Halbzeitbilanz im Nachwuchsbereich: Die Bayern Amateure

Nicht nur die Profis des FC Bayern gehen in die Winterpause, auch beim Nachwuchs ruht der Ball. Jedenfalls in Sachen Pflichtspiele, einige jüngere Teams bestreiten auch um den Jahreswechsel rum noch Hallenturniere.

Zeit für uns, nochmal auf die erste Saisonhälfte zurückzublicken und ein Fazit zu ziehen. Teil 3 nun über die Bayern Amateure.

Starker Schlussspurt der Amateure

In unserem Bericht zu Saisonbeginn erläuterten wir, warum in dieser Saison der Aufstieg nicht explizit als Ziel ausgegeben wurde. Speziell die Annahme, dass die SpVgg Unterhaching mit ihren hochkarätigen Verstärkungen als absoluter Topfavorit in die Saison geht, bestätigte sich. Der Tabellenführer geht mit satten 57 Punkten in die Winterpause. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison reichten Jahn Regensburg 64 Punkte am Saisonende für den ersten Tabellenplatz.

Die Amateure starteten gut in die Saison. Vier Siege und zwei Unentschieden aus den ersten sechs Saisonspielen sind schon grundsätzlich eine gute Bilanz, viel mehr jedoch unter dem Gesichtspunkt, dass sich darunter lediglich ein einziges Heimspiel befand.

Im September und Oktober folgte jedoch eine Phase von acht Pflichtspielen mit nur einem einzigen Sieg. Eine Phase, in der die Mannschaft aus den zwei Spielen bei den beiden schlechtesten Teams der Liga nur einen einzigen Punkt mit nach München brachte. Immer deutlicher traten die Defizite in der Offensive der Mannschaft zu Tage. Ein Defizit, an dem das Trainerteam offensichtlich im Training arbeitete, denn vor dem abschließenden Auswärtsspiel in Unterhaching gewann die Mannschaft wieder vier von fünf Spielen mit ordentlichen zwölf Toren, auch sichtbar agierte die Mannschaft in der offensive deutlich lauf- und spielfreudiger.

Zum Abschluss des Jahres stand das Spitzenspiel bei den schier übermächtigen Hachingern an. Die Mannschaft schloss an ihre gute Form der letzten Wochen an und erarbeitete sich zu Beginn leichte Vorteile. Wie aus dem Nichts kamen die Vorstädter jedoch zum Führungstreffer, der nach einer Standardsituation und einem klaren Foul an unserem Innenverteidiger Nicolas Feldhahn zu Stande kam. Mit fortnehmender Spieldauer verdaute das Team von Heiko Vogel den Schock immer besser und gelangte schließlich in der 57. Minute durch Karl-Heinz Lappe zum hochverdienten Ausgleich, nachdem die Hachinger kurz zuvor ein Elfmetergeschenk vergaben. In der Schlussphase verstärkten die erfahrenen Offensivspieler der Gastgeber jedoch den Druck immer mehr und kamen mit der allerletzten Aktion des ganzen Spiels zum über 90 Minuten gesehen recht schmeichelhaften Siegtreffer.

Das Spiel zeigte jedoch, dass unser Team mit einem Gegner mithalten kann, der auch in der dritten Liga wohl im oberen Tabellendrittel zu finden wäre.

Recht spannend ist der Aufschwung der Amateure auch unter dem Gesichtspunkt, dass er in Abwesenheit mehrerer Leistungsträger zu Stande kam. Niklas Dorsch (pfeiff. Drüsenfieber) und Milos Pantovic (Querfortsatzfraktur eines Lendenwirbelkörpers) fielen verletzt aus, Erdal Öztürk ist mittlerweile nicht mehr erste Wahl. Der in der Öffentlichkeit so bekannte Fabian Benko stagniert derweil und vermag dem Team nur selten entscheidende Impulse zu geben. Er kam zwar in allen 21 Saisonspielen zum Einsatz, seine durchschnittliche Spielzeit von lediglich 57 Minuten (sieben Einwechselungen, acht Auswechslungen) verdeutlicht jedoch seine Entbehrlichkeit.

Neben den drei Routiniers Lappe, Oehrl und Feldhahn tragen vor allem Marco Hingerl und Raphael Obermair das Team. Gerade letzterer, im Sommer aus Rosenheim gekommen und vorher nie im Nachwuchsleistungszentrum eines Proficlubs unterwegs, ist wohl die größte Überraschung der Saison. Der ganz großen Sprung in die Bundesliga ist jedoch derzeit lediglich Niklas Dorsch zuzutrauen, der überwiegende Teil der Mannschaft wird über die dritte Liga nicht groß hinauskommen.

In der Rückrunde wird es für die Amateure darum gehen, den zweiten Tabellenplatz zu halten. Und darauf zu hoffen, dass sowohl Haching auf- als auch Jahn Regenburg nicht absteigt. Dann dürfte der Weg in der kommenden Saison endlich wieder frei sein, selbst den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Personell gibt es ein paar Änderungen: Christian Früchtl rückt wohl aus der U17 zu den Amateuren auf und wird dort Stammtorhüter, mit Alex Gschwend, Marcel Leib und Valentin Micheli könnten drei Spieler nach Kreuzbandrissen zurückkehren.

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Leserkommentare
  1. Viele Umstände machen es einem Trainer sehr schwer, eine U23 erfolgreich zu trainieren.

    Extremst kurze Saisonvorbereitung – lange Winterpause und sehr kurze Sommerpause als Gründe – und eine gewaltige Spieler-Fluktuation – aus vielen Gründen – sind die zwei Hauptprobleme.

    Trotzdem bin ich seit mindestens einem Jahr skeptisch, ob Heiko Vogel der richtige Mann beim FCB für diese wichtige Aufgabe ist.

    In den letzten Jahren ist das Spielniveau in der Rückrunde häufig gesunken – das Gegenteil müsste der Fall sein.

    Und ich habe oft das Gefühl, dass “irgendetwas im zwischenmenschlichen Bereich” in der Truppe nicht passt.
    Was ist mit Steeven Ribéry passiert? Sein Abgang durch die Hintertür war äußerst merkwürdig.
    Was war mit Sinan Kurt?
    Julian Green? Gaudino hat bei den Profis besser als bei den Amateuren gespielt.
    Lucas Scholl? Ich habe letzten Herbst (Oktober 2015 während einer Länderspielpause) ein Training an der Säbener gesehen. U.a. Scholl hat bei Guardiolas Trainings-Rumpftruppe mittrainiert. Scholl war auffallend gut und präsent, wurde von Pep permanent gelobt …. In der 4. Liga müsste der spielerisch alle aufmischen ….

    Zu dieser Entwicklung hätte ich gerne ein paar Insider-Infos ….

    Meine “Outsider-Meinung”: Mit Herrn Vogel wird das nie etwas mit dem Aufstieg – ich habe das Gefühl, er kann es nicht wirklich mit dem talentierten Nachwuchs – umso weniger, je bekannter der Nachname!

    @ Martin: was meinst du dazu?

    1. wipf1953

      Ich wusste nur von einer Suspendierung bei Sinan Kurt – wobei es offiziell hieß, der Grund sei ein “Helicopterflug im Urlaub gewesen” – also sorry, das habe ich mir dieses Jahr auch überlegt, und das kostet auch nur dann die Welt wenn man einen ganzen Tag lang fliegt. Die echten Gründe dürften also ganz andere gewesen sein.

      Wenn es wirklich drei Suspendierungen waren, dann passt es charakterlich nicht, und das hätte man vielleicht auch vorher sehen können.

    2. Jo

      Interessante Einschätzungen.
      Was übrigens natürlich auf die ganze Serie zutrefft.

      Unabhängig davon habe ich bei der Person Vogel auch kein besonders gutes Gefühl. Seit er dort Trainer ist habe ich bisher wenig überzeugendes von ihm, seiner Mannschaft oder einzelnen Spielern gesehen.

      Generell finde ich es auch schon seit langem fragwürdig die Position des Amateure-Trainers noch mit weiteren Funktionen zu verknüpfen. Jemand der die zweite Mannschaft des FCB trainiert und diese Talente entwickeln will, sollte damit eigentlich genug ausgelastet sein. Interessanterweise hat sich Uli Hoeneß jetzt auch in der Richtung geäußert. Ich hoffe da, vielleicht mit dem neuen NLZ, auf Abhilfe.

  2. wipf1953

    Die Situation bei dem “Amas” gefällt mir gar nicht. “Dorsch & Benko” – das waren noch vor einem Jahr die beiden ganz ganz großen Hoffnungen der U19. Und jetzt? Jetzt spielen sie “immer noch” bei den Amateuren, und Benko ist laut Martins Beitrag sogar “verzichtbar”.

    Ich habe es auch schon aus anderer Quelle gehört, dass für beide “der Zug möglicher Weise schon abgefahren sein könnte”.

    Vor 10 – 15 Jahren wurde die Bayern-Jugendarbeit längst nicht so gehyped. Trotzdem haben da viele den Sprung zu den Profis geschafft – nicht nur bei Bayern, sondern auch bei anderen Teams. Jetzt wird das immer mit dem Hinweis relativiert, heute sei es eben nochmal viel schwerer, in Bayerns erster Mannschaft Fuß zu fassen. Das ist sicher nicht ganz falsch, aber diese Spieler kommen auch nicht bei anderen Vereinen unter. Und komplett undurchlässig ist der Profikader auch nicht, wie man an Josh Kimmich sehen konnte.

    Kurz vor Weihnachten konnte man lesen, dass aus Bayerns aktueller U19 vier Spieler vom DFB eingeladen wurden (das ist aus Bayernsicht ein großer Erfolg – Jugend-Bayernspieler sind an sich in den seltensten Fällen auch DFB-Jugendspieler). Und kurz danach kam leider die Meldung, dass einer dieser Nachwuchsspieler (Adrian Fein) mit Hoffenheim in Verbindung gebracht wird. Und zwar auch, weil im Sommer 2017 sein Vertrag ausläuft und er überhaupt wechseln kann (die anderen drei, Ron Thorben Hoffmann, Timothy Tillman und Manuel Wintzheimer, haben Verträge bis 2018). Offenbar gibt es Gründe, im Alter von 18 Jahren von Bayern wegzugehen. Zum Vergleich: Spieler, die mit 18, 19 zu uns kommen, wie etwa Sinan Kurt, geraten aufs Abstellgleis.

    Ich will nicht “stammtischen” – aber der Verantwortliche vor 15 Jahren war Hermann Gerland – und der hat neben vielen anderen guten Eigenschaften die “schöne Gabe”, die Spieler für’s Profigeschäft auch charakterlich fit zu machen. Hat nicht KH Rummenigge erst vor kurzem kritisiert, dass jungen Spielern zu viel von dem abgenommen wird, was das Leben so ausmacht? Und hat nicht auch Holger Badstuber etwa zu dieser Zeit Kritik in Richtung Nachwuchs geübt?

    Ich persönlich erwarte mir in der nächsten Zeit nicht viel aus dem Nachwuchsbereich. Wenn es mit dem Aufstieg wieder nichts wird, muss man sich vielleicht wirklich über Unterhaching freuen – wenn die es packen sind sie nächstes Jahr wenigstens kein Konkurrent mehr. Aber auf Dauer kann das alles nicht zufriedenstellen.

    1. wipf1953

      Ach, sorry, eins hab ich noch vergessen. Einen Spieler hab ich noch auf der Rechnung. Götze. Felix Götze. Allerdings läuft sein Vertrag aus, mal sehen ob der bei Bayern bleibt (habe da meine Zweifel).

  3. pitvonbonn

    Rein gefühlsmäßig denke ich Horst Hrubech könnte der ideale Leiter des neuen Jugendleistungszentrums sein.
    Aber der bleibt ja beim DFB.
    Ob man sich um ihn bemüht hat?
    Oder täuscht mich mein gefühltes Vertrauen?

  4. Osrig

    Ach, “Leiter des NLZ”, wer das wohl wird? Bestimmt haben sich unsere Oberen da schon jemanden ausgeguckt! Aber viel wichtiger finde ich tatsächlich die Frage, wer die jungen Burschen denn trainieren soll. Ich stimme da mit @Peter überein und befürchte auch, dass es mit Heiko Vogel nicht so recht passt. Es sollte jemand sein, der Profi-Erfahrung mitbringt, idealer Weise sogar von der Säbener Straße. Und der menschlich ohne problematische Allüren ist. Mein spontaner Gedanke dazu:
    “Badi” könnte solch eine Aufgabe bewältigen! Wenn er, was ich nicht hoffe, mit dem Fußball auf dem Platz aufhören muss, wäre die Trainerlizenz doch eine Alternative – und dann Jugendtrainer bei uns, da würde er schon den richtigen Blick mitbringen, hat ja schließlich auch “unter Hermann gedient”^^

    1. Jo

      Viele denken ja an Badstuber als eine Option für uns im Trainerbereich. Das könnte aus vielen Gründen, die du auch anführst, für den Verein interessant sein.
      Allerdings wäre das eine maximal mittelfristige Lösung. Noch spielt er. Sollte dann auf jeden Fall eine solide Ausbildung machen, vielleicht eine Weile hospitieren. Und sich dann über die Jugendmannschaften weiter nach oben arbeiten.
      Als Trainer der Amateure würde ich ihn erst in einigen Jahren sehen.

  5. Henri

    Danke für den super Bericht! Würde gerne regelmäßiger was über die Amateure lesen :)

  6. GÜNO

    Möchte mich hier, unter diesem Beitrag, stellvertretend für die „Nachwuchs-Trilogie“ bei @NaptoFCB bedanken. Wirklich tolle Weihnachtslektüre ist dir da gelungen. Bravo!

    1. Napto

      Kommt noch mehr ;)

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