Analyse: FC Bayern – Borussia Mönchengladbach 2:0 (2:0)

Drei Tage, nachdem beide Teams ihre Champions-League-Partien gewinnen konnten, treffen sie in der Bundesliga zum Spitzenspiel aufeinander.

In den letzten Jahren entwickelte sich Gladbach zunehmend zum Angstgegner vom FC Bayern und Pep Guardiola. André Schubert ist als Trainer bisher ungeschlagen gegen den FC Bayern gewesen.

Falls Ihr es verpasst habt:

Carlo Ancelotti ändert seine Mannschaft vor der Partie gegen Gladbach im Vergleich zum Spiel gegen Eindhoven auf vier Positionen.

FC Bayern vs. Gladbach, Aufstellung FC Bayern – Borussia Mönchengladbach, 22.10.2016, Grundformationen.

Rafinha ersetzt Lahm, Martinez kommt für Boateng, Vidal beginnt nach Verletzungspause für Kimmich und Costa stürmt über den linken Flügel anstelle von Müller. Xabi Alonso, der in den letzten Wochen keine gute Figur machte, steht überraschenderweise in der Startelf.

André Schubert auf Seiten von Borussia Mönchengladbach ändert seine Aufstellung im Vergleich zum Auswärtssieg in Glasgow auf einer Stelle: Johnson rückt für Traore in die erste Elf. Somit greift der Gladbacher Trainer erneut auf seine neue 4-2-3-1 / 4-4-2-Auswärtsformation zurück, die er in der Champions League zum ersten Mal brachte. In der Bundesliga setzte Schubert zunächst auswärts wie auch zu Hause auf ein System mit Dreierkette. Dieses Modell war aber sehr anfällig, wie die 0:4-Niederlage gegen Schalke 04 gezeigt hat. Vor der Partie gegen den FC Bayern begründete Schubert seine Entscheidung mit der eher offensiven Ausrichtung der gegnerischen Mannschaften.

Der FC Bayern kommt gut in die Partie und kann sich schnell einige Chancen erspielen. Rafinha (9.), Robben (11.) und Lewandowski (14.) fehlen aber zunächst die Genauigkeit. Gladbach ist in der Anfangsphase völlig überfordert mit der Schnelligkeit der Münchner. Diesen gelingt es immer wieder, Robben und Costa mit Tempo auf die letzte Abwehrreihe zulaufen zu lassen. Aber auch Rafinha und Alaba unterstützen die beiden Flügelstürmer. Sinnbildlich steht hierfür auch das 1:0. Robben wird nicht richtig angegriffen und kann an der Strafraumkante auf Rafinha durchstecken. Dieser flankt ins Zentrum und findet Vidal, der sein erstes Kopfballtor in der Bundesliga für die Bayern erzielt (16.).

Die Münchner profitieren in den ersten 30 – 40 Minuten enorm von der schlechten Staffelung des 4-4-2-Systems von Gladbach. Stindl und Hahn können meist nur wenig Druck auf Hummels und Martinez im Spielaufbau machen. Diese haben daher Zeit, um Thiago, Vidal und Costa zwischen den Linien zu finden. Diese Vertikalität zwingt Kramer und Strobel zum Herausrücken und eröffnet gleichzeitig viel Raum für das bayerische Kombinationsspiel, vor allem auf den Außenbahnen. So fällt auch das 2:0 nach einer Flanke von Alaba. Dieses Mal spielt Robben Alaba frei und dieser kann in die Mitte flanken. Wendt verpasst die saubere Klärung und Costa trifft mit rechts aus 10 Metern ins kurze untere Eck (31.).

Schubert stellt nach dem 2:0 um und positioniert Strobl deutlich tiefer. Dadurch ergibt sich eine Fünferkette, was zumindest den Sturmdrang der Münchner etwas eindämmt. So ging es mit einem 2:0 in die Kabine. Die ganze Überlegenheit drückt sich in 0 Foulspielen auf Seiten der Münchner aus. Hinzu kommen 487 Passversuche. Gegen Frankfurt waren es nur 318 bis zur Pause. Gladbach war bis dato kein gleichwertiger Gegner.

Der Gladbacher Trainer nutze die Pause auch zu einer personellen Umstellung. Für den blassen Hofmann kommt Jantschke und komplettiert das 5-4-1 System, welches nun ein deutlich höheres Pressing erlaubt. Aus diesem Pressing können sich die Münchner nach der Pause nicht mehr so konsequent und spielerisch befreien, wie es der Bayern Mannschaft in der ersten Halbzeit gelungen ist. Chancen haben allerdings weiterhin die Münchner. Nach einem Doppelpass von Costa und Robben kommt letzter aus 12 Metern zum Abschluss, verfehlt aber das Tor deutlich (58.).

Sukzessive nehmen die Münchner das Tempo aus der Partie und für Gladbach ergeben sich deutlich längere Ballbesitzphasen. Diese führen bis zur Mitte der zweiten Halbzeit zu keiner nennenswerten Torchance für die Fohlenelf. In der 70. Minute lässt Costa Korb am Strafraumeck gewähren. Die Flanke findet Hahn, doch dieser scheitert aus abseitsverdächtiger Position am Pfosten.

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Dieser Weckruf genügt den Münchnern. Sie ziehen das Tempo wieder an, ohne aber ins größere Risiko zu gehen. Die größte Chance für den FC Bayern gibt es daher erst in der Schlussminute. Einen Freistoß von Alaba kann Sommer allerdings über die Latte lenken.

Mit einer biederen zweiten Halbzeit und einem deutlich heruntergeschalteten Motor sichert sich der FC Bayern nach zwei Unentschieden in Folge wieder einen Sieg in der Liga. Gladbach verpasste es nach dem stürmischen Beginn der Münchner konsequenter und früher taktische Änderungen vorzunehmen.

Die Statistiken zum Spiel.(Grafik: Lukas)
Die Statistiken zum Spiel.
(Grafik: Lukas)

3 Dinge, die auffielen:

1. 45 gute Minuten reichen

Dass der FC Bayern das Pass- und Kombinationsspiel auch unter Carlo Ancelotti noch beherrscht, haben die ersten 45 Minuten eindrucksvoll gezeigt. Dabei spielte den Münchnern natürlich auch die schlechte Staffelung der Gladbacher in die Karten. Mit einem klug eingerückten Douglas Costa hat der FC Bayern einerseits den Zehnerraum besser als zuletzt besetzt, gleichzeitig aber noch Räume für Alaba geschaffen. Auf der rechten Außenbahn agierte Rafinha deutlich agiler als Lahm in den vergangen Wochen. Dies meint, dass er seine Rolle deutlich aggressiver und demzufolge auch offensiver interpretierte. In der Konsequenz ergaben sich für ihn mehr Durchbrüche zur Grundlinie als zuletzt bei Lahm.

Insgesamt stand der FC Bayern in der ersten Halbzeit sehr hoch. Dies lässt sich sehr gut an der Position von Xabi Alonso ablesen, der größtenteils weit in der Hälfte der Gladbacher operierte. Dies half auch dem Gegenpressing der Münchner. Zusammen mit Thiago und Vidal gelang es dem Bayernmittelfeld in der Regel, viel Druck auf die Gladbacher Abwehr auszuüben – mit Erfolg. Gladbach konnte sich im 4-4-2 kaum spielerisch befreien. Xabi Alonso verzeichnete alleine acht Interceptions.

Sogesehen war es vielleicht sogar die beste erste Hälfte unter Carlo Ancelotti.

2. Der FC Bayern braucht Vidal

Dieser FC Bayern ist aktuell sehr auf Arturo Vidal angewiesen. Nicht nur wegen des frühen Treffers, sondern vielmehr, weil er dem Spiel eine Struktur gibt. Das 4-3-3, welches Ancelotti seiner Mannschaft auf den Weg gibt, passt sehr gut zur Spielweise von Vidal. Er kann im 6er/8er/10er-Raum operieren und den Spielaufbau einleiten. Seine Ballsicherheit öffnete gegen Gladbach große Räume auf der linken Seite. Zugleich verbessert sich Vidal in Sachen Seitenverlagerung. Immerhin 4 von 7 Versuchen fanden einen Abnehmer. Überdies steuerte der Chilene noch zwei Key-Pässe gegen Gladbach bei.

Arturo Vidal indes bringt die nötige Torgefahr mit ein, die dem FC Bayern mit Thiago und Alonso auf dem Feld abhanden kommt. Zuletzt brachte diese Torgefahr Kimmich in das Spiel der Münchner, aber auch Vidal kann dieser Spieler sein, der als Box-to-Box Player in den Strafraum nachstößt und für Torgefahr sorgt.

3. Robbens Freud ist Lewandowskis Leid

Was sich in den letzten zwei Jahren schon angedeutet hat, ist auch in dieser Saison wieder offensichtlich. Robben und Lewandowski harmonisieren nicht perfekt zusammen. Spielt Robben, was angesichts der vielen Verletzungen nicht allzu oft vorkam, dann hat Lewandowski deutlich weniger Abschlüsse. Gegen Gladbach waren es in 90 Minuten nur zwei Versuche. Einer davon war ein Freistoß in der ersten Halbzeit. Robben kam in 80 Minuten auf fünf Versuche.

Die Probleme für Lewandowski sind offensichtlich. Robben zieht nach innen und bringt zwangsläufig die Außenverteidiger mit ins Zentrum. Es ist schlichtweg zu eng, um Lewandowski anzuspielen. Zugleich sucht Robben natürlich auch selbst gerne den Abschluss und übersieht dabei besser positionierte Spieler. In der letzten Saison mit Costa und Coman war das Spiel eher auf den Zielspieler Lewandowski zugeschnitten.

Der Erfolg, den der FC Bayern dennoch mit Robben hatte und immer noch hat, ist dennoch unbestritten. Trotzdem sollte Ancelotti eine Möglichkeit finden, einen der besten Stürmer der Welt besser ins Spiel einzubinden. Eine Vielzahl von Optionen wird sich perspektivisch auszahlen. Zumal Lewandowski – analog zu Robben – ein Spieler ist, der in das Spiel eingebunden werden muss. Auf ‘die eine Chance’ warten ist nicht ihr Ding. Dies führt zwangsläufig nicht gerade zur Harmonie auf dem Platz, wie gerade in der Anfangsphase mehrfach zu beobachten war.

FC Bayern – Borussia Mönchengladbach 2:0 (2:0)
FC Bayern MünchenNeuer – Rafinha (83. Kimmich), Martínez, Hummels, Alaba – Vidal, Alonso, Thiago – Robben (80. Sanches), Lewandowski, Costa (73. Müller)
BankUlreich – Boateng, Bernat, Coman
Bor. M’gladbachSommer – Korb, Elvedi, Vestergaard, Wendt (65. Schulz) – Hofmann (46. Jantschke), Strobl, Kramer, Johnson – Stindl – Hahn (78. Herrmann)
BankSippel – Dahoud, Sow, Rütten
Tore1:0 Vidal (16.), 2:0 Costa (31.)
KartenGelb: – / Kramer
SchiedsrichterDr. Jochen Drees
Zuschauer75.000 (ausverkauft)
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Leserkommentare
  1. pitvonbonn

    Trotzdem die Bayern in der zweiten Halbzeit um ein Gegentor förmlich “gebettelt” haben, war Gladbach so schwach wie Dortmund, Wolfsburg und Leverkusen.
    Für die “Langeweile” sorgen diese Clubs und nicht die Bayern.

  2. Johannes

    Es kommt in dem Artikel etwas so rüber, als wäre die zweite Halbzeit schlecht gewesen. Das fand ich persönlich überhaupt nicht. natürlich haben die klaren Offensivaktionen gefehlt. Aber ich fand es durchaus nachvollziehbar, dass man sich zurückgezogen hat und Gladbach das Spiel hat machen lassen. Bis auf den einen Lattentreffer hat man keinen einzigen Torschuss zugelassen, was auch an der starken Defensivarbeit von Bayern lag. Wenn man zu Pause 2:0 führt, muss man nicht immer weiter Vollgas nach vorne spielen, solange man hinten stabil steht, was heute eindeutig der Fall war, ist es völlig legitim sich so fallen zu lassen, wie es die Bayern getan haben.

  3. wipf1953

    Ich habe natürlich auch keine Idee, wie man Lewa und Robben gemeinsam stark macht. Vielleicht muss man es aber einfach akzeptieren, dass die zwei nicht zusammenpassen. Wir hatten auch mal einen Miro Klose, der vier Jahre bei uns gespielt hat und der auch nicht mit Robben harmoniert hat (2008/2009 38 Spiele, 20 Tore, 2009/2010 auch 38 Spiele, 6 Tore). Klose ist ebenso ohne jede Diskussion ein Topstürmer, wie es Lewa ist.

    Wenn die zwei nicht zusammenpassen, kann man Lewa ja auch mal eine Pause geben. Oder gezielt Robben gegen Lewa tauschen. Nachdem Robben mit größter Wahrscheinlichkeit nicht die nächsten 20 Spiele alle mit 90 Minuten durchspielen wird, ist das doch eine Variante. Altersmäßig gehört dem System mit Lewa und Müller in der Mitte und zwei nicht-inversen Außen sowieso die Zukunft.

    1. Ha! Da ist es, das Ei des Kolumbus.
      Die Robben-Lewy-Problematik ist hinreichend bekannt und im Artikel und den Kommentaren treffend beschrieben.
      Auf die banale Idee: Robben vs. Lewy möglichst zu rotieren bin ich noch nicht gekommen. Sollte Robben sogar doppelt entgegen kommen wenn Müller MS spielt: Müller zieht sich gerne nach rechts raus, kombiniert dort mit Robben und/oder öffnet für Robben Räume im Zentrum.
      Und umgekehrt, ohne Robben, genau wie du sagst, zwei lineare Außen, die (ggf. noch unterstützt von den hohen AV) Bälle zu Lewy bringen, ideal also CoCo.

  4. Osrig

    Ich war von unserem Spiel dieses Mal wieder richtig angetan! Gerade in der ersten Halbzeit war endlich wieder all das zu sehen, was vorher gefehlt hatte: Schnelle Pass-Stafetten, Bewegung in den freien Raum und “Dreiecke”. Gladbach sollte auch nicht schlechter gemacht werden, als sie wirklich waren. Sie haben ihre Formation gut gehalten, aber taktisch in Viererkette das Nachsehen gegen das schnelle Positionsspiel unserer Jungs gehabt. Gladbach war nicht schwach, vielmehr war unser FCB endlich mal wieder richtig gut, richtig dominant! So kann es weiter gehen!

  5. Jo

    Das erste Spiel in dieser Saison, dass wirklich “italienisch” anmutet. Und das ist durchaus positiv gemeint. Zwar nicht unbedingt ein Kabinettstückchen des Fußballs, aber ein Spiel wie ich es mir wünsche und schon lange erhofft habe.
    Ein Spiel in dem man über 90 Minuten Dominanz ausübt und hat. Ein Spiel in dem man nicht darauf angewiesen ist, dass der Gegner seine großen Chancen doch bitte versieben möchte, sondern man sie ihm einfach nicht einräumt.

    In diesem Sinne habe ich übrigens die von manchen etwas kritisch gesehene zweite Halbzeit auch regelrecht genossen.
    Die Tendenz geht, in Einberechnung des letzten CL-Spiels, nun auch hoffentlich in die richtige Richtung.
    Mein Fazit: Heute habe ich zum ersten Mal in dieser Saison ein gutes Gefühl!

  6. Marco05

    Kann im Grunde die Analyse nur bestätigen. 1 HZ hat mir überragend gut gefallen, vlt. eine der besten. Für mich auch nicht schlimm, wenn man dann etwas kontrollierter auftritt. Natürlich hätten wir alle gerne noch Tore gesehen, aber bevor man sich wieder verrent ist es mir lieber so. So hat man nur eine Chance zugelassen, die auch noch Abseits war. Insofern gelungener Auftritt gegen einen “Angstgegner”.

    Thiago und Vidal harmonieren mE sehr gut, auch Alonso stark verbessert. Rafinha auch mal wieder mit einer sehr ansprechenden Leistung, die Verletzung kommt jetzt zu einer blöden Zeit.

    Das mit Robben und Lewy sage ich ja schon seit 3 Jahren. Es ist augenscheinlich, dass das nicht funktioniert (“harmoniert klingt mir zu harmlos). Wenn Robben spielt ist Lewy nicht im Spiel. Auch sein Tor am Mittwoch resultierte fast folgerichtig aus einem Abpraller eines Robben-Schusses. Meine Meinung zum Thema ist klar: so sehr ich Robben bewundere, er ist kein Teamplayer. Er macht mir zu viel auf eigene Rechnung, spielt nicht ab, wenn es passend wäre, spielt ab, wenn es im Grunde nicht geht. Die meisten Pässe in die Spitze kommen einfach zu spät oder sind nicht klug.

    Bei Ribery ist das anders, der macht auch viel selbst, allerdings nicht mit dem Ziel selbst abzuschließen, sondern sucht auch dann immer noch den Mitspieler, weshalb bei ihm Lewy besser in Erscheinung tritt. Bei Costa und Coman sowieso. Also hier muss eine Lösung her. Die Unzufriedenheit von Lewandowski auf dem Platz ist offensichtlich.

    Das Selfie von Costa war etwas strange, aber nicht weiter dramatisch, weil es einfach zu ihm passt. Der denkt sich da nix dabei, am wenigsten will er den Gegner bloßstellen. Ist einfach seine Art und das ist ok. Muss ja nicht jedesmal passieren. Die Reaktionen fand ich auch angemessen, insbesondere die von Ancelotti. Applaus! Viel geiler fand ich allerdings die Ballannahme mit der Hacke. Sowas will man doch auch mal (!) sehen. Große Klasse.

  7. Ju

    Nur noch situativ herauskippende 8er, asymetrische Rollen der Flügelstürmer, etwas rhytmischeres Vorrücken der Außenverteidiger, Xabi mit Fokus auf simple Weiterleitungen: Man ist sich selbst und den Forderungen von außen gerecht geworden und hat taktisch angepasst. Das stimmt mich positiv. Die zweite Halbzeit würde ich nicht zu hoch hängen: Ja, Bayern hat diszipliniert verteidigt. Ein Fortschritt. Gladbach hatte aber auch nichts auf dem Feld, um sinnvoll anzugreifen. Ich glaube übrigens, dass man im Wilden Westen der Lynchjustiz zum Opfer fiel, wenn man Dahoud 90 Minuten draußen gelassen hat.

    1. Jo

      Ich habe den Eindruck (und hoffe es ist nicht nur eine Momentaufnahme) , dass sich in den letzten beiden Spielen etwas verändert hat.
      Vielleicht raufen sich Mannschaft und Trainer zu so etwas wie einem italienisch-spanischen, romanischen Fußball zusammen. Im optimalen Fall was von dem “besten beider Welten”.
      Dass die Mannschaft mit ihren Auftritten selbst unzufrieden war hat man einigen ziemlich deutlichen Kommentierungen der Führungsspieler gemerkt. Das hat den taktischen Bereich auch absolut einbezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass es dazu in den letzten Wochen einige Gespräche gab. Die Mannschaft ist in ihrer Struktur sehr erfahren, auch selbstbewusst genug gegenüber einem Trainer ihre Ansichten zu vertreten. Und wenn Carlo nur halbwegs der Spielerversteher ist, als der er angepriesen wurde, dürfte er gut zugehört haben.
      Man hat ja vernommen, dass auf Intervention aus der Mannschaft die Rondos wieder aufgenommen wurden bzw. wieder deutlich stärker im Mittelpunkt stehen. Man hat, zumindest in den beiden letzten Spielen, zum ersten mal grundlegende taktische Anpassungen gesehen. Das aggressive hohe Pressing mit dem die Gladbacher zeitweilig völlig aus dem Spiel genommen wurden hatte eindeutig was vom Stil der letzten Jahre an sich.
      Für mich alles sehr beruhigend, weil das die Erkenntnis beinhaltet, dass wir nicht bis zum Ende der Saison verurteilt sind den gleichen Stiefel zu spielen, sondern dass durchaus die Bereitschaft besteht am System und Taktik zu feilen.
      Der nächste Schritt muss es sein jetzt auch mal auswärts eine überzeugende und dominante Partie abzuliefern.

      Zu Dahoud: Wenn Gladbach mit einigen Verletzten immer noch 14 bessere Spieler als Dahoud hat ist das bemerkenswert. Irgendwas passt da zwischen Spieler und Trainer nicht so recht. Wenn die allseits kursierenden Gerüchte über Ablöseklauseln stimmen, könnte man da nächstes Jahr ggf. ein sensationelles Schnäppchen machen.

  8. Gutes Spiel, gute Analyse. JOs Italianisierung bringt es auf den Punkt. Äußerst starke erste Halbzeit, souverän danach. Bekommt Lewy den Elfmeterpfiff, der unberechtigterweise ausblieb, steht es 3-0 und das Ding ist durcher als durch.

    Was noch auffällt:
    1) Laufstatistik! Gleiche Statistik bei umgekehrtem Ergebnis und der Doppelpass und übrige Boulevard haben ihr Thema (“Einstellung”, “Laufbereitschaft”). An diesem Spiel schön zu sehen, wie sinnlos die isolierte Betrachtung einer solchen Zahl ist.

    2) Es geht auch mit Alonso und Viererkette und “nur” drei echten Offensiven. So extrem stark ich eure Analysen zu unserem Positionsspiel in letzter Zeit fand, eure “Forderungen” nach 3er-Kette, 4+ Offensiven und mehr Kimmich waren mir zu vereinfacht.

  9. chicago_bastard

    Sehe die Lewy-Robben-Problematik nicht so dramatisch. Lewy hatte aus meiner Sicht eher wegen Müllers Fehlen einen schweren Stand als durch Robbens Anwesenheit. Müller sorgt mit seinen Läufen für Unordnung bei der gegnerischen Hintermannschaft und seine Präsenz im Strafraum zieht Gegenspieler von Lewy ab, der dadurch mehr Platz hat und leichter zu Abschlüssen kommt.

    Im Übrigen fand ich Lewy gestern gut eingebunden. 3 Torschussvorlagen, 46 Ballkontakte und 11 gewonnene Zweikämpfe sind gute Werte, einzig bei den Torschüssen blieb er unter seinem sonstigen Standard. Und dennoch hätte er auch gestern locker treffen können: Nimmt er vor seinem Pfostenschuss den Ball etwas besser mit, bekommt er den berechtigten Elfmeter und ist er bei zwei scharfen Hereingaben von Costa einen Schritt schneller kann er auch gestern gut und gerne mehrfach treffen.

    Die Abhängigkeit von Lewys und Müllers Toren in der letzten Saison fand ich ohnehin problematisch. Wenn sich die Abschlüsse auf mehrere Spieler (wie derzeit auf Lewy, Müller, Robben, Kimmich und Vidal) verteilen ist man gegen Formschwächen und schlechte Tage Einzelner besser gefeit. Solange man sich so viele klare Chancen herausspielt wie gestern ist alles gut.

    1. Jo

      100% Zustimmung.
      Das Thema Lewandowski/Robben war schon in der Vergangenheit kalter Kaffee und ist es noch.
      CR 7 hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch lieber mit Özil als mit Bale zusammengespielt. Den Cl-Titel hat er aber mit Bale zweimal gewonnen.

  10. Erich_Br

    Pflichtsieg – BMG hat im Moment nix mit der Mannschaft der letzten 4-5 Jahre zu tun. Man muss sich nur die letzten Ergebnisse von BMG anschauen. Aktuell ist das eine Mittelfeldmannschaft.

    Sorgen macht mir der BVB. Man braucht diese Mannschaft die einem permanent im Nacken sitzt. Anders sind Höchstleistungen nicht möglich. Hoffentlich stabilisieren die sich bald…

    Bin gespannt auf Köln und Hertha, vielleicht gibts dieses Jahr mal wieder nen Überraschungsmeister…

    1. Die Mannschaft, die uns derzeit im Nacken sitzt, ist RB Leipzig, der Aufsteiger. Das dürfte Ansporn genug sein für unsere Bayern!

      1. Ganz genau so ist es, Thomas!

        Auch ein (von vielen) “ungeliebter” Kontrahent kann nicht einfach weg geschwiegen werden ;-)

  11. kurt

    Großartiges Spiel gestern und das beste unter Ancelotti bisher. OBWOHL die erste Hälfte Pep-Fußball in Reinstform war. Der Hänger in der 2. HZ hätte nicht sein müssen, da hätte ich vielleicht auch eher und anders gewechselt um etwas Schwung reinzubringen, aber es sei den Spielern vergolten, da sie sich die Führung ja nicht nehmen lassen haben.

    Lewy und Robben wird noch interessant. Allerdings glaube ich, dass die beiden sich da schon “zusammenraufen” werden. Robbens Problem ist eher, dass er oft noch die falsche Entscheidung macht. Schießen, wenn er passen sollte und andersrum. Er hat ja mehrmals versucht den Ball zu Lewy durchzustecken, also total Ego war er nicht.

    1. Osrig

      @Kurt: “OBWOHL die erste Hälfte Pep-Fußball in Reinstform war”
      Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und stelle mal die Überlegung in den Raum, des es nicht “nur” Pep-Fussball in Reinstform war, sondern schon ein erster Schritt in Richtung Weiterentwicklung der Pep-Idee vom Dominanzfussball!
      Denn in den ersten 45 Minuten haben unsere Jungs den Ball schnell laufen lassen, aber auch Bewegungen gezeigt und immer wieder Anspielstationen geboten, teilweise sogar im “one-Touch”-Fussball, die Mannschaft hat sich aber auch mal etwas weiter zurück gezogen, um Gladbach zu locken, um mehr Rasen vor sich für schnelle vertikale Pässe zu bekommen. Dadurch werden die Spielzüge noch unberechenbarer. Für mich ist das ein guter Schritt nach vorn! Ich bin daher jetzt schon gespannt auf das Spiel gegen Augsburg^^

    2. rookie

      wie meinst du das mit dem “obwohl”? Wir haben jetzt 2 gute Spiele gesehen, in denen der Mannschaft erlaubt wurde wieder mehr wie vorige Saison zu spielen und schwupps macht es wieder Spaß und stimmen die Ergebnisse. In Führung liegend darf dann gerne Ancelotti seinen italienischen Stil also zurückziehen und Kontern, finde ich als Fan zwar nciht so schön aber wenn es dafür weniger Verletzte gibt, gerne

      1. kurt

        @Rookie

        Du hast Recht, das “OBWOHL” war die falsche Wortwahl. Ich hätte wohl besser “WEIL” geschrieben. Mich hat einfach alles an den Dominanzfußball von letzter Saison erinnert. Genau wie ich mir in all den letzten Spielen gedacht hatte “die können das doch nicht alles verlernt haben”. Ich geh auch mit Osrig mit, und denke das war jetzt der Fußball, den die Spieler können und leben gepaart mit den Änderungen Ancelottis. Keine einrückenden AV, häufige vertikale Schnittstellenpässe, die zwar riskanter sind, aber oft neue Spielsituationen und -verschiebungen kreieren.

        So kann es gerne weitergehen.

      2. Tipic

        Wobei man sagen muss, dass die Rolle des einrückenden AV für Lahm wirklich perfekt war. So konnte er seine strategischen Mittelfeldspieler-Qualitäten einbringen und altersbedingte Geschwindigkeitsdefizite wurden nicht auffällig. In Ancelottis klassischerer AV-Positionierung fürchte ich, dass unser Kapitän gegen stärkere Gegner einige Schwierigkeiten haben wird.

    3. wipf1953

      Ich dachte zunächst auch, die 1. HZ wäre die Wiedergeburt des “Pep-Fußballs” gewesen. Nach den Analysen im Sportstudio (das davon abgesehen mal wieder ziemlich unterirdisch war), gab es aber gravierende Unterschiede. Es gibt weniger vordefinierte Spielzüge, es wird mehr auf dem Platz improvisiert.

      Ich fand die Kombinationen jedenfalls “spritzig”. Und es war alles geboten. Sowohl Flanken als auch direktes Spiel durch die Mitte. Vor allem Thiago hat mir mal wieder super gefallen.

  12. rookie

    Vielleicht ist jetzt für immer Frieden zwischen Pep-Jüngern und Pep-Skeptikern. In der ersten Halbzeit wird Pepesk gespielt, in Führung liegend dann Ancelesk und alle sind glücklich ;-)

    1. kurt

      Bis zum nächsten Unentschieden. ^^

      1. Osrig

        Alter Miesmacher! ;-)

  13. […] Bayern nahm in der zweiten Halbzeit das Tempo heraus und erlaubten sich einige kleinere Fehler und Ruhepausen. Wie auch schon gegen Eindhoven zu beobachten, schaffen es die Münchener gerade nicht konstant das Spiel zu kontrollieren ohne den Gegner zu Chancen kommen zu lassen. Wie auch Eindhoven hatten auch die Gladbacher durch Hahns Pfostenschuss eine Chance zum Anschlusstref… […]

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