Ein herrlicher Tag im Olympiastadion – Mainz 05 versucht Punkte zu erschleichen

Wenn der Sky-Zuschauer am Samstag um 15.30 Uhr von Fritz von Turn und Taxis aus dem altehrwürdigen Olympiastadion empfangen wird, kann es meist ein langer Nachmittag werden. Besonders wenn es sich um einen »tollen Herbsttag handelt, nicht zu warm und nicht zu kalt. Ein bisschen Sonne und ein paar Wolken – ideales Fußballwetter«. Spätestens dann läuten beim erfahrenen Fan die Alarmglocken.

FC Bayern gegen Mainz 05 aus der Südkurve

Partien nach der Länderspielpause sind oftmals zäh. Die Bayern-Spieler kommen aus den verschiedensten Ecken der Welt zurück. Oftmals sind sie in ihrer Mannschaft die absoluten Leistungsträger. Was wäre Frankreich zum Beispiel ohne Franck Ribery, Österreich ohne David Alaba oder die Schweiz ohne Xherdan Shaqiri? Für die genannten Spieler sind Länderspiele keine Kaffeefahrten und man erwartet für die heimische Nation Wunderdinge von ihren Schützlingen. Die besagten drei Bayernspieler (2 ½ Stammspieler) fielen für die Partie gegen Mainz aus bzw. wurden im Fall von David Alaba geschont. Am schlimmsten hat es wohl Xherdan Shaqiri erwischt. Er brachte vom Länderspiel einen Muskelriss mit, was in seinem Fall wohl seinen Körper in zwei Hälften zerteilte. Für ihn ist die Hinrunde gelaufen. Franck Ribery verletzte sich leicht beim Abschlusstraining und verfolgte das Geschehen aus der Loge.

Viele Fans hätten sich auch gewünscht, das Spiel in der ersten Halbzeit in der Loge zu verfolgen, schließlich bieten sich dort jede Menge Ablenkungsmöglichkeiten. Diese waren auch bitter nötig, es sei denn, man zählt sich selbst zur Taktik-Nerd-Fraktion. Diese sah, dass Mainz mit einer 5er-Kette in der Abwehr agierte und davor noch mal mit einer 3-2er Kette auflief. In der Summe eine Art Tannenbaumsystem. Dies hatte zur Folge, dass Mainz die Mitte gut dicht halten konnte. Das wurde noch dadurch begünstigt, dass Schweinsteiger und Toni Kroos nicht ihre besten Partien spielten. Gerade Toni Kroos erwischte wieder einen dieser Toni-Kroos-Tage. An diesen Tagen ist sein Spiel geprägt von haarsträubenden Fehlpässen und einer defensiven Lustlosigkeit.

Mainz wendete diese Taktik schon im vergangenen Jahr an, doch damals konnte sie der FC Bayern durch tolle Diagonalpässe und einem ansehnlichen Flügelspiel knacken. Von diesem war in der ersten Halbzeit nichts zu sehen. Dies lag zum einen an der Ungenauigkeit der Flankenwechsel, aber auch an der Fähigkeit sich mal im 1:1 Duell durchzusetzen. Zugegeben dies war schwierig, da Müller/Robben oftmals in 2:1 oder 3:1 Duelle geschickt wurden – mit den besten Wünschen der Mitspieler. Gerade von Rafinha und Contento kam zu wenig offensive Unterstützung für die Flügelspieler. So plätscherte das Spiel bis zur 40 Minuten dahin und die meisten Fans haben wohl schon Pläne für den Versorgungstresen geschmiedet, bis es zu einer Verkettung von mehreren individuellen Fehlern kam. Den Anfang machte eine Flanke aus dem Halbfeld von Rafinha, welche bei schlechter Ausführung dazu führen, dass gleich mehrere Verteidigungslinien leicht ausgespielt werden können – wie auch in diesem Fall. Die Kugel gelangte zu Baumgartlinger, der von Contento eher zum Herbstspaziergang eingeladen wurde, als wirklich zum Zweikampf herausgefordert zu werden. So konnte der besagte Österreicher in Seelenruhe einen vertikalen Pass spielen – der Boateng ins 1:1 mit Parker schickte. Durch das fehlende Pressing von Contento gelang es Mainz mit nur zwei Pässen nach Balleroberung, die komplette Bayernabwehr auszuhebeln. Das Boateng dann den ungenauen Pass noch versuchte wie ein Kugelstoßer im Ballerina Kostüm abzufangen, führte zum ersten Rückstand in dieser Saison.

Pep Guardiola war schon vorher ziemlich unzufrieden und schickte Alaba und Götze etwa ab der 30. Minute zum Aufwärmen – ein bisher einmaliger Vorgang in seiner Amtszeit. Durch die Verletzung von Dante und dem Spielstand in Kombination mit der Spielweise sah sich der Trainer genötigt Mario Götze schon in der Halbzeitpause zu bringen. Auch die Pause von David Alaba war so ziemlich kurz. Besagter Götze war es dann auch, der über die Flügel viel mehr Druck ausüben konnte. Gerade über die rechte Seite ging kurz nach dem Pausentee eine Menge. Man hatte das Gefühl, dass die müden Herbstbeine des Olympiastadions in der Kabine gelassen wurden.

Müller, Robben und Götze kombinierten wie sie wollten und drehten das Spiel in wenigen Minuten. Mario zeigte, warum man ihn für fast 40 Millionen von Borussia Dortmund verpflichtet hat. Der Pass zum 1:1 auf Robben (50.) hebelte die 5er-Kette spielerisch aus. Auch beim 2:1, welches keine 120 Sekunden später fiel, brachte Götze das vermisste Tempo ein und sorgte für Druck über die Flügel. Sein Pass gelang über Robben zu Müller, der das Ding zur 2:1 Führung einmüllerte (52.). Das 3:1, welches in der 69. Minute den Deckel auf die Partie machte, war nahezu eine Kopie des 2:1 – erneut spielten Müller und Götze die Mainzer Abwehr schwindlig. Götze täuschte einen Doppelpass mit Müller an, konnte so dem Mainzer einen Knoten in die Beine spielen und hatte genügend Zeit mit einem »No-Look-Pass« auf Mandzukic die Partie zu entscheiden. Wenig später gab es dann noch einen Strafstoß nach einem Foulchen an Schweinsteiger, welcher von Müller souverän verwandelt wurde (82.).

In der Summe bleibt ein Fortschritt im Vergleich zur Bayer Leverkusen Partie, denn diesmal wurden die wenigen Chancen direkt in Tore umgemünzt. Positiv ist auch, dass es der Mannschaft gelungen ist einen Rückstand trotz bis dato völliger Einöde in der Offensive noch in ein 4:1 zu drehen. Nun geht es weiter mit zwei Heimspielen – zunächst in der Champions League gegen Pilsen – ohne Stamminnenverteidigung, denn Boateng ist gesperrt und Dante wird (Stand Sonntagmittag) definitiv ausfallen. Am Wochenende kommt es dann zum Spitzenspiel – Erster gegen Vierter – der Aufsteiger Hertha BSC wird dann hoffentlich gleich in die Allianz Arena einfahren.

Die Südkurve präsentierte sich gut, aber nicht ganz so lautstark wie zuletzt. Man versuchte mit zwei Vorsängern in der Nähe der Blöcke 111 und 114 an die Seiten zu kommunizieren. Das funktionierte nach links (aus der Hintertorperspektive) recht gut, denn dort beteiligten sich einige Fans an den Gesängen. Auf der Gegenseite war wenig los, sodass der Vorsänger entspannt auf dem Zaun sitzen konnte. Sicherlich wird man in Zukunft weiter experimentieren und die Stimmung kontinuierlich verbessern können. Der Grundstein ist gelegt und nun gilt es das Maximum auszuschöpfen.

FC Bayern München – Mainz 05 4:1 (0:1)
FC BayernNeuer – Rafinha (46. Götze), Boateng, Dante (42. Alaba), Contento – Lahm – Robben, Kroos, Schweinsteiger, Müller – Mandzukic (75. Kirchhoff)
BankStarke, Van Buyten, Pizarro
Mainz 05Wetklo – Pospech, Bell, Svensson (57. Park), Noveski, Diaz – Geis, Baumgartlinger (67. Moritz) – Müller, Choupo-Moting – Parker (79. Saller)
BankMathenia, Fathi, Zimling, Okazaki
Tore0:1 Parker (44.), 1:1 Robben (50.), 2:1 Müller (52.), 3:1 Mandzukic (69.), 4:1 Müller (82. / Foulelfmeter)
KartenGelb: Kirchhoff / –
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Leserkommentare
  1. Christopher Fleck

    Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
    Dennoch die eine oder andere Kleinigkeit. Für mich hat Diego Contento am Samstag eines seiner schlechtesten Spiele gemacht, leider. So reicht es definitiv noch nicht einmal als Backup für David Alaba. Ich hatte das Gefühl das Schweinsteiger und Co es sogar vermieden haben ihn mit in das Angriffsspiel mit einzubeziehen!
    Apropos Bastian Schw., sagt mal mußte dieses schinden eines Elfmeters denn wirklich sein? Für ihn persönlich und auch für die Mannschaft könnte sich das auf Sicht, falls das einreißt, auch einmal negativ auswirken.
    Ebenfalls eine Kleinigkeit, dennoch zeigt es mir wer das sagen hat, ist die Ansage wer den Elfmeter zu schießen hat. Der Trainer bestimmt und nicht die Spieler!
    Die Tatsache das am Mittwoch neben van Buyten sehr wahrscheinlich Kirchhoff der zweite Innenenverteidiger sein wird, läßt mich ein wenig nachdenklich werden. Zu deutlich waren seine Abstimmungsprobleme am Samstag. Ich würde mich auch vor allem wegen ihm freuen, wenn er gegen Pilsen, so er denn spielt, eine richtig gute Leistung abliefert.

    Servus,
    Fossi

    1. Christopher

      Fossi,

      Danke für den Kommentar. Ich teile deine Meinung – die Heatmap von Contento hat gezeigt, dass er sehr defensiv agiert hat. Lässt sich aber schwer beurteilen, da er ja in der zweiten Halbzeit IV gespielt hat. Man bräuchte eine Heatmap der ersten Halbzeit.
      Es bleibt abzuwarten wie das in Zukunft weiter geht. Ich habe das Gefühl Pep Guardiola hat Contento schon relativ viel Spielzeit gegeben, zumindest mehr als Jupp Heynckes. Die Ausrede ‘fehlende Spielpraxis’ wird nicht auf Dauer greifen.

    2. Auf Twitter entstand heute Vormittag eine kurze aber sehr interessante Diskussion über Toni Kroos (@fehlpass, @helmi, @SammyKuffour). Kroos ist ja leider wieder einmal besonders durch seine Lustlosigkeit aufgefallen. Ich denke, dass das entsteht, wenn er einen (oder mehrere) Mitspieler auf dem Platz hat die technisch oder spielerisch nicht mit ihm mithalten können und dadurch das Spiel “schlechter” machen. Er ist eben kein Typ der seine Mitspieler wirklich mitreißen kann. Diese Fähigkeit geht ihm ab und ist wohl einer der größten Unterschiede zu bspw. Bastian Schweinsteiger (sagt @helmi korrekterweise). Alaba wäre ein Kandidat sowas in Zukunft zu können, Götze vielleicht auch (zumindest spielerisch) und Neuer sowieso, aber der ist im Tor etwas eingeschränkt dabei. Spannender Punkt, der mir so erst heute morgen richtig bewusst geworden ist.

  2. […] Auch andernorten wurde gespielt. Am Samstagnachmittag gewannen die Bayern mit 4:1 gegen Mainz. Miasanrot meint, die Bayern wollten sich Punkte erschleichen. Rene Maric (Spielverlagerung) analysiert das […]

  3. Felix (@SammyKuffour)

    Beim Durchlesen des Kommentares von Jan sind mir zusätzlich zu den bereits oben genannten Spieler noch zwei weitere eingefallen, die Rolle des “Mitreißers” bei Bayern spielen könnten.

    1. Javi Martinez:
    Er bringt von der körperlichen Präsenz alles mit und ist sowohl kämpferisch als auch spielerisch stark. Er wirkt zwar eher ruhiger, aber ich glaube nicht, daß ihn das daran hindern würde.

    2. Thiago Alcantara:
    Wir haben bis jetzt nicht viel von ihm gesehen, aber so wie er bei der U21 und in den Testspielen aufgetreten ist, hat er die Körpersprache eines Anführers und Leiters. Daß er spielerisch sehr stark ist, steht außer Frage.

    Diesen beiden traue ich die “Mitreißer/Anführer”-Rolle definitiv eher zu als Mario Götze.

  4. […] ins Schwitzen kommen: 817 Pässe wurden gegen Mainz registriert, neuer Bundesliga-Rekord. Mit dem 4:1 nach 0:1 sind die Bayern nun 34 Spiele am Stück ungeschlagen, und Karl-Heinz Rummenigge meinte, zum Glück […]

  5. Christopher

    Zum Thema Toni Kroos:
    Mir wird an Toni Kroos, seit er in den Profikader aufgestiegen und von Uli Hoeneß als Jahrhudert 10er gehypt wurde, in regelmäßigen Abständen überdurchschnittlich kritisiert. Was aber nicht heißen soll, dass sie immer unberechtigt ist. Mir geht es nur deutlich zu weit. Ein ähnliches Phänomen hatten wir bei Bastian Schweinsteiger, Michael Rensing und bis zu seinem Tor gegen den BVB im DFB-Pokal, auch mit Arjen Robben.
    Was verlangen wir denn eigentlich alles von den Spielern? Können wir tatsächlich beurteilen wie gut sie wirklich sind? Ist die Position, die er in der Mannschaft ausfüllen soll nicht genau die, für die ihn der Trainer vorgesehen hat? – Ich denke da an das Halbfinale der Nationalmannschaft gegen Italien! Da hatte Toni Kroos diese ehrenvolle Aufgabe sich um Andrea Pirlo zu kümmern. Das Ergebnis kennen wir.
    Bis zur Verpflichtung von Thiago hätte ich darauf gewettet, das Kroos mittelfristig die Position von Bastian Schweinsteiger übernimmt, da bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher. Wie überhaupt wird es bis auf 3-4 Positionen für jeden Spieler in unserer Mannschaft immer schwerer, immer in der Anfangsformation zu stehen. Dort steht im übrigen bis jetzt immer Toni Kroos. Irgendwie muß Guardiola wohl nicht so ganz unzufrieden mit an seinem Spiel sein, denn alternativlos ist er nicht.

    Servus,
    Fossi

  6. Christopher

    Das Problem bei Kroos ist sicherlich, dass er oft “unsichtbar” agiert. Gerade jetzt bei Guardiola ist er eine wichtige Anspielstation um zweiten Drittel. Fällt seine Leistung dann mal ab, dann schlägt sich das gleich durch (wie gegen Mainz gesehen).

    Kroos muss definitiv an sich arbeiten, denn Thiago, Götze & Müller sitzen ihm im Nacken. Ich bin gespannt wie sich das die nächsten Wochen entwickelt!

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