GELSENKIRCHEN, GERMANY - JUNE 11: Head coach Tim Walter of Bayern looks on prior to the B Juniors German Championship Semi Final match between FC Schalke and Bayern Muenchen at Ueckendorf Ground on June 11, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Bayern Amateure gehen in die Winterpause

Saisonstart mit Schwierigkeiten

Selten war eine Saison der Bayern Amateure so abwechslungsreich und inkonstant wie die aktuelle Spielzeit. Hervorragende Spiele gegen Spitzenteams wechselten sich mit fast schon peinlichen Punktverlusten gegen Abstiegskandidaten ab. Dass die Mannschaft eine positive Entwicklung zeigt, ist aber längst unverkennbar.

Die Ausgangssituation

Nicht von wenigen Außenstehenden wurden die Bayern Amateure im Vorfeld der Saison immer wieder als Meisterschaftskandidat bezeichnet. Auch Hermann Gerland nannte bei seiner Vorstellung als neuer sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung den Aufstieg in die dritte Liga als Ziel.

Freilich, bevor er wusste, dass es den TSV 1860 zwei Wochen später bis in die Regionalliga Bayern herunterspülen würde. Die Löwen stellten fortan einen Kader zusammen, der für Viertligaverhältnisse überragend ist. Auf der Basis des jungen U23-Teams, das in der Vorsaison Tabellenzweiter wurde, baute man mit den Zweitligaspielern Sascha Mölders, Jan Mauersberger und den Drittligaspielern Daniel Wein, Philipp Steinhart, Timo Gebhart und Markus Ziereis ein schlagkräftiges Team auf, für das der Aufstieg nur Formsache zu sein schien.

Tim Walter nannte als offizielles Saisonziel fortan konsequent: “Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen und die jungen Talente weiter nach vorne bringen”. Kein Wunder, denn die Bayern Amateure gingen mit dem wohl jüngsten Kader aller Zeiten in die Saison.

Drei externe Neuzugänge leistete man sich: Darunter Angelo Mayer als Back Up für den zweiten Neuen, Derrick Köhn. Der Linksverteidiger kam vom Hamburger SV, wo man dem Vernehmen nach ein wenig verwundert über das Interesse des FC Bayern an diesem Spieler war. Dass Derrick Köhn mittlerweile erstmals vom DFB für die Juniorennationalelf nominiert wurde, zeigt jedoch, dass da nicht ganz verkehrt gescoutet wurde.

Auf der vakanten Mittelstürmerposition war das Bemühen um mehrere erfahrene Stürmer erfolglos. Mit Anton Fink und Sascha Mölders konnte sich der FC Bayern finanziell nicht einigen, erst bei Otschi Wriedt vom VfL Osnabrück passten die Rahmenbedingungen. Nach nur wenigen Stunden in München ohne jede Trainingseinheit traf er auch gleich bei seinem ersten Spiel im rot-weißen Trikot.

Der spektakuläre 2:1-Sieg gegen die hoch eingeschätzten Schweinfurter ließ die Erwartungen an das Team steigen. Schließlich gewann die Verletzungs- und Abstellungsgeplagte Mannschaft das Spiel in einem 3-5-2 System, das sie zuvor nicht einmal trainiert hatte. Mit einem Mittelstürmer, den sie erst seit wenigen Stunden kannte.

Spätsommerkrise

Schnell sollte sich herausstellen, dass die Realität mühsamer aussehen würde. Beim knappen 3:2 in Eichstätt – Niklas Dorsch traf in der Nachspielzeit zum Sieg – zogen die Amateure gerade noch so den Kopf aus der Schlinge.

In Garching gelang Dorsch trotz einer hochkarätigen Chance in der Schlussminute keine Wiederholung dieses Kunststücks – 2:2. Endgültig auf den Boden der Realität kam das Team an, als es zu Hause gegen den FC Pipinsried mit 0:1 verlor. Gegen einen Aufsteiger, bei dem der Trainer auch Spieler ist und nach 70 Spielminuten vom Platz flog.

Es war die schwierigste Saisonphase der Amateure, in der die Mannschaft zwei englische Wochen bestritt. Zu zeitweise rund zehn verletzten Spielern kamen auch die ständigen Abstellungen für Termine der Profis, darunter das Traumspiel und das Retterspiel in Offenbach.

An einen normalen Trainingsbetrieb war nicht zu denken. Das Trainerteam hatte kaum Gelegenheit, an den aufgetretenen Schwächen zu arbeiten. So rutschte die Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt lediglich aus 13 oder 14 fitten Feldspielern bestand, immer weiter in ein Tief. Gemischt aus Verunsicherung und Überbelastung, basierend auf der mangelnden Erfahrung der sehr jungen Spieler.

Die deutlichste Klatsche setzte es dann beim 1:5 in Augsburg. Christian Früchtl kassierte bereits in der siebten Spielminute einen Platzverweis der überflüssigen Sorte. Trotz Rückstand und Unterzahl steckte das Team jedoch nicht auf, erzielte den verdienten Ausgleichstreffer. Doch nach dem erneuten Rückstand brachen alle Dämme. Der 17-jährige Michael Wagner, eigentlich Ersatztorhüter der U19, war bei seinem Regionalligadebüt nicht zu beneiden.

Miasanrot Patreon

Abonniere unsere Beiträge!

Twitter & Facebook

Folge uns über Social Media

Du willst die aktuellsten und wichtigsten News zum FC Bayern lesen? Folge uns auf Twitter @miasanrot oder like unsere Facebook Seite.

Folgen

Leserkommentare
  1. Tschemp

    Spielberichte zu Amateurespielen, Daumen hoch!
    Man kann wirklich gespannt sein, wie mit den ganzen auslaufenden Verträgen gehandelt wird. Wer entscheidet, welche Spieler man behalten will? Macht das Gerland oder Sauer? Oder gar Brazzo?
    Hoffentlich beweisen sie ein gutes Näschen, ich würde mir nicht zutrauen zu sagen, welche Abgänge man richtig bereuen werden könnte. Wen sollte man auf jeden Fall behalten (versuchen zu behalten)?

  2. Danke für die interessanten Infos!

    Nachdem Du bei (fast?) allen Spielen von U17, U19 und den Amas dabei bist, Insiderinfos wie die des drohenden Abgangs von Niklas Tarnat besitzt: Hast Du Einblicke, wie die Proiritäten des Vereins im Nachwuchsbereich ausschauen?
    Auffällig ist, dass viele Spieler aus dem jüngeren Jahrgang nach oben in den nächst höheren gezogen werden: Das ist nur z.T. verletzungsbedingt passiert.
    Dazu das aktuelle Interview auf der FCB HP https://fcbayern.com/de/news/2017/12/sauer-darauf-konnen-wir-stolz-sein-291217. Dabei geht es zwar um den ganzen Nachwuchsbereich (meine Frage bezieht sich auch darauf), aber für mich sind die Amateure die letztendliche Abrundung bzw. wünschenswerte Veredelung der gesamten Jugendarbeit.

    Zurück zu meiner Frage nach den Prioritäten: Geht es wirklich mehr um die Förderung des individuellen Leistungsniveaus des einzelnen Spielers (das Sauer-Interview lässt darauf schließen), so dass man möglichst bald BL- bzw. FCB-Profi-Spieler aus der eigenen Jugend begrüßen kann, oder sind Titel (U19, U17) bzw. Aufstiege (Amas) zumindest “genauso” wichtig?
    Gibt es im Verein so etwas wie eine inoffizielle “Präferenzliste”? Zum Beispiel à la “U19-DM-Titel ist wichtiger als Aufstieg von Amas und Titel der U17”.

    Kannst / darfst / willst Du etwas dazu sagen?

  3. Napto

    Ich glaube, dass man diesbezüglich keine vollkommen allgemeine Aussage treffen kann. Dass gerade der 2003er Jahrgang, der vielleicht eines Tages als “Jahrhundertjahrgang” in die Geschichte eingehen könnte, auf den unfassbar schwachen 2002er Jahrgang folgt, fördert halt das derzeitige Extrembeispiel von gleich sieben U15-Spielern, die in der U16 im Einsatz sind. Und vor allem Luca Denk spielt auch dort schon so überragend, dass ich ihn eigentlich gerne in der Rückrunde bei der U17 sehen würde.

    Vielleicht mal als kleine Übersicht für alle:

    Amateure: 4 U19-Spieler (Früchtl, Köhn, Fein, Tillman)
    U19: 1 U17-Spieler (Batista Meier)
    U17: 2 U16-Spieler (Tillman, Mosandl)
    U16: 7 U15-Spieler (Bareis, Evangelou, Reinelt, Fust, Rhein, Denk, Günther)
    U15: 0 U14-Spieler
    U14: 2 U13-Spieler (Namen nenne ich in dem Alter nicht)
    U13: 1 U12-Spieler

    Ich würde keine allgemeingültige Aussage treffen, was die Priorität angeht. Es gibt genügend Beispiele, bei denen bewusst eine Frühförderung forciert wird. Und es gibt auch Beispiele, bei denen ich schon den Eindruck habe, dass das Streben nach medienwirksamen Erfolgserlebnissen ein wenig wichtiger ist als der einzelne Spieler. Natürlich ist es verständlich, dass der FC Bayern sich nicht zum wiederholten Mal in der Youth League blamieren wollte und endlich mal die nächste Runde erreichen wollte. Aber auf der anderen Seite zweifle ich, ob es Wintzheimer voranbringt, wenn er in der U19 die meisten Gegner mit seinen Körpermoves in Schach halten kann und sich nicht frühzeitig gegen körperlich stärkere Gegenspieler durchsetzen lernt. Zumal mit Philipp Hermann ein Stürmer nahezu keine Einsatzminuten (86) gesehen hat, den wir im Sommer angeblich für eine kleine Ablösesumme aus Unterhaching losgeeist haben.

    Das Extrembeispiel für eine schlechte Entscheidung war natürlich Batista Meier, dessen Statistiken in der U17 eine deutliche Sprache sprechen.

    1. Dann muss ich mir auf alle Fälle mal die U16 anschauen, U19, U17, U15 und U14 habe ich schon gesehen …

      Hätte “OBM” aus deiner Sicht in der U17 bleiben sollen? Wie es aussieht, wurde er ja dauerhaft nach oben in die U19 gezogen.

      In Klammern benennst du die aus deiner Sicht größten Talente, oder? Wintzheimer zählst du also nicht dazu? Ich persönlich sage, dass er irgendwann einmal in der BL (1. oder 2.) spielen wird – für den FCB wird es wahrscheinlich aber nicht (ganz) reichen.

      Und in der U17 gehört für mich auf alle Fälle in diese “Auswahlliste” Jonas Kehl – ein absolutes “Philipp Lahm Double” ;-) Der ist neben Batista Meier für mich das Supertalent.

    2. Nein, sehe gerade: Du meinst die Spieler, die nach oben gezogen worden sind … sorry!

      1. Napto

        Zur U19 und U17 folgen auch noch Artikel

  4. McHanson

    Wohin wechselt Tarnat denn?

    1. Napto

      Das soll der beteiligte Verein veröffentlichen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog