In der Polonaise mit Uli Hoeneß

Für letzten Samstag, passend zum Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg, hatte das Präsidium des FC Bayern München e.V. zu einem Grillfest in den Audi Dome geladen. Dank des Sieges der Fußballer in der Auto-Stadt und dem vorherigen Unentschieden der Leipziger gegen Ingolstadt, konnte an diesem Tag zusätzlich noch die Meisterschaft gefeiert werden. Im Audi Dome wurde das Vorurteil der feiermüden Bayern-Fans widerlegt.

Bei der letztjährigen Jahreshauptversammlung, bei der die Wiederwahl von Uli Hoeneß zum Präsidenten nach seiner Haftstrafe auf der Tagesordnung stand, reichte der Audi Dome nicht aus, um allen angereisten Mitgliedern einen Platz zu gewähren. Daher mussten ich und circa 2.000 andere Anhänger in ein im voraus aufgestelltes Zelt ausweichen und die Veranstaltung dort per Live-Stream auf Großbildleinwänden verfolgen.

Nach Ende der offiziellen Veranstaltung kamen der wiedergewählte Präsident und das restliche Präsidium ins Zelt, um sich den Fans zustellen. Diverse Anhänger hatten vor dem Audi Dome zuvor einen Abbruch der Veranstaltung gefordert. Dementsprechend war die Stimmung aufgeheizt. “Uli” versprach zur Besänftigung eine „Party“ (Zitat Hoeneß) als Entschädigung.

Die meisten Mitglieder – mich inbegriffen – hatten wohl damit gerechnet, dass diese aus der Emotion heraus versprochene „Party“ nicht stattfinden würde. Umso überraschter war ich, Ende März im Mail-Eingang eine Einladung des FC Bayern vorzufinden. Es sollte ein Grillfest inklusive Gesprächsrunde mit dem Präsidium geben.

Wichtig noch der Hinweis, dass ich gerne noch eine zweite Person mitbringen kann, um diese für den FC Bayern zu begeistern. Eine schöne refer-a-friend Aktion also. So wie damals als ich eine Taschenlampe bekam, weil mein Klassenkamerad auch das Mickey-Mouse-Heft abonnierte. Setzt diese Marketing-Masche den Ton für die Veranstaltung?

Eine Wurst vom “Uli”

Einlass 16 Uhr, Veranstaltungsbeginn 17 Uhr. Etwa eine halbe Stunde vor Beginn trudeln ich und der Großteil der Mitglieder ein, noch etwas unwissend, was es zu erwarten gibt. An den Ständen im Audi-Dome werden Grillwürste, Pommes, Hot Dogs und Freibier verteilt. Mit einem ersten Bier setze ich mich in den Audi Dome.

Stephan Lehmann ist auch da und siehe da er führt heute durchs Programm. Zu Beginn stellt er Matze vor, Matze ist extra für heute aus Offenbach angereist und hat damit nicht mal die längste Anreise, denn ein Fan ist tatsächlich extra aus Kiel gekommen. Die Anhänger nehmen wirklich weite Wege auf sich für ein solches Event, denke ich mir. 

Nach dem schmerzhaften Ausscheiden in Pokal und Champions-League hört man an vielen Stellen Unmutsbekundungen über die Chancenverwertung gegen Dortmund, die zwei Platzverweise gegen Real und die Schiedsrichterleistung in Madrid. Meine Sitznachbarin fordert vehement mehr Einsatzzeiten für Costa und Coman. Generell bestand viel Gesprächsbedarf unter den Anwesenden.

Dann der Moment auf den alle gewartet haben, das Präsidium und damit “der Uli” betreten erstmals die Bühne. Uli Hoeneß erzählt von der aktuellen Medienlage, die den FC Bayern im Abstiegskampf sieht, und von dem Spiel gegen Dortmund, das „für 60 Minuten eins der besten Spiele [war], die [er] in der Allianz Arena gesehen hat“. Leise stelle ich mir die Frage, ob er die Spiele unter Heynckes und Guardiola nicht gesehen hat.

Zweiter Vize-Präsdient Walter Mennekes erzählt etwas von einem nordkoreanischen Wahlergebnis, während ich am Smartphone verfolge, ob Ingolstadt Leipzig tatsächlich ein paar Punkte klauen kann. Dann könnten wir ja hier und heute Meister werden.

Jetzt aber geht das Präsidium an den Grill. Zur Unterstützung ist noch Ex-Spieler Hansi Pflügler dabei, die Älteren im Audi Dome frohlocken als Pflügler die Bühne betritt. Ich entschließe mich dazu mir auch eine Wurst von “Uli” zu holen. Wann bekommt man denn sonst so eine Chance? 

Die Schlange beim Stand von “Uli” ist natürlich extrem lang, jeder will von ihm persönlich die Semmel übergeben bekommen. Die anderen Präsidiumsmitglieder sind deutlich weniger umringt. Dabei schmeckt es bei denen sicher genauso gut. Währenddessen genießt “Uli” das Bad in der Menge sichtlich.

Uli Hoeneß verteilt Würste an die Fans im Audi Dome (Quelle: Privat)
Mit Wurst und Bier setze ich mich wieder auf meinen Platz und warte auf die ominöse Diskussionsrunde. Kann man dem Präsidium eventuell Fragen stellen? Was würde ich sie fragen wollen? Aber die Diskussionsrunde verzögert sich lange, wohl zu viele Würste zu verteilen.

Im Endeffekt kommen dann nur Lehmann und Pflügler auf die Bühne. Kleine Enttäuschung, zumindest bei mir. In zehn Minuten erzählt Pflügler kurz über die Schale und Motivation nach so Pleiten wie gegen Dortmund. Meine Gedanken driften etwas ab, als er plötzlich vom Double zu sprechen beginnt. „Das Double ist für mich die Meisterschaft und der Abstieg von den Sechzgern“ sagt Pflügler unter tosendem Beifall der Anwesenden. Hass gegen den Stadtrivalen hilft in solchen Zeiten das Bayern-Herz zu heilen.

Meisterfeier mit Freibier

Jetzt aber schnell den Talk beenden und nach Wolfsburg schalten denke ich mir. Vorher liest Lehmann noch die Startaufstellung vor und während aus dem Rund die Nachnamen der Bayern-Spieler schallen, freue ich mich, dass Coman und Kimmich starten dürfen. Meine Sitznachbarin ist auch zufrieden.

Nach dem 1:0 durch Alaba stimmt Lehmann „Deutscher Meister wird nur der FCB“ an, nach dem 2:0 erschallt „Super Bayern! Hey! Hey!“ im Audi Dome und als Dittmann auf Sky von der Veranstaltung hier berichtet wird ein erstes Mal „Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“ gesungen.

Als es 5:0 steht zieht “Uli” das Meister-T-Shirt an und verkündet, dass jeder Anwesende auch eins mitnehmen darf. Damit ist er bei den meisten knapp unter dem Messias-Status angekommen. Zum 6:0 verkündet er freudetrunken, dass der Audi Dome die größte Polonaise seiner Geschichte erleben wird.

Und so ist die Stimmung ab der 80. Minute auch wegen aber nicht nur aufgrund des Freibiers ausgelassen. Der Präsident persönlich führt die Polonaise an und die Fans zeigen, dass sich der Bayern-Fan auch über die Meisterschaft richtig freuen kann. Trotz oder gerade wegen der Pleiten gegen Madrid und Dortmund.

Der gerne erzählte Mythos der Bayern-Fans, die sich über die Meisterschaft so sehr freuen wie über eine neue Staffel Rosamunde Pilcher, wird hier im Audi Dome widerlegt. Zumindest in dieser leicht angetrunkenen Stimmung mit vielen Gleichgesinnten und versehen mit einem kleinen Hauch der Ironie, freut sich der Bayern-Fan noch über den “Trostpreis” Meisterschaft.

Was bleibt also nun von der Veranstaltung?

Manch einer wird Uli Hoeneß hier Selbstbeweihräucherung vorwerfen. Das bierseelige Fan-Volk und “SEIN Uli”. Ein anderer wird aufzeigen, dass er sich hier mal wieder als Zentrum und Fixpunkt des Vereins aufspielt.

Und sicher haben diejenigen in gewisser Weise recht. Aber solche Veranstaltungen sind extrem wichtig für das Verhältnis zwischen Fanbasis und Verein in Person des Präsidiums. Eine Verbindung die einem gerade in Zeiten der unvorstellbar großen Summen, um die es im Profifußball geht, abhanden gekommen ist.

In einem solchen Sinne ist die Veranstaltung vom Wochenende also sinnvoll, als Schulterschluss zwischen dem Verein und dem allgemeinen Fan, den einzelne Fan-Themen wie freie Blockwahl in der Südkurve vielleicht weniger interessieren und der lieber auf dem Sitzplatz auf der Osttribüne das Spiel verfolgt.

Was jedoch vermisst wurde war ein offener Dialog, bei dem man Themen kritisch hinterfragen konnte. Die angekündigte Gesprächsrunde mit Präsidium schrumpfte zum kurzen Talk mit Hansi Pflügler. Die “aktiven” Fans und ihre potentiell kritischen Nachfragen hatte man bereits durch die Ansetzung parallel zum Spiel in Wolfsburg ausgeschlossen.

Insofern bleibt der Beigeschmack einer Marketingveranstaltung wie eingangs bereits erwähnt. Einer Marketingveranstaltung, die zwar einen Zweck erfüllt, die aber keine Plattform für konstruktiven Austausch von Ideen und Kritik mit dem Präsidium bot.

Eins bleibt festzuhalten: Die Rolle als Mediator und Verbindungsperson zwischen Verein und Mannschaft füllt Uli Hoeneß hervorragend aus – egal wie man zu ihm stehen mag. Diese Rolle passt zum Präsidenten des FC Bayern München e.V.

Nun ist Uli Hoeneß aber nicht nur Präsident sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG, eines Unternehmens mit einem jährlichen Umsatz von 500 Millionen Euro.

Hier fällt er dadurch auf, dass er neben sich keine großen Namen duldet. Ein Grund der auch Philipp Lahm dazu bewog, den Sportdirektor-Posten beim FC Bayern zu meiden. Hier fungiert Hoeneß häufig als Sprachrohr nach Außen, das sich oft ungefragt zu diversen Themen äußert. Hier zeigt er sich mit vielen Medien gut vernetzt, wenn es darum geht gezielt Informationen zu streuen, die ihm gelegen kommen.

Hoeneß ist auch als Präsident weiterhin in seiner Manager-Rolle von Anfang der 2000er-Jahre, auch wenn sich das Rad mittlerweile eigentlich weitergedreht hat. Die während seiner Haftstrafe begonnene Emanzipation des Vereins von “Uli” durch die Verteilung der Aufgaben auf die Schultern von Rummenigge, Sammer und Reschke, ist mittlerweile wieder stärker zu Gunsten eines starken Präsidenten ausgerichtet worden.

So reiht sich die fehlende Einigung mit Philipp Lahm als Sportdirektor ein in die Liste der internen Machtkämpfe, die “pro Uli” entschieden wurden. Ob dies tatsächlich die beste Entscheidung für den langfristigen Erfolg des Vereins ist, bleibt aktuell fraglich.

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Leserkommentare
  1. Ich war auch dort – eine insgesamt “nette” und – wegen des souveränen Siegs und der anschließenden Meisterfeier – erfolgreiche ;-) Veranstaltung.

    Ein paar Anmerkungen meinerseits:

    1) “Wichtig noch der Hinweis, dass ich gerne noch eine zweite Person mitbringen kann, um diese für den FC Bayern zu begeistern. Eine schöne refer-a-friend Aktion also….”

    Diese Erklärung könnte etwas verwirren, weil es sich anhört wie eine Werbeaktion für Neufans und-mitglieder.
    Bei der JHV war ich selbst im(!) Audidome und bin nur deswegen zu dieser “Uli-Veranstaltung” gekommen, weil ich eben als zweite Person eingeladen wurde. Diese zweiten Personen sollten aber wohl alle (oder zumindest die meisten) auch schon Mitglieder gewesen sein – zumindest alle, die ich dort getroffen und gesprochen habe….

    2) “Die “aktiven” Fans und ihre potentiell kritischen Nachfragen hatte man bereits durch die Ansetzung parallel zum Spiel in Wolfsburg ausgeschlossen.”
    Das haben wohl viele in der Form gedacht. Erstaunlich aber, dass gerade die “aktiven Fans”, die in WOB waren, dies lockerer gesehen haben – zumindest diejenigen, mit welchen ich gesprochen habe, einige davon durchaus in “höheren Positionen in der aktiven Szene”. Halb so wild! In so einem großen Forum wäre eine vernünftige Diskussion sowieso sehr schwierig geworden – dafür gibt es andere Möglichkeiten (Präsidentengespräch etc.)

    3) “„Das Double ist für mich die Meisterschaft und der Abstieg von den Sechzgern“ sagt Pflügler unter tosendem Beifall der Anwesenden. Hass gegen den Stadtrivalen hilft in solchen Zeiten das Bayern-Herz zu heilen.”

    In meiner Erinnerung hat der Hansi das in einer etwas anderen und live gehört abgeschwächteren Form gesagt: “Das Double ist immer noch drin! Meisterschaft und Abstieg der Löwen!”

    Der Bursche hat eine kernig-herzhafte Art – und in meiner Interpretation ist das sehr weit weg von “HASS gegen den Stadtrivalen” Das war ein kerniger Spruch, der eher etwas mit dem in Bayern beliebten “Frotzeln” zu tun hat als mit Hass.

    Ansonsten habe ich vieles ähnlich gesehen und erlebt.

  2. Uli Bauer

    Uuargh is das eklig.

  3. Marco05

    Bilde ich mir das nur ein, oder schwingt in dem Bericht von Beginn an ein latent negativer Unterton mit (der mir nicht gefällt)?

    Warum man so eine Veranstaltung nicht einfach “annehmen” kann, und hinter jeder ausgegebenen Wurst eine Art “Strategie” vermutet ist mir ein Rätsel? Wieviel “Präsidiums-Talk” war denn wirklich geplant? Wieviel Talk wäre denn in der Größenordnung möglich und zielführend gewesen? Warum sollte man gezielt potentiell kritische Fans ausschließen wollen, wo doch alle hätten zur JHV (und per Logik dann auch zu dieser Veranstaltung) hätten kommen können – und wären das nicht die ersten, die bei der JHV am Einlass stehen wenn sie was Wichtiges zu sagen hätten.

    Ich weiß nicht genau, was das Ziel dieses Berichtes war, als objektiven Vor-Ort-Erlebnisbericht kann ich ihn jedoch nicht einstufen. Das geht mir in Summe und wie gesagt vom Unterton her zu sehr und zu oberflächlich contra UH. Ist aber auch nur meine Meinung, gut möglich, dass nur ich das so sehe.

  4. Alex

    Mal ein paar Worte:
    ich fand den Artikel keinesfalls zu negativ oder tendentziös.
    Und ja: man hat Fans ausgeschlossen – gerade aus der aktiven Fanszene – die in Wolfsburg waren. Mir sind da selbst einige Fälle bekannt, die dem Verein das auch so mitgeteilt hatten.

    Dass die Diskussion mit dem Präsidium dann ausfiel, führt halt dann dazu, dass sie außer Freigetränken und Essen sowie T-Shirts nicht viel verpasst haben.

    Zu der “Bring einen Freund mit”-Aktion: das war ausdrücklich an Freunde, vorzugsweise Nicht-Mitglieder, gerichtet. Also war dies durchaus eine Werbeaktion.

    Zur Frage, ob sich Uli hier wieder als Messias oder sonst was aufspielt…
    Ja, das tut er aus meiner Sicht sehr klar. Aber: 98,5% der Anwesenden wollten ja wohl auch genau das. Daher wurde aus seiner Sicht und aus der Sicht des Vereins/ der AG viel richtig gemacht.

    Dass aber der Verein die Emanzipation von Hoeness eben nicht geschafft hat, wurde an diesem Tag noch einmal scherzhaft deutlich.

    1. @ Alex: Nachdem du alles so ganz genau weißt – warst du selbst am 29. April im Audidome?

      Wie kommst du z.B. darauf zu behaupten: “Zu der “Bring einen Freund mit”-Aktion: das war ausdrücklich an Freunde, vorzugsweise Nicht-Mitglieder(!!!), gerichtet. Also war dies durchaus eine Werbeaktion.”

      => Ich war dort, bin seit langem Mitglied und behaupte genau das Gegenteil: Alle die ich getroffen habe, sind FCB-Mitglieder!

      “Zur Frage, ob sich Uli hier wieder als Messias oder sonst was aufspielt…
      Ja, das tut er aus meiner Sicht sehr klar. Aber: 98,5% der Anwesenden wollten ja wohl auch genau das.”

      => Wie kommst du denn darauf?? Auch hier widerspreche ich dir! Das Auftreten von Uli H. gleicht auch nach seiner unfreiwilligen Pause keineswegs mehr dem eines Messias – auf mich wirkt er in der Menschenmenge sogar etwas verunsichert. Das war früher anders.
      Für mich ist er mittlerweile weit weg von seiner früheren dominanten Art.

      Außerdem waren dann wohl auch meine Umgebung und ich die 1,5% der Anwesenden, die sowieso keinen Messias sehen wollten … In der Tat waren das wohl viel mehr!

      Übrigens waren im November große Teile der “aktiven Fanszene” nicht im Zelt, sondern im Audidome.

      Ansonsten siehe dazu meine Ausführungen weiter oben.

  5. pitvonbonn

    Da hält ein Präsident mit der Einladung sein Versprechen für Die “Zeltbewohner” der Jahreshauptversammlung, großzügig mit Essen, Getränken und T-Shirts und was erntet er?
    Kritik und Misstrauen.
    Welcher Club in der Fußballwelt hätte so ein Versprechen gegeben und es dann auch noch eingehalten?
    Mehr Gelassenheit und Anerkennung täte einigen Fans gut.

    1. Stimme dir da absolut zu!

  6. Osrig

    Ich möchte zu diesem Thema gern auf den Unterschied von Vorstand der FC Bayern AG und Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern AG hinweisen, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden.
    Autor Maurice erwähnt in seinem Text Rummenigge, Sammer und Reschke und stellt Hoeneß als Taktierer dar, der in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender die drei Genannten an den Rand drängen wolle, da er niemanden neben sich dulde!
    Das mag so sein, wer sich aber von wem “emanzipieren” sollte, wäre durchaus noch kritisch zu hinterfragen!

    Zweifelsohne hat Uli Rang und Namen im Verein, sein Wort hat Gewicht!
    Aber: Rummenigge ist Vorstandsvorsitzender der AG, zu der auch der Lizenzspielerbereich gehört. Sammer war bis zu seinem Ausscheiden Mitglied des Vorstandes, und es gibt weitere Mitglieder des Vorstandes mit wichtigen Funktionen, allen voran Dreeßen als Finanzvorstand.
    Ganz allgemein stellt in jedem Unternehmen der Vorstand die Geschäftsführung dar, nimmt also Leitungsaufgaben wahr, übt Steuerungsfunktionen aus und entwickelt Konzepte für die Ausgestaltung des Unternehmens.
    Der Vorstand der FC Bayern AG trifft also die Entscheidungen, gerade auch hinsichtlich Ausrichtung des Vereins oder Ausgaben für neue Spieler. Ich gehe davon aus, das Rummenigge als Vorsitzender des Vorstands im Wesentlichen diese Entscheidungen trifft.

    Hoeneß ist Vorsitzender des Aufsichtsrates, zu dem er aufgrund seines Präsidentenamtes gehört. Die Aufgabe des Aufsichtsrates ist es, den Vorstand zu kontrollieren. Kontrolle heißt überwachen, überprüfen, nicht aber “hineinreden” oder gar lenken. Es gibt im Aktienrecht, dem sich auch die FC Bayern AG unterwerfen muss, klare Aufgabenverteilungen, Rechte und Pflichten. Natürlich muss der Vorstand um Rummenigge daran interessiert sein, sich nicht mit dem Aufsichtsrat zu überwerfen, dem er Rechenschaft schuldig ist. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass es der Aufsichtsrat ist, der den Vorstand einsetzt und vermutlich bei bestimmten Entscheidungen mit einzubinden ist. Denn: Wenn der Vorstand 100 Mio für einen bestimmten Spieler ausgeben möchte, wird der Aufsichtsrat dazu gehört werden wollen.
    Aber in das Alltagsgeschäft, in die Weiterentwicklung und Perspektive wird sich der Aufsichtsrat nicht einmischen. Zwar werden Kalle und Uli sich austauschen, aber hinsichtlich der bedeutsamen Entscheidungen dürfte Rummenigge “den Hut” aufhaben! Hoeneß kann vermutlich “nur” mit ausbleibender Entlastung des Jahresabschlussberichtes und/oder mit Absetzung drohen, ansonsten bleibt ihm eben “nur” die beratende Funktion.

    Ich meine, innerhalb der AG hat Rummenigge also die größten Entscheidungskompetenzen und Befugnisse, die größte Macht im Verein, da wichtige Steuerungsfragen, z.B. die Fragen nach einem Sportdirektor oder dem Cheftrainer, im Rahmen des Vorstandes geklärt werden. Spricht der Vorstand mit “einer Stimme”, so wird es auch für den Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden schwierig, gegen die Entscheidungen zu opponieren.
    Es wären also die Handlungen von Rummenigge besonders kritisch zu betrachten, hier wäre in besonderem Maße Transparenz zu wünschen. Der Blick auf Hoeneß im Zorn geht meines Erachtens in die verkehrte Richtung.
    Daher halte ich auch den Ausstieg von Sammer, den ich als “Hoeneß-Mann” betrachte, als durch Kalle initiiert, um seinen eigen Einfluss nicht zu schmälern!

    Hoeneß’ Bemühungen wiederum erlebe ich als Versuch, sich so umfassend wie möglich die Basis unseres Vereins zu sichern, um möglicherweise nötige harte Entscheidungen durchsetzen zu können, wenn es tatsächlich zum Konflikt mit dem Vorstand kommen sollte. Denn je mehr Gewicht Uli’s Stimme hat, umso mehr ist Hoeneß in der Lage, gegenüber Rummenigge Druck aufzubauen. Dieser Druck wird notwendig sein, um Kalle daran zu erinnern, dass er nicht allzu selbstherrlich agieren sollte! Ich bin daher froh, dass Uli Präsenz zeigt!

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