Vorschau: FC Bayern München – Hannover 96

Es ist noch ein weiter Weg bis in die Winterpause. Für den FC Bayern offenbaren sich derzeit Grenzen, die Hannover 96 gerne nutzen würde. Denn im Ausnutzen von Schwächen sind sie in dieser Saison herausragend.

Vor ungefähr einer Woche erlebten die Münchner eine kleine Zeitreise. Nicht etwa in erfolgreiche Zeiten und auch gar nicht all zu weit zurück. Als Fan des Rekordmeisters fühlte man sich zurückversetzt in die Schlussphase der Ancelotti-Zeit.

Es war die 60. Minute im Borussia-Park in Gladbach. Wie so oft in der Vergangenheit lag der Tabellenführer gegen Mönchengladbach zurück. Hazard (39.) und Ginter (44.) stellten den Spielstand auf 2:0 für die Borussia.

Matthias Ginter jubelt über seinen 2:0-Treffer gegen die Bayern.
(Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Der FC Bayern musste etwas tun. Bis zur besagten 60. Spielminute schlug die Mannschaft bereits 23 Flanken und hatte nur fünf Abschlüsse innerhalb des gegnerischen Sechzehners. Zwei davon auf das Tor von Sommer. Es war schlicht eine uninspirierte und sehr fehlerhafte Partie.

Was dann folgte, war eine Offenbarung. In der letzten halben Stunde erzielten die Gäste zwar den Anschluss durch Vidal und auch die Fehler nahmen ab, doch die Kreativität fehlte gänzlich. In nur 30 Minuten schlugen sie nochmals 23 Flanken in den Gladbacher Strafraum. Drei weitere Abschlüsse innerhalb des Strafraums gingen auf das Tor der Borussia. Zu wenig.

Die Bayern waren bemüht und Heynckes hat es geschafft, das Team zur Halbzeit zumindest so einzustellen, dass es die Kontrolle über das Geschehen bekam. Doch das Problem war an diesem Abend der Kader.

Mit Tolisso und Bernat auf den Flügeln ging so gut wie nichts. Schon in unserer Vorschau berichteten wir davon, dass Gladbach das Zentrum sehr gut verdichten kann. Dort war James meist auf sich allein gestellt. Vidal, Tolisso, Martínez und auch ein erschreckend schwacher Rudy schafften es nicht, den Kolumbianer zu unterstützen.

Erst als Coman das Spielfeld betrat, der sichtlich noch nicht bei 100% sein konnte, wurde es etwas besser. Doch dann fehlte wiederum James und das Zentrum war nicht in der Lage, kreative Impulse zu liefern.

Eine Offenbarung war diese Leistung nicht deshalb, weil die Mannschaft in dieser Konstellation deutlich besser hätte spielen können. Fakt ist, dass Robben, Thiago, ein fitter Boateng, Neuer und viele andere zu sehr fehlen. Fakt ist auch, dass dieser Kader langsam auf dem Zahnfleisch geht. Man kann schlicht nicht viel mehr von den Spielern verlangen, die in Gladbach auf dem Rasen standen.

Die Offenbarung ist, dass der Kader nicht für drei Wettbewerbe gemacht ist. Nicht mit der Philosophie und schon gar nicht, wenn sich Schlüsselspieler verletzen. Problematisch ist überhaupt nicht, dass die Ausfälle großer Spieler zu merken sind. Jedem anderen Verein erginge es hier ähnlich. Das große Problem ist, dass das Team allein schon ohne Thiago nicht mehr in der Lage ist, die eigene Philosophie zu verfolgen.

Rudy wurde geholt, weil er den Hauch Kreativität mitbringt, um eine Verletzung des Spaniers möglicherweise zu kompensieren, doch auch der deutsche Nationalspieler hat derzeit große Probleme. Dass Vidal mit dem Ballbesitzspiel des Rekordmeisters nicht zurecht kommt, ist keine Neuigkeit und auch Tolisso tut sich seit Beginn der Saison schwer, wenngleich kleine Fortschritte zu erkennen sind.

Man kann die berechtigte Frage in den Raum stellen, ob der Verein sich im für sein Spiel so wichtigen Mittelfeld genügend Gedanken gemacht hat. Es kann nicht sein, dass ein Ausfall die gesamte Philosophie dermaßen über den Haufen wirft.

Natürlich sind einige Spieler platt. Aber die Leistung in Gladbach war nicht allein der Fitness geschuldet. Sie war ein Fingerzeig darauf, dass die Kaderplanung fehlerhaft war. Es gibt zu viele Spieler in den eigenen Reihen, die für die Spielweise der letzten Jahre ein zu großer Kompromiss sind und deren Stärken oft erst in Spielsituationen zum Vorschein kommen, die der FC Bayern eigentlich vermeiden möchte.

Trotz dieser harten Kritik muss selbstverständlich auch etwas eingelenkt werden. Gladbach hat das Spiel am Samstag sicher glücklich gewonnen und die Bayern sind trotz vieler Kompromisse und trotz ihrer Abhängigkeit von individuellen Geistesblitzen immer noch in der Lage, solche Spiele auf Sparflamme zu gewinnen.

Allein das spricht für die Klasse des Kaders. Die Kritik geht vielmehr in Richtung Strukturierung und Abstimmung. Es gab Zeiten, in denen der FC Bayern Amateure einwechseln oder Spieler auf ungewohnten Positionen einsetzen konnte und es war kaum ein Unterschied zu erkennen. Die Philosophie und die Spielidee waren sichtbar und der Gegner wurde weiter dominiert. Aktuell scheint das nicht mehr möglich zu sein.

Gegnervorschau: Spiegelkabinett Hannover

Am Wochenende erwartet den FC Bayern eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist. Man könnte an dieser Stelle einfach ein “siehe Augsburg” schreiben und es dabei belassen. Doch etwas anders ist es beim Aufsteiger dann doch.

Vielerorts wurde auch den Hannoveranern vor der Saison nicht viel zugetraut, aber sie wussten zu überraschen. Gerade in der Defensive stehen sie für einen Aufsteiger sehr stabil. Rund 14 Abschlüsse lassen sie pro 90 Minuten zu. Platz 12 und nur 2 Schüsse mehr als Stuttgart auf Platz 6. 16 Gegentore sind dazu ebenfalls vollkommen im Rahmen.

Ursächlich dafür ist die Stabilität der Grundformation. Breitenreiter möchte, dass seine Spieler eine gewisse Grundordnung beibehalten und lässt deshalb wenige Freiheiten. Das beraubt Hannover zwar der offensiven Durchschlagskraft, sorgt aber für eine Kernstabilität.

Außerdem erfreuen sich die Hannoveraner an der fehlenden spielerischen Idee in der Bundesliga. Breitenreiter setzt häufig auf eine Spiegeltaktik, in der er seine Grundausrichtung an die des Gegners anpasst, um dann mit Mannorientierungen zu agieren.

So erschreckend das auch ist: Es reicht. Hannover startete mit diesem einfachen Trick furios in die Saison, ließ zuletzt aber ein paar Federn. Die einstudierten Abläufe und der hohe Druck durch Mannorientierungen reichen aus, damit der Großteil der Liga sich keine Räume mehr erspielen kann.

Auch gegen die Münchner ist es sehr wahrscheinlich, dass Breitenreiter auf einige Mannorientierungen zurückgreift. Auf das hohe 4-1-4-1 von Jupp Heynckes wäre ein 5-4-1 als Antwort denkbar. Aus dieser Grundordnung heraus könnten die Außenspieler so verschieben, dass auch mal höheres Anlaufen ermöglicht wird. In der Defensive ist zudem eine gewisse Stabilität gegeben, die in der Allianz Arena nötig ist.

Hannovers Mannorientierungen sind vor allem im Zentrum sehr konsequent. Auf den Flügeln wird es auf die Position des Balls, aber auch auf die Anordnung des FC Bayern ankommen, wie die Breitenreiter-Elf spielt. Aus dem 5-4-1 heraus ist auch höheres Anlaufen auf die Innenverteidiger möglich, wenn die Flügelverteidiger nachschieben.

Der FC Bayern sollte allerdings in der Lage sein, diese Spiegelungen für sich zu nutzen. Und wenn nicht, dann wird schon eine von den 50 Flanken zum Torerfolg führen. Wahrscheinlich von Joshua Kimmich. Für die nahe Zukunft bleibt dann nur zu hoffen, dass Heynckes mit den Verletzungen ab jetzt so viel Glück hat wie 2013. Immerhin sind Ribéry und Müller schon auf einem guten Weg.

Expertentipp

Im Expertentipp tippt ein externer Experte den Spielausgang. Für den richtigen Tipp gibt es drei Punkte und für die richtige Tendenz (Sieg, Unentschieden, Niederlage) einen Punkt. Verglichen wird dies dann mit einem zweiten Expertentipp, der vom Autorenteam von Miasanrot.de kommt. Am Ende der Saison wird sich zeigen, ob die eingeladenen Experten mehr Punkte erreicht haben, als die Redaktion.

Der Expertentipp ist zurück. Mit meinem Tipp zum Spiel in Dortmund lag ich richtig. Unser Gast tippte ein 1:4 und somit steht es nun insgesamt 23:14 für die Redaktion. Diesmal haben wir uns Tobias Riemer von Hannoverliebt (meinsportradio) eingeladen.

Tobias Riemer: Ich erwarte offensive und druckvolle Bayern, die unsere Defensive ordentlich beschäftigen werden. Durch die aktuellen Ausfälle – insbesondere im Angriff – wird es für Hannover 96 schwer für Entlastung zu sorgen und daher erwarte ich, dass eher früher als später das erste Tor für München fällt.

Wenn man die 4:0 Klatsche in Bremen als Maßstab nimmt, sollten wir vermutlich zufrieden sein, wenn es nicht mehr Gegentore gibt als an der Weser. Um irgendwie eine Chance in München zu haben, muss der FC Bayern schon einen sehr schlechten Tag erwischen. Mein Tipp: 5:0

Justin: Es wird ein sehr zähes Spiel. Von den Bayern ist derzeit nicht ernsthaft zu erwarten, dass sie ein Feuerwerk abbrennen und Hannover verteidigt leidenschaftlich sowie clever. Bei den Münchnern kommen immerhin einige Verletzte zurück. Ein Aufwärtstrend ist daher schon zu erwarten. Heimvorteil und klar bessere individuelle Qualität reichen daher zum 2:0 Heimsieg.

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Leserkommentare
  1. cj

    Die Bundesliga frustriert mich inzwischen wirklich: gibt es ausser Bayern – und das auch mit Abstrichen -eigentlich noch Mannschaften, die man wirklich gerne spielen sieht? Es tut mir leid, aber für mich kommen wir langsam an einen spielerisch toten Punkt. Oder sehe ich da zu schwarz?

    1. Marco05

      Nein das ist schon die Realität (zumindest auch für mich). Die meisten Paarungen wecken nicht den Hauch von Interesse. Ausnahmen bilden zum einen brisante Duelle wie letzte Woche BVB-S04 – was allerdings zumindest spielerisch auch kein Leckerbissen war oder halt Spiele bei denen man (ich) hofft, dass direkte Konkurrenten / ungeliebte Mannschaften verlieren.

      Im Gegensatz zur letzten Saison ist auch das Spiel von RB lange nicht mehr so ansehnlich und temporeich. Sei es durch 2-3fach-Belastung, Verletzungen oder weil der Gegner einfach hinten drin steht. Bestes Beispiel was die Bundesliga angeht ist für mich Hertha BSC. Die stehen seit Jahren jetzt relativ vorne mit drin trotz fußballerischer Magerkost, einfach weil sie defensiv solide stehen, eine ordentliche Struktur haben und vorne auch mal treffen wenn es sein muss. Das Ganze ist weit weg von attraktivem Fußball aber in Deutschland (leider) durchaus erfolgreich. Die Quittung erhalten wir quasi jedes Jahr international. RB sicher im Cup der Verlierer, der BVB muss noch zittern, und *räusper* der Tabellenletzte…

    2. Gestrandedinberlin

      Fairerweise muss man aber sagen, dass Bayern Anfang der Saison noch am schlimmsten von den dreien (+RBL, BVB) gespielt hat. Also so mittel und langfristig sind es glaube ich schon diese drei Mannschaften, die gut spielen. Bei mir ist es so, dass mich außer Schadenfreude gegenüber dem HSV (persönliches Ding) keine anderen Spiele interessieren, also ich stimme schon zu. Die Zeiten wo es so Mannschaften wie Mainz und Freiburg gab, die gut gespielt haben und vielleicht ein paar andere Mannschaften zumindest Ambitionen hatten gut zu spielen scheinen irgendwie vorbei. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das nur in der Bundesliga so ist. Real gg Atletico war grausam und viele Spiele der englischen Top Mannschaften sind auch eine Enttäuschung.

      1. Osrig

        “…außer Schadenfreude gegenüber dem HSV”?
        Genau! Hölle, Pech und Verdammnis für die Stellinger! ;-) Oder wenigstens den Abstieg in die Zweite Liga! ^^

    3. Done

      Die Äpfel im Nachbargarten sind immer roter…

      Wer es sich mal gönnt, ein paar Spiele der hochgelobten Premier League in voller Länge zu sehen, wird auch nicht immer Beifall klatschen. Es ist mir ein Rätsel, wie die es schaffen, dieses Produkt “Fußball” als internationale Referenzmarke zu setzen und dementsprechend teuer zu verkaufen.

      Ich denke, speziell wir Bayernfans sind durch drei Jahre teilweise richtig geilen Guardiola-Fußball ein bisserl verwöhnt.

      1. Yilde

        Die haben sich viel früher vermarktet. Außerdem ist über die gesamte Liga gesehen die individuelle Klasse schon deutlich höher, das macht für viele halt den Reiz aus denk ich. Finde es aber schon auch schade zu sehen, wie die PL langsam auch taktisch im modernen Fußball ankommt, während die BL spielerisch immer weniger zu bieten hat.

  2. FR7

    Meine fünf Thesen zum Heimspiel gegen Hannover 96:

    1. Der FC Bayern gewinnt das Spiel.
    2. Hannover erzielt kein Tor.
    3. Lewandowski trifft.
    4. James erzielt mindestens ein Tor oder/und eine Vorlage.
    5. Coman steht in der Startelf.

    Reinfall. Gegen Mönchengladbach traf keine der fünf Thesen zu.
    Meine Trefferquote liegt bei 50%. (Insg. 53 von 95 richtig)

    1. Done

      “Meine Trefferquote liegt bei 50%. (Insg. 53 von 95 richtig)”

      Auch ohne abgeschlossenes Mathematik-Studium kommt mir dieser Prozentsatz merkwürdig vor. ;-)

  3. wipf1953

    Der zweite MSR-Artikel mit ziemlich kritischem Unterton. Nicht ganz zu Unrecht, nach allem was in den letzten Monaten unglücklich gelaufen ist (-> nur der Inbegriff des Bayern-Trainers, Heynckes, kann diesen Augiasstall ausmisten).

    Zum Ungleichgewicht im Kader: Einen Thiago in Normalform wird man frühestens zu den CL-Achtelfinalspielen erwarten können. Nachdem sich Rudy in einem Loch befindet und Kimmich in der Abwehr gebraucht wird, muss man eben anders spielen. Heynckes hat diese Flexibilität.

    Zum Flankenthema: Mit Müller und Lewandowski stellen sich die Dinge hoffentlich anders dar als in Gladbach. Darum mein Spieltipp: Es fällt mindestens ein Bayerntor nach einer Flanke.

    1. Done

      Ich gebe Dir recht, was Müller anbelangt. Mit ihm haben wir endlich wieder die “freie Radikale” im Strafraum, als Anspielstation im Gefahrenbereich und als Überraschungsmoment.

      Beim Thema Flanken muss ich Dir natürlich als inzwischen von Autoren und Kommentatoren dieser Seite auf den rechten Weg der Statistik Geführter widersprechen. Eine Flanke kann demnach gar nicht zum Torerfolg innerhalb von 90 Minuten führen und ist dementsprechend gänzlich aus dem Repertoire zu verbannen. Warum dann im Artikel beispielsweise nach der Einwechslung von Coman eine Verbesserung in der Spielweise erkannt wird, weiß ich dann auch nicht.

  4. Marco05

    Auch mir ist der Artikel für eine Vorschau deutlich zu viel Grundsatzkritik.

    Und zu Gladbach nochmal: selbst unter dem viel gelobten Pep war die Statistik ausgeglichen (2/2/2) , genau wie auch unter Heynckes vorher. Überhaupt ist die Bilanz der letzten Jahre wohl so ausgeglichen wie gegen sonst keinen Gegner. Überhaupt haben wir seit 99 nur 4x in Gladbach gewonnen. Wenn es sowas wie einen Angstgegner gibt…

    #Hannover
    leider nicht mehr in dem Flow wie noch vor 3-4 Wochen aber aufgrund der Konterstärke doch ernst zu nehmen. Für ein Heimspiel erwarte ich jedoch eine klare Angelegenheit, egal was für eine Aufstellung kommt. Diesbezüglich wird Heynckes sicher wenig verändern. Müller wird kommen (für die gesetzte Stelle von Robben) ansonsten gehe ich von fast der gleichen Besetzung aus, wie gegen Gladbach. Es war eine Woche Zeit, alle sollten jetzt wieder die nötige Frische haben.

    1. Gladbach war nur eines von vielen Spielen. Zumal mein Problem nicht die Bilanz gegen Gladbach ist, sondern die Art und Weise. Vergangenheit ist mir da relativ egal. Stehe zu der Kritik am Kader. Den Trainer habe ich nicht angegriffen.

  5. Lennart

    Bayern gewinnt doch eh

  6. Osrig

    Es war klar, dass irgendwann auch mal eine Niederlage kommt, und gegen Gladbach war es unter diesen Umständen im Grunde zu erwarten, gegen die Fohlen haben wir uns immer schon schwer getan. Und das nach der lockeren Art und Ancelotti die Jungs zu schnaufen anfangen, nachdem Jupp die Zügel angezogen hat, ist auch irgendwie nachvollziehbar.
    Die uninspirierte und kraftlose Darstellung gegen Gladbach war meiner Meinung nach auch die Folge der fehlenden Energie, wenn der Saft fehlt, schafft man halt nur noch die Flanken aus dem Halbfeld, für Sprints und Läufe bis zur Grundlinie einschliesslich Dribbling fehlt da schon das eine oder andere Prozent. Und Konzentration sowie Dynamik für schnelle Pass-Stafetten fehlt dann gänzlich!
    Ich bin sicher, Jupp wird im Training entsprechend gegen gesteuert haben und auch weiterhin gegensteuern.

    Ich teile allerdings die Sorge bezüglich Ausrichtung und Struktur der Mannschaft!
    Wenn sich die anderen 17 Mannschaften der BL dafür entscheiden, sie zu “Schnellen-Umschaltern” zu entwickeln, dann sollen sie es tun. Ich halte dieses System mit Blick auf die europäische und auch die nationale Spitze für unterlegen im Vergleich zum Dominanzsystem, und bin überzeugt, dass sich unser Dominanzsystem noch weiter entwickeln läßt, gerade auch im Aspekt “Konterabsicherung”.

    Allerdings befürchte ich, dass das Zögern in der Trainerfrage auch mit der Frage nach dem geeigneten System der nächsten Jahre/Jahrzehnte zu tun hat, da vielleicht Zweifel aufkommen, ob das Dominanzsystem angesichts der finanziellen Dominanz der Scheich- und Oligarchenclubs noch das geeignete System ist, oder ob man nicht auf die mit quasi Milliarden vollgepumpten CL-Konkurrenten mit Umstellung auf “Umschaltfussball” reagiert.
    Ich meine, dass das Dominanzsystem nicht davon abhängt, hundert-millionen-teure Weltklassespieler in den eigenen Reihen zu haben, vielmehr Spielintelligenz, Mannschaftsleistung und besonders gute Ballbehandlung die Grundlage dafür sind – was auch Spieler mitbringen können, die keine exorbitanten Ablösesummen kosten. Wir müssen aber gezielt diese Spieler holen, sie aufbauen, sie entwickeln.

    Gegen Hannover wird es daher erneut auch ein Spiel der Systeme, denn 96 hat sicherlich noch viel Anlagen aus der Slomka-Zeit, in der der Versuch, schnell zum Abschluss zu kommen ja geradezu zum absoluten Credo geworden war. Auch jetzt werden die Leinestädter sicherlich wenig Interesse an Ballbesitz und Ballzirkulation haben. Ich gehe aber davon aus, dass unsere Jungs diesmal konzentrierter und beweglicher mit mehr Einfallsreichtum nach vorn vorgehen, und daher ein Sieg geschafft werden wird. Vielleicht sogar mit ein wenig Glanzlicht, obwohl das Spiel gegen PSG am Dienstag sicher schon im Hinterkopf herumspukt und ich daher keine Gala erwarte. Sollte Hannover sogar solch einen schnellen Gegenstoß erfolgreich zu Ende bringen, dann könnte sogar Unruhe aufkommen und es einmal mehr eine zähe Angelegenheit werden. Aber ich denke, die Jungs wissen, worauf es ankommt, und werden letztlich nichts anbrennen lassen.

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