Das Spiel vom Hasen und Igel – Bayern München bei Borussia Mönchengladbach

Die Pleite von Salzburg tat weh, keine Frage. Weil Niederlagen immer schmerzlich sind. Dennoch haben sie oftmals etwas Lehrreiches an sich. So stellte Pep Guardiola die Mannschaft im Vergleich zum letzten Testspiel um und verzichtete unter anderem auf das Projekt Dreierkette (zumindest oberflächlich). Zudem sendete er durch die Nichtberücksichtigung von Mandzukic ein Signal an die Mannschaft: »Wer sich nicht konzentriert ist raus«. Die Geschichte von Hase und Igel geht also in die nächste Runde, denn schon zum Beginn der Hinrunde gab es Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Spieler. Allerdings sind die Rollenverteilungen zwischen Getriebenen und Treibern wohl noch nicht endgültig verteilt.

Bayern in Gladbach Saison 2013/14

Durch Mandzukics Fehlen, spielte Götze als Stürmer bzw. als „falsche 9“. Die Flügel wurden von Müller und Shaqiri beackert. Im zentralen Mittelfeld spielten Thiago, Kroos und Lahm. Die Abwehr bestand aus den bekannten Gesichtern Alaba, Dante, Boateng und Rafinha. Im Tor stand der frischgebackene Welttorhüter des Jahres 2013 – Neuer.

Das Spiel begann forsch und erweckte den Eindruck als hätte es knapp 40 Tage Bundesligapause nie gegeben. Zunächst markierte Götze das erste Ausrufezeichen und setzte sich geschickt im Strafraum durch, indem er den Ball mehr oder weniger freiwillig über den Gegenspieler lupfte. Allerdings scheiterte er hier noch mit seinem Abschluss (4.). Wenige Minuten lief es besser. Gladbach agierte defensiv typisch im 4-4-2, welches den FC Bayern in der Hinrunde oftmals Probleme bereitete (u.a. Hannover & Wolfsburg). Diesmal gelang Pep Guardiola aber ein taktischer Kniff um die Vorteile des 4-4-2 auszuheben. Hierfür ließ sich Lahm oftmals weit zurückfallen und spielte so fast einen Libero. Die Grundformation im Angriff war vor allem in der ersten Hälfte ein 3-4-3. Im Mittelfeld führte das Zurückfallen von Götze und das Einrücken von Müller dann zum 1:0, denn so gelang es den Beiden, Spieler von Gladbach zu binden und die rechte Seite zu öffnen. Müller selbst starte in den Raum und legte den Ball zurück auf Götze, der diesmal zielsicherer war (8.).

Im Anschluss daran entwickelten sich vielleicht die besten 25-30 Minuten der Bayern. Sie ließen das Pressing der Gladbacher so geschickt ins leere Laufen, dass man den Eindruck bekam, der FC Bayern spiele mit einem Mann mehr auf dem Platz. Das bekannte Spiel von Hase und Igel. Der Hase, in dem Fall Gladbach – konnte sich strecken und laufen, wie er nur wollte, aber der Igel war durch seine taktische List ihm überlegen. Einziges Manko in dieser Phase war der letzte bzw. vorletzte Pass. Dieser wurde oftmals zu umständlich gespielt bzw. generell zu verspielt, sodass es eigentlich trotz drückender Überlegenheit kaum Torchancen gab.

Da der FC Bayern sehr hoch presste, gelangen viele Ballgewinne noch weit in der Gladbacher Hälfte. Zum Beispiel wurde in einer Szene Xhaxa auf Höhe des Strafraums von vier Bayernspielern angegangen. Dies führte dazu, dass die Abwehrreihe der Bayern auch sehr hoch stand, um die Räume eng zu halten. Was sich hin und wieder als gefährlich herausstellte, wenn Gladbach das Pressing ins Leere laufen ließ und konterte – meist mit einem langen Ball auf die schnellen Kruses, Raffaels oder Herrmanns dieser Welt. So entstanden in der ersten Halbzeit zwei gefährliche Abschlüsse für die Gladbacher, aber auch in Halbzeit zwei entstanden so die größten Chancen für die Gastgeber.

Die zweite Halbzeit begann personell unverändert. Nach einem kirmisähnlichem Scheibenschießen im Strafraum durch Shaqiri, Götze und Kroos entschied Schiedsrichter Gagelmann zu Recht auf Elfmeter. Xhaka hatte beim Ringelpietz im Strafraum den Ball mit der Hand gespielt. Müller verwandelte den fälligen Strafstoß im Gegensatz zum Hinspiel sicher. Das 2:0 war die Vorentscheidung (53.). Gladbach wurde zwar im Anschluss daran noch mal stärker – vor allem weil das Pressing der Bayern nicht mehr so konsequent umgesetzt wurde. So entwickelte sich die Partie mehr und mehr zu einem Konter vs. Konterspiel. Exemplarisch dient dabei folgende Szene: Alaba verliert einen Zweikampf am gegnerischen 16er und Bayern hat noch fast 5 Spieler vor dem Ball, was Dante ins 1:1 mit Herrmann schickte, der nur den Pfosten traf. Im direkten Gegenzug verfehlte Shaqiri nur knapp. Es ging sprichwörtlich rauf und runter und es entwickelte sich mehr und mehr zum ‚Hasenrennen‘.

Spätestens ab der 80. Minute war der Wille von Gladbach aber gebrochen und Bayern spielte geschickt die Uhr runter. So brachte Pep noch Robben, Höjbjerg und Pizarro. Letzter hatte noch durch eine geschickte Körpertäuschung das 3:0 auf dem Fuss, was des Guten wohl zuviel gewesen wäre.

So bleibt am Ende ein verdienter Sieg. Guardiola konnte den Taktikfuchs Favre überlisten und bescherte Gladbach die erste Niederlage in einem Heimspiel in dieser Saison. Dabei zeigte sich der FC Bayern wieder in gewohnter Spiellaune – und stand über weite Teile des Spiels relativ stabil. Einzig die ein oder andere Chance hätte mehr herausgespielt werden müssen. Gerade als die eigene spielerische Überlegenheit groß war. Aber manchmal spielte man eher wie ein klassisches Beach-Soccer-Team – zu viel mit der Sohle und Hacke. Insbesondere Thiago verfiel in den letzten 15 Minuten in einen waren Trickrausch.Tabellarisch wurde ein großer Schritt Richtung Meisterschaft gegangen, denn nun hat man die Top 4 alle auswärts bespielt und hat nun 10 vor auf Leverkusen und 15 vor auf Dortmund. Ob man diesen Vorsprung wirklich halten kann, wird sich schon am Mittwoch zeigen, wenn das Nachholspiel beim VFB Stuttgart ansteht.

Borussia M’gladbach – FC Bayern 0:2 (0:1)
Borussia M’gladbachTer Stegen – Korb, Stranzl, Dominguez, Wendt – Kramer, Xhaka – Herrmann (76. Hrgota), Arango – Raffael – Kruse
BankHeimeroth, Nordtveit, Younes, Rupp, De Jong, Daems
FC BayernNeuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm – Müller, Thiago, Kroos (87. Hojbjerg), Shaqiri (79. Robben) – Götze (81. Pizarro)
BankStarke, Contento, Sallahi, Weiser
Tore0:1 Götze (7.), 0:2 Müller (53., Handelfmeter)
KartenWendt, Kramer / Kroos
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