FC Bayern München – 1. FC Köln 4:0 (2:0)

Nach der Niederlage gegen den FC Arsenal hieß es in der Bundesliga wieder Tempo aufnehmen. Die Münchner empfingen mit Köln sicherlich ein Überraschungsteam der laufenden Saison. Diese wollten sich nach der unglücklichen Niederlage gegen Hannover in München rehabilitieren.

Die Münchener indes standen bei 999 Siegen in der Bundesligageschichte und wollten sich die Chance nicht nehmen lassen im heimischen Stadion den 1.000 Erfolg perfekt zu machen.

Falls Ihr es verpasst habt:

Pep Guardiola ging nach der Niederlage in London volles Risiko und brachte die maximal mögliche, offensive Aufstellung. In einem 2-3-4-1 System wollte der Bayerntrainer den zu erwartenden Kölner Defensivriegel knacken. Für das Spielsystem rückten drei Flügelspieler in die Startelf.

FC Bayern vs. 1. FC Koeln, 24.10.2015
Bayern im 2-3-4-1 System. Köln baute auf ein 5-4-1

Arjen Robben feierte nach dem 3:0 Sieg gegen Leverkusen nach sechs Spielen Pause sein Comeback. Auch Kingsley Coman rückte nach überstandener Blessur aus dem Länderspiel wieder in die Startelf. Da auch Müller, Costa sowie Lewandowski in der Mannschaft blieben, waren nominell fünf Offensivspieler in der Anfangsformation der Münchener.

Die Kölner setzten auf das System der Bremer aus der Vorwoche und versuchten es ebenfalls mit einem 5-4-1 System. In der Abwehr mit Hector, Sörensen, Maroh, Heintz und Risse. Diese Kette orientierte sich vom Anpfiff weg an der eigenen Strafraumkante. Etwas weiter davor baute Köln einen zweiten Abwehrriegel mit vier weiteren Spielern auf. Lediglich Modeste war ohne Defensivaufgaben und schlich um die Mittelfeldlinie herum.

Das Spiel entwickelte sich wie es die Aufstellung vermuten ließ. Bayern mit viel Ballbesitz und Köln mit Fokus auf die Defensive. Das Ziel der Elf von Peter Stöger war klar: Bayern ähnlich um den Strafraum kombinieren lassen wie es gegen Arsenal und Werder Bremen der Fall war. Das Konzept ging in den Anfangsminuten auf. Die Münchener taten sich zunächst schwer eine Lücke zu finden und hatten phasenweise fast 80% Ballbesitz. Taktisch gestaltete sich das Spiel aber durchaus anders. Der FC Bayern versuchte die Strafraumkante mit Robben und Müller zu überladen. Beide begannen sehr zentral im 8er-/10er-Raum, während Costa und Coman über die Flügel agierten. Durch viele Kurzpässe in der Mitte wollten sich die Bayern direkt durchkombinieren. Das gelang in der 10. Minute das erste mal, als Lewandowski auf Müller ablegte und dieser frei vor Horn vergab.

Anschließend verdichtete Köln den Raum um den Strafraum besser und die Münchener taten sich in der Phase zwischen der 10. – 25. Minute durchaus schwer. Verstärkt wurde dies durch viele individuelle Fehler im Aufbau. Namentlich Vidal und Costa hatten immer wieder leichte Ballverluste. Aber auch Robben dribbelte sich zentral immer wieder fest. So ergaben sich für Köln gute Umschaltsituationen, die allesamt von Modeste eingeleitet wurden. Dieser agierte als Zielspieler auch besser als Ujah in der Vorwoche auf Bremer Seite. Geschickt machte er immer wieder den Ball fest und verteilte ihn auf die nachrückenden Kölner Mittelfeldspieler Zoller, Gerhardt und Vogt. Diese Möglichkeiten wurden allesamt nicht konsequent genug zu Ende gespielt.

In der 25. Minute reagierte Pep Guardiola mit ein paar Adaptionen. Zunächst tauschten Rafinha und Alaba die Positionen. Dies sollte Alaba im halblinken Mittelfeld besser ins Spiel bringen. Er war damit Teil der Dreierkette zusammen mit Vidal und Lahm, die den Aufbau im Mittelfeld ankurbeln sollten. Rafinha war fortan als Innenverteidiger unterwegs. Die zweite Adaption war gewinnbringender – Robben, Costa und Coman tauschten die Positionen. Robben rückte auf seine angestammte Flügelposition und Costa ins Mittelfeldzentrum. Dort war der Brasilianer effektiver, weil er durch seine kurzen, kleinen Dribblings die Kölner Vierkette stärker band, als Robben zuvor. Dieser wiederum konnte vom größeren Raum auf dem Flügel profitieren und sich im direkten Duell immer wieder gegen Nationalspieler Hector durchsetzen.

So fiel auch der erste Treffer der Münchener. Nach einer “schnellen” Umschaltbewegung verlagerte Boateng den Ball auf die Außenposition zu Robben, dieser wurde von Müller hinterlaufen, der den Ball auf Lewandowski legte. Der Schuss des Polen wurde noch abgeblockt, landete aber bei Robben, der zum 1:0 abstaubte (35.). Nur fünf Minuten später war die Partie entschieden. Dieses mal konnten die Münchener die linke Defensivseite der Kölner isolieren. Coman setzt sich gegen Risse durch und spielte den Ball überlegt in den Rückraum zu Vidal. Der Chilene verwandelte zum 2:0. Horn war machtlos, da der Ball noch abgefälscht wurde.

Auch nach der Halbzeit änderte sich wenig. Die Kölner lauerten weiter auf Konter, während die Münchener versuchten sich durch zu kombinieren. Robben scheiterte in der 55. Minute an Horn. In der 62. Minute gab es erst das dritte Foul der Kölner. Es war der zweite Freistoß aus dem Halbfeld überhaupt für die Münchner. Lewandowski nutzte die Flanke von Costa zum 3:0 – sein 13. Saisontreffer. Nach mehreren hochkarätigen Chancen von Lewandowski (70.) und Costa (73.) halfen abermals die Kölner. Das vierte (und letzte des FC Köln) Foul führte zum vierten Gegentreffer. Maroh foulte Lewandowski im Strafraum. Müller verwandelte souverän zum Endstand. Sein 10. Saisontreffer (77.). Spätestens ab dann schalteten die Bayern zwei oder drei Gänge zurück und verwalteten das Ergebnis. Guardiola brachte noch früh Martinez für Boateng (62.) und Kimmich für Robben (65.), um die Minuten zu verteilen. Schließlich steht am Dienstag das DFB-Pokalspiel beim VfL Wolfsburg auf dem Plan.

Die Münchener hatten am Ende mit der sehr offensiven Ausrichtung Erfolg und bezwangen die Kölner am Ende verdient mit 4:0. Die Elf von Peter Stöger kann sich höchstens vorwerfen, dass sie in der Phase zwischen der 15. und 30. Minute zu wenig aus den eigenen Umschaltsituationen gemacht hat.

3 Dinge, die auffielen:

1. Das Überladen der Strafraumkante als Mittel der Stunde

Die Münchener taten sich gegen Arsenal und Werder Bremen schwer eigene Chancen zu kreieren. Vieles verschwand in guten Ansätzen. Der eigene Ballbesitz konnte nicht genutzt werden. Pep Guardiola erwartete die Kölner ähnlich defensiv und ging – im Gegensatz zur Champions League – volles Risiko. Er setzte auf fünf Offensivspieler. Das “um den Strafraum herum spielen” sollte durch die gezielt offensive Positionierung von Robben und Müller verhindert werden. Beide versuchten sich immer wieder zwischen der Fünfer- und Vierkette der Kölner zu positionieren. Das gelang in den ersten Minuten nur in Ansätzen. Erst als Costa in die zentrale Rolle rückte und durch seine individuelle Qualität und Geschwindigkeit noch mehr Druck aufbauen konnte, machten die Kölner entscheidende Fehler. Die Münchener zeigten sich hier sehr geduldig und spielten im Angriffsdrittel der Kölner 357 erfolgreiche Pässe – bei ‘nur’ 400 Versuchen. Ein sehr guter Wert.

Ein weiterer Vorteil der fünf Offensivspieler war ihre hohe Fluidität. Sie wechselten immer wieder Positionen, überluden mal die Mitte, aber mit zunehmendem Spielverlauf auch die Außenbahnen. Das Verschieben der Kölner kam hier phasenweise nicht mehr hinterher. Die Chancen der Bayern häuften sich. Am Ende waren es 26 Torschüsse.

2. Vidal ist nicht Alonso

Arturo Vidal war das Zentrum des Münchener Aufbauspiels. Am Ende der Partie stellte er mit 147 Ballberührungen einen persönlichen Bundesligarekord auf. Allerdings tat sich Vidal am Anfang sichtlich schwer das Spiel der Bayern zu strukturieren. Es reihte sich Fehlpass an Fehlpass. Die Ungenauigkeit im Spiel war höher als man es sonst von Alonso in der Mittelfeldzentrale gewohnt ist. Am Spielende stehen zwar immer noch sehr gute 91.5% Passquote, allerdings ist dieser Wert eher unterdurchschnittlich für einen zentralen Mittelfeldspieler beim FC Bayern unter Pep Guardiola. Das lässt sich auch sehr gut an den langen Bällen ablesen: Nur ein Pass fand einen Abnehmer – bei nur drei Versuchen. Oder anders formuliert: Vidal hatte 12 Fehlpässe. Viele davon im letzten Drittel. Die Umschaltsituationen konnte er zumeist nur lückenhaft unterbinden. Am Ende des Spiels hatte Vidal lediglich 11% seiner Zweikämpfe gewonnen.

Dass er dennoch eine Qualität ins Spiel eingebracht hat, lässt sich in einer anderen Statistik ablesen. Fünf Torschüsse gingen auf sein Konto. Die zweitmeisten im Team des FC Bayern. Vidal rückte immer wieder nach und suchte den Abschluss. Wie bei seinem Tor zum 2:0. Und auch sonst versuchte er öfters mit Distanzabschlüssen eine gewisse Unberechenbarkeit in das Spiel der Münchener zu bringen. Die Torgefahr, die er mitbringt, hat der FC Bayern im Mittelfeld zuletzt vermissen lassen. Lahm, Thiago und Alonso strahlen de facto keine Torgefahr aus. Schweinsteigers Abgang verstärkte die mangelnde Torgefahr aus dem Mittelfeld. Gerade gegen besonders defensiv eingestellte Gegner ist ein nachrückendes, torgefährliches Mittelfeld essentiell. Nicht umsonst traf Vidal gegen Darmstadt und jetzt mit Köln gegen zwei durchaus passiv eingestellte Gegner.

3. “Kontersituationen sind mir egal”

Pep Guardiola ging ein hohes Risiko. Die Aufstellung war so offensiv gewählt, dass Köln das Kontern förmlich aufgedrängt wurde. Die Gäste kamen mehrfach in Gleichzahlsituationen Richtung FCB-Strafraum. Allerdings wurden die Abschlüsse oftmals zu ungenau vorgetragen, wie beim ersten Konter durch Zoller (3.). Zwar gelang es Modeste meist gut sich gegen Boateng und Rafinha (Alaba) zu behaupten, doch die Nachrückbewegungen aus dem Mittelfeld waren zu weit, die Positionierung trotz Gleichzahl nicht gut genug. So verpufften viele Angriffe in Halbfeldflanken und Abseitspfiffen. Köln wirkte in vielen Szenen zu überhastet. Nur 33 von 64 Zuspielen im letzten Drittel fanden einen Abnehmer. Zuwenig um die Münchner ernsthaft zu gefährden. Die Kölner verbuchten nur vier Torschüsse. Drei von vier Außerhalb des Strafraums.

Die Münchener wiederum nahmen ein mögliches Gegentor in Kauf. Wohlwissend, dass sich die eigene Offensive genügend Chancen erarbeiten wird. Durch die hohe Positionierung von Robben und Müller bzw. durch den sehr offensiven Vidal waren die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld und Mitteleld und Sturmreihe sehr groß. Allerdings wusste Köln zu selten den Raum wirklich gewinnbringend zu nutzen. Pep Guardiola sollte mit dieser offensiven Marschroute ein mal mehr recht behalten.

FC BAYERN – 1. FC KÖLN 4:0 (2:0)
FC BayernNeuer – Lahm, Boateng (62. Martínez), Alaba, Rafinha – Vidal – Coman, Robben (65. Kimmich), Müller (78. Thiago), Costa – Lewandowski
BankUlreich, Bernat, Kirchhoff, Alonso
1. FC KölnHorn – Sörensen, Maroh, Heintz – Risse, Lehmann, Vogt, Hector – Zoller (71. Hosiner), Modeste (58. Osako), Gerhardt (75. Svento)
Tore1:0 Robben (35.), 2:0 Vidal (40.), 3:0 Lewandowski (62.), 4:0 Müller (77./Foulelfmeter)
KartenRafinha / Lehmann
Schiedsrichterin Florian Meyer (Burgdorf)
Zuschauer75.000 (ausverkauft)

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Leserkommentare
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  3. […] zu verstehen. Normalerweise misst man die Arbeit an den gewonnenen Titeln. Nach dem Heimspiel Ende Oktober 2015 gegen Köln sagte Pep nach dem Abendessen: “Wir haben es geschafft. Das Team spielt wunderbar, genau wie wir […]

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