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Landauer. Der Präsident – Premiere im Sendlinger Tor Kino

Am Dienstagabend kam ich in den Genuss der durch den Club Nr. 12 organisierten Vorführung des Films „Landauer – Der Präsident“ im altehrwürdigen Kino am Sendlinger Tor. Ein wohl einmaliger Vorfall, dass auch nachdem die rund 400 Gäste inklusive der vollzähligen Bayern-Amateure-Mannschaft Platz genommen hatten, die rotbestuhlten Kinoreihen weiterhin komplett rot gefärbt waren. Eintönig verlief der Abend dennoch nicht.

Im Blog wurde bereits eine Kritik zum Film geschrieben, dennoch möchte ich noch einmal einige persönliche Eindrücke ansprechen.

Kurz zum Inhalt: Der Film steigt kurz bei der ersten Meisterschaft des FC Bayern ein, die 1932 unter der Präsidentschaft des Juden Kurt Landauer und dem Trainer Conny Heidkamp Richard “Dombi” Kohn errungen wird, und springt anschließend in die Nachkriegszeit. Über die Vertreibungsgeschichte Landauers, der zwischenzeitlich im Dachauer KZ interniert ist und im Anschluss in die Schweiz flieht, erfahren wir nur vereinzelt etwas. Im Fokus steht die Rückkehr Landauers nach München, wo er eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach New York zu machen gedenkt, von seiner Lebensliebe, dem FC Bayern München, aber nicht losgelassen wird. Es geht um Mangel, um Wiederaufbau, um die Schaffenskraft eines Machers, um die Besatzungsbürokratie und die gesellschaftliche Aufarbeitung eines Landes, dessen Volkspsyche gebrochen ist.

In der Vorbesprechung des Films erfahren wir, dass die Geschichte des jüdischen Präsidenten lange Zeit verschüttet und in Vergessenheit geraten war. Erst durch die akribische Recherche nicht etwa auf Seiten des Vereins sondern der Fans konnte dieser Teil der Historie des FC Bayern, Münchens und Deutschlands geborgen werden.

Den Film finde ich in großen Teilen gelungen. Darüber, dass es dieses Filmprojekt überhaupt gibt und uns die Geschichte dieses Mannes nun im kollektiven Gedächtnis bleiben kann, bin ich ausgesprochen froh und dankbar. Ich fühlte mich nicht nur gut unterhalten, sondern wirklich bereichert. Ich bin mit dem Gefühl aus dem Kino gegangen, den Verein nun ein stückweit besser zu verstehen als zuvor. Aber genau darin liegt auch einer der Kritikpunkte begründet, über die ich mich anschließend mit ein paar Freunden ausgetauscht habe.

Es wurde auch im Abspann zu wenig aufgeklärt, welche Aspekte des Films auf hart recherchierten Fakten basierten und was notwendigerweise ausgeschmückt werden musste, um eine runde und fleischgewordene Geschichte auf die Leinwand zu bekommen. Auch die den Film ergänzende Webseite gibt wenig Aufschluss darüber. So gehe ich persönlich davon aus, dass es stimmt, dass nur eines seiner Geschwisterkinder den Krieg überlebte oder er eine Liebesbeziehung mit der früheren Haushälterin der Familie hatte. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass andere zwischenmenschliche Details, wie jenes, dass er der Schwester eines SS-Mannes einen Job im Verein gibt, eher stellvertretend für sein zupackendes Engagement steht. Aber war es wirklich Kurt Landauer, der dafür sorgte, dass die Säbener Straße die Heimat des Vereins ist? Musste er dafür tatsächlich sein Judentum vor den Amerikanern in den Fokus rücken, weil deutsche Funktionäre generell abgewiesen wurden? Das erfahren wir nicht.

Ein zweiter Vorwurf, den ich dem Film mache, ist folgender: Anstatt dem zeitgenössischen Publikum zuzutrauen, sich in die historische Situation einzudenken und die Geschichte für sich sprechen zu lassen, produziert er kalkulierte Parallelen zur Gegenwart. Vielleicht deute nur ich das hinein, aber das Erscheinungsbild Landauers, gespielt von Josef Bierbichler, erinnert so eklatant an das von Uli Hoeneß wie auch das des damaligen Bürgermeisters Karl Scharnagl, gespielt von Harry Täschner, an das von Christian Ude, dass es für mich beabsichtigt gewesen sein muss. Etwas, das der Film überhaupt nicht nötig hat. Auch das gemeinsamer Stadionprojekt mit den Blauen in Form des Wiederaufbaus des Stadions an der Grünwalder Straße wirkt aus der Retrospektive wie der Abklatsch der heutigen Arena-Mieten-Kontroverse.

Die Sticheleien gerichtet an den Lokalrivalen Sechzig konnten im rotbesetzten Kinosaal natürlich für einige Lacher sorgen, aber genau dort möchte ich wissen, ob die Parallelen den Tatsachen entsprechen oder die Klischees den Weg lediglich deshalb ins Drehbuch geschafft haben, um sich mit dem vorzugsweise roten Publikum gemein zu machen. So wurde zwar nicht ausgespart, dass auch beim FC Bayern Nazis weilten, dennoch wurde der TSV explizit als „der Nazi-Club“ bezeichnet. Ein heftiger Vorwurf, der auf Seiten der Sechzig-Fans nicht zu Unrecht bitter aufstoßen wird.

Besonders gelungen fand ich dagegen den Erzählstrang rund um Trainer Heidkamp, in dem das Publikum mehrere Volten durchlebt beim Versuch zu klären, wer eigentlich der Held und wer der Bösewicht ist, wer richtig handelt und wer hintergeht. Hier führen die unterschiedlichen Perspektiven – ob exakt so geschehen oder nicht – vermutlich am nächsten an die Wahrheit der damaligen Zeit heran.

Ich hab auf jeden Fall eine Menge Gedanken aus dem Kino mitgenommen und rufe alle Anhänger des FC Bayern München dazu auf, die A…. Arena künftig das Kurt Landauer Stadion zu nennen, so wie das bei der Hermann-Gerland-Kampfbahn ja auch bereits ganz gut funktioniert.

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Leserkommentare
  1. […] ich nun schon einen Podcast mit den Jungs von miasanrot.de gemacht und eine Kritik zum Landauerfilm geschrieben habe, gehöre ich mit der neuen Kategorie zum Frauenfußball auf miasanrot.de nun ganz […]

  2. […] Präsidenten Kurt Landauer im Ersten ausgestrahlt. Wir berichteten bereits im Juli und im September ausführlich über die beiden Filmvorführungen beim Filmfest und in der Sondervorführung des C12. […]

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