DUESSELDORF, NRW - OCTOBER 07: Philipp Lahm attends the stadium during a training session of the German National team at the LTU Arena on October 7, 2008 in Duesseldorf, Germany (Photo by Markus Gilliar-Pool/Bongarts/Getty Images)

Der Durchbruch des Philipp Lahm

Der endgültige Durchbruch

Im zweiten Teil wird die Entwicklung von Philipp Lahm in seiner Bayern-Zeit zwischen 2005 und 2009 näher beleuchtet.

Rückkehr nach München 2005-2007

„Erlernen“ ist insofern wichtig, da Philipp Lahm eben noch zu den Ausläufern einer Spielergeneration gehört, die die Viererkette nicht rein intuitiv umsetzen konnte, da Viererkette und Raumdeckung nicht von klein auf gang und gäbe waren. Lahm musste sich die Viererkette intellektuell aneignen, und das war durchaus zu sehen. Gerade in seinen ersten Jahren beim FC Bayern konnte man geradezu sehen, wie er in der Defensive bemüht war, beflissentlich das Verhalten in der Viererkette umzusetzen, wie es überall in den Lehrbüchern zu lesen war. Allzu beflissentlich. Denn sein Einrücken und Verdichten der Abwehrkette bei gegnerischen Angriffen durchs Zentrum und ebenso sein Herausrücken auf den Flügel bei Angriffen über eben jenen war in den Jahren vor van Gaal noch sehr schematisch und wenig fließend. Er reihte die Handlungsschritte in der korrekten Reihenfolge aneinander, aber bisweilen eben so wie ein Fahrschüler vor dem Abbiegen Bremsen, Schulterblick, Kuppeln, Schalten und Blinken nacheinander ausführt. Allzu mechanisch und überstürzt rückte Lahm bei Angriffen durchs Zentrum ein, um dort keine Lücke anzubieten. Er öffnete dem Gegner dabei mitunter riesige Räume auf der Seite, in die dieser dann nahezu unbedrängt vorstoßen konnte und somit eine sichere Spielzugoption angeboten bekam.

Natürlich war dabei im Grunde nicht Lahm das eigentliche Übel, sondern das fehlende Verschieben der übrigen Kettenglieder, die dafür oft zu träge waren; aber die fehlende Abstimmung der Viererkette zeigt, wie Lahm in jenen Jahren bedacht war, zuvorderst auf sich und seine eigene Leistung zu schauen. Zwar war er in den Jahren neben Ballack der einzige Spieler von wirklich allerhöchstem internationalen Niveau, aber sein Standing war dennoch weit davon entfernt, als Abwehrchef aufzutreten.

Sein Defensivverhalten interessierte aber außer ihm selbst auch niemanden. Ein Außenverteidiger in der Viererkette wurde in Deutschland zu jener Zeit in erster Linie noch wie ein Wingback im 5-3-2 vor allem anhand seiner Offensivaktionen bewertet, zumal bei einem Verein wie Bayern München, wo Verteidiger seit jeher mehr mit Angriff als mit Verteidigung beschäftigt sind. Philipp Lahm wurde in der medialen Öffentlichkeit vor allem als Kreativspieler und für seine Stärke im 1-gegen-1 geschätzt, und in der Tat fungierte Lahm in den Jahren vor Ribéry als verkappter Spielmacher. Da Scholl meist nur noch von der Bank kam, Zé Roberto als ausschließlicher Linksfuß auf der Außenbahn leicht zu isolieren war und Deisler nie zu einer konstanten Größe wurde, hing es an ihm, Lücken in den gegnerischen Deckungsverbund zu reißen und somit eine Idee für einen Spielzug zu liefern.

Lahm gegen Figo im Winter 2006
(Foto: Sandra Behne /Bongarts / Getty Images)

Wieder und wieder wurde der Ball von der Innenverteidigung oder aus dem Mittelfeld mit der Aufforderung „Lass du dir was einfallen!“ nach links zu Lahm geschoben. Der stand dann nicht nur einem massiert gestaffelten Gegner gegenüber, sondern lief stets auch Gefahr, bei eigenem Ballverlust einen gefährlichen Konter einzuleiten. Wer dafür nach Beispielen sucht, sei auf das letzte Spiel unter Magath (30.1.2007 0:0 gegen den VfL Bochum) verwiesen.

Dieses – meist diagonale – Andribbeln eines gestaffelten Gegners aus der Außenverteidigerposition heraus ist ebenfalls ein Markenzeichen Lahms erstem Karrieredrittels, das er später nahezu komplett abgelegt hat. Dies geschah vor allem deshalb, weil er einerseits aufgrund wichtiger Transfers wie Ribéry & Robben nicht mehr der einzige Spieler war, der Lücken reißen und jemanden im 1-gegen-1 ausspielen konnte. Andererseits aber auch, weil über die veränderte taktische Struktur grundlegend andere Angriffsmechanismen erarbeitet wurden, die derartige Risiko-Aktionen unnötig machten.

Findungsjahre 2007-2009

Es ist bezeichnend, dass Lahm, als er Anfang 2007 erstmalig den Wunsch äußerte, auf die rechte Seite zu wechseln, der einzige war, der von defensiven Beweggründen sprach. Medial wurde nur erörtert, dass er über rechts mit seinem starken Fuß dann wohl besser flanken, andererseits womöglich seine Torgefahr (sic!) einbüßen würde, da er dann nicht mehr wie später Robben nach innen ziehen und mit seinem starken Fuß aufs Tor schießen würde können. Abgesehen davon, dass in diesem Zusammenhang allzu vielen, die sich zu Wort meldeten, Lahms Tor im Eröffnungsspiel der WM 2006 gegen Costa Rica offensichtlich etwas zu sehr im Gedächtnis haften geblieben ist, zeigte sich eine Diskrepanz zwischen medialem Fokus auf seinen Offensivqualitäten und Lahms eigenem Rollenverständnis, nämlich in erster Linie „Verteidiger“ zu sein.

Zu jener Zeit sind bei Philipp Lahm in Interviews erstmals reflektierte Äußerungen festzustellen, die über das gewohnte „Ich-spiele-da-wo-der-Trainer-mich-hinstellt“ hinausgingen und einen Reifeprozess dokumentierten. War Lahm in den Jahren unter Magath noch zufrieden damit, den Durchbruch geschafft zu haben, und in erster Linie darum bemüht, sich zu etablieren (beim VfB, in der Nationalmannschaft, beim FC Bayern), so begann er in der zweiten Hitzfeld-Ära, sich zunehmend mit seiner Rolle im Verein und auf dem Rasen auseinanderzusetzen und eigene Vorstellungen zu entwickeln. Auslösend dafür dürfte die Krise des FCB 2006/07 gewesen sein, als erstmals absehbar wurde, dass die tendenzielle Entwicklung des Vereins und seine persönliche Entwicklung nicht gerade synchron verlaufen. Dass er im Frühjahr 2008 dennoch verlängerte, lässt sich im Nachhinein immer gut als Herzensentscheidung verkaufen. Philipp Lahm stammt aus München und ist beim Rekordmeister aufgewachsen, insofern wird ihm der Gedanke, seine Heimat zu verlassen nicht leichtgefallen sein. Es war dennoch nie seine Art, Treueschwüre und Bekenntnisse zu formulieren, dafür war er stets zu rational planend, als dass er sich auf diese Weise zukünftige Optionen hätte verbauen wollen.

Exemplarisch dafür sei seine Reaktion auf die Lobeshymnen vor allem im Anschluss an das Eröffnungsspiel der WM 2006 erwähnt: Lahm war zur Saison 2005/06 zum FC Bayern zurückgekehrt, fiel aber wegen eines noch in Diensten des VfB erlittenen Kreuzbandrisses bis in den November hinein aus. Er musste sich die Position des Linken Verteidigers in der Rückrunde noch mit Lizarazu teilen. Der Münchner war also noch kein ganzes Jahr Profi beim FCB, war mit seinem Heimatverein noch in keine Saison als Stammspieler gegangen. Aber Nachfragen von Journalisten, dass er sich nun womöglich in den Fokus von Vereinen wie Barcelona oder Real Madrid gespielt habe, begegnete er nicht etwa mit Äußerungen, wie sie ein Bayern-Fan zu jener Zeit hätte hören wollen. Dass er etwa bereits bei einem Top-Club spiele oder sich erst einmal darauf freue, fit in eine komplette Saison mit seinem Verein zu gehen. Im Gegenteil, er ließ alles offen und machte keinerlei Anstalten, aufkommende Transfergerüchte im Keime zu ersticken, sondern wollte „erst einmal die WM zu Ende spielen, alles andere wird man dann sehen.“

Gegen Hoffenheim 2008 gelang Lahm einer seiner wenigen Tore.
(Foto: Photo by Bongarts / Getty Images)

Was auch immer schlussendlich den Ausschlag für seine Vertragsverlängerung beim FCB gegeben haben mag, ob dies nun seine Liebe zum Verein, das finanzielle Angebot oder die Aussicht auf die Kapitänsbinde gewesen sein mag. Philipp Lahm wird sich von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge angehört haben, wie diese die Zukunft des Vereins planen, und diese Vision wird ihn überzeugt haben oder zumindest gangbar erschienen sein. In einem SPIEGEL-Interview aus dem Mai 2008 nennt er einen Aspekt, der mir persönlich besonders plausibel erscheint, weil er zu der für Philipp Lahm so typischen Melange aus Heimatverbundenheit und Ehrgeiz steht: „Aber ich habe mich gefragt, was ich wohl mache, wenn hier bei Bayern etwas Großes passiert und ich nicht dabei bin.“

Im Endeffekt wäre Philipp Lahm am liebsten sein Leben lang bei der FT Gern geblieben. Es dauerte eine Zeit, bis er sich mit dem Gedanken arrangieren konnte, schlichtweg zu gut für diesen Verein zu sein. Ähnliches galt nun für ihn in der Phase um 2008 beim FC Bayern: Hier der FCB, der international ein ums andere Mal nicht über das Viertelfinale der Champions League hinauskam, dort der Spieler Lahm, der das Interesse sämtlicher Spitzenclubs auf sich gezogen hatte und ähnlich wie zuvor Michael Ballack derartige Probleme durch einen Wechsel zu einem solchen Top-Club von heute auf morgen für sich hätte lösen können.

In jedem Fall war es offensichtlich, dass Lahm zu jener Zeit vom internationalen Standing und der Perspektive her in besserem Licht stand als der Verein Bayern München selbst. Und es ist nicht hoch genug zu bewerten, dass er im Chaos der Klinsmann-Zeit und insbesondere nach der 4:0-Klatsche gegen den FC Barcelona 2009 nicht den Absprung suchte, sondern den Glauben daran aufrecht hielt, diesen Rückstand aufholen und mit dem FCB die Champions League gewinnen zu können. Er verknüpfte sein Schicksal, seinen Werdegang und seine persönlichen Erfolgsaussichten mit denen des Vereins und „opferte“ seine besten Jahre für ein Projekt, das – wie er selbst sagte – nicht von heute auf morgen zu realisieren, sondern auf mehrere Jahre angelegt war. Vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, dass er im November 2009 mit seinem Interview in der Süddeutschen Zeitung in derart deutlicher Art und Weise anlässlich der ausgebliebenen Fortentwicklung des Vereins Alarm schlug. Er sah die Fortentwicklung und damit die schlussendliche Erfolgsaussicht dieses Projekts ernsthaft gefährdet.

Für dieses Projekt hatte er Opfer gebracht, und damit ist nicht die Vertragsverlängerung gemeint: Er hatte sein Spiel umgestellt, persönliche Interessen hinten angestellt und war zur Inkarnation der Mannschaftsdienlichkeit geworden. Durch den Transfer von Marcell Jansen konnte Lahm zur Saison 2007/08 auf die rechte Seite wechseln, wo er nach eigener Einschätzung besser verteidigen kann, weil er dort unter anderem mit dem gegnernahen Bein in Zweikämpfen angreifen und unter Druck präziser den Ball die Linie entlang passen kann. Es war ihm vollauf bewusst, damit an Spektakularität einzubüßen und in der öffentlichen Wahrnehmung an Glanz zu verlieren, aber es war ihm wichtiger, seine Position des Verteidigers bestmöglich auszufüllen.

Lahm hatte erkannt, dass er dem FC Bayern auf höchstem Niveau mehr helfen würde, wenn er – nun, da es mit Ribéry endlich wieder einen Kreativspieler von Weltniveau gab – der Mannschaft defensive Stabilität verleihen könnte, anstatt die Linie rauf und runter zu rennen und in riskante, die Defensive entblößende Zweikämpfe zu gehen. Er rationalisierte sein Spiel und konzentrierte sich auf seine Kernaufgabe als Verteidiger; etwas mehr Maldini, etwas weniger Dani Alves.

Diese Umstellung seines Spiels musste er gegen gehörige Widerstände durchsetzen. In der Öffentlichkeit wurde dies überhaupt nicht goutiert: Der Kicker verbannte ihn in der „Rangliste des deutschen Fußballs“ zum einzigen Mal in seiner Karriere überhaupt ins „Blickfeld“ und bei der EM 2008 wuchs der mediale Druck derart an, dass Joachim Löw ihn während des Turniers von der rechten auf die linke Abwehrseite zurückbeorderte. Dies hing vor allem mit der schwachen Form von Marcell Jansen zusammen und auch im Verein sollte dieser Spieler ursächlich dafür sein, dass Lahm in der Saison 2008/09 unter Jürgen Klinsmann wieder als Linker Verteidiger zum Einsatz kam. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde Jansen nach Hamburg transferiert, Bayern lieh Massimo Oddo aus, der sich fortan Lahms Wunschposition mit Christian Lell teilte.

Es wäre für Lahm ein Leichtes gewesen, persönliche Interessen in den Vordergrund zu stellen und auf seiner Position zu beharren, wie das etwa Martin Demichelis vor dem Cottbus-Spiel im März 2008 tat, als dieser sich weigerte im Mittelfeld zu spielen. Lahm hatte erst im November 2007 beim 2:1-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft über England im Wembley-Stadion auf eben jener Position ausgeholfen und derart stark aufgespielt, dass er auch auf dieser Position eine logische Alternative gewesen wäre.

Aber er fügte sich wie eh und je und spielte auf der Position, auf der er nun einmal am dringendsten gebraucht wurde. Dieses Problem, dass er nicht durchgängig dort spielen durfte, wo er am stärksten war (oder sich zumindest am wohlsten fühlte), sollte sich durch seine gesamte Karriere ziehen, in der Nationalmannschaft wie im Verein.

Typisch daran ist, dass Lahm auch auf dem Platz stets die Unzulänglichkeiten seiner Mitspieler kompensieren musste: Sei es direkt, weil er katastrophale Zuspiele unter höchstem Druck verarbeiten musste und dies oft so aussehen ließ, als wäre es das Einfachste auf der Welt; sei es indirekt, weil er als Balancegeber stets darum bemüht war, wie eine Klimaanlage auf dem Platz die „Temperatur“ zu regeln. Spielte die Mannschaft zu wild und zu direkt, bemühte Lahm sich darum, das Spiel zu beruhigen und Kontrolle auszuüben. War das Spiel zu statisch, initiierte Lahm schnellere Spielzüge, ließ den Ball zügiger zirkulieren und hinterlief seinen offensiven Mitspieler auf dem Flügel ein ums andere Mal, um diesem eine Anspielstation zu bieten oder zumindest den ausschließlichen Fokus der Abwehrspieler vom Ballführenden abzulenken.

Wie oft er allein diese mühsamen Wege unternahm, im Wissen höchstwahrscheinlich gar nicht angespielt zu werden, weil Robben oder Ribéry lieber den Abschluss oder das Dribbling suchen, lässt sich kaum zählen. Kein einziges Mal hat er sich dabei im Anschluss beschwert oder mit einer abfälligen Geste reagiert, sondern bei Ballverlust stets ohne Murren den sofortigen Rückweg angetreten.

Und es dürfte wohl ein offenes Geheimnis sein, dass ein Großteil des Glanzes, den Offensivspieler wie Ribéry oder Robben versprühen durften, im Grunde der permanenten Unterstützung und überlegten Absicherung Philipp Lahms zu verdanken sind.

Zum Ende der Saison 2008/09 war Philipp Lahm gerade einmal 25 Jahre alt, stand bereits im All-Star-Team der WM 2006 sowie der EM 2008, verkörperte auf beiden Außenverteidigerpositionen bereits seit 6 Jahren internationale Klasse, hatte in Wembley durchleuchten lassen, dies womöglich auch noch auf einer dritten Position zu sein und zeigte erste Ansätze strategischen Denkens. Er war zu jenem Zeitpunkt der beste deutsche Feldspieler und hatte anfängliche Mängel im Abwehrverhalten abgelegt, er kompensierte regelmäßig die Unzulänglichkeiten seiner Mitspieler auf dem Platz wie auch seiner Trainer an der Seitenlinie. Und dennoch gilt zu sagen: The best was yet to come.

Abonniere unsere Beiträge!



Reklame

.. hilft Miasanrot


Hier werben

Leserkommentare
  1. wipf1953

    Ein sehr sehr guter Artikel, chapeau. Da liest man selbst Tag für Tag alles über seinen Verein, und trotzdem findet man im Artikel einiges Neues.

    Zwei kurze Anmerkungen:

    Zu Saisonbeginn 2007/2008 hatten die Bayern Ribery, Klose und Toni verpflichtet. Das dürfte schon ein Argument für Lahm gewesen sein, zu bleiben. Interessant ist, dass Lahm dann im Frühjahr 2008 seinen Vertrag exakt zu der Zeit verlängert hatte, als klar war dass Jürgen Klinsmann neuer Bayerntrainer würde. Das genaue Verhältnis von Lahm zu Klinsmann kann ich nicht beurteilen; wenig später hat Lahm jedenfalls negativ über Klinsmann geschrieben. Aber vielleicht hat er sich damals bei seiner Vertragsverlängerung ein wenig vom allgemeinen Hype blenden lassen.

    2007, 2008 war die linke Seite der Bayern jedenfalls in der Bundesliga das Nonplusultra. Ribery, Ze Roberto und dahinter Lahm. Da gab es kaum Argumente, dass er auf die rechte Seite hätte wechseln sollen.

    1. chicago_bastard

      Ich hab es auch so in Erinnerung, dass Lahm in der Saison 2007/08 anders als im Artikel beschrieben größtenteils links spielte. Lell war damals Stammspieler auf rechts während Lahm wie Du sagst eine erfolgreiche Achse mit Ze Roberto und Ribery auf links bildete. Seine erste Saison als Rechtsverteidiger spielte er erst in der Saison 2009/10.

  2. Josef

    Wow: ganz große Schreibe!
    Langsam realisiert man erst, welcher Abgang hier bevor steht. Es schmerzt.

  3. chicago_bastard

    Aus der Zeit als Lahm erstmals forderte auf die rechte Seite zu wechseln ist mir noch folgendes Zitat in Erinnerung:

    “Die Ansicht, dass er ein guter Rechtsverteidiger ist, hat der Philipp exklusiv.” (Uli Hoeneß)

    Lass ich mal so stehen.

    1. Josef

      Das ist richtig.
      Es gab aber auch eine Phase, in der Lahm das genauso so sich als Linksverteidiger stärker sah.
      Seine Einschätzung was die richtige Position ist wechselte doch ebenfalls recht häufig. Und für mich ist (war) da lange kein roter Faden sichtbar.

      1. Max

        Gab ja auch eine Zeit wo er unbedingt ins Mittelfeld wechseln wollte. Da wäre er auch gut aufgehoben gewesen und ggf. besser als andere, aber die Alternativen als Außenverteidiger waren eben schlechter. Die Frage ist halt ob die Qualitätserhöhung auf einer Position (z.B. Lahm als RV oder Mittelfeld) insgesamt besser ist als die Qualitätsminderung auf der freiwerdenden Position. Für die Entscheidung ist nunmal der Trainer zuständig und nicht der Spieler. Klonen geht halt leider nicht.

        Interessant wäre auch mal welches Duo besser war. Lahm+Ribery vs Lahm+Robben (und als Quervergleich vllt noch Alaba+Ribery) zu den besten Zeiten.

    2. Marco05

      Die Wahrnehmung damals war ja – um das UH-Zitat mal aufzugreifen – dass Lahm zusammen mit Ribéry auf links die “weltbeste” linke Seite bildete, während das rechts nicht der Fall war. Die Argumentation von rechts allerdings bessere Flanken (von der Grundlinie) bringen zu können hat auch nicht gezogen, da das Flanken an sich bei weitem nicht in der Güteklasse wie seine restlichen Fähigkeiten (abgesehen vom Torschuß) vorhanden war. Insofern war er rechts quasi verschenkt und ohne kongenialen Partner vorne in der Wahrnehmung nur ein Durchschnittsverteidiger.

      Soweit ich mich erinnere sah sich Lahm selbst schon lieber auf der rechten Seite, hatte jedoch kaum Argumente das durchzusetzen. Unglücklich war, dass beie AV-Positionen quasi vakant waren, da immer die Lahm-ferne Seite nicht qualitativ hochwertig besetzt war.

      1. chicago_bastard

        Ja, da musste erst der Sturkopf van Gaal kommen, der ihn als erster konsequent als Rechtsverteidiger sah. Dazu natürlich mit Robben das lange ersehnte Pendant zu Ribery.

        Als van Gaal weg war wollte der Verein Lahm lustigerweise wieder nach links verschieben, für die rechte Seite holte man Rafinha als vermeintliche Stammkraft. Erst als sich dieser nicht als die erhoffte Größe entpuppte und auf links plötzlich Alaba einen Sprung machte durfte Lahm wieder nach rechts. Aber das wird im zweiten Teil der Artikelserie sicher noch genauer erörtert.

    3. wipf1953

      Nö, CB, nicht “so stehen lassen”. Die Geschichte geht ja noch weiter:

      Auch bei der WM 2010 hatte Philipp Lahm dann m.W. ausschließlich Rechtsverteidiger gespielt.

      Alles änderte sich allerdings, als Hoeness sein “Trauma” van Gaal im Frühjahr 2011 endlich losgeworden war und Heynckes neuer Coach wurde:

      – Die Bayern kauften als allererstes den Rechtsverteidiger Rafinha. Den van Gaal ja nicht gewollt hatte (der hatte auf Lahm rechts und auf Alaba und Contento links gesetzt).
      – Sodann verkündeten die Bayern, Lahm selbst und – wenn ich mich richtig erinnere – auch der Bundesjogi unisono, dass Lahm wieder links spielen würde.
      – Die “Instanz himself”, Franz B., kommentierte dies mit den Worten: Auf links hat der Philipp seine besten Spiele gemacht.

      Die Bayern würgten sich dann durch die Saison 2011/2012 und verloren z.B. im Frühjahr 2012 in Leverkusen 0:2. Ebenso unterlag man im CL-Achtelfinal-Hinspiel in der Fußballmetropole Basel mit 0:1. Es wurde daraufhin van Gaals Idee wiederbelebt, mit Lahm auf rechts und Alaba – der in dieser Saison zu Bayern zurückgekehrt und lediglich im Mittelfeld gespielt hatte – wurde linker Verteidiger. Daraufhin gewann Bayern gegen Hoffenheim 7:1 und gegen Basel 7:0 ..

  4. Dingens

    Moin
    Super, Danke! Freue mich schon auf den nächsten Teil!
    Grüße
    Der Dingens

  5. Done

    “…auf der Position des Liberos durch Franz Beckenbauer parallelisierten Dominanz. Aufgrund des bisweilen abyssalen Niveauunterschieds im Vergleich zu seinen Mitbewerbern, blieb Philipp Lahm bis zu seinem Karriereende derart unumstritten, dass sein größter Konkurrent für ihn…”

    Parallelisierte Dominanz und abyssaler Niveauunterschied?
    Ist der Verfasser als Kind in einen Neologismentopf gefallen? Man kanns auch übertreiben.

    1. Thomas

      Abyss war, glaube ich, der Abgrund. Folglich wäre “abyssal” abgrundtief. (Aus dem Englischen kenne ich nur “abysmal”.)

      Den abgrundtiefen Unterschied verstehen Fußballer sofort, allerdings betont das gedrechselte Fremdwort die hohe Bildung des Autors …

      Das Sprachbild von der “nebeneinander liegenden Beherrschung” hingegen ist reines Wortgeklingel. Hört sich gebildet an, sagt aber nichts aus. —

      Ein klitzekleiner Wermutstropfen im Glas Wein. Danke für den ausführlichen Artikel :-)

  6. Roland Wohlfarth

    Sensationeller Artikel über einen sensationellen Spieler. Sticht angenehm aus der Masse der “Mach´s gut Philipp” Artikel, die ja am Wochenende in jedem überregionalen Qualitätsmedium zu lesen waren sowohl sprachlich als auch inhaltlich heraus. Nur: Irgendwie erwartet man einen zweiten Teil. Auf den warte ich schon seit Tagen. Kommt der noch?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog