Juventus Turin – Wenig zittern, oft dominieren

Während man den Halbfinaleinzug in einer anderen deutschen Stadt mit frenetischem Jubel feiert, haben unsere Roten ihren unbeirrbaren Weg auch im Juventus Stadium fortgesetzt. So musste der Gastgeber am Ende eingestehen, dass sie sich nicht durchsetzen konnten. Zwischen Demut und Freude siegte der FC Bayern wie im Hinspiel auch Auswärts mit 2:0 und darf nun verdient das Halbfinale bestreiten.

Juventus Turin FC Bayern Aufstellung
35′ Boateng für van Buyten,
80′ Gustavo für Ribéry,
83′ Pizarro für Mandzukic

Nach allerhand Anspannung im Vorfeld konnten wir uns nach spätestens zwanzig Minuten am gewohnt ruhigen und dominanten Spiel der Bayern erfreuen. Dabei ist es keine Dominanz mit Überheblichkeit. Eventuell ist Dominanz sogar das falsche Wort. Aber wie soll man die Mannschaft sonst bezeichnen ohne »souverän« inflationär benutzen zu müssen? Hungrig nach Erfolg und hochkonzentriert. Eigenschaften die uns in den letzten drei Jahren eventuell gefehlt haben. Nun führen sie hoffentlich zum Erfolg. »Hoffentlich« ist dabei das richtige Wort, denn noch ist kein Titel gewonnen. Uupps.. doch, die deutsche Meisterschaft. Der Titel der mir vor der Saison am wichtigsten war und neben dem DFB-Pokal noch immer zu meinen größten Wünschen in dieser Spielzeit zählt. Für mich ist in der Champions League seit dem Halbfinaleinzug alles drin und an eine Schmach glaube ich nicht. Dafür sitzen die Schrecken der letzten Jahre zu tief und das Auftreten der Mannschaft ist zu abgeklärt. Das Selbstverständnis ist zurück. Aber halt! Diese Ansicht muss man wahrscheinlich für Nicht-Bayern-Fans erklären. Man ist gierig auf jeden einzelnen Titel und will immer und alles gewinnen. Das kann man auch zugeben und muss sich nicht hinter der Rolle als Underdog verstecken. Nur so kann man auch erklären wieso es am Wochenende keine Jubelstürme auf der Leopoldstraße gab. Deutscher Meister nach zwei erfolglosen Jahren und mit 20 Punkten Vorsprung? Hochverdient. Titelambition im DFB-Pokal? Selbstverständlich, dafür wurden die »Emporkömmlinge« aus Dortmund in ihre Schranken gewiesen. Richtig viel Bock auf den Henkelpott in der Champions League? Jederzeit! Wir sind reif für den Titel. Und wer Europas Krone will darf auf dem Weg dahin kein Wunschkonzert veranstalten. Geduselt haben Andere. Also ist die »Zugabe« nach dem Erfolg in der Liga einfach keine Zugabe mehr. Sondern das nächste Ziel. Das große Ziel! Wer am Ende jubeln will muss sich jedem Gegner stellen und das auch ernst meinen. Wortscharmützel zwischen München und Dortmund sind egal und eigentlich hat Uli Hoeneß recht. In einem einzelnen Spiel gegen Real Madrid und Barcelona sind die Chancen größer als mit zwei Auftritten gegen die Spanier. Punkt.

Inzwischen bin ich hier mächtig vom Thema abgekommen. Zurück zum Spiel in Turin. Vom angekündigten »Krieg« der Italiener haben wir wenig gesehen. Kleinlichen Fouls (und deren kleinliche Bewertung) und unschöne Dinge (Hände in fremden Gesichtern) gab es fast über 90 Minuten. Mandzukic bekam ohne Verschulden eine gelbe Karte und fehlt im ersten Halbfinalspiel. Die Bewertung des Schiedsrichters darf gern noch einmal analysiert werden. Schade, aber das muss nun kompensiert werden.

Nach etwa 20 Minuten fanden unsere Roten in ihren Spielrhythmus und stellten Unsicherheiten ab. Besonders Bastian Schweinsteiger wirkte nach Anpfiff fahrig und glücklos. Später wird er wieder Dreh- und Angelpunkt der Partie.

Es war wieder die Defensive die unseren Gegner in die Schranken weisen und ein frühes Gegentor verhindern konnte. Danach fand das Bayernspiel statt. Auf italienischem Rasen und mit lautstarken Heimfans, aber fast vollkommen unbeirrt. Wahnsinn wie ein Mandzukic seine Gegner bis weit in die eigene Hälfte hinein anrennt, stellt und versucht den Ball zu erobern um einen neuen Angriff einzuleiten. Wie unheimlich muss es für einen Spieler sein wenn er weiß: Achtung, gleich kommt wieder der tätowierte Kroate auf mich zu? Freigeist Ribéry war in der ersten Hälfte meist in der Nähe von Arjen Robben auf der rechten Außenbahn zu finden. Dadurch wirkte das Spiel etwas einseitig, aber ich hatte nie das Gefühl, dass daraus ein Problem entstehen könnte. Zu klug und hervorragend taktisch eingestellt wirkte unser Spiel. Auch den bitteren Ausfall von Toni Kroos konnte man kompensieren. Müller erledigte seine Aufgabe auf der »10« hervorragend. Die »alte Dame« hat sich eben doch als ruhige Großmutter entpuppt.
Mit der Spieldauer wurde unser Spiel sicherer, die Ballbesitzzeiten stiegen und die Passquote pendelte um 90 Prozent. Ab diesem Punkt spielt der Gegner auf Zeit. Er muss klug auf einen Fehler der Roten lauern und darf selbst den Überblick nicht verlieren. Diese Fähigkeit müssen wir uns unbedingt für die kommenden Begegnungen bewahren. Für Leichtsinnigkeit darf kein Platz sein.

In der 64. Minute trifft Mario Mandzukic. Nach dem Führungstor versucht Juventus Turin mehr zu tun, aber schafft es nicht. Vom »Sturmlauf« war wenig zu sehen und zum Glück wurde die Begegnung nicht brutal. Zehn Minuten vor Abpfiff kommt Claudio Pizarro ins Spiel und netzt dann zum Endstand 0:2 ein. Auswärtssieg, nächste Runde und nun durften auch die Spieler mal ein Bier trinken.

Morgen Mittag wird die UEFA das Halbfinale auslosen. Real Madrid, Barcelona und Borussia Dortmund sind neben dem FC Bayern noch im Topf. Spiele in den Ländern oder deutsch-spanische Duelle? Ich bin gespannt.
Am Samstag wird es auch in der Bundesliga wieder zur Sache gehen. Der Club aus Nürnberg ist zu Gast in der Allianz Arena und ein Sieg ist ihnen nicht zu gönnen. Definitiv nicht! Die Aufstellung könnte interessant werden, denn nach nur zwei Tagen Pause kommt der VfL Wolfsburg zum Pokalhalbfinale in die Stadt. Es geht Schlag auf Schlag und wir steuern mitten in die heißgeliebte und entscheidende Saisonphase hinein. Weiter, immer weiter.

> Vielen Dank an Heiko (@ElRey_MUC) für die Bilder aus Turin!

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Leserkommentare
  1. […] Miasanrot mit einer Nachbetrachtung der Bayern-Partie in Turin, ebenso wie der Baziblogger und das Fernglas FCB. […]

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