Die FCB U17: Ein Versprechen für die Zukunft?

Im letzten Teil unseres Überblicks über die Jugendarbeit des FC Bayern nehmen wir die U17 unter die Lupe.

Ich habe mich verliebt. Das war mir schon recht schnell klar, als ich die diesjährige B-Jugend zum ersten Mal sah. Seit langer Zeit hat der FC Bayern endlich mal wieder einen Jahrgang, der heraussticht. Mit zahlreichen Juniorennationalspielern gespickt, hat diese Mannschaft das Potential, endlich mal wieder die deutsche Meisterschaft nach München zu holen.

Zwei unterschiedliche Halbserien

Bereits bei der U19 zeigte ich in meinem letzten Artikel auf, wie der Mannschaft am Ende die Puste ausging und eine mögliche Qualifikation für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft verspielt wurde. Eine ähnliche Saison machte auch die U17 durch. Nach 15 Spieltagen Anfang Dezember war das Team vom damaligen Trainer Heiko Herrlich Tabellenführer und bezwang unter anderem den späteren Staffelmeister VfB Stuttgart deutlich mit 6:1 Toren. Doch die 1:2-Heimniederlage im Derby gegen die Blauen läutete eine sehr bescheidene Restsaison ein. In den letzten elf Spielen gab es nur noch drei Siege zu verzeichnen, was am Ende der Spielzeit den fünften Tabellenplatz bedeutete. Die genauen Gründe, warum es im Frühjahr überhaupt nicht mehr lief, kenne ich nicht. Auch mangels besuchter Spiele. Es ist aber schon auffällig, dass man auf eine Vertragsverlängerung mit dem damaligen Trainer Heiko Herrlich verzichtete, obwohl sich dessen Wechsel nach Haching zerschlug.

Aktuelle Situation

Zu Beginn der Analyse der aktuellen Saison will ich wie bereits im Artikel über die U19 noch kurz voranstellen, worauf meine Einschätzungen beruhen. Ich habe von der U17 in dieser Saison drei Spiele gesehen. Das 4:2 im Derby Anfang September, den 4:3 Auswärtserfolg in Nürnberg Anfang Oktober sowie den 4:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen Freiburg.

Einen Paukenschlag bei der U17 gab es gleich zu Saisonbeginn, als Trainer Tim Walter einige Spieler aussortierte. Darunter auch den bisherigen Kapitän. Zum Ausgleich beförderte man frühzeitig die talentiertesten Spieler der U16. Zum Auftakt gab es ein mühevolles 2:1 beim haushohen Abstiegsfavoriten SV Elversberg, anschließend einen Heimerfolg mit demselben Ergebnis gegen Greuther Fürth. Danach kam die Mannschaft so richtig ins Rollen und schlug erst den FC Augsburg mit 4:1, sowie anschließend den blauen Lokalrivalen – trotz Unterzahl über mehr als eine Halbzeit – hochverdient mit 4:2. Einem beeindruckenden 5:1 in Hoffenheim folgte dann ein 2:0 Arbeitssieg gegen die Stuttgarter Kickers. Anschließend stand das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg an, der bis dato noch ohne Sieg auf dem vorletzten Tabellenplatz war. Eine rabenschwarze erste Halbzeit mit zahlreichen individuellen Fehlern führte zu einem 1:3 Pausenrückstand. Doch die Mannschaft zeigte eine tolle Moral und gewann durch ein Tor in der Nachspielzeit noch mit 4:3. Im nächsten Heimspiel wurde der FSV Mainz deutlich mit 5:0 weggefegt, bevor im bisher letzten Spiel dann die erste Saisonniederlage folgte, ein 2:5 beim KSC. Ähnlich wie bereits in Nürnberg fielen drei der fünf Gegentore durch haarsträubende individuelle Fehler. Beim 2:2 rutschte der Torwart aus, beim 2:3 schlief die komplette Abwehr bei einer Freistoßsituation und dem 2:5 ging ein Fehlpass im Spielaufbau voraus. Zuletzt folgten wieder ein 4:0-Heimsieg gegen Freiburg sowie ein 5:3 gegen Kaiserslautern.

Unsere U17 ist derzeit Tabellenerster mit zwei Punkten Vorsprung auf den VfB Stuttgart und tritt am kommenden Wochenende bei Eintracht Frankfurt an.

Der Trainer

U17-Trainer Tim Walter und Tobias SchweinsteigerU17-Trainer Tim Walter und Tobias Schweinsteiger

Hermann Gerland genießt einen Kultstatus bei den Fans des FC Bayern. Nicht nur wegen seiner sportlichen Leistungen und seiner Förderung zahlreicher Identifikationsfiguren wie Lahm, Schweinsteiger, Badstuber und Müller, sondern auch wegen seiner unnachahmlichen Art an der Seitenlinie.

Wenn man Tim Walter zum ersten Mal live beim Coaching an der Seitenlinie sieht, erinnert man sich automatisch ein wenig an Hermann Gerland. Tim Walter coacht lautstark und nimmt kein Blatt vor den Mund. Macht ein Spieler Fehler oder spielt er schlecht, teilt Walter ihm dies auch deutlich mit. Beim Spiel in Nürnberg machte in der ersten Halbzeit unser linker Verteidiger Maximilian Wilhelm eine bescheidene Partie. Pech für „Willi“, dass er diese auch noch genau wenige Meter vom Trainer entfernt tat. Nach rund 35 Minuten und zwei verschuldeten Gegentoren wechselte Walter Maxi Wilhelm aus.

Ich kann nur jedem, der sich die U17 mal anschauen will, empfehlen, sich neben der Trainerbank zu positionieren. Wobei das bei Heimspielen leider nicht möglich ist. Tim Walter ist auf jeden Fall sehr unterhaltenswert und ich persönlich bin sowieso ein Freund von Nachwuchstrainern, die eine deutliche Ansprache haben.

Die Taktik

Für gewöhnlich spielt auch die U17 mit Viererkette, drei zentralen Mittelfeldspielern, zwei Flügelstürmern und einer Spitze. Bei zwei Spielen jedoch testete Tim Walter auch bereits die Dreierkette. Unter anderem bei der einzigen Niederlage (2:5) in Karlsruhe. Geschuldet war dies jeweils der Anwesenheit von Meritan Shabani, der bisher meist bei der U19 auflief. Walter wollte jedoch keinen seiner offensiven Spieler opfern, also verzichtete er auf den nominellen Linksverteidiger und stellte auf Dreierkette um. Es wird spannend zu sehen, wie Walter aufstellt, wenn Shabani das nächste Mal dabei ist.

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Die Mannschaft

Torhüter

Vor der Saison schlug der FC Bayern hier auf dem Markt zu: Vom Leipziger Brauseclub wechselte Juniorennationaltorwart Ron Thorben Hoffmann ins Jugendinternat des FC Bayern. Er überzeugte bisher vollkommen und war speziell beim 4:3 in Nürnberg mit sehenswerten Paraden am Sieg beteiligt. Natürlich ist aber auch er nicht ganz frei von Fehlern, da das moderne Torwartspiel natürlich Erfahrung erfordert, die ein 16-jähriger gar nicht haben kann. Sein Vertreter heißt Korbinian Becker. Im jüngeren 2000er Jahrgang spielt für die FCB U16 zudem mit Christian Früchtl ein weiterer Juniorennationaltorwart.

Verteidigung

Obwohl in der U17 eigentlich der Jahrgang 1999 spielt, sind in der Innenverteidigung zwei Spieler gesetzt, die erst im neuen Jahrtausend geboren wurden: Lars Lukas Mai, ebenfalls bereits beim DFB für die Auswahlteams aktiv, kam im Sommer 2014 von Dynamo Dresden. Neben ihm verteidigt Alexander Nitzl, der ebenfalls bereits bei Sichtungslehrgängen der Nationalelf dabei war. Auf der rechten Außenverteidigerposition ist Daniel Zivkovic gesetzt, ein bei meinen Spielbesuchen unauffälliger, aber zuverlässiger Spieler. Auf der linken Seite kassierte Stammkraft Jonathan Maier zuerst eine zweifelhafte rote Karte im Derby, bevor ihn ein Zehenbruch außer Gefecht setzte. Aus diesem Grund ist mir eine seriöse Bewertung nicht möglich. Seither vertreten ihn diverse andere Spieler, die jedoch allesamt nicht zu überzeugen wussten, darunter der bereits erwähnte Maximilian Wilhelm.

Zentrales Mittelfeld

Das absolute Prunkstück der B-Jugend ist zweifellos dieser Mannschaftsteil. Hier sind im defensiven Mittelfeld Adrian Fein sowie der meist etwas offensiver wirkende Tobias Heiland fest gesetzt. Fein ist ein körperlich bereits sehr weiter, zweikampf- und spielstarker Sechser, der zudem auch noch stets Torgefahr entwickelt. Vier Tore und vier Torvorlagen sprechen für sich. Er ist zugleich Mannschaftskapitän. Warum er bisher noch nicht vom DFB für eine Auswahlmannschaft nominiert wurde, ist für mich ein wenig verwunderlich. Neben ihm spielt ein weiterer Spieler aus dem jüngeren Jahrgang namens Tobias Heiland. Im Vergleich zu Fein wirkt er aber nicht nur ein Jahr, sondern eher fünf Jahre jünger. Denn Heiland ist mit seiner körperlichen Entwicklung noch nicht sehr weit. Wir in Bayern sagen dazu auch „A lafanda Medda“. Dafür hat er eine großartige Ballbehandlung, ist pressingresistent und findet auch in engen Situationen oft den richtigen Pass zum Mitspieler. Ich würde ihn fast schon ein wenig mit Thiago vergleichen. Für nicht wenige Besucher der U17 ihr absoluter Lieblingsspieler, auch weil sich sein Name prima für Wortspiele eignet. Man braucht jedoch kein Prophet sein um vorherzusagen, dass Heiland vor allem an seinem Körper arbeiten muss, wenn er im Herrenbereich Fuß fassen will. Mit Christian Derflinger ist ein ähnlich begnadetes Talent erst vor wenigen Jahren an genau diesem Problem gescheitert.

Auf der offensiven Position hat der FC Bayern ebenfalls im Sommer einen interessanten Spieler verpflichtet. Timothy Tillman wechselte für 350.000€ von der SpVgg Greuther Fürth nach München. Auch er spielt für die DFB-Auswahlen und ist ein typischer moderner offensiver Mittelfeldspieler mit dem Auge für die richtigen Pässe, der zudem auch noch selbst Torgefahr ausstrahlt. Zu Meritan Shabani habe ich bereits beim U19-Artikel einige Worte verloren. Es bleibt abzuwarten, wie oft er künftig bei welcher Mannschaft zum Einsatz kommt.

FCB-U17 gegen Nürnberg

Angriff

Natürlich gibt es auch bei der U17 die für die Spielphilosophie des FC Bayern charakteristischen Spieler auf den offensiven Außenpositionen. Dennoch sehe ich diese Position als einen der Schwachpunkte des Teams. Weder Franzke auf der linken noch Hadzic auf der rechten Seite konnten bisher ähnlich beeindrucken wie das restliche Team. Franzke war für mich bisher noch völlig unauffällig, während Hadzic in Nürnberg Wilhelms Schicksal teilte und in der zweiten Hälfte vor Walters Augen spielte. Ein großes Manko bei ihm war das Stellungsspiel. Wenn er das Spiel breit machen konnte, stand er nicht konsequent an der Außenlinie, wenn er den Ball hatte, zog er zu oft nach innen, anstatt den Weg außen vorbei zu suchen. Ausgerechnet Hadzic war dann aber der Matchwinner, als er in der Nachspielzeit den 4:3 Siegtreffer erzielte. Unser bester Flügelstürmer in der U17 ist Franck Evina, der aber eigentlich noch zum U16-Jahrgang gehört. Dort musste er zuletzt aus Verletzungsgründen aushelfen, da die massiv ersatzgeschwächte U16 derzeit gegen den Abstieg kämpfen muss. Sobald es bei der U16 jedoch personell wieder besser ausschaut und vor allem Topstürmer Tidiane M’Baye zurückkommt, wird Evina wieder zur U17 zurückkehren.

Zweifellos der herausragende Spieler des Teams ist Stürmer Manuel Wintzheimer. 17 Tore in 11 Spielen sind eine beeindruckende Bilanz. Darunter finden sich Tore aller Art: Elfmeter, direkte Freistöße, Kopfbälle, Fernschüsse sowie Abstauber. Auch bei seinen Stärken bringt Wintzheimer ein beeindruckendes Gesamtpaket mit. Er ist körperlich stark, hat trotzdem gleichzeitig eine gute Technik. Vor allem das Abschirmen des Balls mit dem Rücken zum Tor ist eine seiner Stärken. Zum Verhängnis wird ihm manchmal sein Ehrgeiz. In Nürnberg musste ihn Walter mehrfach ermahnen, nicht die Brechstange auszupacken, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, sondern weiter intelligent zu spielen.

Manuel Wintzheimer ist sicher ein ganz, ganz großer Kandidat für den nächsten Spieler, der sich beim FC Bayern durchsetzen könnte. Allerdings sollte man genauso beachten, dass es auch in der Vergangenheit sehr talentierte Nachwuchsstürmer des FC Bayern gab, die sich nicht durchsetzen konnten. Der Fall Berkant Göktan ist bekannt, der aber leider vor allem an sich selbst scheiterte. Auch Borut Semler erzielte in seiner Saison für die U19 30 Tore in 25 Spielen, spielt heute aber nur in der zweiten slowenischen Liga. Dass es aber auch anders gehen kann, zeigt uns Woche für Woche Thomas Müller. Und hoffentlich bald auch Manuel Wintzheimer.

Ausblick

In rund drei Wochen steht dann für die U17 das Spitzenspiel zu Hause gegen den VfB Stuttgart an. Wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt, war auch unsere letztjährige U17 bis zum Dezember Spitzenreiter, ehe in der Rückrunde der Absturz bis auf Platz Fünf folgte. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass Tim Walter die Mannschaft richtig einstellen wird und sie auf dem Boden halten kann. Entscheidend für den Mannschaftserfolg wird die defensive Disziplin sein, hier passieren bisher noch zu viele einfache Fehler sowie Ballverluste im Spielaufbau. Der Großteil der Gegentore in dieser Saison geht auf solche Probleme zurück. Wenn die Stammelf zudem die Saison weiterhin ohne große Verletzungen absolvieren kann, dann geht Platz 1 in der Südgruppe der U17-Bundesliga nur über uns.

Im Halbfinale wartet dann ein Vertreter aus der West- oder Nordgruppe. Ab da ist sicher viel von der Tagesform und von Kleinigkeiten abhängig. Aber eins steht fest: Schon lange waren die Chancen nicht mehr so groß, dass der deutsche B-Jugendmeister endlich mal wieder FC Bayern München heißt. Diese Mannschaft ist derzeit fantastisch und kann den großen Wurf schaffen!

Das war der letzte unserer vierteiligen Serie über das FCB Junior Team. Nach dem allgemeinen Blick auf den Nachwuchs, folgten die Bayern Amateure und die U19 von Holger Seitz. Wie hat es euch gefallen? Habt ihr Fragen? Schreibt es uns in den Kommentaren!

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