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Bundesliga-Vorschau: SV Darmstadt 98

Christopher Trenner 18.09.2015

Ein Blick auf die nackten Zahlen lässt vermuten, dass der FC Bayern am Wochenende auf den feststehenden Absteiger der laufenden Saison trifft. Darmstadt hat bisher im Schnitt 35% Ballbesitz und bringt nur 50% (!!!) seiner Zuspiele an den Mitspieler. Das reichte immerhin für 30 Torabschlüsse, die die Hessen in den bisherigen vier Spielen verbuchen konnten. Zum Vergleich: Der FC Bayern hatte alleine gegen Augsburg 27 Torabschlüsse. Und dennoch geriet die Elf von Dirk Schuster in den ersten Bundesligapartien seit der Rückkehr nie in Rückstand und holte sechs von möglichen zwölf Punkten. Trotz Spielen in Gelsenkirchen und Leverkusen, sowie einem Heimspiel gegen den letztjährigen Tabellenachten 1899 Hoffenheim.

Bisheriger Saisonverlauf

Darmstadt spielt den unkonventionellsten Fußball, den die Bundesliga seit der Pressingrevolution Anfang der 2010er Jahre gesehen hat. Das Spielziel hat sich unter Dirk Schuster in den letzten drei Jahren wenig geändert, aber weder in der dritten und noch in der zweiten Liga fanden Gegner ein Mittel gegen die Flügelangriffe nach langen Bällen aus dem Defensivverbund. 37,5% der Pässe von Darmstadt sind weite Bälle. Die durchschnittliche Passlänge beträgt 25 Meter – über 7 Meter mehr als der FC Bayern oder Borussia Dortmund. Im Idelfall werden ohne große Umwege die Flügelspieler Heller oder Rausch gesucht – beide sind schnell und passable Spieler in direkten Duellen. Kann das Dribbling nicht gewonnen werden, springt in der Wunschvorstellung von Dirk Schuster zumindest eine Standardsituation heraus. So wie gegen Leverkusen gesehen: Heller konnte auf der rechten Seite einen Freistoß gegen Papadopoulos erzwingen. Die anschließende Flanke von Rausch verwertete Sulu per Kopfball zum 1:0-Siegtreffer. Wie bereits in der Zweitligasaison erzielen die Darmstädter gut die Hälfte ihrer Tore aus Standardsituationen.

Dirk Schuster setzt dabei auf ein klares 4-4-2, wobei Rosenthal als etwas hängende Spitze agiert, weshalb das System auch als 4-4-1-1 gelesen werden kann. Dabei setzt Darmstadt gezielt auf Spieler mit so genannten gescheiterten Karrieren, die in ihrem alten Verein aus verschiedenen Gründen keine Rolle mehr gespielt hatten. Die Liste scheint endlos: Niemeyer, Rausch, Caldirola, Holland, Rosenthal oder Wagner. Allerdings haben alle Spieler noch Qualitäten bzw. Stärken, die sie im Spielsystem einbringen können, und wenn es wie im Fall von Rausch nur die Antrittschnelligkeit ist.

Defensiv setzt Darmstadt eher auf kluges Verschieben der Ketten. Da auf das gleiche 4-4-2 System wie in der Offensive gesetzt wird, gibt es beim Umschalten von Offensive in Defensive nur selten Stellungsfehler. Durch die hohe Passungenauigkeit gibt es ohnehin kaum Szenen, in denen mehrere Spieler in das Mittelfeld- bzw. Angriffsdrittel aufrücken können. Kombinationsfußball sieht das System nicht vor. Das Spielsystem ist eher von dem Gedanken „Einer kommt durch“ geprägt. Ohnehin liegt der Fokus viel mehr auf der eigenen Abwehrarbeit. Ziel ist es, den Gegner in Zonen zu lenken, in denen Zuspiele nicht genau durchgeführt werden können bzw. ungefährlich sind. Obwohl Darmstadt nur ca. 40% der Zweikämpfe gewinnt, kann die Mannschaft so ein relativ stabiles Defensivkonstrukt aufbieten. Nur drei Gegentore kassierten sie im bisherigen Saisonverlauf. Diese Spielweise ist aber durchaus anspruchsvoll. Bisher mussten die Lilien im Schnitt 57 Defensivaktionen pro Spiel aufbieten, im Regelfall Klärungen und abgefangene Bälle. Zum Vergleich: beim FC Bayern sind es mit 24 nicht mal halb so viele. Die Gefahr für individuelle Fehler ist durchaus gegeben, umso mehr imponiert die zumeist sehr konzentrierte Abwehrarbeit.

Worauf muss der FC Bayern achten?

  • Die langen Bälle von Darmstadt in die offenen Räume könnten die Bayerndefensive vor schwierige Aufgaben stellen. Im Regelfall verteidigen die Münchner mit der letzten Abwehrreihe 40-50 Meter vor dem eigenen Tor. Durch die zuletzt häufig eingesetzte Dreierkette gab es auf den Flügeln im Halbfeld viel Raum, den Alaba bzw. Lahm (Rafinha) decken mussten. Darmstadt wird versuchen, diesen Raum gezielt zu attackieren.
  • Das Verteidigen der langen Bälle war zugleich einer der wenigen Schwachpunkte im bisherigen Saisonverlauf der Münchner. Sowohl gegen Augsburg, aber auch im DFB-Pokal kassierten die Bayern ein Gegentor nach einem langen Ball. Zweimal stimmte die Ordnung auf der linken Abwehrseite nicht. Weder Stellungsspiel noch Zweikampfführung überzeugte in diesen Szenen. Die Tore fielen so ohne große Kombinationen.
  • Es gilt, den bisher besten Darmstädter aus dem Spiel zu nehmen: Marcel Heller hat bereits zwei Tore erzielt und ist darüber hinaus mit fünf kreierten Chancen der beste Spieler seiner Mannschaft in dieser Statistik.
  • Zugleich müssen die Münchner Standardsituationen vermeiden, da neben Benatia und Badstuber wohl auch mit Martinez (noch Rückstand) und Lewandowski (angeschlagen) einige gute Kopfballspieler fehlen werden. Eine Aufstellung mit nur einem Feldspieler über 180cm scheint wie gegen Leverkusen nicht ausgeschlossen, was bei den vielen einstudierten Varianten von Darmstadt durchaus ein Risiko ist.
  • Pep Guardiola dürfte im Vorfeld der Partie gegen den VfL Wolfsburg die Chance nutzen und wird wohl auf einige Spieler verzichten. Aus dem Spiel gegen Piräus kehrten die Münchner mit drei angeschlagenen Spielern zurück: Alonso, Vidal und Lewandowski. Gerade Alonso ist ungeachtet dessen ein Kandidat für eine Pause.
  • Statistik zum Spiel: Darmstadt ist das einzige Team, das in dieser Bundesliga-Saison nie in Rückstand lag

Mögliche Aufstellung

Darmstadt: Mathenia – Garics, Sulu, Caldirola, Holland – Niemeyer, Gondorf – Heller, Rausch – Rosenthal – Stroh-Engel

München: Neuer – Bernat, Boateng, Alaba – Lahm, Rode, Kimmich, Thiago – Müller, Douglas Costa – Götze

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