Kroos sagt »Servus«? – Eine vielschichtige Transferdiskussion

Die Möglichkeit eines Wechsels von Toni Kroos ist schon länger bekannt. Er selbst spielte mit höheren Gehaltsforderungen, um endlich auf die Stufe von Schweinsteiger, Lahm, Ribéry, Robben oder Götze aufzusteigen. Davon ist er aktuell noch ein gutes Stück entfernt, weil der Verein scheinbar nicht bereit ist, auf seine Forderungen einzugehen. Das Interesse an ihm ist zumindest von Seiten Manchester Uniteds groß. Ein Angebot soll schon unter David Moyes eingefädelt worden sein und auch der neue Cheftrainer im Old Trafford – Louis van Gaal – hebte nun den Daumen. Glaubt man der britischen DailyMail, dann könnten 20 Millionen Pfund (knapp 25 Millionen Euro) in Richtung München fließen, wenn Kroos seine Gehalts- und Wechselspiele zum Abschied macht. Präsident Karl Hopfner stellte im Kicker klar, dass man keine Änderungen am Angebot des FC Bayern plant und es im Fußball manchmal sehr schnell gehen könne. Die größte Wertschätzung genießt er wohl nicht (mehr), was zweifelsohne mit seinen Jahresgehaltsforderungen zusammenhängt, weswegen man ihn nur zu für den Verein akzeptablen Konditionen halten möchte.

So viel zu den »offiziellen« Statements. Spannend ist diese Transferdiskussion, wenn man weg von den Spielchen in der Presse geht und wieder auf dem Fußballplatz ankommt.

Toni Kroos, der als Heynckes Liebling das Trikot des FC Bayern überstreifte, ist vor allem eines: ball- und passsicherer Kombinationsspieler. Quoten von stabil über 90% erreicht er auf der Position des Sechser oder weiter vorn im zentralen Mittelfeld. Mit der Sicherheit am Ball und spielöffnenden wie -verlagernden Flanken, ist er wohl aber der perfekte Zehner, der die Möglichkeiten ausnutzt zwischen Linien zu pendeln, also Bälle aus der Tiefe aufnehmen oder im Kombinationsspiel vor dem gegnerischen Strafraum verteidigen kann. Michael Cox, der unter anderem für ESPN und Zonal Marking schreibt, ehrte ihn im November 2012 als möglichen »Schlüsselspieler« für den FC Bayern – speziell unter Pep Guardiola. Zu diesem Zeitpunkt prägte Kroos Auftritt beim 3:1 gegen Manchester City die öffentliche Wahrnehmung.

Guardiola’s emphasis upon ball retention is obvious, but honestly, Pep, Kroos is one of the few players in Europe who can simultaneously be incisive and reliable with the ball. Above all others, he should be Bayern’s key player.
Michael Cox: »Toni Kroos has earned right to be Bayern’s key«, ESPN, 21.11.2013

Präzise und Zuverlässig – andere Attribute könnten Toni Kroos kaum besser beschreiben. Unter Pep Guardiola entwickelte er sich auf der Achter- und Sechserposition weiter, aber auf dem Platz erreicht er trotz seiner Fähigkeiten ein entscheidendes Attribut nicht: Dominanz. Partien mit überragenden, von Kroos bestimmten Auftritten kann man wohl an einer Hand abzählen. Ihm fehlt dafür auf dem Platz die notwendige Zweikampfstärke. Dieses Auftreten entwickelt er zu oft nur in Interviews. Natürlich hat ein ballsicherer Spieler nicht die öffentliche Wahrnehmung eines Torjägers, aber Auftritte wie gegen Manchester City wiederholten sich nicht so oft, dass sein Anspruch auch auf Leistungsbasis ein entsprechendes Fundament erhält. Er ist ein Spieler mit Schlüsselfaktoren, aber niemand, der damit über die letzte Saison hinweg auch als Persönlichkeit eine Schlüsselrolle eingenommen hat. Toni Kroos wirkt trotz seiner Fähigkeiten ersetzbar und hat selten gezeigt, dass er über diese Einschätzung hinaus kommen will.

Betrachtet man andere Umstände und ordnet die Bemühungen um eine Vertragsverlängerung ein, wird deutlich, dass weitere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Schlussendlich muss sich der FC Bayern die Frage stellen, ob Bastian Schweinsteiger in den nächsten Spielzeiten die tragende Rolle im Mittelfeld übernehmen kann. Verletzungen und mangelnde Fitness sind hierbei entscheidend, da er die gleichen Fähigkeiten wie Kroos besitzt, eine ähnliche Spielweise in die Mannschaft bringt, aber zusätzlich auch das Team in kritischen Phasen tragen kann. Wenn der FC Bayern die Situation um Schweinsteiger positiv bewertet, wird der Platz für Toni Kroos eng, weil das geforderte Gehaltsniveau für den 24-Jährigen nicht gerechtfertigt ist. Möchte man ein Standing bei den Fans oder Sponsoren in die Betrachtung einbeziehen, bleibt das auch so.

Der FC Bayern ist gut beraten, wenn er sein Vertragsangebot an Toni Kroos unter Gesichtspunkten der Leistung erstellt und eine klare Rollenverteilung im Spielsystem vor Augen hat. Kroos hat zu selten gezeigt, dass er ein »Difference Maker« sein kann. Das geforderte Gehalt hat selten gute Argumente bekommen.

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Leserkommentare
  1. Milo

    D’accord! Dem ist nichts hinzuzufügen!

  2. kitas

    stimmt, genau meiner Meinung!

  3. Peter

    Wann war denn Götze ein “difference maker” in dieser Saison? Ist es nicht absolut verständlich wenn Kroos auf einem Gehaltsniveau wie Götze schwimmen möchte? Götze ist darüber hinaus eher ersetzbar als ein Kroos, auch wenn der Artikel hier das Gegenteil vermitteln möchte. Die Spiele in denen Kroos mal wirklich schlecht war kann man nämlich nichtmal an einer halben Hand abzählen. Die Saison nach der eingefahrenen Meisterschaft mal ausgeklammert, was in Anbetracht der Leistung von Kroos’ Kollegen nur fair ist. Aber Konstanz ist wahrscheinlich einfach nur überbewertet. Überhaupt ist diese “vielschichtige Transferdiskussion”, insbesondere wenn es um die vermeintlichen Schwächen des Spielers geht, nicht mehr als das typisches Phrasengedräsche.

    1. Hallo Peter, ich stimme dir insofern zu, dass Mario Götze das Gehaltsgefüge beim FC Bayern durcheinander gewirbelt hat. Wobei die Gründe dafür wohl bei anderen interessierten Vereinen liegen, wodurch man auf diese Angebote reagieren musste. Bei Robert Lewandowski, der ebenfalls mit hohem Jahresverdienst einsteigen dürfte, sehe ich das etwas anders. Die Kosten des Spieler sollte man über seine Vertragslaufzeit rechnen und da steht er trotz Handgeld ohne Ablösesumme da und geht als “erträglich” im Gehaltsgefüge über die Bühne. Eine Betrachtung aus Vereinssicht selbstverständlich.

      Blicken wir also lieber auf Leistungsdaten und da steht Kroos hinten an. Götze, weiter vorn spielend, mit 10 Toren und 9 Assists trotz Rückkehr nach Muskelbündelriss und Kapselriss. Kroos bei 2 Toren und 4 Vorlagen in der Liga. 182 vs. 1.028 Minuten bis zum Torerfolg. Zumindest die “harten” Argumente sprechen für Götze. Aber auch wenn wir beachten, dass Kroos auf der tieferen Sechserposition spielt und demnach faktisch weniger “Zug zum Tor” hat, erscheint er mir in dieser Saison alles andere als brandgefährlich oder spielentscheidend. Hinzu kommen die von mir angesprochenen persönlichen Faktoren. Man bräuchte mit Blick auf die Sechserpositionen Werte wie vorletzter, vorvorletzter Pass oder entscheidende Szene für die Einleitung einer Torchance. Beides gibt es (aktuell) nicht und dem steht nur seine Passquote gegenüber. Ein Argument, das mir persönlich nicht ausreicht, um einen Aufstieg in die Topverdiener-Riege beim FCB zu unterstützen. Besonders wenn es die reine Betrachtung des Spiels – unabhängig von Daten – in meinen Augen ebenfalls so darstellt.

      Der FC Bayern weiß selbst, welche Qualitäten er mit Toni Kroos im Kader hat und mit einer Vertragsverlängerung behalten könnte. Argumente für ein wesentlich höheres Jahresgehalt hat Toni Kroos aber zu selten geliefert. Wie heute irgendwo gelesen: “Er soll doch die WM seines Lebens spielen” und damit auch im Verein punkten. Passieren wird das vermutlich nicht – ein Kämpfer scheint Kroos nie wirklich gewesen zu sein.

      1. Bazi78

        Wer weiß denn schon genau wie sehr Mario Götze das Gehaltsgefüge beim FC Bayern durcheinander gewirbelt hat? Oder habt ihr da einen sicheren Informanten?

        Es sind doch eigentlich nur die Zahlen aus den Medien bekannt.Das Götze wirklich 12 Mio verdient hat doch nur Herr Watzke behauptet um seinen Abgang besser erklären zu können.Ich denke mal das Schweinsteiger, Lahm, Neuer, Ribéry und Robben die Topverdiener sind.Erst danach kommt wohl ein Götze und auch jetzt ein Lewandowski…

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