Miasanrot Mailbag: “Thiago ist das Herz des Spiels”

Über den FC Bayern wird immer geredet. Rund um den Klub gab es in den vergangenen Wochen wieder genug Stoff zum diskutieren. Umso spannender ist es zu erfahren, welche Fragen unsere Leser haben.

Dabei sind wir auf großes Interesse gestoßen, weshalb es erneut zwei Teile geben wird. Im ersten beschäftigen wir uns unter anderem mit Renato Sanches, dem Bayern-Kader, dem Nachwuchs und einigen fiktiven Spielereien. Bis Sonntag habt ihr zudem die Möglichkeit, auch hier in den Kommentaren noch einige Fragen für den zweiten Teil zu ergänzen.

Ein großes Thema ist natürlich Renato Sanches, der vom FC Bayern nun für ein Jahr zu Swansea verliehen wurde. Ich denke tatsächlich, dass dies auch eine gute Entscheidung gewesen ist. Noch besser hätte mir eine Leihe nach Hoffenheim gefallen, doch scheinbar hatte man dort kein Interesse. Uns erreichten auch Fragen dazu, ob die Bundesliga nicht besser gewesen wäre. Ich persönlich finde es wichtiger, dass man einen Verein findet zu dem der Spieler passt. Darüber hinaus muss auch ein gewisses Grundniveau vorhanden sein und ein Trainer, der Spieler entwickeln kann. Wenn dies in Deutschland möglich war und Sanches nur deshalb nicht in Deutschland blieb, weil er nicht wollte, dann wäre das sehr schade. Grundsätzlich wird man nach einem Jahr sehen müssen, ob der Spielertyp beim FC Bayern überhaupt Sinn macht. In England kann er sich in einer starken Liga beweisen. So oder so sollte man ihm ein gutes Jahr wünschen.

Draxler – Kommt er oder nicht? Wie ist eure Einschätzung, ich persönlich fände es eigentlich einen richtig guten Deal.Sebastian Schuller (Facebook)

Ich glaube nicht, dass der FC Bayern Julian Draxler für weniger als 30 Millionen Euro verpflichten könnte und zweifle ehrlichgesagt daran, dass er mehr wert wäre. Das Risiko, einen Spieler für viel Geld zu holen, der bei keinem Verein konstant gute Leistungen gezeigt hat, empfinde ich als zu hoch. Dies gilt auch für die nächsten Transferperioden.

Robben und Ribery stehen vor ihrer voraussichtlich letzten Saison als “Stammkräfte” beim Fc Bayern . Wer soll diese dann ersetzen bzw. wird der Flügelfokus abgemildert (James) ? Ach ja und ist Goretzka 2018 realistisch bei der Anzahl an Mittelfeldspielern? Und hat Früchtl das Potential in den nächsten Jahren die neue Nummer 1 des FC Bayern zu werden?Corin Schweigert (Facebook)

Es ist immer eine Option “Robbery” mit einer anderen Spielidee abzulösen. Vorstellbar wären einrückende Flügelspieler und sehr hoch schiebende Außenverteidiger. Ancelotti hat dies auch schon mehrfach versucht, scheiterte aber daran eine gute Offensivstruktur zu kreieren. Ausschließen würde ich das für die Zukunft aber nicht. Gerade wenn man irgendwann einen neuen Trainer bekommen sollte. Goretzka ist eines der größten Talente im Land. Uli Hoeneß steht auf junge deutsche Fußballer, die das Potential haben, in der Nationalmannschaft eine Größe zu werden. Ich persönlich bin da etwas weniger euphorisch. Sein Talent steht außer Frage, aber ob der Bedarf da ist? Wenn man den Schalker für wenig Geld bekommt, bin ich jedenfalls dafür. Früchtl halte ich für einen guten Torhüter. Dennoch bin ich kein Fan davon, Spieler zu früh hochzujubeln. Neuer hat noch viele gute Jahre vor sich und Früchtl einen weiten Weg.

Eure Ideen zur Umgestaltung der Allianz Arena. Wie/was und vorallem warum würdet ihr die Arena so gestalten wie ihr sie gestalten würdet.Florian Reimann (Facebook)

Rote Sitze und einen schöneren Gästebereich, der nicht so weit vom Spielfeld entfernt ist. Es ist doch schön, wenn sich auch Gäste in München wohlfühlen.

Wie stark schätzt ihr unseren Nachwuchs und die Amateure ein? Aufstieg nächste Saison? Geht vor allem an den Napto.Henri Rot (Facebook)

Den Nachwuchs schätzt Napto als gut ein. Die jüngsten Erfolg unterstreichen das. Allerdings wurden die Weichen für den Erfolg von Leuten gelegt, die jetzt nicht mehr da sind. Deshalb sieht er die Möglichkeit einer Bewertung der aktuellen Verantwortlichen erst in ein paar Jahren.

Einen Aufstieg der Amateure hält er nicht für möglich. Die Blauen sind zu stark, die eigene Mannschaft zu jung und es wird einfach zu viele Rückschläge geben. Damit muss die Mannschaft dann erstmal umgehen können. Die nächste Saison ist ebenfalls schwer vorherzusagen, da man den Kader nicht prophezeien kann und genauso wenig weiß, wie stark die Konkurrenz sein wird.

Wie seht Ihr das? Mit Martinez, Hummels, Boateng und Süle hat man vier Innenverteidiger. Mit Thiago, Rudy, Tolisso und Vidal vier Defensivleute. Mich würde die Rolle von Martinez und Thiago hier interessieren. Seht Ihr sie auf besagter Position oder eher eine Position weiter vorne.Marco Werner (Facebook)

Ich denke schon, dass man sich von Martínez als Sechser verabschieden sollte. Das Mittelfeld ist stark genug besetzt und er ist ein herausragender Innenverteidiger, der dort mit seinen Qualitäten eher den Unterschied macht, als auf der Sechs. Natürlich ist mir die Triple-Saison nicht entgangen, aber den Bedarf von damals sehe ich nicht. Wir brauchen auf dieser Position jemanden, der spielstark ist und gleichzeitig verteidigen kann.

Das führt mich auch direkt zu Thiago, den ich eher auf der Sechs oder Acht sehe. Dort kann er in tiefen Zonen das Spiel machen, den Übergang vom ersten ins zweite und vom zweiten ins letzte Drittel koordinieren und in den wichtigen Räumen präsent sein. Thiago gibt dem Bayernspiel die so wichtige Struktur, die es ohne ihn nicht mehr gibt. Auf der Zehn sehe ich ihn oftmals verschenkt. Dort kann er nicht so viel Einfluss nehmen wie in tieferen Bereichen des Spielfeldes. Er ist das Herz des Spiels.

Alles in allem wird es in den wichtigen Spielen darauf ankommen, dass Ancelotti auf der Sechserposition mindestens einen spielstarken Mittelfeldspieler aufstellt. Tolisso und Vidal wird genauso wenig eine Dauerlösung sein, wie es Vidal und Martínez wären. Rudy oder Thiago – einer von ihnen sollte immer dort spielen.

Ich bin mir da selbst noch nicht ganz sicher. Das Potential, dass James der nächste Götze wird, sehe ich genauso wie die Möglichkeit, dass er durchstartet. Grundsätzlich halte ich ihn in Ancelottis System als sehr gute Option für alle Offensivpositionen. Bereits bei Real Madrid hat er auf beiden Flügelpositionen gute Spiele gemacht. Man muss sich da halt etwas von Robben und Ribéry als Maßstäbe lösen, da der Kolumbianer die Position ganz anders interpretiert. Ich erwarte aber auch, dass er auch mal in der Mitte auflaufen wird. Gerade weil Ancelotti ja mit Müller nicht warm zu werden scheint. Das ist seine Paraderolle. Es wird nur an ihm liegen, ob er seiner Karriere nun in München den entscheidenden Umstoß geben kann.

Ich liebe die Dreierkette, weshalb ich mich für ein 3-4-1-2 entscheide. Neuer im Tor, davor Hummels und Boateng. Je nach Form und Gegner würde ich dann noch Süle oder Martínez aufstellen. Davor ist Thiago aus genannten Gründen gesetzt. Der Spanier wird im Zentrum von Rudy unterstützt, da ich spielstarke Sechser liebe. Linker Flügelverteidiger ist Alaba, rechts beackert Kimmich den Flügel. Beide mit der Option auch mal einzurücken und das Mittelfeld so zu unterstützen. Vorne komplettieren Lewandowski, Müller und James meine Formation.

Grundsätzlich bin ich dafür, dass Robben immer spielt, aber diese Formation – ganz ohne echten Flügelspieler – würde mich schon sehr interessieren. Müller als Freigeist, James als Spielmacher, Lewandowski als Nummer 9. Ich halte diese Elf für eine spielstarke Mannschaft, die mit vielen verschiedenen taktischen Varianten und Vorgaben erfolgreich sein könnte.

Man darf durchaus kritisch hinterfragen, wieso der Kurs des FC Bayern jetzt gerade so ist wie er eben ist. Es ist sogar wichtig, damit kritisch umzugehen. Einige Entscheidungen und auch einige Aussagen lassen einen schon nachdenklich werden. Doch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sind keine Laien. Sie haben Ahnung von dem was sie tun und gerade Rummenigge hat dies in der Zeit ohne Hoeneß nachgewiesen. Sie werden diesen Klub nicht vor die Wand fahren. Das “schlimmste” was passieren kann, ist, dass sie mögliche Fehler zu spät korrigieren. Aber selbst dann droht dem FC Bayern kein Weltuntergang.

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Leserkommentare
  1. Kita

    Wirklich interessante Aufstellung. Würde mich freuen diese Mal zu sehen -> in der Bundesliga.
    Ich befürchte nämlich, dass bei einem starken Gegner 2 zentrale Mittelfeldspieler ohne gutes Zweikampfverhalten verheerend wäre. Also Vidal statt Rudy.

    1. Wobei du da Thiagos Zweikampfverhalten schon sehr unterschätzt. Aber natürlich ist die Kadertiefe genau dafür da.

      1. Kita

        Er hat sich im Vergleich zu seiner Guardiola-Zeit ;-) stark verbessert, das stimmt. Dennoch hat er immer wieder Aktionen in denen er bewusst/unbewusst Defensiv-Zweikämpfe meidet.

  2. Revolet

    Hab mir auch schon länger Gedanken über eine Formation mit Dreierkette Gedanken gemacht. Allerdings kann ich mir ein paar bestimme Spieler auf diesen Positionen nicht vorstellen z.B. Alaba, der einfach ungeeignet als Schienenspieler ist. Ein 3-4-1-2 würde bei mir eher so aussehen: die Dreierkette wird entweder gebildet von Alaba-Hummels-Boateng oder aber von Hummels-Martínez-Boateng, bei Bedarf rotiert natürlich Süle mal rein. In der ersten Variante ist die Idee, dass alle drei das Spiel aufziehen können, Alaba kann demnach bei eigenem Ballbesitz auch etwas nach vorne rücken und einen wichtigen Halbraum zwischen 6er und Verteidigung auffüllen. Er ist mit seinen Anlagen und den Positionen, die er zum einen gerne bekleidet, zum anderen aber auch drauf hat, prädestiniert dafür. In der zweiten Variante ist die Idee, dass Martínez aus dem Zentrum diese Rolle übernimmt. Er wandelt praktisch zwischen 6 und IV, je nach Spielsituation. Das Spiel wird um ihm rum aufgebaut, wobei er selbst mehr Anlagen im Spielaufbau besitzt, als dass ihm manch einer unterstellt.
    Rechts spielt natürlich Kimmich, ich will nicht sagen, dass er perfekt dafür geeignet ist, aber mit seinem Offensivdrang die Linie auf- und abzumarschieren und auch in der Zentrale alle Fähigkeiten aufbringt, würde er das ganz gut hinbekommen. Links wäre mit dem aktuellen Kader Bernat gesetzt. Prototyp eines Schienenspielers, aber klar gibt’s da aktuell bessere auf der Welt.
    Jetzt zu den 6er Positionen. Eine spielerisch starke Position: Thiago/Rudy und eine zweikampforientierte aber auch gleichzeitig Box-to-Box-Positionen Tolisso/Vidal. Diese können und müssen sich natürlich auch im ständigen Wechsel befinden.
    Vorne, wie es der Autor beschrieben hat. James auf die 10, davor Lewa mit einem herumwirbelnden Müller. Auf den drei Positionen fehlt es lediglich nach Alternativen.
    Ein Coman kann für einen stark defensiv geprägten Gegner für Bernat spielen, wodurch schon eher wieder ein einseitiger Flügelfokus entstehen würde.

    1. Josef

      Alaba als LIV in der Dreierkette finde ich ebenfalls sinnvoll. Drei Innenverteidiger sind in 95% der Spielen verschenkt. Wozu drei IV, wenn die Gegner ohnehin wahnsinnig defensiv spielen? und in den 5% Spielen gegen offensivstarke Teams sind mir drei IV zu hüftsteif für die flinken Außen.
      Die drei IV klingen nur deshalb charmant, weil wir auf der Postition IV die größte Kadertiefe haben, sprich: überflüssig gut besetzt sind wenn alle fit sind.
      Alaba LIV und(!)/oder Kimmich RIV wäre meine Lösung.

      1. Revolet

        Aber wenn Kimmich RIV spielen soll, wen lässt du dann als rechten Schienenspieler auflaufen?

      2. Ju

        Coman. Aber nur mit besserem Pressing und Gegenpressing.

      3. Josef

        @Revolet: genau das ist das Problem: fehlende Schienenspieler (siehe auch meine Aufzählung weiter unten).
        Es gibt also mehr Gründe pro Viererkette als nur Ancelottis Unflexibilität.

  3. Bayernfan

    Ich glaube, dass du dich bei der Aufstellung ein wenig verspekulierst. Einen Vidal nicht aufzustellen ist so, als ohne Waffen in den Krieg zu ziehen ;)

  4. Ju

    Unter Umständen liegt es an der Auswahl der Fragen, aber es ist auffällig, dass sich die Lesefragen mehr um die weiter entfernte Zukunft als ums hier und jetzt und die nahe Zukunft drehen. Diese Stimmung empfinde ich rund um Bayern im Moment als sehr präsent, vor allem auch bei Leuten, bei denen ich das so nicht gewohnt bin. Erklären kann ich mir das nur mit der allgemeinen Frustration über die permamente spielerische Rückentwicklung der Mannschaft in Verbindung mit der beinahe regierungstauglichen Aussitz-Souveränität des Trainers.

    Auch ich erwische mich hin und wieder beim Gedanken, eigentlich ganz gerne etwas vorspulen zu wollen. Allerdings nur, um im nächsten Moment das Gegenteil zu wünschen und die Ära unserer legendären Flügelzange somit noch ein wenig in die Länge zu ziehen. Es ist ausgesprochen ärgerlich, dass deren Extraklasse durch die strukturellen Probleme nicht maximal genutzt werden kann – ja im Gegenteil, sie defensiv im Moment sogar problematisch sind. Umso ärgerlicher ist dies, da man die beiden mit Blick auf den Transfermarkt nochmal genießen sollte. Der letzte Flügelspieler, den ich mir für Bayern im Moment hätte vorstellen können, ist nun nach Monaco gewechselt. Andere realistische Optionen sind nicht in Sicht und wenn, dann im kommenden Jahr sicher nicht unter 100mio zu haben. Aus Sicht des Bayernfans bleibt fast zu hoffen, dass Brandt den nächsten Schritt macht.

    Das führt mich auch zu meiner Frage, wenn ich noch eine stellen darf: Wisst ihr, wie der stand bei Brandt ist? Haben wir da tatsächlich den Fuß in der Tür, oder geht der am Ende doch nach Dortmund?

  5. Beobachter

    Wir sind vom Personal her eigentlich prädestiniert für eine Dreierkette, aber das werden wir wohl leider nicht sehen. Der Chef mag’s nicht. Gut, wenn man mal pessimistisch davon ausgeht, dass mindestens ein IV ausfällt, dann passt es wieder…

    1. Ju

      Der Chef wird seine Gründe haben. Erstens wird er der Auffassung sein, dass mit seiner Art der Trainingsorganisation ohne Vorbereitung und bei all den englischen Wochen die Zeit fehlt, um das einzuüben. Immerhin betreibt er kein konzeptionelles Positionsspiel, was sowas leichter macht.(in Anbetracht dieser nervigen Diskussionen der letzten Tage erspare ich mir, hier Namen zu nennen.)

      Zweitens könnte ich mir auch vorstellen, dass er 4er-Ketten Systeme für überlegen hält – es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass jeder internationale Titel der letzten 10 Jahre (mit Ausnahme vom Barca des Unnennbaren) mit 4er-Ketten gewonnen wurden. Oder zumindest konnte jede Mannschaft, die nahe an einem Titel dran war, auf höchstem Niveau die 4er-Kette als Ausweichsystem spielen. Wieder etwas, was ich einer Ancelotti-Mannschaft nicht unbedingt zutrauen würde. Er hat ein System und das wird mit kleineren Anpassungen eingeschliffen.

      1. Josef

        Die Tatsache, dass in den letzten 10 Jahren alles von Viererketten gewonnen wurden ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, aber meiner Meinung nach irrelevant. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (Juve) hat einfach niemand Dreierkette gespielt. Es ist ein neuer Trend, der erst seit einem Jahr Mainstream ist. Spannend wird, wie oft Dreierketten in den nächsten 10 Jahren die CL gewinnen.

        Für mich sprechen folgende zwei Hauptgründe gegen eine Dreierkette mit dem aktuellen Kader:

        1) Die intuitive 3er-Kette mit 3 IV hat keinen Sinn / ist i.d.R. zu defensiv.

        2) Fehlende Schienenspieler:
        – Alaba passt nicht (und würde ggf. als Halbverteidiger gebraucht)
        – Bernat passt; aber nichts für ungut, Bernat sollte bei unserem Anspruchdenken nicht der gesetzte Spieler sein, an dem sich das System orientiert.
        – Robben passt wenn man es asymmetrisch spielt, wie seinerzeit gegen Rom <3, aber kann er das vom Läuferischen her noch?
        – Bei Kimmich bin ich mir unsicher (und er würde ggf. als Halbverteidiger gebraucht)

        Fun Fact: Die Rolle hätte meiner Meinung nach gut zu Renato Sanches gepasst.

  6. chicago_bastard

    Ich kann die Rufe nach einer Dreierkette nachvollziehen, allerdings wundert mich, dass dabei eine Besetzung aus drei echten Innenverteidigern (im Artikel Hummels, Boateng und einer aus Süle/Martinez) favorisiert wird. Meiner Meinung nach würde die Dreierkette nur Sinn ergeben, wenn Alaba wie in Peps zweiter Saison den linken Part darin übernimmt, ansonsten hat man zwar eine starke Pressingresistenz im ersten Drittel und damit einhergehend einen starken Spielaufbau, aber zu wenig Durchschlagkraft nach vorne, vor allem wenn man Robben dafür opfert.

    1. War in meinen Gedanken auch eine Option. Ich glaube nicht, dass es beim FC Bayern eine Formation für alle Spiele geben kann. Man muss schauen, welche Taktik und welche Formation zu welchem Team passt. Drei Innenverteidiger machen gegen offensivstarke Teams durchaus Sinn. Gegen den durchschnittlichen Bundesliga-Gegner sehe ich es wie du.

    2. Ju

      Wir sind uns sicher einig, dass sowohl Alaba (in Form) als auch Kimmich ausgezeichnete Halbverteidiger spielen können. Insbesondere wenn Hummels als linker Halbverteidiger spielt, dessen andribbeln und mit Ball ins Mittelfeld aufrücken absolut stark ist, hätte ich aber auch mit einer Dreierkette aus z.B. Hummels, Boateng, Martinez keine Bauchschmerzen was das Offensivspiel angeht.

  7. Tschemp

    Meine eher grundlegende Frage lautet:
    Wie wird bzw. sollte sich der FC Bayern an die neuen Gegebenheiten auf dem Transfermarkt anpassen?

    – denn der Trend zu Ablösen im dreistelligen Millionenbereich wird weiter gehen.. wir haben klar gemacht, nicht so viel für einen einzelnen Spieler ausgeben zu wollen (was ich für einen Fehler halte)
    – international können wir also nicht bei den dicken Fischen mitangeln
    – man kann nicht darauf vertrauen, dass wir wieder mit viel Glück im mittleren international Regal Spieler finden, die es bei uns zur Weltspitze bringen(siehe Ribery, Robben, Boateng, Martinez..), und im heutigen Superstarfussball entscheiden Einzelspieler viele große Spiele
    – der Anziehungspunkt Guardiola (genutzt für Spieler wie Götze und Thiago) fehlt uns leider auch (da hätten wir mehr draus machen müssen?)
    – die Toptalente aus dem Ausland, wie Dembele, aktuell Sancho (was für ein Spieler!) gehen lieber zB zu Dortmund, weil sie da leichter Einsätze bekommen, und noch leichter wieder gehen dürfen
    – und schauen wir auf den nationalen Markt: die wirklichen Topspieler aus der Bundesliga bekommen wir auch nicht mehr
    – früher hätten wir einen Naby Keita in Deutschland gehalten, wenn solche Weltklasse schon mal da ist, siehe auch De Bruyne oder Toptalent Sané
    – wir bekommen selbst die “nur” guten Bundesligaspieler wie Goretzka und Brandt nur noch, wenn sie Klauseln haben oder vertragsfrei werden, ansonsten werden die frühzeitig und teuer ins Ausland verkauft

    Ich male sicher zu schwarz, denn wir sind und bleiben ein Top 8 Club in Europa mit finanzieller Kraft, viel Renommee, Erfolgsaussicht und tollem Umfeld. Aber ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie wir es schaffen wollen, international oben wettbewerbsfähig zu bleiben.
    Selbst national schwindet unsere Vormachtsstellung (inwiefern unterscheiden wir uns zukünftig von Dortmunds Strategie?).

    (das Thema Campus möchte ich hier gerne außen vor lassen, da es zu unplanbar ist, was es wirklich bringen wird. Viele Clubs haben ähnliche Voraussetzungen geschafft, und bringen trotzdem keinen Spieler mit FC Bayern Qualität raus)

    1. Mehmet68

      Ich habe genau die selben Fragen – und leider keine Antworten. Ich befürchte, dass es Uli und Kalle ähnlich geht.

      Grundsätzlich verliert die BuLi ja gerade viel an Attraktivität – Chicharito und Canahoglu, bei B04, Dembele und Keita, vorher schon Sane, de Bruyne und Draxler, demnächst Auba… die Topleute gehen ins Ausland. Es würde mich nicht wundern, wenn wir in der Fünfjahreswertung mittelfristig wieder auf den 4. Rang abrutschen. Und damit fiele auch Ulis Lieblingsstrategie bei Transfers komplett flach.

      Ich habe aber keinen Plan B – nur bei Keita hätte man es wie die “Reds” machen können. Und warum man bei Keita Baldé nicht zugeschlagen hat verstehe ich auch nicht.

    2. Mic

      Hi! Sprichst mir aus der Seele. Auch ich habe da mittelfristig meine Zweifel&Fragen, wie wir international ein für Topspieler attraktiver Verein bleiben wollen. Für ein “mia-san-mia-Gefühl”, das letztendlich nur über den Erfolg glaubwürdig bleibt, wechselt ja keiner. Auch die so sehr gepriesene “Bayern-Familie” ist ja kein wirkliches Argument für einen Topsieler zu wechseln, oder gar zu bleiben (siehe Sammer, Lahm, Kahn, oder die fehlgeschlagene Integration von Götze -trotz Krankheit- und Sanches). Da geht es um Beratermeinungen und letztendlich, so traurig es ist, um (Multi-)Millionen, die alle Beteiligten verdienen. Da halte ich die frühzeitige Absage an hohe Ablösen für strategisch “unklug”. Auch im Falle der Tatsache ich “transferiere” selbst mal ein Talent für 150Mio in einen anderen Verein. Wie glaubwürdig ist man da dann noch? Wenn ich (sorry) St.Pauli bin, dann glaubt mir das jeder, weil der Verein ein anderes in dieser Hinsicht glaubwürdiges Markenimage hat. Aber als Fußball-AG Investitionen in den Erfolg des Produktes quasi auszuschließen? Und gleichzeitig aber Werbeverträge mit Katar haben, die in anderen Bereichen des Weltfussballs ja enorm investieren und das als “Wahnsinn” abtun? Ich weiß, wir wollen das gestrige hier nicht diskutieren, aber das Profil unter Rummenigge, Sammer und Hopfner war mir näher. Ich mach’ mir Gedanken, über die Taktik hinaus, wofür dieser Verein zu Zeit steht!? Ich merke, das ich zur Zeit ein bestimmtes Fußball-Produkt (das unserer Bayern) schlicht konsumiere, weil es mir (noch) am besten gefällt. Aber zur Zeit mangelt es mir an “tieferen” Gefühlen zu unserem Verein. Und diese, das sage ich deutlich, entstehen nicht (nur) durch mehr Triple, oder weitere fünf Schalen in Folge. Wie seht ihr das? Wofür steht FCB zur Zeit bei Euch? Wie fühlt ihr Euch mit Hoeneß und ohne Lahm ;-) ?

      1. Mehmet68

        MC – ich sehe es wie Du – Hoeneß’ Retrokurs mit Anfängern wie Sagnol und Brazzo hat mich sprachlos gemacht.

        Auch den Transfer des gefühlt achten defensivstarken Läufers im zentralen Mittelfeld konnte ich angesichts unserer schwächelnden Offensive nicht nachvollziehen.

        Und von Katar / Abu Dhabi habe ich noch gar nicht angefangen, aus gutem Grund.

  8. Mehmet68

    Ich wundere mich schon, wie viele Fans die Dreierkette hier hat: Egal ob 3-5-2 oder das oben vorgeschlagene, sehr ähnliche 3-4-1-2, das Grundproblem ist und bleibt ein überladenes Zentrum mit nur 2 anstatt von 4 Außenspielern. Ich kann die Vorteile in der Defensive klar erkennen, aber offensiv finde ich es nicht überzeugend. Vielleicht setzen deshalb die taktisch innovativeren Fußballnationen wie Niederlande und Spanien nicht darauf?

    Ich höre aber auch gerne leidenschaftliche Plädoyers dafür. :-)

    1. Pro:
      -Bessere Absicherung im Aufbau, bessere Breite im Aufbau, meist haben Mannschaften mit Dreierkette zudem mehr Dreiecke im Aufbau
      -defensive Stabilität
      -passt einfach besser zum Kader des FC Bayern und lässt mehr Variation in der Grundformation zu, als die doch sehr statische Viererkette
      Con:
      -wenn nicht gut genug strukturiert, kann es Durchschlagskraft in der Offensive kosten

      Grundsätzlich ist es aber relativ egal, welche Telefonnummer als System steht. Die Interpretation ist wichtig. Man kann aus der Dreier schnell eine Vierer und eine Fünferkette machen und aus der Vierer über Asymmetrien oder abkippende Sechser auch eine Dreierkette. Balance, Struktur und Dreiecke sind wichtig. Übrigens finde ich ein überladenes Zentrum gar nicht so unattraktiv. Dann muss man eben die Räume freispielen, die dadurch leer stehen.

    2. Ju

      Man kann das überladene Zentrum ja auch als Chance begreifen und jedes System so spielen, dass die Außen nur einfach besetzt sind. Man denke zb an das Dortmunder 4-2-3-1 des ersten Meisterjahres, Zidanes 4-3-1-2 oder zwische Interpreatationen des spanischen 4-3-3 bevor da Jesus Navas sein Unwesen trieb.
      Die viel spannendere Frage ist, ob Bayern überhaupt die Spieler hat, um durch das überladenen Zentrum zu kommen. Thiago sicherlich und Ribery hat auch Nadelspielerqualitäten, aber dann wirds schon dünn.

      1. Mehmet68

        Merci, gute Überlegungen. Bei der Defensive bin ich wie gesagt voll dabei. Auch die Dreiecke können offensiv helfen. Um aus einer so kompakten Mitte heraus offensive Durchschlagskraft zu entfalten benötigst du aber Topkaliber wie Modric/Kroos, Xavi/Iniesta etc.

        Auch Löw hat bei der WM 2014 ja nicht ganz ohne Grund wieder auf 4er-Abwehr mit Lahm umgestellt, was wohl den Titel brachte. Aber wie Ihr beide schreibt, es kommt maßgeblich aufs Spielermaterial an.

  9. Axel

    Gibt hier eigentlich irgendjemand auch nur einen Pfifferling auf die “Untersuchung” der UEFA wg “möglicher Verstöße gegen das Financial Fairplay” von PSG? Irgendjemand, der auch nur im Ansatz glaubt, dass Financial Fairplay etwas anderes als ein ganz einfach zu umgehendes Feigenblättchen mit der Glaubwürdigkeit des IOC ist? Mein Eindruck ist, dass jeder Mittelklasse-Anwalt ausreichend qualifiziert wäre, die Regularien der UEFA zu umgehen und Scheich- bzw. russisches Mafia-Oligarchengeld in unbegrenzter Höhe in das System fließen zu lassen. Ohne ein echtes Fairplay bleibt aber nur noch zu hoffen, dass die vergleichsweise (!) hohe Glaubwürdigkeit der Bundesliga erhalten bleibt. Aber ich bin nicht sicher, ob der DFB, die Vereine und die Verantwortlichen der Liga damit richtig umgehen werden.

    1. Mehmet68

      Das kann man nur europaweit lösen. Das Problem ist, dass gerade die EU die Regeln gelockert hat, siehe Bosman-Urteil. Das FFP ist m. E. komplett gescheitert, könnte aber nur von UEFA oder FIFA durch strengere Reglements, wie etwa zur Erfüllung von Verträgen, geregelt werden. dagegen würde aber sofort zivilrechtlich geklagt werden, weil es nicht den Regeln für normale Angestellte entspräche.

    2. wipf1953

      Da gab es ein interessantes Rummenigge Interview vor ein paar Tagen (googelst Du: “Es gibt Zeichen aus Brüssel”). Rummenigge hat sinngemäß gesagt, dass Sanktionen aufgrund europäischem Wettbewerbsrecht einfach nicht durchsetzbar sind. Letztlich ist das das Gleiche Prinzip wie beim Bosman Urteil.

      Es ist schon schwer zu verstehen, dass es in den USA klare Regeln gibt, die den Sport spannend halten, während das an sich weniger kapitalistische Europa damit rechtliche Probleme hat. Aber eventuell gibt es diese “Zeichen aus Brüssel” ja tatsächlich. Ich würde das absolut begrüßen.

  10. Osrig

    Bei der Betrachtung 3er oder 4er Kette wird einem wichtigen Aspekt m. M. n. zu wenig Beachtung geschenkt:
    Der Option, mit 3 defensiven Mittelfeldspielern aufzulaufen! Immerhin eine Option, die Ancelotti zuletzt ja durchaus öfter genutzt hat.
    Wenn mit Dreierkette gespielt wird, ist das ja ausschließlich für die Offensive von Bedeutung, da bei gegnerischem Ballbesitz ganz sicher nicht nur mit 3 Abwehrspielern auf einer Linie agiert würde, sondern die 3er Kette durch Zurücknahme der AV zu einer 5er Kette wird. Mit 5er Abwehrreihe wird der FCB nicht spielen, da viel zu defensiv ausgerichtet.

    In der normalen 4er Kette kann bei einer Aufstellung mit 3 Defensiven Mittelfeldspielern der zentrale DM sich zwischen die IV zurückfallen lassen und unterstützen, ich habe dann quasi eine 3er Kette – gleichzeitig habe ich bei gegnerischem Ballbesitz ein gutes Bollwerk in der Zentrale und kann bei eigenem Ballbesitz so den Aufbau aus der eigenen Abwehr heraus noch etwas besser steuern. Vor allem, wenn die AV variabel spielen und entweder als Außenstürmer agieren oder durch Abkippen das OM unterstützen und Anspielstationen bieten.

    1. Ju

      Das kommt darauf an, was du mit den drei defensiven Mittelfeldspielern meinst. Wenn du die klassische ‘ein 6er zwei 8er’ Aufteilung meinst, ist das (neben 3-4-2-1/3-4-1-2) eigentlich der momentane Standart. Deshalb glaube ich nicht, dass dieser Überlegung zu wenig Beachtung geschenkt wird.

      Durch die Problemstellung bei Dreierketten, nämlich im Vergleich zu 4erKetten mit aufrückenden AVs einen Offensivspieler weniger zu haben, muss es eigentlich Ziel einer aktiven Mannschaft sein, das Mittelfeld so offensiv wie möglich zu besetzen. Ansonsten kannst du damit höchstens ein knackiges Mittelfeldpressing aufziehen und kontern.

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