Blickpunkt Amateure: Traum trifft Realität. Unentschieden gegen Buchbach

Der FC Bayern titelt »ein torloses Remis«. Ich würde an dieser Stelle eher »trostlos« verwenden, denn nach dem mühevollem 2:0 Auftakt ins Jahr 2014 folgte eine 0:1 Niederlage in Ingolstadt und nun ein Unentschieden. Vier Punkte aus drei Spielen sind für die Ambitionen der Bayern Amateure aktuell viel zu wenig. Statt den Vorsprung vor dem Tabellenzweiten Illertissen wieder auf drei Zähler auszubauen, steht man mit gerade einmal einem mageren Punkt Vorsprung an der Tabellenspitze.

Heimspiel Bayern Amateure gegen den TSV Buchbach

Zum Spiel: Wer Ballbesitzfußball in der Regionalliga Bayern sehen möchte, der sollte ein Spiel unserer Amateure besuchen. Von Beginn an stand unsere Defensive stabil und der Ball zirkulierte in den eigenen Reihen. Das klingt erst einmal gut, aber wenn man nun weiß, dass mit der vernünftigen Rotation kurz nach der Mittellinie Schluss war und ab 10m vor dem gegnerischen Strafraum das Fehlpassfestival begann, ist das nicht mehr so optimal. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wir standen defensiv gegen selten vorstoßende Gäste aus Buchbach sehr gut, konnten Pass um Pass um Pass zwischen Viererkette und den auf die Sechserposition gerückten Pierre-Emile Højbjerg spielen, aber in die Spitze klappte so gut wie nichts. Seitenverlagerungen fanden selten ihr Ziel, schnelle Vorstöße wurden »vertanzt« oder mündeten in einen schlechten letzten Pass. Wir sahen ein ereignisarmes Spiel am windigen Sonntagnachmittag. Nur in der Schlussphase – als die Amateure noch einmal mit aller Kraft auf das entscheidende Tor drängten – wurde es eine intensive Partie. Vorher ging wenig – und das ist richtig schade.

Schauen wir also lieber noch auf drei interessante Punkte, die beim Spiel gegen Buchbach aufgefallen sind:

Bewegung: Amateuretrainer Erik ten Hag sagte es nach dem Spiel selbst: »Wir hatten zu wenig Tempo in unserem Spiel. Das war heute einfach zu wenig von meiner Mannschaft«. Natürlich ist es wunderbar, wenn der Ball schön durch die Reihen zirkuliert und der Gegner dadurch nicht in Aktion treten kann. Im Endeffekt wird aber Ergebnissport betrieben und der hört nicht mit einem schönen Dribbling an der Strafraumgrenze auf, sondern muss zum Torerfolg führen. Den Bayern Amateuren ist leider die Leichtigkeit der Hinrunde abhanden gekommen. Sahen wir zum Hinrundenstart noch feine Kombinationen und präzise Zuspiele nach Tempoläufen, fehlt das derzeit an allen Ecken und Enden. Es scheint sogar so, dass man die Formkrise von den Wochen vor der Winterpause bis in den Frühling hineinzieht.

Außenbahn<>Zentrum: Unsere Amateure waren bisher sehr stark beim Zusammenspiel zwischen Außenbahn und Zentrum. Während schnelle Jungs wie Vladimir Rankovic oder Julian Green mit Tempo die Linie entlang gerannt sind, konnten Højbjerg und Schöpf Positionen in der Zentrale einnehmen und dann zum Beispiel einen in der Sturmspitze agierenden Kevin Friesenbichler bedienen. War die Mitte dicht, dann kam eine präzise Flanke vor das gegnerische Tor. Beim Spiel gegen Buchbach hat weder das eine noch das andere funktioniert. Højbjerg, der wie schon erwähnt tiefer auf der Sechserposition spielte, reagierte zwar schnell auf Zuspiele und behinderte den Spielfluss nicht, aber zwingende Aktionen nach vorn konnte er ebenfalls nicht einleiten. Sehr oft sah man ihn mit erhobenen Armen mit seinen Mitspielern diskutieren oder den Kopf schütteln, wenn er 10 Meter Platz hatte, aber nicht bedient wurde. Es schien nie so, als hätte er seine Rolle gefunden oder könnte in dieser defensiven Spielposition aufgehen. Nach der Einwechslung von Rico Strieder in der 73. Minute konnte Pierre die Achterposition einnehmen und strahlte dort direkt mehr Gefahr auf. Einen richtig gut aufspielenden Pierre-Emile Højbjerg werden wir bei den Amateuren vorerst wohl nur in der offensiven Zentrale sehen. Dort kommen seine Fähigkeiten derzeit wesentlich besser zur Geltung, denn wir sind vom kreativen Gedanken vor dem gegnerischen Tor abhängig.

Weiser & Weihrauch: Was soll man zu den beiden formschwankenden Jungspielern mit Profiverträgen noch sagen? Am Sonntagnachmittag konnten sie erneut keine Akzente setzen. Während Mitchell Weiser noch bemüht, aber glücklos bis unglücklich spielte, tauchte Patrick Weihrauch förmlich ab. Eine Leistungsexplosion sollte man inzwischen nicht mehr erwarten, aber sie könnten allein durch ihre spielerischen Fähigkeiten und die taktische Ausbildung, die sie beim FC Bayern genießen, mehr in der Regionalliga Bayern hervorstechen. Fehlt es an Motivation? Kommen sie mit dem System nicht klar? Brauchen sie bessere Mitspieler? Mir ist es nicht klar und langsam fehlt mir auch der Glaube an Besserung.

Immerhin stehen wir noch an der Tabellenspitze. Viel mehr Positives gibt es nach dem letzten Spieltag aber auch nicht zu sagen, denn unsere Bayern Amateure müssen endlich wieder in Schwung kommen und die Formkurve (steil) nach oben korrigieren. Sonst bleibt der Aufstieg nur ein frommer Wunsch.

FC Bayern Amateure – TSV Buchbach 0:0 (0:0)
FC Bayern AmateureRaeder – Schmitz, Wein, Vrzogic, Sallahi – Hojbjerg – Weihrauch (73. Friesenbichler), Fischer (73. Strieder), Schöpf, Weiser – Green
BankZingerle, Chessa, Schweinsteiger, Jelisic, Schwarz
BuchbachMaus, M. Hain (65. H. Hain), Knauer, Motz, Gögl, Fries, Grübl, Hamberger, Petrovic, Breu (77. Denk), Stijepic (90. Hellinger)
Tore/
KartenGelb: Sallahi, Strieder / M. Hain
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Leserkommentare
  1. Felix

    Es ist die Frage, was mit einem Weiser oder einem Weihrauch passiert. Wenn Sie sich nicht einmal in der vierten Liga ins Blickfeld spielen können, wie sollen sie das jemals bei einem Bundesliga-Verein tun? Wir hatten hier vorher ein interessantes Gespräch, wie sich ein Profivertrag auf das Verhalten eines Spielers, zum einen außerhalb des Platzes und zum anderen in der Regionalliga, auswirkt.
    War es vielleicht ein Fehler, jemandem wie Patrick Weihrauch dieses “Privileg” schon so früh zukommen zu lassen?

    1. Nun ja, selbiges hat man auch oft über einen Can gelesen. “Der sticht nicht mal in der 4.Liga heraus, wie soll der es denn jemals bei uns packen?” Jetzt ist Can Stammspieler bei einem Champions League Teilnehmer. Auch Contento war in der 2. Mannschaft nie jemand, wo man auf Anhieb gesagt hätte, das reicht für die 1. Liga und jetzt reicht es doch.
      Auch Sansone war in der 2. Mannschaft kein Topspieler und jetzt hat er regelmäßige Einsatzzeiten in der Serie A.
      Damit will ich sagen, dass ich die Leistungen in der 2. Mannschaft nicht als einen absoluten Gradmesser ansehen würde. Dafür gibt es einfach zu viele Faktoren, die sich negativ auf die Leistungen auswirken. In der Regionalliga Bayern ist vorallem die Motivation das Hauptproblem für mich. Die Spieler wissen, dass sie deutlich stärker sind als ihre Gegner und denken somit, dass 60 bis 70 Prozent reichen würden, was aber ein Trugschluss ist.
      Ich würde einen Weiser nicht zwingend abschreiben. Bei Weihrauch mag die Sache anders gelagert sein, da er seinen Profivertrag, was man so hört, wohl eher als Bonus/ Geschenk bekommen hat, als durch Leistung.

      1. Aber du willst doch nicht wirklich behaupten, dass Emre Can eine richtig gute Entwicklung genommen hat und sich über die Leistung in Leverkusen für eine Rolle beim FC Bayern qualifiziert? Habe nur einige Spiele von Bayer gesehen, aber für mich macht er weiterhin die gleichen Fehler, ist phasenweise behäbig (manche sagten früher gar faul) und wird sich der Verantwortung nicht bewusst. Ganz ehrlich: Can ist – und das ist klar und muss man ihm zugestehen – ein solider Bundesligaspieler. Mehr aber auch nicht. Oder wie siehst du das?

  2. Bazi78

    Ich halte auch nicht viel von Emre Can.Für Leverkusen vielleicht ein guter Spieler aber für uns wohl eher nicht.Viele haben ja den Sinn des Rode-Transfers gesucht.Can,Rode und Kirchhoff sind einfach keine Guardiola Spielertypen.Hojbjerg kann ein Bayernspieler werden aber alle anderen Talente mit Profivertrag werden sich wohl nicht bei uns durchsetzen…

  3. Nein, ich wollte nicht behaupten, dass Can jetzt ein Spieler, mit der Klasse für unsere erste Mannschaft ist. Ich wollte nur daraus hinaus, dass die Leistungen in der 2. Mannschaft einfach kein wirklicher Gradmesser sind, ob jemand es in höheren Ligen schaffen kann oder nicht.

  4. Jo

    Zum Thema Can! Ich persönlich finde wenn ich eine einzelne Situationen sehe wo er sein ganzes Potenzial abruft wie in der Szene Can gegen Barcelona noch in unserem Trikot wo er Jordi Alba vernascht hat, denk ich wenn er eine weitere gute Entwicklung nimmt kann er noch ein großer Spieler werden! Natürlich muss er konzentriert bleiben und seine schlampigen Fehler ähnlich wie Boateng in den Griff bekommen.

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