DFB-Pokal-Historie: Duelle mit Borussia Dortmund – Teil 3

Zum neunten Mal werden die Bayern im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund treffen. Duelle dieser beiden Vereine haben es traditionell in sich. Vom Aufsteiger aus München, der überraschend den Titelverteidiger besiegt, bis hin zu packenden Elfmeterschießen war alles dabei. Wir blicken in drei Teilen auf die vergangenen acht Aufeinandertreffen zurück, um am Ende der Serie auf das neunte vorauszuschauen.

Nachdem wir in Teil 2 die Protagonisten Luca Toni und Arjen Robben beleuchtet haben, beschäftigen wir uns nun im letzten Teil mit dem Pokalfinale 2014 sowie dem Halbfinale 2015. Außerdem schauen wir am Ende noch auf das diesjährige Finale der beiden Mannschaften.

2014: Robben wird zum Dortmund-Schreck

Einst von den Dortmund-Fans als zwölfter Mann gefeiert, avancierte Arjen Robben nach der Horror-Saison 2011/12 zum größten Borussen-Schreck. Neben einigen Toren gegen den BVB in der Bundesliga konnte der Niederländer auch im DFB-Pokal-Viertelfinale sowie im Champions-League-Finale 2013 das jeweils entscheidende Tor schießen. Diese Serie sollte Robben auch im Pokalfinale 2014 fortsetzen, wenngleich es dazu beinahe nicht gekommen wäre.

Pep Guardiola hatte vor dem Endspiel in Berlin arge Probleme. Auf der einen Seite hatte er die Bundesliga nach der feststehenden Meisterschaft für beendet erklärt und verlor so einige Spiele im Endspurt – unter anderem auch 0:3 gegen Borussia Dortmund. Andererseits hatte er sich auch in der Champions League nicht mit Ruhm beckleckert. Gegen Real Madrid flogen die Bayern fast schon desolat im Halbfinale raus.

Im Vorlauf sprach auch deshalb vieles für die Borussia, weil Guardiola in Berlin neben den ohnehin schon verletzt fehlenden Alaba und Schweinsteiger auch freiwillig auf Mandzukic verzichtete, der danach kein Spiel mehr für die Münchner machen sollte. Während Klopp kaum überraschte, bot Guardiola eine taktische Ausrichtung, die wohl bis heute zu den größten Leistungen seiner Bayernzeit zählte. Erstmals setzte der Katalane auf eine Dreierkette, in der Javi Martínez das zentrale Glied gab. Boateng und Dante unterstützten ihn auf den Halbverteidiger-Positionen, während Højbjerg (rechts) und Rafinha (links) die Flügelverteidiger-Positionen besetzten.

Diese Konstellation ermöglichte eine große Flexibilität. Wenn die beiden Flügelverteidiger nach vorne schoben, sicherten drei Innenverteidiger hinten ab. Gegen den Ball arbeitete Bayern sogar häufig mit einer Fünferkette, die es den Dortmundern sehr schwer machte überhaupt zu Chancen zu kommen. Javi Martínez konnte aber immer wieder ohne Sorge herausrücken und fand sich so auch häufig auf der Sechs wieder. Der Spanier war eine zentrale Figur dieses Finals und gewann viele wichtige Zweikämpfe. Das Gegenpressing der Dortmunder griff nur selten, weil die Bayern sich durch die flexible Formation immer gut positionieren konnten.

Vor der Abwehrreihe spielten zentral Toni Kroos und Philipp Lahm hinter einem Dreiersturm bestehend aus Mario Götze (halblinks), Thomas Müller (halbrechts) und Arjen Robben (zentrale Sturmspitze). Guardiola verzichtete somit also auch auf einen echten Flügelspieler und fokussierte eher das Zentrum. Entgegen aller Erwartungen schafften es die Bayern in dieser Formation das Spiel fast über die gesamten 90 Minuten zu dominieren und zu kontrollieren. Diese Leistung wird umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Guardiola seinen Kapitän Philipp Lahm bereits nach 32 Minuten auswechseln musste.

Für ihn kam Franck Ribéry, der für Götze im linken Halbraum agierte. Der Ex-Dortmunder wiederum wich auf die Lahm-Position im Zentrum, was bedeutete, dass Bayern dort mit Kroos und Götze zwei eher zweikampfschwache Spieler aufbot. Dennoch behielten die Bayern die Kontrolle und ließen wenig zu.

Erst in der 65. Minute gab es eine große Chance für den BVB nach einem Standard. Mats Hummels drückte den Ball per Kopf hinter die Linie, wo Dante zu spät klärte. Schiedsrichter Florian Meyer ließ aber weiterlaufen. Fehlentscheidung. Fortan wurde das Spiel offener, aber ein Tor blieb aus und so ging es in die Verlängerung. Schlussendlich sollte dort auch der Wille entscheiden. Nach Fehler von Weidenfeller und Flanke von Boateng war es ausgerechnet Arjen Robben, der wieder mal ein entscheidendes Tor gegen den BVB erzielte. Wie sehr die Bayern diesen Pokal wollten, symbolisierte aber nichts so sehr wie das 2:0 von Thomas Müller. Komplett leer und ohne jegliche Geschwindigkeit marschierte er auf das Tor von Roman Weidenfeller zu, umkurvte ihn und drückte den Ball mit seiner letzten Kraft über die Linie. Bayern war Pokalsieger und das auch verdient. Thomas Müller staubte zudem mit seiner beeindruckenden Leistung als erster Spieler überhaupt den Miasanrot-Award für das Tor des Jahres ab.

Miasanrot-Autor Jan beschrieb die Müller-Szene damals wie folgt:

Als der inzwischen eingewechselte Claudio Pizarro in der 123. Spielminute auf Thomas Müller in Höhe der Mittellinie querlegte, war diesem beim darauffolgenden Sprint vor das Tor des BVB die Anstrengung mit jedem Schritt anzusehen. Aber er umkurvte den Torhüter der Borussia, schob zum 2:0 für den FC Bayern ein und beendete das Spiel mit einem Freudentaumel der Roten. Jan im Mai 2014

Natürlich ist der Abend aus der Sicht von Borussia Dortmund schon deshalb bitter gelaufen, weil das Tor von Mats Hummels vermutlich alles geändert hätte. Dennoch war die Elf von Pep Guardiola am Ende das Team mit dem besseren Matchplan, der konsequenteren Umsetzung und vor allem auch die Mannschaft mit dem größeren Willen.

2015: Der FC Bayern rutscht aus…

Bereits im Jahr darauf sollte sich das Glück jedoch drehen. Obwohl die Bayern über weite Strecken der Partie die klar bessere Mannschaft waren, entschied am Ende das wohl unglücklichste Elfmeterschießen der Pokalgeschichte das Spiel zugunsten Dortmunds. Sowohl Xabi Alonso als auch Philipp Lahm rutschten mit ihrem Standbein weg und sorgten so für eine schnelle 2:0 Führung des BVB im Duell vom Punkt.

Im Halbfinale des DFB-Pokals ging es darum, wer in Berlin gegen den VfL Wolfsburg antreten würde. Die Ausgangslage der Dortmunder war nicht so gut wie in den Jahren zuvor. Jürgen Klopps Mannschaft war in der Bundesliga zwischenzeitlich abstiegsbedroht, schaffte in der Rückrunde aber eine sensationelle Aufholjagd und erreichte so noch die Qualifikation für die Europa League. Das Duell mit dem FC Bayern war jedoch das vorerst letzte für den Dortmund-Trainer, weil bereits feststand, dass er am Ende der Saison seine Ära beenden würde.

Die Bayern hingegen spielten auch im zweiten Jahr unter Guardiola eine herausragend konstante Saison. Der Katalane befand sich allerdings in Schwierigkeiten, weil er mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte. Kurz vor den Champions-League-Halbfinals gegen Barcelona musste Bayerns Trainer auf Franck Ribéry, David Alaba und Javi Martínez verzichten. Zudem waren Thiago, Schweinsteiger, Robben und auch Lahm erst von einer Verletzung zurückgekehrt.

Dennoch waren die Bayern von Beginn an das bessere Team. Kontrolle, konsequent gutes Umgehen des Dortmunder Pressings sowie viele herausgespielte Chancen sorgten für das 1:0 durch Lewandowski. Danach verpassten es die Münchner jedoch den Deckel drauf zu machen. Ein nicht gegebener Elfmeter tat da sein übriges. Dennoch hatten sich die Bayern den unnötigen Ausgleich durch Aubameyang selbst zuzuschreiben.

Miasanrot-Autor Steffen analysierte das damals wie folgt:

Der Plan war also gut und über 60-65 Minuten auch ziemlich perfekt umgesetzt. Dass die Münchner danach für kurze Zeit die Linie verloren und Dortmund für 15-20 Minuten seine Stärken wieder zur Geltung bringen konnte, hatten sich die Münchner vor allem selbst zuzuschreiben. Schon in den Minuten vor dem Ausgleich war spürbar, dass die Konzentration und der Wille, den hohen Aufwand im Auspendeln der Dortmunder aufrechtzuerhalten, nachließ. Die Hereinnahme von Mkhitaryan und leichte Umstellungen bei Dortmund kamen erschwerend hinzu. Auch Guardiolas Wechsel brachten in dieser Phase eher Unruhe herein. Die Gäste gewannen ein paar leichte Bälle, holten Freistöße heraus und trafen mit der bis dato ersten echten Chance im Spiel zum 1:1. Steffen im April 2015

Letztendlich gab die Guardiola-Elf das Spiel in genau dieser Phase aus der Hand und brachte sich so selbst in die Situation einer Elfmeterlotterie. Dass dort dann die Nerven versagen, kann natürlich mal vorkommen, obwohl die Szenarien, die sich dort abspielten, fast schon absurd lächerlich waren. Borussia Dortmund zog somit ins Finale ein, verlor dort aber mit 1:3 gegen den VfL Wolfsburg.

2016: Ein Ausblick

Selten waren die Voraussetzungen auf ein Spiel zwischen diesen beiden Mannschaften so gleich wie in diesem Jahr. Auf der einen Seite die Dortmunder, die vermutlich ihre beste Saison seit dem Double mit einem Titel krönen wollen. Verlieren sie dieses Finale, gehen sie zwar als bester Zweiter aller Zeiten in die Geschichte ein, haben schlussendlich aber nichts Zählbares in der Hand. Auf der anderen Seite stehen die Bayern, die nach dem unglücklichen Halbfinalaus gegen Atlético Madrid unbedingt einen weiteren Titel gewinnen wollen. Außerdem hört Pep Guardiola am Ende der Saison auf, was dem ein oder anderen Spieler eine zusätzliche Motivation geben könnte, um dem Trainer einen ordentlichen Abschied zu geben.

Beide Teams müssen jedoch auf Schlüsselspieler verzichten. Während Arjen Robben, Holger Badstuber und Javi Martínez auf Seiten der Münchner auszufallen drohen, ist für Gündogan neben der Saison auch die EM gelaufen. Ein vorerst letztes Mal wird man zudem im deutschen Fußball das Duell zwischen Pep Guardiola und Thomas Tuchel sehen. Taktisch können sich die Fans also erneut auf ein Spektakel einstellen. Mats Hummels sorgte ebenfalls für eine schöne Geschichte rund um das Pokalfinale. Nicht auszudenken was los wäre, wenn der aktuelle BVB-Kapitän im Finale patzt und danach zum amtierenden Pokalsieger aus München wechseln würde. Er möchte das natürlich verhindern und zum Abschied mit den Dortmundfans am Borsigplatz feiern.

Für beide Teams steht gewissermaßen auch die Gesamtbewertung der Saison auf dem Spiel. Sollte der FC Bayern das Double holen, würde es so gut wie keine Kritikpunkte mehr geben. Es wäre dann eine sehr gute Saison gewesen, die in der Champions League etwas unglücklich verlief. Sollte Dortmund allerdings den Pokal gewinnen, dürfte es erneut starken Gegenwind für Guardiola geben. Der Katalane ließ die Journalisten zwar schon wissen, dass er auch bei einer Niederlage zufrieden auf seine Zeit als Bayerntrainer zurückblicken würde, doch das sollte die mediale Berichterstattung nicht stoppen können.

Auch bei Borussia Dortmund ist die Situation etwas angespannt. Zwar wäre die Saison auch ohne Titel eine sehr gute, doch würde sie der Leistung der Mannschaft nicht gerecht werden. Es wäre bitter für den BVB, wenn man sich am Ende trotz allem nicht belohnen könnte. Zumal es für den BVB das fünfte Pokalfinale seit 2008 ist und sie davon drei verloren haben. Gewinnt man den Pokal aber in Berlin, bekommt dieses herausragende Jahr einen ganz anderen Stellenwert.

Bayern gegen Dortmund. Dieses Duell hat es in sich und wie die vergangenen acht Spiele der beiden im DFB-Pokal bereits zeigten: Von einer eindeutigen Angelegenheit bis hin zu einem kuriosen Elfmeterschießen ist alles möglich. Ganz Fußballdeutschland freut sich auf eine weitere packende Begegnung zweier Mannschaften, die derzeit das Beste sind, was die Bundesliga zu bieten hat.

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Leserkommentare
  1. Bernhard

    Das 2014 Finale ist mir unangenehm in Erinnerung.
    Aufgrund der vielen Verletzungen habe ich im Vorfeld den Glauben an einen Sieg aufgegeben. Zumal Dortmund eine sehr gute Rückrunde spielte und u.a. Real Madrid fast aus der Champions League geworfen hatte. Noch dazu war Reus in blendender Verfassung. Ergo habe ich statt dem Finale im Fernseher einen Film im Kino vorgezogen. Da der Film ned so besonders war (Godzilla lol), habe ich parallel zum Film den Spielstand auf dem Kicker verfolgt. Nach dem 2:0 haben so etliche Zuseher einen jungen Mann erlebt, der vor Freude aus dem Sessel gesprungen ist und ein lautes “jawoll” von sich gegeben hat.
    Quintessenz dieser Geschichte: Niemals den Glauben an den FC Bayern verlieren.

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