Die Dunkle Seite der Macht – Actovegin & Behandlung von Ribéry durch Müller-Wohlfahrt

Franck Ribéry verpasst wegen anhaltender Rückenprobleme die WM 2014. Dies war wohl die letzte Chance noch mal um den WM-Titel mitzuspielen, nachdem es 2006 in Deutschland im Finale nicht klappte. Eine Teilnahme bei der WM 2018 ist ungewiss, schließlich wäre Franck Ribéry dann 35 Jahre alt. Ein stolzes Alter für einen Flügelspieler.

Kein Wunder, dass um Europas Fußballer des Jahres nun eine Diskussion entbrannt, weshalb er am Turnier in Brasilien nicht teilnehmen kann. Im Mittelpunkt dabei stehen diesmal die Ärzte. Der französische Teamarzt Franck Le Gall beschuldigte indirekt bzw. direkt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Dieser hätte als Teamarzt des FC Bayern alle Verletzungen mit Spritzen gelöst. (Statement vom Teamarzt – im Video.)

Franck Le Gall beschreibt die Behandlungen von Ribéry in München folgendermaßen:

Franck spielt bei einem Klub, bei dem alle Probleme, egal welches es sind, mit Spritzen behandelt werden”, sagte der Mediziner. Es könnten “10, 20, 25, 40 pro Problem, pro Jahr sein. Wir hätten auch so vorgehen können, aber wir haben es nicht getan.

Das Echo aus München ließ nicht lange auf sich warten. Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt stellt klar, dass »im Falle einer Behandlung durch ihn eine WM-Teilnahme möglich gewesen wäre«. Dieses Statement ließ er über die Medienanwaltskanzlei Schertz Bergmann ausrichten. Zudem hätte Ribéry keine panische Angst vor Spritzen – er lehnte lediglich die Behandlung mit Kortison ab. Interessanter am Statement von Bergmann bzw. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist, dass dieser öffentlich zugibt Ribéry mit Actovegin zu behandeln. Actovegin ist ein Ultrafiltrat aus Kälberblutserum. Das Medikament soll ähnlich wie Insulin den zellulären Stoffwechsel anregen, sich positiv auf den Blutkreislauf auswirken und Wundheilungsprozesse, auch nach schweren Operationen, beschleunigen und unterstützen. Zudem wird Actovegin häufig bei Muskelverletzungen eingesetzt – und ist somit ein Renner in der Sportmedizin. Die Wirkung des Mittels ist dabei in der Forschung bzw. Medizin wie häufig umstritten. Allerdings schwört Müller-Wohlfahrt seit langem auf dieses Präparat.

Interessant ist die Frage, ob Actovegin ein Dopingpräperat ist. (Vollständig zu lesen auf: Cycling4Fans). Das IOC setzte das Mittel 2001 auf die Dopingliste, strich es aber schon 2 Monate später wieder von selbiger. Dies ist insofern überraschend, da dem Mittel immer wieder eine leistungssteigernde Wirkung nachgesagt wird. So soll es die Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes erhöhen ohne dass die Anzahl der Erythrozyten zunimmt. Um die Jahrtausendwende wurde das Mittel häufig eingesetzt, um die Wirkung von EPO zu verlängern. Gut 10 Jahre später sind sich die Doping-Experten allerdings nicht einig bzw. verneinen eine leistungssteigernde Wirkung von Actovegin.

Mittlerweile gibts es von Seiten der WADA (World Anti-Doping Agency) einige Auflagen bezüglich des Präparats. So darf nur noch eine bestimmte Menge intravenös verabreicht werden.

Schon das Recherche Team von »Der Westen« griff den problematischen Einsatz von Actovegin durch Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in seinem Recherche Blog auf. Schon damals stand der von Müller-Wohlfahrt massive Einsatz von Spritzen bzw. Actovegin, den er in medizinischen Studien öffentlich zugibt, in der Kritik. Eine pikante Randnotiz – beim Streit zwischen Pep Guardiola und Müller-Wohlfahrt am Anfang der Saison, konnte sich der Arzt damit rechtfertigen, dass die Spieler des FC Bayern nur selten Muskelverletzungen erleiden. Dies konnte er mit Hilfe einer UEFA Studie nachweisen. In wie weit dies im Zusammenhang steht, ist eine Frage für die Mediziner.

De facto zeigt das Beispiel Franck Ribéry die dunkle Seite des Sports. Es wird mit allen legalen (und illegalen?) Mitteln gearbeitet und der Graubereich des Sportrechts vollkommen ausgeschöpft. Die Spieler sollen fit und Einsatzbereit sein. Ob der massive Einsatz medizinisch und sportethisch gerechtfertigt ist, spielt scheinbar keine Rolle mehr. Seitens des FC Bayern wünscht man sich als Fan eine klarere Positionierung gegen Doping und übertriebenen Medikamenten Einsatz. Angesichts der Zunahme der Spiele und körperlichen Belastung für die Spieler, wohl ein einsamer Wunsch.

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Leserkommentare
  1. micho

    Dieses Medikament, bzw. der Wirkstoff ist nicht als Dopingmittel anzusehen. Eine etablierte zugewiesene Wirkung oder Wirkweise ist nicht bekannt. Es wurde in den 90er gerne als “Stärkungsmittel” arglosen, erschöpften Patienten infundiert, was mit der BSEProblematik (Kälberblutextrakt) dann in dieser Indikation verschwand. Die Matrix tierischen Blutes ist vornehmlich der Grund, dass es nach wie vor kritisch gesehen wird. Seine Wirkung auf Muskelverletzungen ist vorsichtig formuliert sicher nicht niedrig, bestimmt aber nicht signifikant höher als Placebo.

    1. Christopher

      Danke micho für die ergänzdenen Worte,
      wenn die Wirkung nur im Placebo Bereich liegt, muss sich ethisch erst recht die Frage gestellt werden, warum dieses Mittel so signifikant eingesetzt wird?

  2. Nullachtneuner

    Das ist keine ethische Frage, sondern eine fachliche (die kompetenterweise nur Mediziner auflösen können). Aber die streiten sich offenbar über die Wirkung – was aber wohl auf sehr viele Präparate zutrifft. Da scheint es mir auch sehr viele Eitelkeiten unter den Herren Doctores zu geben. Und jetzt wird die Story um den Promi-Arzt zum Skandal aufgeblasen. Erinnert mich auch ein wenig an den Disput mit Robbens Ärzten damals. Letztlich muss Franck entscheiden, welchem Arzt er vertraut.

  3. jake

    wenn man sich robben, van buyten (mit seinen 36 Jahren) oder den dauerläufer Müller anschaut, dann kann das nur doping sein.
    sehr guter Artikel. die doping-agency muss dafür sorgen, dass es wieder auf die streichliste gehört.

  4. Markus Reuter

    Es ist mittlerweile bekannt, dass Müller-Wohlfarth nicht ganz sauber ist. Selbst der Fall Schweinsteiger zeigt, dass er von ihm kaputt gespritzt wurde.

    Hier ist nachzulesen, dass sich Schweinsteiger 3 bis 4 mal im Monat Actovegin spritzen lässt.
    http://espn.go.com/espn/otl/story/_/id/7324262/high-profile-patients-put-utmost-trust-dr-hans-wilhelm-muller-wohlfahrt-unorthodox-treatments

    Dann kommt noch hinzu, dass er ihm noch weitere Mittel injiziert: Testosteron, Cortison etc.

    Und scheinbar macht er dies wohl nicht nur bei Schweinsteiger…….

  5. bürschchen

    Sorry, aber was ist das für eine schwachsinnige Diskussion um den “die dunkle Seite” von Mull?
    Mull ist seit Jahrzehnten allgemein anerkannt als Sportmediziner, das bestätigen nicht nur Verein und Spieler des Fc Bayern und der Nationalmannschaft, sondern auch andere Sportler wie Usain Bolt etc. Eine Unterstellung, wie sie der französische Nati-Arzt aufgestelllt hat als Argument/Beweis für ein Dopingvergehen zu werten ist meines Erachtens nicht nur konstruiert, sondern bösartig.

  6. Bavaria Rick

    Nicht nur der Französische Nationalmannschaftsarzt hat Müller-Wohlfrath kritisiert.

    Die Indizien, dass Müller-Wohlfarth kein seriöser Arzt ist mehren sich. Seine Spritzen-Orgien, auf die er sogar noch stolz ist, gibt er sogar zu.

    http://www.tz.de/sport/fussball/mueller-wohlfahrt-sieht-sich-gerne-wunderheiler-interview-pharmakologen-tz-3635952.html

    Es wird Zeit, dass Müller-Wohlfarth endlich aus unserem Verein entfernt wird.

  7. ThoBa

    Weiss jemand etwas darüber, dass Müller´-Wohlfarth auch Testosteron bei Muskelverletzungen injiziert?

    Der Müller-Wohlfarth ist doch ein Schüler von dem Klümper.

    Dieser war doch auch nicht ganz sauber. Es würde mich nicht ganz wundern, wenn dies bei Müller-Wohlfarth ähnlich wäre.

  8. Robie

    In seiner Dokumentation “Frei gespielt” erzählt Mehmet Scholl, dass er 2001 vor dem CL-Endspiel verletzt gewesen wäre. In der Nacht vor diesem Spiel habe ihm Müller-Wohlfarth etwas gespritzt. Er konnte dann doch noch spielen.
    Mehmet Scholl sagt verwundert, dass er vollkommen schmerzfrei gewesen wäre.

    Danach sind ihm die Haare ausgefallen.

    Der Mull ist wirklich ein Scharlatan

  9. bürschchen

    für alle die es glauben besser zu wissen: die Welt des Spitzensports trifft sich bei Mull. Aber klar, er gehört aus “unserem Verein entfernt”.
    http://www.bild.de/sport/mehr-sport/kobe-bryant/beim-bayern-doc-in-muenchen-37608794.bild.html

    1. Nick

      Die Argumentation hinkt etwas. Die Welt des Spitzensports hat sich auch bei Dr. Fuentes in Madrid getroffen, das würde ich jetzt weder als Gütesiegel aber vor allem nicht zwingend als Indiz für saubere Sportmedizin sehen.

  10. Markus Reuter

    Selbst wenn irgendwelche andere bekannte Sportler zu Müller-Wohlfarth zur Behandlung kommen, muss dies kein Beweis für Seriösität sein.

    Wir hatten bereits dieses Jahr einen Skandal über einen Betrüger in unserem Verein. Dieser sitzt bekanntlich jetzt im Gefängnis. Wir machen uns als Verein lächerlich, wenn wir solchen korrupten Betrügern auch noch zujubeln.

    Der Medikamentenmissbrauch von Müller-Wohlfarth gehört untersucht.

    Dann weg mit dem, es gibt andere und bessere Ärzte

  11. BavariaRick

    Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Anfragen bei der FIFA (und die darauf folgende Erlaubnis) das Mittel Actovegin zu erlauben, vom DFB kamen. Müller-Wohlfarth gibt zu, dieses Mittel schon eine Millionen mal injiziert zu haben.
    Bsp. Schweinsteiger lässt sich 3-4 mal im Monat Actovegin injizieren. Das Mittel soll bei Muskelverletzungen gegeben werden. da stellt sich die Frage, ob Schweinsteiger 3 bis 4 mal im Monat eine Muskelverletzung hat.

    http://espn.go.com/espn/otl/story/_/id/7324262/high-profile-patients-put-utmost-trust-dr-hans-wilhelm-muller-wohlfahrt-unorthodox-treatments

    Hier sind die Actovegin-Gaben keine Ausnahme mehr, man kann hier von bewusstem Doping durch DFB und Müller-Wohlfarth sprechen.

    http://www.presseportal.de/pm/75892/2782129/von-der-ausnahme-zum-bewussten-doping-sportmediziner-kritisiert-fifa-umstrittenes-medikament

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