausgaben um die 200 Mio. Euro – der Kader wird wohl komplett auf Links gedreht. Ansonsten hat man mit Valencia und Welbeck noch Gesichter im Kader, die man bereits aus der Champions League Partie 09/10 kennt. Vor allem Badstuber, damals noch Linksverteidiger dürfte noch mit Schrecken an die ersten 30 Minuten im Old Trafford zurückdenken. Valencia spielte ihn damals den ein oder anderen Knoten in die Beine. Eine echte Perle hat Manchester United mit Adnan Januzaj. Er gilt als einer der talentiertesten Jugendspieler Europas. Januzaj, Jahrgang 95 – steht in dieser Saison bereits bei 22 Ligaeinsätzen, 13 von Beginn und immerhin 3 Toren. Er gilt als schnell und ballsicher, ihm gehört sicherlich die Zukunft bei den Red Devils.

The Fallen Empire – die Champions League Qualifikation ist wohl verpasst

‘Neue Besen kehren gut’, doch wenn sie das Erbe von Sir Alex Ferguson aus dem Old Trafford weg fegen sollen, stoßen auch die besten Besen an ihre Grenzen. Moyes konnte von den ersten acht Saisonspielen nur 3 gewinnen – und so rennt man im Prinzip seit dem Spätherbst einem uneinholbaren Rückstand hinterher. Zwar gibt es immer mal wieder Phasen mit Siegen, allerdings folgen anschließend oft herbe Enttäuschungen. Blickt man auf die letzten 10 Spiele von United, erhält man hierfür die Bestätigung: 5 Siege, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen. Vor allem die Heimbilanz mit nur 6 Siegen aus 13 Spielen, ist einem Club wie Manchester United nicht würdig. So steht man nur auf Platz acht der Heimtabelle. Auswärts hingegen liegt man mit 8 Siegen aus 15 Spielen durchaus im Soll – Platz 2 in der Auswärtstabelle deuten jedenfalls das Potenzial der Mannschaft an. In der Summe steht man auf Platz 6, was gegenwärtig nicht mal für die Europa League reicht. Im FA Cup scheiterte man in der 3. Runde zu Hause gegen Swansea. Im League Cup mit Hin und Rückspiel im Halbfinale gegen AFC Sunderland.

Die einzige Hoffnung die Saison zu retten, liegt also in der Champions League. Auf internationalem Parkett kommt die Truppe von Moyes deutlich besser zu recht. In der Gruppe “A” kam man souverän ins Achtelfinale: 4 Siege und 2 Unentschieden bei 12:3 Toren. Höhepunkt war sicherlich der 5:0 Auswärtssieg in Leverkusen. Die Truppe kann also durchaus ins Rollen kommen und es ist offensichtlich, kann doch einiges möglich ist. Zumindest wenn man den Dreiecksvergleich Manchester, Leverkusen und München anstellt. Allerdings verrät der zweite Blick, dass man gegen die Top-5 Mannschaften der Premier League große Probleme hat. Bisher hat man nur ein Duell gewonnen, ein 1:0 Heimsieg gegen Arsenal. Zuletzt gab es eine bittere 0:3 Heimpleite gegen Liverpool. Im Etihad Stadium gegen den Lokalrivalen ging man im September 2013 sogar mit 1:4 unter. Das Rückspiel im Old Trafford endete genau eine Woche vor dem Champions League Hinspiel 0:3. Dzeko brachte City bereits nach 42 Sekunden in Führung. Die taktische Einstellung der Reds war miserabel, United hatte nicht den Hauch einer Chance. Wie aufgeheizt die Stimmung auch innerhalb des Fanlagers ist, zeigt die Geschichte um das Banner “The Chosen One”. Dieses zeigt Trainer Moyes und hängt seit Saisonbeginn im Stadion. Nach dem Spiel waren sieben Ordner nötig, um wütende Zuschauer daran zu hindern, dass Banner zu entfernen. Zeitgleich wurde Ferguson heftig dafür beschimpft, dass er Moyes mit seiner Nachfolge betraut hat. Einzig der Trost, dass man dem Liverpool FC den Weg zur Meisterschaft erschwert hat, tröstet über die Derbyniederlage hinweg.

Was erwartet uns im direkten Duell?

Kurzum: Das Hauptproblem der Moyes Elf ist offensichtlich – es fehlt die Konstanz. Das von Ferguson seit den späten 80er Jahren geschaffene Empire ist zumindest ins Wanken geraten, ob es endgültig fällt, werden wohl die beiden Duelle gegen Bayern München mitentscheiden.

Findet sich eine Mannschaft, die ihren eigenen Matchplan gut umsetzen kann, bekommen die Red Devils ordentlich Probleme. Das zeigten die Duelle gegen Liverpool, Swansea und Sunderland. Diese drei Clubs spielen wohl am ehesten einen modernen Fußball.  Die größte Chance für den FC Bayern liegt sicherlich in der Mittelfeld-Dominanz. Hier kann der FC Bayern die nötige Spielkontrolle übernehmen. Gefährlich dürften vor allem schnelle Konter über Rooney werden. Dieser ist mit allen Wassern gewaschen – und mit beiden Füßen besonders abschlussstark. In der “ewigen Torjägerliste” von Manchester United ist er mittlerweile auf Platz 3 angekommen mit 212 Toren. Nur die Clublegenden Bobby Charlton und Denis Law sind noch vor ihm. Ein mitspielender Manuel Neuer kann hier auch zur Gefahr werden, wie es Rooney unlängst gegen West Ham bewiesen hat. Spannend wird auch sein, inwieweit Ribery und Robben die Außenverteidiger beschäftigen können. Ganz zu schweigen von der alternden Innenverteidigung bei United. Im Hinspiel muss der FC Bayern dabei auf Dante verzichten, dieser sitzt eine Gelbsperre ab. United hat mit van Persie wohl den eindeutig den größeren Verlust. Der Spieler, der seinen Verein noch mit drei Toren ins Viertelfinale geschossen hat, fällt für ca. 6 Wochen aus. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn Manchester United zumindest im Hinspiel auf das Erfolgsrezept 4-4-1-1 setzt. Im Mittelfeld spielen dann Welbeck, Fellaini, Giggs und Valencia. Rooney dürfte vorne in der Spitze agieren.

Auf Erfahrungswerte von Pep Guardiola kann sich der FC Bayern dabei allerdings nicht stützen, er hat bisher noch kein Team im Old Trafford gecoacht. Dennoch hat der Bayerntrainer positive Erinnerungen an United – im Champions League Finale 2011 setzte sich das von ihm gecoachte FC Barcelona klar mit 3:1 durch.

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Leserkommentare
  1. Christopher

    Wer übrigens etwas mehr über die Geschichte der “Busby Babes” sehen möchte, sollte sich unbedingt mal den Film United ansehen. Ein wirklich cooler Sportfilm.

  2. […] 10. Blick in die Zukunft – nächste Woche geht das Champions-League-Viertelfinale los: DoktorFußball stellt sich die Frage “Dortmund oder Real: Wer kommt in das Halbfinale?”. Die Situation bei Manchester United, Bayerns Gegner in der Runde der letzten Acht, analysiert miasanrot.de. […]

  3. “United war zwar nie dafür bekannt das große Geld zu investieren” – WTF?
    Ich verweise mal auf http://www.transfermarkt.de/de/manchester-united/transfers-alle/verein_985.html, da findet man wohl mehr als genug Beispiele, dass United regelmäßig richtig viel Geld ausgibt.

    1. Christopher

      Hey Gunnar,
      Danke für deinen Kommentar. Ich habe lange überlegt ob man das so schreiben kann oder nicht. Unterm Strich habe ich mich dafür entschieden. Bis auf wenige Ausnahmen (Rooney oder Berbatov) bewegte sich United in den 00er Jahren bei seinen Transfers im Rahmen von 5 – 20 Mio. Euro. Man versuchte dabei immer Talente zu verpflichten. Die Liste trägt Namen wie Kagawa, de Gea, Young, Tosic oder Nani.
      Du hast aber auch nicht ganz unrecht, wenn du auf die Phase um die Jahrtausendwende hinweist.

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